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« Reply #15 on: July 25, 2006, 10:41:13 AM » |
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[...] Hass ist die Bezeichnung für die stärkste Abneigung, die ein Mensch für einen anderen empfinden kann - ein Gefühl absoluter und tiefer Antipathie. Ausgehend von der biologisch angeborenen Fähigkeit zu intensiven negativen Gefühlen gegenüber einem anderen Menschen wurde der Begriff schon immer auch im übertragenen Sinne verwendet und steht dann allgemein für die stärkste Form der Abwendung von anderen Lebewesen oder Dingen. Dem Gefühl Hass geht im Gegensatz zur Liebe nicht unbedingt geistige Freiheit voraus, denn er kann auch unter Zwang entstehen.
* Er wird oft mit folgenden Worten in Verbindung gebracht: leidenschaftlich, glühend, aber auch kalt, bitter usw. * Hass hat mit Gefühlen (Emotionen) zu tun, kann aber auch vom Verstand geprägt sein (man kann Hass gegen jemanden oder etwas hegen) * Hass wird häufig als Gegenteil zur Liebe gesehen (siehe Ataraxie), und in seiner möglichen Stärke und Unbeirrbarkeit, mit ihr durchaus vergleichbar, * kann aber auch nahe bei dieser liegen (siehe Hassliebe), * und hat als emotionales Gegenteil eher die Unbewegtheit des Gemüts: Ataraxie.
Umgangssprachlich beziehungsweise polemisch sind zahlreiche Formen des Hasses anzutreffen:
* Misogynie (Frauenhass), Männerhass, Misanthropie (Menschenhass) * Mutterhass, Vaterhass (vgl. Vaterliebe), Bruderhass * ferner Nationalhass, Religionshass, Standeshass, Rassenhass, Klassenhass, Völkerhass.
Bemerkenswert ist, dass Hass auch versteckt oder ungewollt auftreten kann. So erfolgen unwillkürliche Reaktionen beim Sehen von gehassten oder sehr ungeliebten Objekten, wie die Verengung der Iris (Auge), die sich objektiv messen lassen; Untersuchungen zeigten dabei, dass auch Personen, die abstritten, solche negativen Gefühle zu empfinden, körperlich stark reagierten.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Hass (24.07.2006) [...] Die Identifikation mit dem Aggressor bezeichnet ein psychologisches Phänomen, bei dem sich eine Person, die von jemand Anderem, dem Aggressor, unterdrückt wird, mit dem selbigen identifiziert, das heißt, sie introjiziert, übernimmt also, Persönlichkeitseigenschaften des Aggressors. Dieser Prozess findet sehr oft in der Kindheit bei einer sehr autoritären und repressiven Erziehungsstruktur statt.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Identifikation_mit_dem_Aggressor (24.07.2006) -.- [...] Unter dem Stockholm-Syndrom versteht die Wissenschaft ein psychologisches Phänomen, bei dem Opfer von Geiselnahmen ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen. Dies kann dazu führen, dass Opfer mit den Tätern Mitleid fühlen. Es kann sogar darin münden, dass Täter und Opfer sich ineinander verlieben oder kooperieren.
Fälschlicherweise wird das Stockholm-Syndrom manchmal auch als Helsinki-Syndrom bezeichnet.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Stockholm-Syndrom (27.07.2006)
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« Reply #16 on: July 25, 2006, 10:47:34 AM » |
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[...] Projektion bezeichnet allgemein das Abbilden bzw. Verlagern von Empfindungen, Gefühlen, Wünschen, Interessen (inneren Vorgängen) in die Außenwelt.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Projektion_%28Psychologie%29 (24.07.2006) -.- [...] Der Begriff der projektiven Identifikation (oder auch projektiven Identifizierung) stammt von Melanie Klein. Es handelt sich hierbei um einen Abwehrmechanismus, bei dem Teile des Selbst abgespalten und in eine andere Person projiziert werden, die dann unbewußt so empfunden wird, als sei sie zu einem Teil des Selbst geworden.
