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« on: September 12, 2006, 09:10:31 AM » |
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[…] Ein ungeklärter Alarm im Kraftwerk Krümmel im September 1986. Die Verdichtung der Krankheitsfälle rund vier Jahre später, die genau der Latenzzeit der Leukämie entspreche. Der Nachweis von angereichertem Uran, Plutonium und Americium im Staub einiger Dächer und im Boden.
Mikrokügelchen, die auf kerntechnische Brennstoffversuche verwiesen und von denen eine Forschergruppe namens Arge PhAM (Arbeitsgemeinschaft Physikalische Analytik und Messtechnik) bei Stichproben im Boden und in alten Reetdächern umso mehr gefunden habe, je näher sie einem Punkt in der Nähe des Atomkraftwerks und der Forschungsanlage gekommen sei. Ungefähr dort ein gerodetes, jetzt umzäuntes Grundstück mit Brandspuren. In diesen Krimi passe auch die Tatsache, dass der »wissenschaftliche Vater« des Forschungszentrums GKSS, Erich Bagge, während des Zweiten Weltkriegs am Bau einer Atombombe für Hitler beteiligt gewesen sei und jene Mikrokügelchen »höchstwahrscheinlich aus der auch militärisch nutzbaren Hybridtechnik aus Kernfusion und Kernspaltung« stammten. Ein gegensätzliches Bild zeichnet der Münchner Forscher Heinz-Erich Wichmann. Für ihn mündet die jahrelang ergebnislos gebliebene Forschung heute in der »Zufallshypothese«. Wer angesichts des frustrierenden Zustands, dass man die Leukämiefälle auf keine eindeutige Ursache zurückführen kann, überhaupt eine Erklärung anbiete, »noch dazu eine derart spannende«, der befriedige, so Wichmann, nur die »Sehnsucht der Menschen nach Ursache-Wirkungs-Beziehungen«…
Bruchstück aus: “Die Spaltung” (Von Christiane Grefe, zeit.de; 2004) Quelle: http://www.zeit.de/2004/49/Geesthacht_49[…] Arbeitete man in der GKSS an der Mini-Atombombe? Das ist ein Verdacht, der im übrigen nicht nur von uns geäußert wurde aufgrund dieses ambivalenten Spielmaterials. Es gab zum Beispiel im Bereich des Ministeriums der Staatssicherheit eine Gruppe, die ein Gutachten geschrieben hat, über die Norddeutsche Kernphysik und die Stasi artikuliert ausdrücklich den Verdacht, dass in Norddeutschland möglicherweise an Atomwaffen gespielt wird.
Im Bericht geht es um “Fusion-Fission-Kügelchen”, einer “militärisch nutzbaren Hybridtechnik aus Kernfusion und Kernspaltung zum Einsatz in kleinen Atomwaffen”. Diese PAC sollen in Krümmel überall im Boden liegen. Allerdings haben sie eine hervorstechende Eigenschaft: Die eine Seite findet sie in jeder Schaufel. Die andere nie. Sebastian Pflugbeil:
Stellen Sie sich vor, Sie haben zwei Kinder und schicken die Kinder in den Wald zum Pilze suchen. Und das Mädel kommt mit einem Korb voller Pilze zurück, und der Junge kommt mit einem leeren Korb zurück. Das Mädchen sagt, der Wald ist voller Pilze und der Junge sagt, im Wald sind keine Pilze. Natürlich ist jeder Mutter klar, dass es in dem Wald Pilze gibt, da gibt es gar keine Debatte. Aber bei den Kügelchen debattiert man jahrelang darüber, ob es jetzt Kügelchen gibt oder nicht.
Die andere Seite hält die PAC für blanken Unsinn. Als der Verdacht erstmals aufgekommen war, hatten die Internationalen Ärzte gegen den Atomkrieg IPPNW Anzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte die Proben der ARGE PhAM. Die Analysen waren - negativ. Fünf Forschungsinstitute fahndeten nach den strahlenden Kügelchen. Nichts. Beziehungsweise - Kügelchen gibt es reichlich, wie in jedem Boden. Aber keine PAC. Und so lautet der Schluss der Strahlenschutzkommission:
Tatsächlich sind im Boden der Umgebung von GKSS und Kernkraftwerk Krümmel in unterschiedlichen Konzentrationen Kügelchen vorhanden, die zum Teil anthropogenen Ursprungs sind, z.B. Flugasche. Die … Untersuchungen an Partikeln und Kügelchen … haben keine Hinweise für eine Bestätigung der These, dass es sich um Kernbrennstoffpartikel handelt, erbracht.
Aus: “Die Leukämiekinder von Krümmel - Die vergebliche Suche nach einer Antwort” von Dagmar Röhrlich (Deutschlandfunk - Wissenschaft im Brennpunkt; 14.08.2005) Quelle: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/wib/406152/ […] Die neuen Untersuchungsergebnisse sind schockierend, widerlegen sie doch offizielle Untersuchungsergebnisse. Sie belegen nach Aussage der Ärzteorganisation, daß im Umkreis des Kernkraftwerkes Krümmel und des Kernforschungszentrums GKSS in Geesthacht, eines Institutes, das einen atomaren Forschungsreaktor betreibt, der Boden an bestimmten Stellen radioaktiv verseucht ist. Die Region weise eine deutlich erhöhte künstliche Radioaktivität auf, darunter erhebliche Konzentrationen von Plutonium und Thorium.
[…] Dr. Sebastian Pflugbeil, Präsident der ”Gesellschaft für Strahlenschutz”, verweist auf Augenzeugenberichte vom Herbst 1986, nach denen es auf dem ”Hochufer”, wo die Kernforschungsanlage GKSS steht, einen großen Brand gegeben hat. Auskünfte zu einem solchen Brand rückt die Feuerwehr in Geesthacht nicht heraus. Alle Einsatzprotokolle von September 1986 seien bei einem Brand ausgerechnet ”im Aktenschrank der Feuerwache” vernichtet worden.
Aus: “Boden um Geesthacht hochradioaktiv verseucht” (saar-echo.de; JOACHIM KELLER; 31.03.2006) Quelle: http://www.saar-echo.de/de/art.php?a=31484 [...] Seit 1990 sind in der Elbmarsch 16 Kinder an Leukämie erkrankt. Vier von ihnen sind an dem Blutkrebs gestorben. Nirgendwo auf der Welt gibt es eine solche Häufung von Leukämie-Erkrankungen wie hier an der Elbe, in einem nur wenige Quadratkilometer großen Gebiet zwischen Niedersachsen und Schleswig-Holstein.
[….] Tatsächlich gab es einige Jahre vor den ersten Erkrankungen einen Zwischenfall in der Region: Am 12. September 1986 wird im Atomkraftwerk Krümmel plötzlich alarmierend hohe Radioaktivität gemessen. Eine Panne in dem Kraftwerk kann schnell ausgeschlossen werden. Die Ursache für die erhöhten Werte muss außerhalb des Kernkraftwerkes gelegen haben.
Radon, ein natürliches radioaktives Gas, das an diesem Tag in der Nähe des Kernkraftwerks ausgetreten sei, habe den Alarm ausgelöst, so die Erklärung des Kraftwerksbetreibers und der Landesaufsichtsbehörde. Nicht alle Wissenschaftler, die mit der Untersuchung der Leukämie-Erkrankungen beauftragt sind, halten diese Begründung für überzeugend. Bei ihrer Suche nach anderen möglichen Ursachen fühlen sie sich behindert. Sechs der acht von Schleswig- Holstein beauftragten Experten legen deshalb im November 2004 aus Protest ihre Arbeit nieder. Kurze Zeit später schließen Schleswig-Holstein und Niedersachsen die Akte Elbmarsch.
