COMMUNICATIONS LASER #17
May 18, 2012, 06:50:45 AM *
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Author Topic: [Armut... (Notizen)]  (Read 18453 times)
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« Reply #165 on: November 16, 2010, 10:17:36 AM »

Quote
[...] 6,49 Millionen Deutsche über 18 Jahre haben aktuell so hohe Schulden, dass sie ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Die Zahl der Betroffenen ist damit innerhalb eines Jahres laut dem "Schuldenatlas 2010" (Creditreform) um mehr als 300.000 gestiegen. Über 55 Prozent (3,61 Millionen) der überschuldeten Personen hierzulande haben auch schon mit juristischen Folgen wie einer eidesstattlichen Versicherung oder einer Privatinsolvenz zu kämpfen. Trotzdem betrachten die Experten dies als gutes Ergebnis: Man habe aufgrund des Wirtschaftseinbruchs eine deutlich stärkere Verschlechterung der Überschuldungssituation in Deutschland erwartet.

Überdurchschnittlich stark fiel der Anstieg der Überschuldung der Statistik zufolge in Sachsen-Anhalt (plus 0,53 Prozentpunkte gegenüber 2009) sowie im Saarland und in Berlin (jeweils plus 0,51 Prozentpunkte) aus. Um einen vergleichsweise geringen Anteil ist die Schuldnerquote in Bremen gestiegen (plus 0,21 Prozentpunkte) – allerdings weist die Hansestadt bereits die höchste Quote aller Bundesländer auf (14,13 Prozent). Am niedrigsten ist die Schuldnerquote derzeit in Bayern (7,06 Prozent), Baden-Württemberg (7,46 Prozent) und Sachsen (8,37 Prozent).
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Wie Creditreform weiter mitteilt, nimmt vor allem die Zahl der weiblichen Schuldner zu. Zwar stellen Männer hier immer noch die Mehrheit, allerdings ist ihr Anteil seit 2004 von 68,0 auf 61,3 Prozent zurückgegangen, während der der Frauen stetig steigt. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich die Zahl der überschuldeten Frauen allein 2010 um 11,4 Prozent. Auch in Bezug auf das Alter gibt es klare "Trends": So liegt die Schuldnerquote bei Personen in der Altersgruppe 40 bis 49 Jahre mit 13,29 Prozent zwar weiterhin am höchsten, allerdings nimmt ihre Zahl jedes Jahr weiter ab. Anders sieht es bei den jungen Verbrauchern aus: Von den 20 bis 29-jährigen Einwohnern Deutschlands gelten mittlerweile 10,75 Prozent als überschuldet – mit steigender Tendenz. Einen Anstieg der Schuldnerquote verzeichnen auch die Altersgruppen der unter 20-Jährigen sowie ältere Personen über 70 Jahre.

Als Hauptauslöser für die Überschuldung gilt vor allem der Verlust des Arbeitsplatzes. Auch lasse die gestiegene finanzielle Belastung der Verbraucher – etwa für Gesundheit und Altersvorsorge sowie für Miete und Nebenkosten – einfach weniger Spielraum, um bestehende Kreditverpflichtungen erfüllen zu können, so die Experten von Creditreform. Das Anziehen der Konjunktur seit diesem Frühjahr ist der Sache aber offensichtlich auch nicht förderlich: die positiven Signale haben zu einem wieder lockereren Ausgabeverhalten geführt, das neue Kreditverpflichtungen nach sich zieht. Eine Verbesserung der Überschuldungssituation halten die Finanzexperten daher zumindest in den nächsten zwei Jahren für ausgeschlossen.

Parallel dazu ist auch die Zahl der Unternehmensinsolvenzen weiter angestiegen, das teilte das Bundesamt für Statistik mit. Im August 2010 meldeten die deutschen Amtsgerichte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) 2.660 Unternehmensinsolvenzen. Das waren 1,6 Prozent mehr als im August 2009. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Zeitraum Januar bis August beläuft sich auf 21.888 und damit auf 0,4 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Die voraussichtlichen offenen Forderungen der Gläubiger (B2B und B2C) bezifferten die Gerichte allein für August 2010 auf 4,1 Milliarden Euro gegenüber 4,3 Milliarden Euro im August 2009. (Marzena Sicking) / (map)

Quote
15. November 2010 19:08
Wieviele davon wohl ein iPhone/iPad/MAC haben?
Hyperion123

Dürfte doch die richtige Zielgruppe sein.