Der Begriff wurde von Otto Kernberg im Zusammenhang mit seinen Arbeiten zur Borderline-Persönlichkeitsstörung weiterentwickelt. Borderlinepatienten neigen besonders dazu, den Therapeuten in ihre psychische Konfliktkonstellation mit einzubeziehen. Aus diesem Grund erzeugen Borderlinepatienten beim Therapeuten häufig heftigere Gegenübertragungsgefühle als Patienten mit anderen psychischen Störungen.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Projektive_Identifikation (24.07.2006)
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« Reply #17 on: July 26, 2006, 11:21:07 AM » |
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[...] Eine Art 'Meta-Rahmenbedingung' eines jeden politischen Konflikts bildet das staatliche Gewaltmonopol.
Aus: "Protest policing und das Problem der Gewalt" Von Martin Winter; Der Hallesche Graureiher 98-5; Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; Institut für Soziologie; 1998; pdf; 34 Seiten Quelle: http://www.soziologie.uni-halle.de/publikationen/pdf/9805.pdf
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« Reply #18 on: August 09, 2006, 08:43:09 PM » |
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[...] Weltweit sind etwa 25 Millionen Menschen innerhalb ihres Landes auf der Flucht vor Krieg und brutaler Verfolgung. Zählt man die schlecht oder nicht versorgten Opfer von Naturkatastrophen und diejenigen hinzu, die rücksichtslos durchgeführten Industrialisierungsmaßnahmen weichen müssen, reichen die Schätzungen bis zu 80 Millionen Betroffenen.
Aus: "Das internationale Schweigekartell" (fr-aktuell.de; 09. August 2006) Quelle: http://www.fr-aktuell.de/in_und_ausland/dokumentation/?em_cnt=944065
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« Reply #19 on: August 14, 2006, 11:36:55 PM » |
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[...] Die Erinyen oder Erinnyen – auch als Eumeniden, Furien (röm. Bezeichnung) oder Maniai, „die Rasenden“ bezeichnet – sind in der griechischen Mythologie eine Gruppe von Rachegöttinnen. Alekto, „die Unaufhörliche“ (bei ihrer Jagd), Megaira (daher deutsch „Megäre“), „der neidische Zorn“ und Tisiphone (auch: Teisiphone), „die Vergeltung“ oder „die den Mord Rächende“. Letztere wird auf griechischen Amphoren häufig mit Hundekopf und Fledermausschwingen dargestellt. Der Beiname Eumeniden, die Wohlmeinenden, sollte sie beschwichtigen.
Nach Hesiod wurden die Erinyen von Gaia geboren, nachdem diese die Blutstropfen des von Kronos entmannten Uranos aufgenommen hatte. Damit sind sie Geschwister der Giganten und melischen Eschennymphen.
Nach anderen Erzählungen waren sie Töchter der Nacht (Nyx) oder aber auch Töchter der Gaia und des Skotos, der „Dunkelheit“. Den Orphikern galten Hades und Persephone als Eltern der Erinyen.
* Bei Homer und in der späteren griechischen Mythologie stellten die Erinyen Rachegöttinnen bzw. Schutzgöttinnen der sittlichen Ordnung dar. Zu furchtbaren Werkzeugen der Rache wurden sie insbesondere, wenn es zu Mord (v. a. an Blutsverwandten), zu Verbrechen an Eltern oder älteren Menschen, zu Meineid, aber auch, wenn es zu Verletzungen der geheiligten Bräuche gekommen war. So verfolgten sie Orestes nach seinem Muttermord und trieben ihn in die Raserei. Die Ansprüche der Mütter wurden unter allen Umständen und zuerst von ihnen verteidigt, aber auch die der Väter und der älteren Brüder, so dass es Orestes nicht half, Klytaimnestra auf Befehl des Gottes Apollon umgebracht zu haben – hätte er es nicht getan, hätte Apollon trotz allem die Erinyen auf Orestes gehetzt. Apollon unterstützt all die Charaktere, die durch ihre Mutter leiden mussten (nicht nur Orestes, ein weiteres Beispiel ist König Ödipus). Erst durch Pallas Athene und die Unterstützung Apollons wurde Orestes auf dem Athener Gericht freigesprochen, ohne dass das der allgemeinen Verehrung der Erinyen Abbruch getan hätte. Seither verehrte man die Erinnyen in Athen – jedoch nicht unter ihrem alten Namen, sondern als die Eumeniden („Wohlgesinnten“).