Die “Bürgerinitiative Leukämie”, unterstützt von der Vereinigung “Ärzte gegen den Atomkrieg”, will sich damit nicht zufrieden geben. Sie lässt im Dezember 2004 von Geologen noch einmal Bodenproben in der Umgebung des Kraftwerks Krümmel und der GKSS Forschungsanlage entnehmen. Die Proben werden von Prof. Vladislav Mironov, einem international anerkannten Experten für Plutonium- Bestimmung an der Sacharow Universität von Minsk analysiert. Sein Ergebnis: “Die Plutonium- und Thoriumwerte, die wir festgestellt haben, sind so deutlich erhöht, dass man sagen kann, diese radioaktiven Stoffe sind künstlich hergestellt und kommen so in der Natur nicht vor.”
Aus: “Und keiner weiß warum - Leukämietod in der Elbmarsch” (04/2006) Quelle: http://www.zdf.de/ […] Gueorgui Kastchiev ist eher der zurückhaltende Typ. 17 Jahre hat der Kernphysiker im bulgarischen Atomkraftwerk Kosloduj gearbeitet, später war er für vier Jahre sogar Chef der nationalen Aufsichtsbehörde. Er kennt die sechs Reaktorblöcke gut, die 150 Kilometer nördlich von Sofia an der Donau gelegen rund ein Drittel des bulgarischen Strombedarfs liefern. Doch was am 1. März dieses Jahres dort geschah, das ist auch für den erfahrenen Atomfuchs „ein unglaublicher Vorgang“.
[…] Es war morgens um zehn nach sechs, als eine der vier Kühlmittelpumpen im Block 5 plötzlich ihren Dienst aufgab. Automatisch setzte das Kontrollsystem neun der 60 Steuerstäbe oberhalb des Druckkessels frei. Nur von der Schwerkraft getrieben sollten sie in den Reaktorkern einfahren und dessen Leistung von 1000 Megawatt um ein Drittel mindern. Doch zur Verblüffung der Reaktormannschaft blieben drei der Stäbe hängen, die Leistung blieb hoch. Daraufhin versuchten die Ingenieure die volle Schnellabschaltung mit Hilfe aller Kontrollstäbe. Aber erneut verharrte ein volles Drittel der Neutronenabsorber in ihrer Aufhängung. Die Spaltung der Uranatome im Neutronenhagel ihres eigenen Zerfalls konnte nicht gestoppt werden. In ihrer Not griffen die Reaktorfahrer zur letzten Bremse: Sie mischten dem Kühlwasser große Mengen Borsäure bei, die fliegende Neutronen einfangen und so die Kettenreaktion stoppen kann, wenn auch nur langsam. Um 12 Uhr 34 schließlich, mehr als sechs Stunden nach Ausfall der Pumpe, kam die Kettenreaktion im Reaktor zum Stillstand – nach Meinung von Ex-Aufseher Kastchiev viel zu spät. „Das zentrale Sicherheitssystem hat nicht funktioniert“, konstatiert er, das entspreche einer Autofahrt mit Vollgas ohne Bremse. Falle etwa die Wärmeabfuhr durch ein großes Leck im Dampferzeuger aus, blieben aber gerade mal zwei Minuten, bevor der Reaktor außer Kontrolle gerate. Ohne die Schnellabschaltung, so Kastchiev, „hätte in diesem Fall niemand die Katastrophe aufhalten können“.
Bruchstück aus: “In letzter Minute - Rostlöcher im Druckkessel, Explosionen im Kühlsystem, Versagen der Abschaltvorrichtung – schwere Störfälle in den vergangenen Jahre zeigen: Das Risiko für Reaktorkatastrophen ist weit höher, als die Betreiber behaupten” von Harald Schumann (tagesspiegel.de; 23.04.2006) | http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/23.04.2006/2473588.asp
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« Last Edit: November 21, 2009, 12:14:53 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #1 on: September 12, 2006, 09:14:57 AM » |
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[...] Diese Kügelchen. Schwarz-blaue, metallische Kügelchen. Radioaktiv verseucht, voller Uran und Plutonium? Bergen sie das Geheimnis der extrem hohen Leukämie-Rate in der Elbmarsch? Geben sie Aufschluss über einen möglichen Atomunfall vor genau 20 Jahren? Doch in Deutschland scheint sich bislang kaum ein Labor an die mysteriösen Teilchen heranzuwagen.
12. September 1986: Beim Atomkraftwerk Krümmel an der Elbe und beim benachbarten Kernforschungszentrum Geesthacht GKSS tritt eine massiv erhöhte Radioaktivität auf. Der Katastrophenschutz ist im Einsatz; schnell wird klar, dass die Strahlung nicht aus dem AKW stammt. Aber woher dann? Bis heute streiten Experten über die Ursache. Von einer natürlichen Radon-Belastung ist die Rede, von einem Fall-out nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, von einem Brand auf dem Gelände der GKSS, sogar von geheimen Experimenten mit einer Mini-Atombombe.
Fest steht: Vier Jahre nach der Strahlenwolke erkranken in der Samtgemeinde Elbmarsch auf der niedersächsischen Seite mehrere Kinder an Leukämie. Später trifft der Blutkrebs auch Kinder in Geesthacht. Rico (4), Angela (9), Sebastian (11) und Söhnke (21) überleben die tückische Krankheit nicht. 16 Leukämie-Fälle und einen leukämieähnlichen Fall registrieren die Behörden bis heute; erst im Herbst 2005 erkrankt wieder ein Kind.
Die Rate gilt als einmalig auf der ganzen Welt. Von einem gefährlichen Leukämie-Cluster sprechen die Experten. "Allein in der kleinen Gemeinde Tespe haben wir innerhalb von fünf Jahren sechs Blutkrebs-Fälle gehabt", sagt der Leiter des Gesundheitsamtes Lüneburg, Hajo Dieckmann. "Statistisch hätte sich hier aber nur ein einziger Fall in 60 Jahren ergeben dürfen."
[...] Das Forschungszentrum streitet bis heute jeglichen Störfall ab. Mehrere Augenzeugen berichten dagegen von einem Feuer mit merkwürdigen Farben an besagtem Tag. Einsatzprotokolle vom September 1986 existieren aber nicht mehr. Sie werden später, als die ersten Leukämie-Fälle auftauchen, vernichtet - bei einem Brand, ausgerechnet bei der Feuerwehr. Dafür gibt es Satellitenfotos vor und nach dem 12. September. Sie zeigen eine deutliche Veränderung auf dem GKSS-Gelände. Verschwörungstheorien entwickeln sich: Es könnten dort heimlich Mini-Atomwaffen getestet worden sein.
Dazu tragen auch die metallischen Kügelchen bei, die im Umkreis der beiden Atomanlagen gefunden werden. Die Bürgerinitiative lässt sie 2001 an den Universitäten Gießen und Marburg untersuchen; Messungen ergeben radioaktive Stoffe wie Plutonium, Americium und Curium. Die Organisation Internationale Ärzte gegen den Atomkrieg erstattet Strafanzeige gegen Verantwortliche des AKW Krümmel und der GKSS wegen des Verdachts des Freisetzens ionisierender Strahlen; die Staatsanwaltschaft Lübeck stellt das Verfahren wegen mangelnden Tatverdachts bald ein. Vertuschungsvorwürfe nennt Schleswig-Holsteins Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD), die das gleiche Amt zuvor in Niedersachsen bekleidete, "abwegig".