Quote
16. November 2010 08:34
4,1 Milliarden Euro = PEANUTS
kacki

4,1 Mrd. Euro:
Das ist nichts im Vergleich zu den 100 Mrd. die Irland vom
Rettungsschirm braucht mit seinen 4 Mio Einwohnern.

Ist ebenfalls nichts zu den Milliarden die die HypoRealEstate
verzockt hat und den ganzen Landesbanken die sich verzockt haben ....



Aus: "Schuldenatlas 2010: 6,5 Millionen können ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen" (15.11.2010)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Schuldenatlas-2010-6-5-Millionen-koennen-ihre-Rechnungen-nicht-mehr-bezahlen-1136547.html

« Last Edit: June 22, 2011, 10:10:26 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #166 on: June 22, 2011, 10:17:18 AM »

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[...] Der Anteil der Senioren hat sich von 12 Prozent im Jahr 2007 auf aktuell etwa 17 Prozent erhöht. Heranwachsende machen bei einigen Tafeln schon einen Anteil von bis zu 40 Prozent aus. Der Vorsitzende des Bundesverbands Deutsche Tafel, Gerd Häuser, warnte vor den Konsequenzen, die Preissteigerungen bei Energie und Lebensmitteln für Geringverdienern hätten, und kritisierte die aktuelle Sozialpolitik: „Der Wirtschaftsaufschwung geht an Millionen Menschen vorbei. Die Zahl derjenigen, die sich aus eigener Kraft kaum aus dem Hartz-IV-Bezug befreien können, liegt auch weiterhin bei mehreren Millionen. Dazu kommen rund 1,4 Mio. Aufstocker. Von ihnen ist selten die Rede, wenn das neue Jobwunder gepriesen wird, gleichzeitig aber zum Beispiel die Mittel für berufliche Eingliederungsmaßnahmen für AlgII-Bezieher stark gekürzt werden."

Er forderte erneut einen Bundesbeauftragten für die Bekämpfung der Armut und appellierte angesichts von Mio. t noch verzehrfähigen Lebensmitteln, die auf dem Müll landen, Angebot und Nachfrage in eine ökologisch und sozial vertretbare Balance zu bringen.


Aus: "Deutsche Tafeln: Zahl der Hilfesuchenden gestiegen" (Mittwoch, 22. Juni 2011 )
Quelle: http://www.lebensmittelpraxis.de/industrie/2454-zahl-der-hilfesuchenden-gestiegen.html

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« Reply #167 on: June 22, 2011, 10:46:09 AM »

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[...] Wie die Huffington Post berichtet, betrat der 59-Jährige am 9. Juni eine Filiale der RBC Bank in Gaston County. Er gab der Bankangestellten einen Zettel: "Dies ist ein Banküberfall. Bitte geben Sie mir nur einen Dollar." Dann sagte er: "Ich werde mich dort drüben hinsetzen und auf die Polizei warten." Verone setzte sich, die Bank alarmierte die Polizei, die Beamten kamen und nahmen den unbewaffneten Mann fest. Er hatte sein Ziel erreicht.

Einzig und allein weil er im Gefängnis seine Geschwulst auf der Brust, seine zwei kaputten Bandscheiben und seinen lahmen linken Fuß kostenlos behandeln lassen kann, ließ er sich verhaften.

...


Aus: "Banküberfall für einen Dollar und Arzttermin" (21.06.2011)
Quelle: http://www.heute.at/unterhaltung/kurioses/Bankueberfall-fuer-einen-Dollar-und-Arzttermin;art752,571971

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« Reply #168 on: July 05, 2011, 09:34:36 AM »

Quote
[...] Wissenschaftler warnen seit Jahren vor einer steigenden Altersarmut in Deutschland, auch wegen der starken Zunahme der Niedriglöhner und Solo-Selbständigen, die für ihre Altersvorsorge zu wenig tun können.

...


Aus: "Kaufkraft der Rentner schrumpft - Altersarmut nimmt zu" Von Thomas Öchsner, Berlin (05.07.2011)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ruhestaendler-im-abseits-kaufkraft-der-rentner-schrumpft-altersarmut-nimmt-zu-1.1116121

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« Reply #169 on: August 03, 2011, 10:31:10 AM »

Quote
[...] Die Wirtschaft in Deutschland mag sich erholt haben, doch am jüngsten Teil der Gesellschaft ist der Aufschwung vorbeigegangen: Jedes sechste Kind ist von Armut bedroht. Dies geht aus einem Bericht des Statistischen Bundesamt in Berlin hervor. Nach der am Mittwoch veröffentlichten Studie gelten 15 Prozent der mehr als 13 Millionen Kinder und Jugendlichen als armutsgefährdet. In absoluten Zahlen sind das fast zwei Millionen Kinder.