Bruchstueck aus: "Erinyen" Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Erinnyen (08/2006)
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« Reply #20 on: August 15, 2006, 11:31:55 AM » |
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[...] Wie die Polizei am Abend mitteilte, stach der 1965 geborene Mann zunächst seine Ex-Frau und danach deren Mutter nieder, als sie vor einem Drogeriemarkt in ihr Auto steigen wollten. Die beiden Frauen wurden tödlich verletzt. Auf der Straße bildete sich eine riesige Blutlache.
Der Mann wartete mit der Waffe auf seine Festnahme. Dabei leistete er keinen Widerstand. Das genaue Tatmotiv blieb zunächst unklar.
Aus: "Familiendrama : Mann tötet Ex-Frau und deren Mutter - Vor den Augen seiner Kinder hat in Laatzen bei Hannover ein Mann seine Ex-Frau und seine ehemalige Schwiegermutter getötet" (ZEIT online, Tagesspiegel | 14.08.2006 22:51) Quelle: http://www.zeit.de/news/artikel/2006/08/14/70805.xml
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« Reply #21 on: August 16, 2006, 05:05:07 PM » |
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[...] Hilfsorganisation meldet 55.000 Tote und Vermisste
[...] Nach Angaben einer südkoreanischen Hilfsorganisation kamen in Folge schwerer Überschwemmungen in Nordkorea Zehntausende Menschen ums Leben oder wurden als vermisst gemeldet.
[...] Darüber hinaus seien rund 2,5 Millionen Menschen obdachlos geworden, teilte die Hilfsorganisation "Good Friends" heute in Seoul mit. Die Zahl stütze sich auf zahlreiche nordkoreanische Quellen.
Die Organisation sprach von den schwersten Überflutungen in der Geschichte Nordkoreas. Demnach sollen mehr als 230 Brücken sowie große Flächen Agrarland von den Fluten weggespült worden seien. In der Vergangenheit lieferte "Good Friends" stets verlässliche Informationen über Ereignisse in dem abgeschotteten Nachbarstaat.
Das kommunistische Regime bestätige die Angaben bislang nicht. In dem Land herrscht eine umfassende Zensur. Offiziellen Angaben zufolge sollen die Fluten im Juli Hunderten Menschen das Leben gekostet haben.
Aus:"NORDKOREA - Hilfsorganisation meldet 55.000 Tote und Vermisste" '(16. August 2006) Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,432047,00.html
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« Reply #22 on: September 21, 2006, 12:31:08 PM » |
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[...] Enzensberger denkt jugendliche Amokläufer, leninistische Terroristen, islamistische Gotteskrieger, ja sogar die nationalsozialistische Götterdämmerung zusammen, ein ebenso waghalsiges wie sinnfälliges Gedankenexperiment. Nicht die historischen Unterschiede - sie liegen ohnehin auf der Hand - interessieren ihn, sondern die Gemeinsamkeiten einer Anti-Politik der Selbstvernichtung.
Diese anthropologische Dimension exzessiver Gewalt pflegen wohlmeinende Zeitgenossen meist zu übersehen. Immerzu suchen sie nach sozialen Ungerechtigkeiten, biographischen Irrwegen oder religiösen Dunkelmännern. Aber kein soziales Entwicklungsprogramm wird den Sprengsatz entschärfen. Die Zündschnur der Ideologie ist austauschbar, Herkunft und Organisationsformen wechseln, aber stets ist es dasselbe Syndrom:
"… die gleiche Verzweiflung über das eigene Versagen, die gleiche Suche nach Sündenböcken, der gleiche Realitätsverlust, das gleiche Rachebedürfnis, der gleiche Männlichkeitswahn, das gleiche kompensatorische Überlegenheitsgefühl, die Fusion von Zerstörung und Selbstzerstörung und der zwanghafte Wunsch, durch die Eskalation des Schreckens Herr über das Leben der anderen und über den eigenen Tod zu werden."