In der Arbeit der beiden Kommissionen werden die Kügelchen nicht berücksichtigt. Einige Wissenschaftler streiten deren Existenz ganz ab, andere halten sie für irrelevant. Ende 2004 nimmt die Bürgerinitiative neue Bodenproben; das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) begleitet die Untersuchung - und stößt auf erhebliche Widerstände. Ein Frankfurter Institut sagt zunächst eine Expertise zu, macht dann aber plötzlich einen Rückzieher und verweist an das Bundeskriminalamt. Als das ZDF im Frühjahr dieses Jahres eine Dokumentation zur Elbmarsch sendet, muss es Filmmaterial mit entsprechenden Laborszenen zu den Kügelchen auf Verlangen des Instituts herausschneiden. Anfragen bei 17 weiteren Instituten im In- und Ausland bleiben ohne Erfolg. "Die Labors sind in der Regel abhängig von der Atomindustrie und fürchten um künftige Aufträge", vermutet Mediziner Hajo Dieckmann.
Erst ein Privatinstitut bei Weinheim und Professor Vladislav Mironov von der Sacharow-Universität in Minsk nehmen sich der Kügelchen an. Ergebnis: Die Teilchen sind künstlich, also nicht natürlichen Ursprungs und radioaktiv verseucht, sie stammen überdies auf keinen Fall aus Tschernobyl.
Den Sozialausschuss des Niedersächsischen Landtags, der sich auf Initiative der Grünen in diesem Sommer erneut mit den Leukämie-Fällen beschäftigt, stimmen diese neuen Erkenntnisse nachdenklich. "Das hat uns alle ins Grübeln gebracht", sagt die Ausschussvorsitzende Gesine Meißner (FDP). "Es sieht so aus, als solle hier etwas vertuscht werden." Man müsse deshalb überlegen, ob man nicht eine neue Untersuchung in Auftrag geben müsse. "Alles ist sehr obskur."
Das sind auch diverse Anrufe, über die die liberale Abgeordnete berichtet. Von Drohungen mag Meißner zwar nicht direkt sprechen. "Aber ich wurde schon eindringlich gefragt, ob wir das wirklich wieder aufrollen wollen."
Aus: "Der Fall AKW Krümmel: Das Rätsel der Elbmarsch" VON PETER MLODOCH (12.09.2006) Quelle: http://www.fr-aktuell.de/in_und_ausland/hintergrund/?sid=9d036beab0128935cc3e9376d5a74910&em_cnt=966734
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« Reply #2 on: September 13, 2006, 09:34:25 AM » |
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[...] Der Kieler Toxikologe Professor Otmar Wassermann äußerte schon früh den Verdacht, dass die in den Bodenproben enthaltenen Spalt- und Aktivierungsprodukte wie Plutonium und Americium von einem Unfall bei illegalen Versuchen herrühren. Art und Aufbau der entdeckten Kügelchen deuteten darauf hin, dass sie aus einer so genannten Hybridanlage stammen, bei der Kernreaktionen zur Energiefreisetzung genutzt werden. Im Klartext: Bei der GKSS wurde völkerrechtswidrig mit der Herstellung von Mini-Atombomben experimentiert. Die Länder Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben in den vergangenen Jahren Experten-Kommissionen eingesetzt, um die Ursachen der Leukämiefälle zu untersuchen. Die Wissenschaftler kamen jedoch zu keinem Ergebnis. Sechs Fachleute der schleswig-holsteinischen Kommission, darunter der Vorsitzende Wassermann, legten ihre Ämter im November 2004 unter Protest nieder. Sie warfen der Kieler Landesregierung vor, sie bei ihren Nachforschungen nicht unterstützt zu haben. Warum sich ein »Kartell des Schweigens« über den Unfall bildete, erklären Umweltschützer mit der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl. Ein halbes Jahr zuvor, am 26. April 1986, war ein Block des ukrainischen Kraftwerks explodiert. Das Eingeständnis eines Unfalls in Krümmel hätte der Atomlobby das Geschäft wohl auf Dauer verdorben.
Aus: "Experimente mit Mini-Atombomben? - Mutmaßlicher Unfall vor 20 Jahren in der Elbmarsch noch immer ungeklärt" Von Reimar Paul (nd; 12.09.06) Quelle: http://www.nd-online.de/artikel.asp?AID=96900&IDC=3
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« Reply #3 on: September 13, 2006, 10:09:32 AM » |
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[...] Die Messstation auf dem GKSS-Gelände, die den Zwischenfall am ehesten hätte dokumentieren können, fiel leider aus. Die Umgebungsüberwachung notiert dazu: „Station 3/09 38.-49. KW ungeplante Stationsverlegung nach Brand am ursprünglichen Aufstellungsort“ Der 12.9. 1986 war der Freitag der 37. KW.
Bei der Frage, in welchen Medien sich auch 10 Jahre danach noch Radioaktivität feststellen ließe, verfielen unsere Experten auf die Messung von Dachstaubproben von älteren Häusern. Dabei stellte sich heraus, dass Americium 241 in Elbmarsch-Proben eine im Durchschnitt 19mal höhere Konzentration aufweist als in den unbelasteten Kontrollregionen. Diese Konzentration ist mit Tschernobyl-Belastung oder Kernwaffen-Fallout nicht zu erklären. Es muss eine dritte Quelle in der Nähe geben.
Der öffentliche Streit um die Bewertung der Ergebnisse rief die Gutachtergruppe ARGE PhAM auf den Plan, die Ende 2000/Anfang 2001 eigene Bodenproben nahm, auswertete und mit dem verblüffenden Ergebnis an die Öffentlichkeit trat, dass im Boden um die Atomanlagen radioaktiv strahlende Teilchen zu finden sind, die auf kerntechnische Versuche hindeuten. Die Konzentration nimmt mit zunehmder Nähe zu den Atomanlagen zu.
Die Reaktoraufsicht Schleswig-Holstein hat während der ganzen Untersuchungsphase jedes einzelne Indiz wegdiskutiert. Erkennbare Beiträge, die Forschungen zu einem positiven Ende zu bringen, hielten sich in engen Grenzen. Zum Schluss wurde der Expertenkommission nicht einmal mehr das Reisegeld gezahlt. Die Hauptexponenten der BI-Seite, Inge Schmitz-Feuerhake und H.W. Gabriel, wurden systematisch als wissenschaftlich nicht ganz ernst zu nehmen diskreditiert. Das Gegenteil ist der Fall. Der Abschlussbericht der niedersächsichen Expertenkommission wurde vorsichtshalber gar nicht mit den Experten diskutiert, sondern von den beiden Sprechern im November 2004 veröffentlicht.
[...] Das war der Sachstand vor dieser Meßreihe. Die vorliegenden Untersuchungen sagen, dass in unserer Region an bestimmten Stellen radioaktive Belastung zu finden und zu messen ist. Wir werden immer fündig direkt neben der Waldschule in Geesthacht – Grünhof. Es gibt bis heute keinen erkennbaren Versuch der schleswig-holsteinischen Behörden, diese Bodenkontamination zu beseitigen und die Kinder zu schützen. Es ist noch viel schlimmer: Es wird nicht einmal zugegeben, dass der Boden kontaminiert ist.
[...] Wir fragen: Wie sind radioaktiven Teilchen im Boden dort hingekommen? Weil eine Verursachung von privater Seite auszuschließen ist, können nur staatliche Stellen Aufklärung darüber bringen, welcher Herkunft die Teilchen sind.
Wir fragen weiter: Welcher Unfall hat sich ereignet, der die Kontamination herbeigeführt hat?
Welche Experimente sind durchgeführt worden, warum wurde die Bevölkerung nicht gewarnt, warum wird die Kontamination nicht beseitigt ?
[...] Wir fordern die Bundesregierung auf, lückenlos und ohne Rücksicht auf eventuelle politische Begleiterscheinungen Auskunft darüber zu geben, womit in Geesthacht in den 80er Jahren, eventuell davor und danach, experimentiert worden ist. Uns interessiert besonders die Forschung auf neue Brennstoffzusammensetzungen für Forschungsreaktoren.