Armutsgefährdet bedeutet in diesem Fall, dass das Netto-Einkommen in ihrem Elternhaus unter 11.151 Euro pro Jahr liegt. Die meisten von ihnen leben in Haushalten von Alleinerziehenden. Mehr als ein Drittel aller Kinder, die nur von Mutter oder Vater betreut werden, gilt als armutsgefährdet. Über die Kinderarmut kursieren verschiedene Zahlen, die immer wieder auch kontrovers diskutiert werden.

Wie aus den Daten weiter hervorgeht, wachsen in Deutschland gemessen an der Gesamtbevölkerung so wenig Kinder und Jugendliche auf wie in keinem anderen Land Europas. Nur 16,5 Prozent der 81 Millionen Menschen in der Bundesrepublik sind jünger als 18 Jahre. Im Nachbarland Frankreich liegt der Anteil der Kinder und Jugendlichen an der Gesamtbevölkerung bei mehr als 22 Prozent.

Dort wird bereits seit den frühen achtziger Jahren versucht, mit gezielter Familienpolitik die Geburtenrate zu steigern. Aber auch Großbritannien, die Niederlande sowie die skandinavischen Länder kommen auf einen Anteil von mehr als 20 Prozent. Die meisten Kinder und Jugendlichen Europas leben in der Türkei: Fast jeder dritte der 72 Millionen Türken ist laut der Übersicht jünger als 18 Jahre.


Aus: "Bericht des Statistischen Bundesamts Zwei Millionen Kinder von Armut bedroht" (03.08.2011)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/leben/bericht-des-statistischen-bundesamts-zwei-millionen-kinder-von-armut-bedroht-1.1127568

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« Reply #170 on: October 03, 2011, 02:20:41 AM »

Quote
[...] Geschätzte 3,5 Millionen Obdachlose gibt es in den USA. In Chicago sind es vielleicht 40 000, darunter etwa 10 000 Jugendliche. Sie sind nur die Spitze des Eisberges. Die Anzahl derer, die von dem, was sie haben, nicht leben können und Hilfe brauchen, geht im ganzen Land weit in die Millionen. Mitte September veröffentlichte die US-Regierung die neuesten Daten zur Armut. Demnach gelten rund 46,2 Millionen Amerikaner als arm. Das sind so viele wie noch nie. Die Quote von 15,1 Prozent ist die höchste seit 1993 in dem Land mit der größten Volkswirtschaft der Welt. Seit dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise im Oktober 2008 ist die Anzahl der Empfänger von Essensmarken um 70 Prozent gestiegen.

...


Aus: "Verelendung: Das Armutszeugnis der USA" Von Moritz Honert (02.10.2011)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/das-armutszeugnis-der-usa/4679362.html

-.-

Quote
[...] In der Käuferschlange an der Kasse eines amerikanischen Supermarkts sind sie unschwer auszumachen: Kunden mit Lebensmittelmarken. Statt in bar oder mit einer Kreditkarte bezahlen sie mit einer staatlichen Plastikkarte. Der Kaufpreis der Lebensmittel wird elektronisch abgebucht, bis zu 500 Dollar kann eine arme Familie pro Monat erhalten. Für rund 46 Millionen Empfänger sind die Lebensmittelmarken ein Rettungsring, der sie vor Hunger bewahrt.

Ein halbes Jahrhundert nach Michael Harringtons bahnbrechendem Buch über das «andere Amerika» ist Armut in den USA wieder zu einem Thema geworden. Gestern legte das US-Zensusbüro neue Zahlen zur Verarmung vor; erstmals wurden dabei die Hilfsmassnahmen des Staats zur Linderung der Armut in Betracht gezogen: Lebensmittelmarken und Cash-Zahlungen, Miet- wie Heizbeihilfen.

Trotzdem rutschten laut den neuesten Berechnungen der Volkszählungsbehörde weitere drei Millionen Amerikaner in die Armut ab: 49 Millionen sind arm, mehr als 20 Millionen leben in extremer Armut mit einem Jahreseinkommen von 5500 Dollar oder weniger. Besonders unter Alten, aber auch Amerikanern asiatischer Herkunft sowie Latinos stieg die Zahl der Armen an.