Der radikale Verlierer bricht mit dem Prinzip der Selbsterhaltung. Vom normalen Verlierer, der sich hierzulande als Prügler und Totschläger zu betätigen pflegt, unterscheidet er sich durch den Mut zur Selbstzerstörung. Er will nicht nur andere zugrunde richten, zuletzt will er sich selbst richten. Daher ist er durch keine Drohung abzuschrecken und durch keine Strafe zu bessern.
"Der radikale Verlierer kennt keine Konfliktlösung, keinen Kompromiß, der ihn in ein normales Interessengeflecht verwickeln und seine destruktive Energie entschärfen könnte. Je aussichtloser sein Projekt, desto fanatischer hält er an ihm fest."
Aus: "Er will es der Welt heimzahlen - Hans Magnus Enzensberger: "Schreckens Männer"" Vorgestellt von Wolfgang Sofsky" (Über: Hans Magnus Enzensberger: Schreckens Männer. Versuch über den radikalen Verlierer - Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006) Quelle: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/buchtipp/497019/-.- [...] In Montreal suchte Kimveer Gill mit seinem Auftritt im College ganz offenbar in den Tod. Er wollte sich in eine auswegslose Lage bringen, um erschossen zu werden oder schließlich sich selbst töten zu können. Gekleidet in einen schwarzen Mantel und ausgestattet mit drei Schusswaffen, hatte er schon vor dem College zu schießen begonnen und war schließlich in die Cafeteria eingedrungen, um dort wild um sich zu schießen. Eine junge Frau starb, 20 Studenten wurden teils schwer verletzt. Gill wurde angeblich durch das schnelle Auftauchen der Polizei gestört. Er wollte die Studenten, die auf dem Boden Deckung suchten, aufscheuchen, so dass sie um ihr Leben rennen sollten, während er ihren "Todesengel" spielen wollte. Nachdem Gill im Arm getroffen wurde, erschoss er sich selbst.
Aus: ""I hate so much" Von Florian Rötzer (TP; 20.09.2006) Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23582/1.html-.- LINK :: [Blindwütig angreifen und töten... (Amok Notizen)] http://www.subfrequenz.net/forum/index.php/topic,230.0.html
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« Reply #23 on: September 26, 2006, 08:01:08 AM » |
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[...] Im vergangenen Jahr fielen rund 55.000 Brasilianer einem Tötungsdelikt zum Opfer - aktuellen Schätzungen zufolge starben damit in Brasilien einige Tausend Zivilisten mehr als in dem seit drei Jahren andauernden Irak-Krieg. Das lateinamerikanische Land mit rund 185 Millionen Einwohnern hat seit Jahren eine extrem hohe Mordrate und zerfällt stark in eine reiche und eine arme Bevölkerungsschicht. Millionen Menschen leben in städtischen Slum-Gebieten, in denen die Polizei wenig Einfluss hat und Waffen verbreitet sind. Durch Initiativen zur Reduzierung der Gewalt konnte die Mordrate im vergangenen Jahr einem Vertreter des Justizministeriums zufolge leicht gesenkt werden. In Städten wie Rio de Janeiro gaben Bürger freiwillig Tausende Waffen ab. Eine Volksabstimmung zur Durchsetzung eines Waffenverbots scheiterte jedoch im vergangenen Jahr. Als einer der Gründe dafür wurde das fehlende Vertrauen in die Polizei genannt.
Aus: "Mordrate in Brasilien: Mehr Tote Zivilisten als im Irak" (26. September 2006) Quelle: http://www.n-tv.de/714166.html
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« Reply #24 on: September 30, 2006, 02:33:32 PM » |
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[...] Wien (APA) - Erschütternde Zahlen liefert eine Studie der UNICEF: Mindestens 275 Millionen Kinder weltweit sind von Gewalt in der Familie betroffen. "Es ist gegenwärtig eine der meist verbreiteten Menschenrechtsverletzungen." , dem sich nur wenige Länder stellen, hieß es in dem Bericht.