Sollte die Bundesregierung dies verweigern, ist der Deutsche Bundestag gefordert, einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss einzurichten.
Uwe Harden MdL
Berlin, den 31.03. 2006
Aus: "Ursachenforschung" (31.03. 2006) Quelle: http://www.bileukaemie.elbmarsch.com/502839979c0b0860d/index.html
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« Reply #4 on: October 11, 2006, 11:34:17 AM » |
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[...] „Es hat etwas Unheimliches, etwas Bedrohliches.“ So beschreibt die Ärztin Susanne Greunus aus der niedersächsischen Elbmarschgemeinde Marschacht die vielen Leukämiefälle in ihrer Region. Seit eineinhalb Jahrzehnten sucht man östlich von Hamburg vergeblich nach den Ursachen. Je länger man nach einer Antwort forscht, desto mehr Fragen tauchen auf.
Nein, das könne kein Zufall sein, glaubt Olaf Schulze, SPD-Landtagsabgeordneter aus Geesthacht. In der 29 000-Einwohner-Stadt ist vor wenigen Tagen der 16. regionale Kinderleukämiefall seit 1984 bekannt geworden. Die behandelnden Ärzte müssen die Krankheit bei Kindern melden, folglich verfügt man über ein aussagekräftiges Kataster. Im Bundesschnitt gibt es aber nur vier Erkrankungen je 100 000 Kinder im Jahr. Heruntergerechnet auf den Cluster der Untersuchungsregion dürfe daher eigentlich nur ein Fall in 60 Jahren vorkommen.
[...] Ein böser Verdacht liegt nahe, da sich auf schleswig-holsteinischer Seite der Elbe das Atomkraftwerk Krümmel und die Forschungsanlage der Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schifffahrt (GKSS) befinden. Es hat seit 1992 umfangreiche Untersuchungen gegeben, doch ein entsprechender Zusammenhang konnte bis heute nicht nachgewiesen werden.
Und nun dieser neue Fall – ein Keulenschlag für die ansässige Bevölkerung. Seit 1994 ist es der achte Fall in Geesthacht, diesmal im Ortsteil Grünhof-Tesperhude, dort, wo sich in unmittelbarer Nähe die GKSS befindet und wo Sozialdemokrat Schulze wohnt. Doch nur ungern redet man darüber. Joachim Masch, Pastor in der Kirchengemeinde, bemüht dafür das Sprichwort „Am Fuß des Leuchtturms ist es dunkel.“ Er kennt das jetzt erkrankte zwölfjährige Mädchen. Die Mutter arbeitet in der St.-Thomas-Gemeinde.
GKSS und Kernkraftwerk gehören zu den größten Arbeitgebern in Geesthacht und damit zu den besten Gewerbesteuerzahlern. Da wertet man den vagen Verdacht gegen die Einrichtungen schnell als Verschwörung. Beide Werke können sich auf das Sozialministerium in Kiel stützen, die zuständige aufsichtführende Reaktorsicherheitsbehörde. Dort bekräftigt man, dass es bis heute keine Anhaltspunkte gibt, dass die Leukämiefälle etwas mit den atomaren Anlagen zu tun haben. Millionen Euro wurden bereits für die Erforschung der Ursachen ausgegeben. Für Uwe Harden, SPD-Abgeordneter in Niedersachsens Landtag, reicht das aber nicht aus. Er, der nur wenige Kilometer von Geesthacht entfernt wohnt, ist zugleich Gründer und Sprecher der Bürgerinitiative gegen Leukämie in der Elbmarsch. Harden wünscht sich, dass die Kieler Landespolitiker wieder aktiv werden. Eine erste Untersuchungskommission stellte zuletzt 2004 ihre Arbeit ein. Auf Betreiben der Grünen kommt das Thema diese Woche auf die Tagesordnung des Kieler Landtags. Sie fordern ein Kolloquium, an dem sich unabhängige Wissenschaftler, die bisher im Auftrag der Behörden und der Bürgerinitiative gewirkt haben, an einen Tisch setzen.
Unterdessen ist ein weiterer Blutkrebsfall eines 15-jährigen aus Winsen, 14 Kilometer von Geesthacht entfernt gelegen,bekannt geworden. Der Patient hatte als kleiner Junge mit seiner Mutter an der Elbe gespielt und auch im Fluss gebadet. „Da schlummert vielleicht noch mehr“, ahnt Susanne Greunus, die von auffällig vielen Leukämieerkrankungen und -todesfällen bei Erwachsenen berichtet.
Aus: "Die Elbmarsch, die Leukämie und die Atomkraft - Seit Jahren wird erfolglos nach der Ursache für Blutkrebsfälle bei Kindern gesucht – jetzt sind wieder zwei Jugendliche erkrankt" Von Dieter Hanisch, Geesthacht (10.10.2006) Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/archiv/10.10.2006/2826375.asp
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« Reply #5 on: October 19, 2006, 10:27:30 AM » |
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[...] Seit es die Atombombe gibt, probten die Atommächte beständig in zahlreichen Testexplosionen deren Wirksamkeit. Diese Tests hatten und haben eine Doppelfunktion: Zum einen geht es um die Überprüfung der Zuverlässigkeit der vorhandenen Arsenale sowie um die Entwicklung neuer oder die Verbesserung existierender Atomwaffen - und zum anderen um die Demonstration von Macht und Stärke der Atomwaffenbesitzer.
Die fünf Atommächte USA, die frühere UdSSR, Frankreich, Großbritannien und China haben mehr als 2000 Atomwaffentests in der Atmosphäre, unter Wasser, auf der Erdoberfläche oder im Weltraum durchgeführt. Diese Tests haben zu einer weltweiten Verseuchung der Erde geführt, was die Gesundheit der Menschen in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beeinträchtigte und beeinträchtigen wird.
In der Nähe der Testgelände (Wüste von Nevada, Pazifikatolle, Sahara, Kasachstan, usw.) führten die atmosphärischen Tests häufig zu intensivem radioaktiven Niederschlag (Fallout), und zu schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen der lokalen Bevölkerung und zu Verseuchungen der Umwelt. In einem partiellen Teststoppabkommen wurden daher 1963 solche oberirdische Atomtests verboten.
Allerdings wird durch sogenanntes "Ausventilieren" auch bei unterirdischen Tests Radioaktivität freigesetzt, die die Umwelt schädigt. 1996 wurde nach erneuten unterirdischen Tests durch Frankreich und China ein umfassender Teststoppvertrag vereinbart, der allerdings noch nicht in Kraft getreten ist. Die letzten unterirdischen Tests wurden 1998 von Indien und Pakistan durchgeführt. Zuletzt, am 9.Oktober 2006, zündete Nordkorea eine Atombombe in einem Berg im Nordosten des Landes. (AG.)
Aus: "Atomtests verseuchen seit 1945 die Erde" (diepresse.com; 18.10.2006) Quelle: http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=p&ressort=a&id=593256
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« Reply #6 on: November 20, 2006, 11:34:07 AM » |
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[...] Vattenfall-Sprecher Göran Lundgren sagte am Samstag in Stockholm: "Das ist einfach nicht wahr. Es hat niemals eine solche Gefahr bestanden. Ich verstehe nicht, wo solche Behauptungen herkommen."
Lundgren wies damit einen Bericht der deutschen Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit zurück, den der "Spiegel" veröffentlicht hatte. Demnach war der Reaktor in Forsmark wegen Defekten bei zwei von vier Notstromaggregaten nur noch 18 Minuten von einer Kernschmelze entfernt gewesen. Lundgren sagte dazu: "Auch die Aufsichtsbehörden haben bestätigt, dass es keine Gefahr einer Kernschmelze gegeben hat. Das Kühlwasserniveau lag immer stabil über zwei Meter, und die Stromproduktion ist 22 Minuten nach dem Kurzschluss wieder mit voller Kraft angesprungen."