Die Ursachen dieser Armut inmitten des Überflusses sind vielfältig; staatliche Hilfsprogramme greifen nur unzureichend, das soziale Netz ist loser geknüpft als etwa in Westeuropa. Für den Anstieg der Armut machen Experten unter anderem die Deindustrialisierung des Landes verantwortlich. Konnten Schulabgänger ohne Studium bis in die Achtzigerjahre durch industrielle Arbeit in die Mittelklasse vorstossen, so ist dieser Weg nun weitgehend versperrt: Über 50'000 US-Fabriken sind seit 1990 geschlossen worden, allein seit 2000 sind nahezu sechs Millionen Industriejobs durch Verlagerung ins Ausland, Pleiten oder Wegrationalisierung verschwunden. Auch deshalb stieg die Armutsrate gerade im Mittleren Westen, in Industriezentren wie Detroit, Youngstown und Toledo stark an.

Soziale Pathologien spielen gleichfalls eine Rolle: Die im internationalen Vergleich hohe Rate der Teenagerschwangerschaften treibt die Armutsrate ebenso nach oben wie der Zerfall afroamerikanischer Familien. Schon in den Sechzigerjahren hatte der Soziologe und spätere demokratische Senator Daniel Patrick Moynihan vor den Auswirkungen dieses Zerfalls gewarnt. Alleinerziehende weisse wie schwarze Mütter ohne Ausbildung werden oftmals ebenso marginalisiert wie vorbestrafte afroamerikanische Männer: Überwiegend wegen Drogenvergehen verurteilt, sind sie nach dem Absitzen ihrer Haftstrafen stigmatisiert und finden nur schwer den Einstieg in den Arbeitsmarkt. Noch immer behindern zudem Rassenvorurteile den Aufstieg von Afroamerikanern.

Die Konzentration von Armen in städtischen Ballungszentren und die Zunahme von Armut in Suburbia verschärfen soziale Pathologien und münden nicht selten in eine regelrechte Kultur der Armut. Laut der Zensusbehörde stieg beispielsweise die Zahl der «extrem Armen» im Jahr 2010 in 300 der 360 grössten US-Ballungsräume an. Nicht weiter überraschend ist, dass die Armutsrate stärker in jenen Staaten anstieg, die wie etwa Florida und Nevada besonders vom Platzen der Immobilienblase betroffen sind.

Die hohe Armutsrate von Latinos wiederum verdankt sich einerseits illegalen Einwanderern, die von staatlichen Hilfsmassnahmen weitgehend abgeschnitten sind, sowie dem hohen Prozentsatz vorzeitiger Schulabgänger in der hispanischen Gemeinschaft. Daneben sind die Barrieren für den Universitätszugang grundsätzlich gewachsen; viele Familien sind kaum noch in der Lage, stark steigende Ausbildungskosten für Universitäten und Colleges zu bezahlen. Hohe Studiengebühren und die Notwendigkeit von Studienkrediten belasten viele US-Studenten mit hoher Verschuldung.

Trotz des traditionellen Bekenntnisses zur Chancengleichheit droht den USA damit eine soziale Verknöcherung: Laut diversen Studien, darunter auch eine der OECD, liegt die soziale Mobilität der US-Gesellschaft inzwischen hinter den skandinavischen Ländern sowie Deutschland und Frankreich. Aus Armut aufzusteigen, ist in den Vereinigten Staaten mithin schwieriger als in vielen europäischen Staaten.

Hinzu kommt trotz der staatlichen medizinischen Versorgung von Senioren eine wachsende Altersarmut aufgrund niedriger Renten und mangelhafter finanzieller Vorsorge sowie durch zusätzliche Gesundheitskosten, die vom Staat nicht abgedeckt werden. Jeder sechste ältere Amerikaner lebt in Armut, ein weiterer Anstieg der Armutsrate unter den Alten ist programmiert.