Aus: "275 Mio. Kinder weltweit Opfer häuslicher Gewalt" (30. September 2006) Quelle: http://www.nachrichten.at/apanews/apac/481057?PHPSESSID=34e24dc9007b7a77a4d18fa6005a9190
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« Reply #25 on: October 10, 2006, 12:43:06 PM » |
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[...] Der Gedanke ist so simpel wie wohlfeil: Brutale Computerspiele funktionieren als Drehbücher, die von labilen Jugendlichen nur noch in die Tat umgesetzt werden müssen. Diese volkstümliche Variante der Medienkritik hat im Moment wieder Konjunktur. Es wird nach schärferer Zensur und Verboten gerufen, und nicht nur die Ballerspiele soll es treffen, sondern auch Filme und Bücher. Die Jugend soll geschützt werden vor bösen Bildern und Worten, auf dass sie nicht auf böse Gedanken komme.
Die zu wandelnden Zeitbomben gestempelten Spieler gingen in die Defensive: Ihr Zeitvertreib, sagten sie, habe ja mit Gewalt nichts zu tun. Es gehe ihnen um sportlichen Wettkampf und Geselligkeit, die brutalen Szenerien und spritzenden Eingeweide seien quasi nur die Einkleidung des Spielgedankens.
Was natürlich barer Unsinn ist. Würde in den Spielen auf abstrakte geometrische Figuren geschossen, so verlören sie einen großen Teil ihres Reizes. Es mag sein, dass das Töten nicht die primäre Motivation für die meisten Spieler ist - doch so abgestumpft ist niemand, dass für ihn der Schuss auf eine menschliche Figur nicht von ganz anderen Emotionen begleitet wäre als der auf ein skurriles Trickfilm-Monster oder eine bunte Kugel.
Aber das ist beim rechtschaffenen Bürger, der am Sonntagabend seinen Tatort anschaut, nicht anders. Auch der Krimi hätte weniger Spannung, ginge es nur um Urkundenfälschung statt um Mord. Und kaum jemand würde behaupten, die Gewalt im TV verhöhne die Opfer von Gewaltverbrechen [...] Tod und Sex kitzeln die Fantasie
[...] In diesen Tagen muss man es offenbar wieder deutlich sagen: Es besteht ein Unterschied zwischen einer Gewaltfantasie und Gewalt, zwischen einer vorgestellten, medial ausgeschmückten Tat und der Tat selbst. In den USA fällte vor ein paar Wochen der Oberste Gerichtshof ein wichtiges Urteil: Er kassierte ein Gesetz, das "virtuelle Kinderpornografie" der realen gleichstellte. Er untersagte also, Filme, die etwa durch Computermanipulation zustande gekommen sind, genauso zu behandeln wie Filme, für deren Herstellung Kinder real missbraucht wurden. Der "virtuelle" Film mag geschmacklos sein und an niedere Instinkte appellieren - aber er gehört in eine andere Kategorie. Wer reale Kinderpornografie produziert oder vertreibt, der soll mit aller Härte des Gesetzes verfolgt werden. Wer fiktive Fantasien über Sex mit Kindern verbreitet, den mögen wir wie Nabokov in den literarischen Himmel heben oder zutiefst verachten.
[...] Ich habe einen zehnjährigen Sohn, der in den nächsten Jahren (mit oder ohne mein Wissen) Dinge sehen und hören wird, die mir in der behüteten Jugend der sechziger Jahre nicht zugänglich waren. Während wir heimlich in den Unterwäscheseiten des Quellekatalogs blättern mussten, um die vage Ahnung von der Anatomie des anderen Geschlechts zu präzisieren, haben die heute Heranwachsenden via Internet Zugang zu Millionen Bildern, die diese Anatomie in allen Details zeigen, einschließlich der Penetration diverser Körperöffnungen auf jede erdenkliche Weise. Das macht mir Sorgen, und gleichzeitig weiß ich, dass ich es kaum verhindern kann. Und dass auch Jugendschutzparagrafen und Filtersoftware dagegen wenig ausrichten werden.