Bei dem Störfall am 25. Juli waren nach einem Stromdefekt zwei von vier Notstromaggregaten für das Kühlwasser nicht wie vorgesehen automatisch angesprungen. Die staatliche schwedische Atomaufsicht SKI hatte danach sowohl den Reaktor in Forsmark wie drei weitere Reaktoren gleicher Bauart bis zu drei Monaten stilllegen lassen.
[...] Die deutsche Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) beruft sich in ihrem Bericht unter anderem auf Untersuchungen und Analysen von Vattenfall und der schwedischen Atomaufsicht. "Nach circa fünf Stunden wäre das gesamte Kühlmittelinventar verdampft gewesen", heißt es. Obwohl zwei der vier Generatoren wie vorgesehen starteten, sei der Füllstand innerhalb des Reaktordruckbehälters weiter bedrohlich abgesunken.
Dieser stabilisierte sich erst 15 Minuten nach dem Ausfall der ersten Systeme - noch 1,90 Meter oberhalb des radioaktiven Kerns. Da habe die Mannschaft bereits Vorkehrungen getroffen, radioaktiven Dampf in den Sicherheitsbehälter abzulassen. Nur die zwei Diesel- Generatoren retteten, so die Experten, das AKW vor dem GAU.
Aus: "AKW Forsmark: Reaktor kurz vor der Kernschmelze?" (stern.de; 18. November 2006) Quelle: http://www.stern.de/politik/panorama/:AKW-Forsmark-Reaktor-Kernschmelze/576715.html-.- [...] Bei dem Störfall im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark wäre es im Juli beinahe zu einer Katastrophe gekommen. Die Verantwortlichen der Anlage hatten sich bei dem damaligen Regierungschef Göran Persson bereits die Genehmigung eingeholt, das sogenannte "Wallmann-Ventil" zu öffnen. Das erfuhr WELT.de aus deutschen Regierungskreisen. Mit dem Öffnen des Ventils soll im Falle einer Kernschmelze Druck aus dem Atomkraftwerk abgelassen werden, um ein Bersten des Reaktors zu verhindern. Das Anspringen von zwei der vier Diesel-Notstromaggregate verhinderte dann den größten anzunehmenden Unfall (GAU).
Bei dem Störfall am 25. Juli griffen nach einem Stromdefekt die Notfallmaßnahmen nur mangelhaft. Die Kühlflüssigkeit sank bedrohlich ab und stabilisierte sich erst 1,90 Meter oberhalb des radioaktiven Kerns. Laut einem Bericht der deutschen Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) hätte ohne diese Stabilisierung der obere Teil des Kerns 18 Minuten später freigelegen. Die schwedische Atomaufsicht ließ den Reaktor des von Vattenfall betriebenen Kraftwerkes für drei Monate stilllegen.
Sowohl der schwedische Betreiber des Atomkraftwerkes wie auch das deutsche Kernforschungszentrum in Garching haben den Störfall nach Angaben von deutscher Seite mehrfach am Computer simuliert, ohne die Ursache zu finden. Es sei außerdem nicht klar geworden, warum zwei der vier Notstromaggregate plötzlich wieder ansprangen und zwei nicht. Die Unsicherheit sei deshalb besorgniserregend, da in Brunsbüttel an der Elbe ein Atomkraftwerk gleichen Bautyps stehe. Ein ähnlicher Störfall wie der in Schweden sei dort nicht auszuschließen.
Aus: "Störfall Forsmark: Nordeuropa stand vor atomarer Katastrophe" Von Peter Dausend (19.11.2006) Quelle: http://www.welt.de/data/2006/11/19/1116658.html-.- [...] Im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark hat es erneut eine Panne gegeben. Wie ein Nachrichtenagentur meldet, musste der Reaktor Forsmark 1 aus Sicherheitsgründen abgeschaltet werden. Das Problem solle im Laufe des Tages untersucht werden. Der Reaktor war bereits im Juli wegen eines Kurzschlusses vom Netz genommen worden. In den vergangenen Monaten waren bei einer ganzen Reihe von Atomkraftwerken in Schweden Störfälle aufgetreten.
Aus: "Neue Panne in schwedischem Atomreaktor" (zuletzt aktualisiert: 17. Dezember 2006 | 10:36; MDR INFO) Quelle: http://www.mdr.de/nachrichten/meldungen/3898896.html
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« Last Edit: December 17, 2006, 03:39:10 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #7 on: November 23, 2006, 01:11:57 PM » |
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[...] Im Großraum Hamburg erkranken immer mehr Kinder an Blutkrebs. Wie die "Hamburger Morgenpost am Sonntag" unter Berufung auf das Kinderkrebszentrum des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) berichtete, verdoppelte sich seit 2004 die Zahl der Behandlungsfälle von akuter lympathischer Leukämie fast. Vor zwei Jahren waren es den Angaben zufolge noch 267 Blutkrebs-Fälle, im Folgejahr stieg die Zahl auf 403. Für 2006 rechnet das renommierte Spezialzentrum der Klinik mit rund 500 Fällen.
Wie NDR 90,3 berichtete, geben diese Daten allerdings lediglich die Anzahl der Behandlungen wieder: Wenn ein Kind also mehrfach medizinisch versorgt wird, tauche dies in der Statistik entsprechend häufig auf.
Dennoch ein erheblicher Anstieg, der Anlass zur Sorge gibt. Für die Häufung haben die Ärzte noch keine Erklärung. "Bei allen Vorkommnissen werden wir hellhörig. Aber erst wenn die Zahlen noch ein weiteres Jahr über dem Schnitt liegen, stellen wir nähere Untersuchungen an", sagte Professor Reinhard Schneppenheim, Direktor des Kinderkrebszentrums am UKE, der Zeitung. Kinder zwischen zwei und fünf Jahren erkrankten besonders häufig an akuter lympathischer Leukämie. Mit Hilfe langfristiger und aufwändiger Behandlungsprogramme bestehen laut Schneppenheim in 80 Prozent der Fälle Heilungschancen.
Aus: "Immer mehr Leukämie-Fälle bei Kindern im Großraum Hamburg" (19.11.2006) Quelle: http://www1.ndr.de/ndr_pages_std/0,2570,OID3367182,00.html
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« Reply #8 on: December 27, 2006, 01:58:54 PM » |
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[...] Der Begriff Leukämiecluster Elbmarsch bezeichnet eine Häufung (Cluster) von Leukämie-Erkrankungen, die bei Kindern im Gebiet der Samtgemeinde Elbmarsch (Niedersachsen, Landkreis Harburg) und des benachbarten Geesthachts (Herzogtum Lauenburg, Schleswig-Holstein) seit Dezember 1989 auftraten. Es handelt sich hierbei um die weltweit höchste erfasste Leukämierate auf kleinem Raum bei Kindern. Die Ursache des Clusters ist bisher nicht wissenschaftlich stichhaltig nachgewiesen worden...
Aus: "Leukämiecluster Elbmarsch" (Wikipedia 12/2006) Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Leuk%C3%A4miecluster_Elbmarsch-.- Risikogebiet Elbmarsch. Seit Ende der 80er Jahre erkranken dort statistisch gesehen mehr Kinder an Leukämie als irgendwo sonst auf der Welt. Von offizieller Seite gibt es dazu keine Erklärung. Am Nordufer der Elbe stehen in Sichtweite das KKW Krümmel und das Kernforschungszentrum GKSS. Die Bürgerinitiative gegen Leukämie in der Elbmarsch e.V., die Gesellschaft für Strahlenschutz e.V. und die IPPNW haben nun eine Dokumentation veröffentlicht: Eine Kette von Indizien weist auf ein radioaktives Ereignis am 12. September 1986 hin.