Noch schlimmer verhält es sich bei amerikanischen Kindern: Ihre Armutsrate betrug 2010 satte 22 Prozent. Auch verzeichnete der Zensus in einem Report vom September über 300 Bezirke, in denen mindestens 30 Prozent der Kinder in Haushalten mit problematischer Lebensmittelversorgung aufwachsen. Hier hilft der Staat nicht nur mit Lebensmittelmarken, sondern auch mit Schulmahlzeiten, die an Schultagen mehr als 20 Millionen Kinder sättigen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.11.2011, 15:51 Uhr



Aus: "Das andere Amerika" Von Martin Kilian (08.11.2011)
Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/Das-andere-Amerika/story/22277508


« Last Edit: November 09, 2011, 10:10:25 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #171 on: April 19, 2012, 01:37:42 PM »

Quote
[...] Die Familie rutscht ins Nichts.

... Was früher die Armen betraf, erreicht längst den Mittelstand. Ende 2011 war die spanische Arbeitslosenquote von 23 Prozent die höchste in der Europäischen Union. Sechs Jahre zuvor lag Spanien beim europäischen Durchschnitt von neun Prozent. Was seitdem geschehen ist, gleicht der Chronik eines angekündigten Todes. Die hausgemachte Überhitzung des Immobilienmarkts verband sich mit einer importierten Finanzkrise und nationaler Schlamperei. Fast alle leben auf Pump - die Haushalte, die Kommunen, die Regionen, der Staat. Jetzt wird das Minus fieberhaft hin und her geschoben und landet bei den Schwächsten. Seit 2007 verlieren die Menschen ihre Jobs, ihre Wohnungen, ihren Status. Den Nachkommen bleibt kaum etwas außer miserablen Aussichten. Und die Finanzmärkte bezweifeln weiter, dass die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Europäischen Union auf den Füßen bleibt.

Kürzlich veröffentlichte die Zeitung „El País“ eine Serie über die Veränderungen im Land. Dreißigjährige mit Universitätsabschluss begnügen sich mit Stellen, für die sie siebenhundert Euro monatlich bekommen. Sechzig Prozent der jungen Leute wollen Beamte werden, weil sie sich nach Sicherheit sehnen. Die Stadtzeitungen annoncieren kostenlose Konzerte und Ausstellungen, verraten, wo man billig Urlaub machen und für ein paar Euro essen kann. „Die neuen Armen“, so nennt man eine spanische Mittelklasse, die es nicht nur schlechter haben wird als ihre Eltern, sondern von Fall zu Fall zur Emigration gezwungen ist wie ihre Großeltern gegen Ende der Franco-Diktatur. Eine Erholung der spanischen Wirtschaft ist auf Jahre hinaus nicht in Sicht, und was zurzeit an Kürzungen im Bildungs- und Sozialbereich über Spanien hereinbricht, wird den Schaden zementieren.

...


Aus: "Suppenküchen für den Mittelstand" Von Paul Ingendaay, Madrid (18.04.2012)
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/neue-armut-in-spanien-suppenkuechen-fuer-den-mittelstand-11722330.html
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« Reply #172 on: May 03, 2012, 10:51:15 AM »

Quote
[...] Sie üben in Ihrem Buch scharfe Kritik an den Tafeln. Warum?

Kathrin Hartmann: Weil sie das System stabilisieren. Die Tafeln sammeln übriggebliebenes Essen von Supermärkten, das sonst weggeschmissen werden würde und verteilen es an die Bedürftigen. Das klingt zwar super, weil es so pragmatisch daherkommt: Man nimmt Nahrungsmittel, die ansonsten entsorgt würden und gibt es an Leute, die nichts haben.

Tatsächlich zeigt es aber sehr deutlich den Ausschluss der Armen aus unserer Konsumgesellschaft, denn für die Armen bleiben nur noch die sprichwörtlichen Brosamen übrig. Und es suggeriert, dass man gegen Armut in diesem Land nichts mehr zu machen braucht, weil die Armen über die Tafeln aufgefangen würden.

Zwar sind die Tafeln für die Leute hilfreich, der Skandal aber liegt darin, dass es überhaupt solche Tafeln in einem reichen Land wie Deutschland geben muss. Sollen Arme im Ernst dankbar dafür sein, dass sie mit Müll abgefüttert werden?

Ich habe auch gehört, dass sich bei den ehrenamtlichen Tafelmitarbeitern so etwas wie ein Uschi-Glas-Effekt einstellen würde...