Die Idee, Jugendliche vor dem schädlichen Einfluss von Medien zu schützen, muss und darf man deswegen nicht aufgeben. Aufgeben muss man aber wohl die Idee, dass Verbote und Zensur die Mittel dazu sind. Das ging nur in einer Zeit, in der die Herausgabe von Massenmedien auf wenige beschränkt und damit ein Verbot der Quellen einfach war. Wie schützt man also Heranwachsende vor dem negativen Einfluss von Bildern und Schriften? Es gibt darauf keine befriedigende Antwort. Die beste ist immer noch ein Stichwort, das zwar sehr nach den gern geprügelten 68ern klingt, aber aktueller ist denn je: "Medienkompetenz". Wenn ich meinem Kind die Medien nicht vollständig vorenthalten kann oder will, muss ich es in die Lage versetzen, mit ihnen umzugehen, ohne Schaden zu nehmen. Das bedeutet: die Kinder begleiten, mit ihnen über ihre Medienerfahrungen reden, mit ihnen die Fähigkeit üben, Wahrheit von Lüge und Schund von Kunst zu trennen. Und sie irgendwann loslassen, weil sie mit den neuen Medien souveräner umgehen als die Generation ihrer Eltern.
Aus: "Die Gedanken sind frei" - Verbote und Zensur taugen nicht für die neuen Medien Von Christoph Drösser (zeit.de; 2002) Quelle: http://www.zeit.de/archiv/2002/22/200222_t-gewaltspiele_-.xml?page=1
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« Reply #26 on: October 10, 2006, 01:26:17 PM » |
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[...] von dem psychologischen begriff der aggression, der nur insofern etwas mit gewalt zu tun hat, als es auch eine bösartige variante der aggression gibt, muss man noch den politisch verstandenen begriff unterscheiden, der dann schon eher mit angriff und kriegerischerischer gewalt zu tun hat. es gibt auch noch den begriff aggression für spiele. aber auch jemand, der im schach eine aggressive variante spielt, will doch nicht seinem gegenüber psychisch oder physisch schaden, jedenfalls nicht zwingend ;-) -- schwarze feder 22:25, 6. Okt 2006 (CEST)
-.- [...] Aggression ist leider alles andere als wissenschaftlich gut erforscht, schon bei der Definition dessen, was unter Aggression zu fassen ist, gehen die Meinungen weit auseinander.
Aus: "Diskussion:Aggression" Von Gerbil 09:28, 26. Mai 2006 (CEST) Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Aggression
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« Reply #27 on: October 10, 2006, 01:44:33 PM » |
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[...] Der Terminus ‹Gewalt› ist unbestimmt. Gewalt ist immer irgendwie grausam und böse, im Kriegsfall etwa für Täter und Opfer gleichermaßen traumatisierend. Gewalt hat stets einen Machtaspekt, selbst wenn sie vollkommen intentionslos daherzukommen scheint. Gewalt besteht in der Beschneidung der Freiheit und der Möglichkeiten eines Anderen, ist insofern gewissermaßen kommunikativ. Gewalt kann auch Spaß machen. Das Ausüben von Gewalt ist eher, das Erdulden nur unter Umständen mit Lust verbunden. In Kunstfragen bleiben die Grenzen zu Begriffen wie Grausamkeit, Brutalität, Sadismus, Unterdrückung, Fremdbestimmung – aber auch zu Archaik, Anarchie, vorvernünftigen und antizivilisatorischen Impulsen, Animalität –, die nicht zwingend mit Gewalt in eins fallen, fließend. Gleiches gilt für ‹Natur›, wiewohl in einigen ästhetischen Theorien Kreativität gleich einer Naturgewalt erscheint, die machtvoll vom Künstler Besitz ergreift.