An diesem Tag wurde nachweislich eine erhöhte Radioaktivität auf dem Gelände des Kernkraftwerks Krümmel registriert. Die Aufsichtsbehörde behauptete damals, es habe sich dabei um das natürlich vorkommende Edelgas Radon gehandelt, dass sich aufgrund einer besonderen Wetterlage aufgestaut habe. Es sei dann vom Kraftwerk angesogen worden und habe dort die erhöhten Messwerte verursacht. Die Autoren der Dokumentation zeigen, dass das aus physikalischen und meteorologischen Gründen nicht möglich ist und eine bewusste Irreführung der Öffentlichkeit darstellt.
»Das ist kein Streit unter Wissenschaftlern, sondern ein Kriminalfall«, sagte Uwe Harden, Sprecher der Bürgerinitiative auf einer Pressekonferenz, bei der die Dokumentation »Elbmarsch - Stationen einer Aufklärung« präsentiert wurde. »Wir wissen schon sehr viel, aber meist nur aus dritter oder vierter Hand«, so Harden. Die Bürgerinitiative sucht nun Augenzeugen für den möglichen Atomunfall am 12. September 1986. »Wir hoffen auf einen Aufklärungsschub«, sagte Professor Dr. Inge Schmitz-Feuerhake, Mitglied der ehemaligen Leukämiekommission der schleswig-holsteinischen Landesregierung.
2004 trat die Mehrheit der schleswig-holsteinischen Leukämiekommission unter Protest zurück. Auf der Pressekonferenz stellte der damalige Vorsitzende der Kommission Professor Dr. Otmar Wassermann fest: »Es wurde alles getan, um unsere Arbeit zu behindern. Dabei reißt die Serie der Erkrankungen nicht ab.«
In diesem Jahr sind in den Samtgemeinden Bardowick und Scharnebeck, 5-10 km von den Atomanlagen in Gessthacht entfernt, zwei Kinder an Leukämie erkrankt. Auch in der Stadt Winsen erkrankten zwei 15-jährige Kinder an Leukämie. Winsen liegt etwas mehr als 10 km vom Atomkraftwerk Krümmel entfernt. Für viele Menschen in der Region stellt sich die Frage, in welchem Ausmaß ihre Kinder und Jugendlichen immer noch bedroht sind. »Diese Frage können wir nicht abschließend beantworten. Es bleibt eine Unsicherheit«, sagt Dr. Hayo Dieckmann Leiter des Gesundheitsamts im Landkreis Lüneburg und IPPNW-Mitglied. Man könnte sehr viel besser einschätzen, mit welchen Schäden noch zu rechnen ist und welche Schutzmaßnahmen ergriffen werden müßten, wenn die verantwortlichen Stellen endlich ihr Schweigen brechen und erzählen würden, was im September 1986 wenige Monate nach der Tschernobylkatastrophe passiert ist.
In der vorgestellten Dokumentation wird die Strahlenbelastung der Bevölkerung infolge des Unfalls rekonstruiert. Schon das radioaktive Thorium allein, das in der Elbmarsch mehrfach nachgewiesen wurde, reicht aus, die Leukämieerkrankungen in der Elbmarsch zu erklären. Thorium wurde als Kontrastmittel (Thorotrast) in der Röngendiagnostik lange eingesetzt, bis man auf die Nebenwirkung aufmerksam wurde: Leukämie. Die Autoren der Dokumentation unterstützen die Landesabgeordneten in Schleswig-Holstein und Niedersachsen, die sich für eine umfassende und transparente Aufklärung der Leukämiefälle einsetzen.
Aus: "Was geschah am 12.9.1986?" (IPPNW-Presseinformation vom 21. Dezember 2006) Quelle: http://www.ippnw.de/article/061221_Elbmarschleukaemien.html?swip=59d0c7f6d40ae9efa700ae82bdf66c6b-.- [...] In der unmittelbaren Umgebung der kerntechnischen Anlagen bei Geesthacht an der Elbe (Kernkraftwerk Krümmel und GKSS-Forschungszentrum) trat in den Jahren 1990/91 ein abrupter Anstieg der Leukämiefälle bei Kindern auf. Bis in die Gegenwart ist das Leukämievorkommen dort dreifach erhöht geblieben. Dennoch erklärten die zuständigen Minister der Länder Schleswig-Holstein und Niedersachsen die Aufklärungsbemühungen und die Tätigkeit der jeweils eingesetzten Leukämiekommissionen im Jahr 2004 für beendet. Sie behaupteten, dass sich kein Hinweis auf einen Zusammenhang mit Radioaktivität ergeben habe und sich für das Phänomen derzeit keine Erklärung finden lasse. Die Mitglieder der schleswig-hosteinischen Leukämiekommission sahen das mehrheitlich anders, traten unter Protest aus der Kommission aus und veröffentlichten einen Abschlussbericht, in dem sie einen kerntechnischen Unfall im Jahre 1986 als Ursache für die Erkrankungen beschrieben (Wa04). Sie hatten radioaktive Kernbrennstoffe, Spaltprodukte und andere Folgeprodukte von Kernreaktorprozessen in der Umgebung aufgefunden. Für etwa 12 Stunden musste die Konzentration der radioaktiven Stoffe in der Luft mehr als das 400- fache der Tschernobylkonzentration in Norddeutschland betragen haben...
Aus: "Die Elbmarschleukämien - Stationen einer Aufklärung (Dokumentation)" - Bürgerinitiative gegen Leukämie in der Elbmarsch e.V. Gesellschaft für Strahlenschutz e.V. IPPNW – Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung e.V. (Marschacht im Dezember 2006) Querlle: http://www.ippnw.de/stepone/data/downloads/7d/00/00/ElbmarschDokumentation2.8MB.pdf
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« Last Edit: December 27, 2006, 04:47:50 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #9 on: January 24, 2007, 11:47:07 AM » |
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[...] Im US-Bundesstaat Oklahoma suchen die Behörden fieberhaft nach einem verschwundenen Lkw mit radioaktivem Material. Nach Angaben des Senders CBS war der Lkw am Sonntag auf eisglatter Straße verunglückt und in einen Fluss gefallen. Das Fahrzeug sei von den Wassermassen mitgerissen worden und bislang nicht wiedergefunden worden. Ein Polizist sagte dem Sender, das radioaktive Material bereite den Einsatzkräften Sorge. In der Region toben seit Tagen schwere Schneestürme.
Aus: "Lkw mit radioaktiver Ladung in den USA vermisst" (MDR INFO; 22. Januar 2007) Quelle: http://www.mdr.de/nachrichten/meldungen/4037123.html
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« Reply #10 on: January 29, 2007, 04:06:27 PM » |
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[...] Seit 1977 gilt Gorleben als aussichtsreichster Ort für ein Atom-Endlager. Tief unter der Erde soll hier im Salz der gefährlichste Müll des Landes gelagert werden, hochradioaktiv, wärmeentwickelnd. Angefallen in Kernkraftwerken und strahlend für, grob gepeilt, eine Million Jahre.
Die große Koalition will bald entscheiden, wie und wo der deutsche Atommüll enden soll, an diesem Montag will sich erstmals der Koalitionsausschuss ernsthaft damit befassen. Es ist die vielleicht weitreichendste Entscheidung, die diese Regierung zu fällen hat. Das Thema ist heikel.
[...] "Erkundung", das steht im Wörterbuch als Synonym für "Auskundschaftung", "Frage", "Nachforschung". Aber in Gorleben stand es immer für mehr, und genau da beginnt das Problem.