[...] Ich möchte drei Weisen unterscheiden, wie Gemälde Gewalt vermitteln. Zum ersten als Darstellung von Gewalt: Bilder zeigen eine gewalttätige Handlung. Zum zweiten kann die Wirkung des Bildes gewaltig oder gewalttätig sein. Die Klassische Moderne etwa kultiviert diesen Aspekt in der Qualität des ‹Schocks›. Das Bild wird selbst zur einer Quelle der Gewalt. Zum dritten schließlich kann das Bild Spuren von Gewalt tragen. Seine Entstehung setzt tatsächlich oder vermeintlich einen Gewaltakt voraus, es scheint durch und aus Gewalt entstanden.
[...] Das Zeigen von Gewalt wurde mit einer läuternden, kathartischen und damit erzieherischen Wirkung legitimiert. Gerade das Christentum kultiviert die Gewaltdarstellung als Mahnung, als Andacht, als Erlösungsvision: Die Märtyrer, die mater dolorosa, der Schmerzensmann oder der Gekreuzigte stehen ein für das agnus dei qui tollit peccata mundi. Insbesondere über die lustvolle Dimension von Gewalt können solche Bilder eine grausam empfundene Realität kanalisieren, zivilisieren im Sinne der Installierung eines Gewaltmonopols. Das Bild der Gewalt ersetzt Gewalt.
[...] Die entsetzlichen Erlebnisse des Ersten Weltkriegs wurden als Überbietung aller tradierter Gewaltikonographie empfunden, was sich auch auf die Wahrnehmung der gesellschaftlichen Realität der Weimarer Republik auswirkte. Hier wird die Darstellung von Gewaltakten als Mittel der Anklage, als machtvolles Instrument des Wachrüttelns, der Wahrheitssuche, letztlich von Erkenntnis überhaupt verstanden. Das Gewaltthema eignet sich offensichtlich gut als Werkzeug der Macht, denn es wohnt ihm eine eigenwillige Kraft inne. Diese Bilder erzeugen gleichzeitig Schaulust und Abscheu, sie stören den Gleichmut und fordern zur Stellungnahme heraus. In der Irritation gewohnter Differenzierung dient die Darstellung der Gewalt immer auch der Propaganda, der Neusortierung von Werten.
Aus: "Das Bild als Spediteur der Gewalt - Anmerkungen zum Medium Malerei" Von Friedrich Weltzien (kunsttexte; 03/2001; 11 Seiten) Quelle: http://www.kunsttexte.de/download/kume/weltzien.PDF#search=%22Destruktiv%20Gewalt%22
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« Reply #28 on: November 02, 2006, 11:48:12 AM » |
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[...] US-Forscher haben untersucht, wie es auf Menschen wirkt, viel Pornografie und Gewalt über das Internet zu sehen zu bekommen. US-Professor Todd Kendall hat die Verbrechensraten der 50 US-Bundesstaaten beobachtet, einmal bevor und einmal nachdem die Bürger Internetzugang erhielten. Das berichtet die Newssite "Slate".
Ergebnis: Je mehr Internetzugang, desto weniger Vergewaltigungen. Wo die Zahl der Internetnutzer um zehn Prozent anstieg, sank die Vergewaltigungsrate um 7,3 Prozent. Allerdings lässt sich durch Kendalls Beobachtung zwar ein Zusammenhang zwischen Internet-Zugang und dem Rückgang an Vergewaltigungen herstellen, unklar ist jedoch, was sich Internetnutzer im Web ansahen. Nicht zwangsläufig muss das Pornografie gewesen sein.
Wie Kendall der Newssite "Slate" sagte, erleichtert aber der Internetzugang den Zugriff auf Pornografie enorm. Und das werde besonders in der Altersgruppe der 15- 19-Jährigen genutzt: Dort sei die Zahl der User extrem hoch, die ausschließlich online seien, um sich Pornografie anzusehen, weil sich das sehr viel leichter vor den Eltern verbergen lasse, so Kendall.
[...] Ähnliche Zusammenhänge sehen Experten zwischen Kinofilmen und Gewaltverbrechen. Laut den Professoren Gordon Dahl und Stefano Della Vigna von der Universität von Kalfornien geschehen weniger Gewaltverbrechen an den Tagen, an denen besonders brutale Filme anlaufen.