Gorleben sollte das perfekte Endlager werden. Ein Salzstock, durch kein Loch versehrt, jungfräulich. Deswegen bohrten die Ingenieure hier gar nicht erst Probelöcher, sie schufen gleich zwei Schächte. Sie trieben sie nicht nur bis zu jenem Niveau ins Salz, das sie erforschen wollten, sondern gleich noch ein paar Meter tiefer.
Dahin, wo irgendwann der Atommüll lagern soll. Und sie bauten auch die Stollen gleich groß genug, um das ganze Endlager darüber ausheben zu können. Erkundung hieß in Gorleben immer auch Ausbau.
Hinter den Bautrupps standen die Energiekonzerne, die endlich beweisen wollten, dass sie Radioaktivität auch wieder aus der Welt bringen können. Oder zumindest aus deren Sichtweite. Die Menschen in der Umgebung aber erfuhren nur das Nötigste.
[...] Bauern reagieren besonders empfindlich auf das Endlager, auf Radionuklide, die durch das Salz emporsteigen und Äcker und Grundwasser verseuchen könnten - auch wenn das als unwahrscheinlich gilt. Nur diffuse Ängste erklären, dass eine Mittfünfzigerin, die auf Holzregalen Porzellan sammelt, sich aus Protest gegen Castor-Transporte an Gleise kettet. Frau Tietke sagt aber auch: "Am meisten bringt uns auf die Palme, dass jede Regierung das nur wieder aussitzt."
Jetzt, 30 Jahre nach der Festlegung auf Gorleben, werden in Berlin wieder eifrig Papiere verfasst. Die Vergangenheit habe gezeigt, schreibt etwa das Bundesumweltministerium, "dass der Prozess immer wieder ins Stocken geriet, weil es bisher an einem übergreifenden Konsens, auf welche Weise ein Endlagerstandort bestimmt werden soll, gefehlt hat."
Eine letzte große Suche, findet zumindest Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), soll noch einmal klären, ob Gorleben nun der beste Endlager-Ort der Republik ist oder nicht. Für andere, etwa seinen Gegenspieler Michael Glos (CSU) im Wirtschaftsministerium, ist das schon längst klar. Es gebe keine gegen Gorleben sprechenden Gründe, folglich müsse bald weiter "erkundet" werden. "Neue gesetzliche Regelungen oder Gesetzesänderungen sind also nicht erforderlich", schreiben Experten des Ministeriums, im Gegenteil: "Sie tragen die Gefahr der Verschlechterung der Rechtslage in sich."
Wohl wahr. Die Rechtslage in Gorleben ist gut, zumindest aus Sicht seiner Befürworter. Erschlossen nach älterem Bergrecht, kommt der Salzstock derzeit ohne Umweltverträglichkeitsprüfung aus. Die öffentliche Beteiligung an dem Projekt beschränkt sich auf die jährlich wiederkehrende Demonstration, wenn wieder ein Castor-Transport im Zwischenlager Gorleben ankommt, genau gegenüber dem Erkundungsbergwerk.
Tief im Wald, auf dem Weg von Gorleben nach Gedelitz, lagert dort in blechverkleideten Hallen, was von der Wiederaufarbeitung deutscher Brennstäbe übriggeblieben ist. Die nuklearen Reste hätten es nicht mehr weit ins unterirdische Endlager, kürzer als vom Reichstag ins Kanzleramt, einmal über die Straße. Sind die Demonstranten nicht da, wirken die Endlagervorbereitungen unendlich weit weg. Wachleute schauen gelangweilt auf Dutzende Bildschirme, auf denen doch nie etwas passiert. Und wie zur Nachhilfe hängt auf dem Klo eine Deutschland-Karte der Kernkraft, mit allen Reaktoren. Das Dorf Gorleben, 875 Einwohner, ist darauf besonders groß.
[...] Viele Senioren haben ihr Ferienhaus in Gorleben zum Erstwohnsitz gemacht, so schön ist es hier. Und wer das Endlager nicht sehen will, der schaut weg. Es scheint Lichtjahre entfernt.
Aber das ist eben nur ein Teil der Wahrheit über Gorleben. Den anderen hat Asta von Oppen gesammelt, in ihrem Gorleben-Archiv. Ratsunterlagen, Zeitungsausschnitte, Dokumente aus 30 Jahren Widerstand. Sie sagt, ihr Archiv sei auch ein Archiv der Lügen und Bestechlichkeiten, der gekauften Kommunalpolitiker und Wissenschaftler.
Ein eigenes Buch gibt es darüber, das heißt "Es wird wie ein Lügenhaus zusammenbrechen". Einen ganzen Stapel Exemplare fährt Oppen immer in ihrem blauen VW-Bus spazieren, für den Fall, dass sich jemand für die jüngere Geschichte Gorlebens interessiert. "Gorleben ist verbrannte Erde", sagt Oppen, "mit Lügen und Betrügereien von Anfang an." Das Misstrauen klebt am Ort wie ein Schatten.
Die Lage ist ausweglos. Vielleicht gibt es ja solche Zufälle, ist ja das politisch ausgewählte Gorleben auch wissenschaftlich im ganzen Land der beste Ort. Aber wer wird es glauben? Wer wird glauben, dass eine Entscheidung für Gorleben nicht allein dazu dient, die 1,3 Milliarden Euro zu retten, die Energiekonzerne hier investiert haben? Gorleben ja oder nein, das ist längst keine Frage der Wissenschaft mehr. Es ist Glaubensfrage und ewige Zweifelsfrage zur gleichen Zeit. Gewiss ist nur eins: Irgendwohin muss er - der deutsche Müll.
Aus: "Endlager Gorleben: Ein Stollen für die Ewigkeit" Von Michael Bauchmüller (SZ vom 29.1.2007) Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,wm4/wissen/artikel/739/99640/
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« Reply #11 on: January 30, 2007, 09:38:43 AM » |
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[...] Moskau - Bisher ist noch nicht bekannt, was genau im Atomkraftwerk Balakowskaja geschehen ist. Der Zivilschutz teilte lediglich mit, dass auf dem Gelände des Reaktors in der Nähe der Stadt Saratow keine erhöhten Strahlenwerte gemessen worden seien, berichtet die Agentur Itar-Tass heute. Nach ersten Erkenntnissen soll ein Fehler im automatischen Reaktorschutzsystem bemerkt worden sein. Der Vorfall werde nun untersucht. Das Atomkraftwerk liegt rund 800 Kilometer südlich von Moskau.
Aus: "RUSSLAND: Störfall im Atomkraftwerk" (30. Januar 2007) Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,463043,00.html-.- [...] Die Nachrichtenagentur Interfax zitierte Vertreter des Katastrophenschutzministeriums mit den Worten, das Niveau der Radioaktivität sei normal. Der Vorfall werde untersucht. Das Werk liegt in der Gegend um Saratow an der Wolga. Bereits im November 2004 kam es in Balakowskaja zu einem Störfall. Geschäfte der Stadt rieten damals ihren Mitarbeitern, zu Hause zu bleiben. Die Umweltorganisation in Russland befürchtete ein Leck. Nach Angaben des Betreibers Rosatomenergo hatte es sich nur um eine leichte Störung gehandelt. Es habe keine erhöhte Radioaktivität gegeben, eine Gefährdung sei auszuschließen, teilte die russische Atomagentur mit. Beim Reaktorunglück von Tschernobyl im April 1986 in der Ukraine wiegelten die Behörden lange Zeit ab und verharmlosten den Gau.