Also sei davon auszugehen, dass potenzielle Gewaltverbrecher, die einen gewalttätigen Film ansehen, dadurch kein Bedürfnis mehr hätten, selbst brutal zu handeln, so das Fazit der Wissenschaftler. Die Reduzierung der Verbrechen um zwei Prozent pro eine Million Zuschauer bezieht sich auf die Zeit zwischen sechs Uhr abends und Mitternacht - der Zeitraum, in dem Kinos hauptsächlich besucht werden. Sogar noch darüber hinaus bleibt die Verbrechensrate vergleichsweise niedrig. Laut Dahl und Della Vigna liegt das daran, dass im Kino kein Alkohol erlaubt ist und die Zuschauer mit Gewaltpotenzial in der Zeit ausnüchtern. Morgens um sechs ist die Rate dann wieder auf dem normalen Stand.
Aus: "Internet senkt Vergewaltigungsrate in den USA" (N24.de, nz; 01. November 2006) Quelle: http://www.n24.de/wissen_technik/multimedia/article.php?articleId=79996&teaserId=80307
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« Last Edit: November 02, 2006, 12:18:27 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #29 on: November 28, 2006, 11:21:53 AM » |
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[...] Jede vierte Europäerin wird mindestens ein Mal in ihrem Leben Opfer von Gewalttaten. Zehn Prozent sind sexuellen Übergriffen ausgesetzt und im familiären Umfeld leiden zwischen zwölf und 15 Prozent aller Frauen über 16 Jahren unter Angriffen von Ehemännern oder Vätern. Berücksichtigt man auch psychische Gewalt, sind sogar bis zu 45 Prozent betroffen. Dies gab der Europarat am Montag bekannt.
Die Zahlen wurden bei der Vorstellung der neuen, europaweiten Kampagne gegen häusliche Gewalt auf einer internationalen Konferenz in Madrid präsentiert.
Aus: "Jede vierte Europäerin Opfer von Gewalttaten" (SN/APA.; 27. November 2006) Quelle: http://www.salzburg.com/sn/nachrichten/artikel/2719080.html-.- [...] Mühlhausen - Nach Eifersuchtsszenen sei es zum Streit gekommen, berichtete der Angeklagte zum Auftakt des Verfahrens. "Ich wollte, dass sie ruhig ist", sagte der wegen Mordes und Totschlags angeklagte Mann zum gewaltsamen Tod der 28-Jährigen. Das Kind habe sterben müssen, weil es Augenzeuge des Verbrechens war. Die Leichen wurden Tage später im Schlafzimmer der Wohnung entdeckt.
Auf einer Geburtstagsfeier bei einer Nachbarin habe es Streit gegeben, der sich in der eigenen Wohnung fortsetzte, berichtete der 20-Jährige. Um ihn zu beenden, habe er die auf dem Sofa liegende Frau kitzeln wollen. "Dafür gab es Schläge unters Kinn und Tritte in die Weichteile", schilderte der Angeklagte die Sekunden vor seinem Gewaltausbrauch. Dass er die Frau mit der rechten Hand würgte, "muss wohl im Affekt passiert sein". Als der fünfjährige Lukas seine Mutter leblos am Boden liegen sah, brüllte er: "Du hast Mama umgebracht".
"Weil ich wollte, dass der Junge endlich ruhig ist, muss ich wohl zugepackt haben." Danach brachte er die Leichen ins Schlafzimmer und entfernte die Klinke, damit die zweijährige Tochter der getöteten Frau nichts mitbekam. Die folgenden Tage verbrachte er in der Wohnung der Nachbarin. "Ich schlief mit ihr, war total fertig", sagte der Angeklagte. In dem Verfahren wird auch über die Zurechnungsfähigkeit des Mannes entschieden. Der Prozess wird nächsten Montag fortgesetzt. (tso/dpa)
Aus: "Mordprozess: 'Du hast Mama umgebracht' " (ZEIT online, Tagesspiegel | 11.12.2006 16:54) Quelle: http://www.zeit.de/news/artikel/2006/12/11/84181.xml
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