Aus: "Reaktor abgeschaltet: Problem in russischem AKW" (30. Januar 2007) Quelle: http://www.n-tv.de/759655.html
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« Last Edit: January 30, 2007, 10:52:06 AM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #12 on: January 31, 2007, 11:54:16 AM » |
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[...] Betrunkenes Personal, eine laxe Einstellung zur Sicherheit und unzählige Zwischenfälle mit "potenziell" tödlichen Folgen - solche Vorwürfe hätten die Schweden eher im Zusammenhang mit Atomkraftwerken (AKW) in Russland oder Bulgarien erwartet. Doch die vernichtende Kritik betrifft das schwedische AKW Forsmark - und sie kommt nicht von rabiaten Atomkraftgegnern, sondern von den eigenen Technikern der Anlage in einem internen Rapport.
Die Leitung des Kraftwerks, das zum Vattenfall-Konzern gehört, hielt den Bericht drei Monate lang unter Verschluss, nun wurde er dem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender SVT zugespielt. "Wir können nicht ständig Glück haben", warnen die Autoren. "Früher oder später kommt es zu einem ernsthaften Unglück."
Im Juli 2006 hatte ein Kurzschluss bei Wartungsarbeiten im Reaktor 1 von Forsmark den bisher schwersten Unfall in einem schwedischen AKW ausgelöst. Zwei der vier Notstromaggregate sprangen nicht an, die Bildschirme im Kontrollraum fielen aus, 22 Minuten lang war die Lage außer Kontrolle.
Dass der Stromausfall mehrere Sicherheitssysteme gleichzeitig außer Kraft setzte, wurde bei der anschließenden Prüfung als besonders gravierend bezeichnet. Die Kernkraftinspektion SKI hat nun Anzeige gegen die AKW-Leitung erstattet, weil diese den Reaktor nicht sofort stoppte, sondern erst am folgenden Tag herunterfuhr.
Doch der Zwischenfall sei nur der "Höhepunkt des Verfalls der Sicherheitskultur" in Forsmark gewesen, heißt es in dem internen Bericht. Seit längerem werde die Sicherheit zu Gunsten höherer Produktion vernachlässigt. Erst im November hatte SKI moniert, dass die Reaktoren nach ihrem Neustart mit zu hoher Leistung betrieben wurden.
Die Forsmark-Techniker sprechen von "inakzeptablen Qualitätsmängeln" und einer "immer weitläufigeren Deutung" der Sicherheitsregeln. Fehler wie leckende Ventile oder falsch gekoppelte Kabel würden nicht weitergemeldet, und man ziehe nicht die notwendigen Schlüsse. Bei der Renovierung des zweiten Reaktors habe es mehrere Unfälle gegeben, die Todesopfer zur Folge hätten haben können. Bei der Stichprobenkontrolle von 25 Arbeitern seien drei betrunken gewesen.
Insgesamt listet der Rapport 22 Unglücksfälle und 68 mindere Zwischenfälle in der jüngsten Vergangenheit auf. "Viel schlimmer kann es nicht mehr werden", sagt Björn Karlsson, der Vorsitzende des Ausschusses für Reaktorsicherheit.
Forsmarks Aufsichtsratschef Göran Lundgren räumt ein, dass der "Fokus auf die Sicherheit unterhöhlt" worden sei: "Wenn alles jahrelang so gut läuft, ist man nicht mehr so wachsam." Er bestreitet jedoch ernsthafte Probleme. Die Grenze, ab der etwas als Zwischenfall eingestuft werde, sei in Schweden sehr niedrig. Forsmark habe nicht versucht, die Kritik der eigenen Mitarbeiter zu vertuschen.
Aus: "Interner Rapport: Betrunkene Arbeiter und undichte Ventile im AKW Forsmark" VON HANNES GAMILLSCHEG (30.01.2007) Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?sid=5fece5152e602a7b6f1ecce42050d46f&em_cnt=1062631
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« Reply #13 on: February 04, 2007, 01:59:59 PM » |
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[...] Die angesprochene Gummidichtung, erklärte Anders Jörle, Sprecher der Atomaufsicht SKI, sei im Falle eines Störfalles von entscheidender Wichtigkeit. "Wenn das nicht dicht ist funktioniert das Sicherheitssystem des Reaktors nicht richtig. Wenn ein richtiger Störfall auftritt, wird der Fluss von Wasserdampf zum Reaktor unter anderem über diese Dichtung reguliert. Wenn das nicht funktioniert, hat man weniger Eingriffsmöglichkeiten, ein mögliches Desaster zu verhindern."
Jörles Vorgesetzter, SKI-Chef Anders Bredfell, fasste den Vorfall noch knapper zusammen: "Das ist nichts ernstes. Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Reaktor abgeschaltet wird." Die beanstandete ist eine von drei Gummidichtungen, die an der Dampfdruck-Regulierung beteiligt sind.
Im Juli vergangenen Jahres hatte es in Forsmark einen schweren Störfall gegeben, als nach einem Elektrizitätsausfall auch die Notstromversorgung nur schleppend angelaufen war. Nach Angaben von Experten wurde eine Katastrophe - ein Schmelzen des Reaktorkerns - nur knapp vermieden.
Aus: "SICHERHEITSPROBLEME: Neuer Zwischenfall in schwedischem Pannen-Reaktor" (pat/AFP/AP; SPON; 03. Februar 2007) Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,464127,00.html
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« Reply #14 on: February 12, 2007, 11:01:06 AM » |
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[...] Sogar der Spitze beim schwedischen Vattenfall-Konzern hat die endlose und auch für Fachleute beängstigende Pannenserie im Atomkraftwerk Forsmark die Sprache verschlagen. "Ich hatte so etwas nicht für möglich gehalten. Als mir klar wurde, was da passiert ist, wurde ich erst einmal völlig still", kommentierte Aufsichtsratschef Dag Klackenberg am Wochenende im TV-Sender SVT, was der auch in Deutschland aktive Konzern gerade selbst als neuen Sicherheits-Skandal enthüllt hatte.
[...] Vorausgegangen waren immer neue Skandalmeldungen aus dem 190 Kilometer nördlich von Stockholm gelegenen Kraftwerk mit drei Reaktoren. Josefsson selbst nennt den Störfall vom 25. Juli 2006 "sehr ernst". Nach einem Stromausfall sprangen damals Notaggregate zur Reaktorkühlung nicht an und im Kontrollraum fielen die Überwachungscomputer aus. Zwei der drei Techniker aus dem Kontrollraum berichteten anonym im Fernsehen von "einer ausgesprochen dramatischen Lage" bei dem Störfall. Was folgte, trug nicht zur Beruhigung bei: Es gab Kritik von Mitarbeitern aus Forsmark an einem "Verfall der Sicherheitskultur" und an "immer höherer Risikobereitschaft" wegen wirtschaftlicher Zwänge, es gab Berichte über alkoholisierte Mitarbeiter und hohe Unfallhäufigkeit, die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen Verzögerung des Reaktorstopps am 25. Juli ein. "Wenn alles funktioniert hätte, hätte ich gewusst, was zu tun war. Aber wir hatten keinen Strom, und die Computer liefen nicht. Es ist ja gut gegangen", berichtete ein Techniker anonym von den kritischen Minuten im Kontrollraum. "Klar macht mir so etwas auch Angst", sagte Björn Karlsson, Chef des schwedischen Kontrollrates für Reaktorsicherheit. Umweltminister Andreas Carlgren ist grundsätzlicher ins Grübeln gekommen: "Wenn sich die Zustände in Forsmark ständig als schlechter erweisen, als vom Betreiber selbst behauptet, muss man sich fragen, wie es in den anderen Atomkraftwerken aussieht."
Aus: "Forsmark-Skandal: Wenn das Unmögliche passiert" (Sonntag, 11. Februar 2007) Quelle: http://www.n-tv.de/764943.html
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