Kathrin Hartmann: Ich habe bei den Tafeln zum ersten Mal die tiefe Kluft zwischen Reich und Arm an einem Ort gesehen. Einmal habe ich beobachtet, wie eine der Tafelvorderern ganz selbstverständlich mit einem schwarz glänzenden Oberklassewagen an der Schlange Bedürftiger vorbei auf den Parkplatz gefahren ist, um dann Lebensmittel zu verteilen. Dieses Bild hat mich wirklich schockiert. Die gesellschaftlichen Verhältnisse wiederholen sich an der Tafel: Es gibt die Reichen, die geben und es gibt die Armen, die nehmen. Das ist wie im 19. Jahrhundert.

... Für die Tafeln braucht man einen Berechtigungsausweis, den muss man sich dann um den Hals hängen. Man muss zuerst seine Bedürftigkeit nachweisen, dann entscheiden die Tafeln, wen sie aufnehmen wollen. Außerdem muss man sich abmelden, wenn man einmal nicht kommen kann. Sonst kann man seine Zugangsberechtigung verlieren. Das Ganze ist von vorn bis hinten demütigend.

Einer meiner Protagonisten hat mir von einem besonders hässlichen Fall an einer Tafel in einer mittelgroßen Stadt in Bayern erzählt: Dort hat sein Bekannter einmal seine Lebensmittel von der Tafel an Tafel-Nutzer verteilt, die nicht so viel abbekommen haben wie er. Daraufhin hat er seine Zugangsberechtigung verloren, er ist rausgeworfen worden. Bei den Tafeln ist schließlich klar aufgeteilt, wer gibt und wer nimmt.

...

Quote
2. Mai 2012 18:52
Twister2009, Bettina Hammer

Stephan Schleim schrieb am 2. Mai 2012 18:39
> Gut, dass das hier einen Platz gefunden hat.

Hm, ich bin da eher skeptisch eingestellt. Manche Aussagen, gerade
auch, was die Tafeln angeht und die ALG II-Agenda, befürworte ich.
Aber manches erscheint mir eher unausgegoren bis wenig überzeugend.

Da geht es mir nicht einmal um die Zahl - 7 Millionen, weniger als 10
Prozent = 1 Million?
Es geht mir um mehrere Aspekte:
1. dreht es sich letzten Endes hier zwar auch um die Frage, wie man
mit Armut umgeht (Vergleich Bangladesh/Deutschland), aber die Frage,
ob nicht auch die Erwartungen in den westlichen Ländern extrem
geworden sind, wird auch nicht aufgeworfen

2. der Begriff "die Reichen" ist mir zu vage - wer genau sind sie, ab
wann, was macht sie "Böse", gibt es da nicht auch solche und solche

3. die Analyse, was ALg II-Empfänger angeht, erscheint mir nicht nur
in diesem Interview glorifizierend. Ich bin selbst für ein BGE und
gegen ALG II, aber letztendlich muss ich immer wiede sagen, dass ALG
II-Empfänger keine homogene Masse sind. So wenig wie "die Reichen",
die "Journalisten", "die Polizisten" usw. Wer also letztendlich
keinerlei versoffenen und faulen ALG II-Empfänger getroffen hat und
meint, diese wären halt nur in sozialen Brennpunkten zu finden, der
ist im Endeffekt genauso einseitig wie derjenige, der meint, es gäbe
keine gesunde, arbeitsbeflissene und nichtrrinkende ALG II-Empfänger.
Es gibt eben alles - den faulen Sack, der zehntausend
Entschuldigungen für sein Nichterscheinen beim TErmin findet; die
schuftende Verkäuferin, die trotzdem ALG II ergänzend benötigt; den
versoffenen Proleten, der sowieso auf alles scheißt; die depressive
Kranke, die sicha ufrappelt aber keine Chance mehr hat; der 50jährige
genauso wie die 23jährige alleinerziehende Mutter, die Familie ohne
Erwerbseinkommen genauso wie der alkoholkranke Zyniker usw. usf.
Diese Verschiedenheit zu negieren und die Masse der ALG II-Empfänger
auf die lieben, arbeitsbeflissenen und arbeitssuchenden unschuldigen
und fleißigen Leute zu reduzieren hilft imho niemandem, denn dadurch
wird das Problem nicht anders, sondern die Leute reagieren mit
Ablehnung nach dem Motto "hä? Also, ich kenne x".

Es gilt insofern nicht mehr zu sagen "ALG II finde ich fair, wenn xyz
passiert", sondern zu sagen "jeder, egal ob arbeitsscheuer Typ, ob
alleinerziehende Mutti, ob Nazi, Linker, FDP-Anhänger, CDU-Freund
oder Pirat, ob Katholik, Ex-Polizist, Vorbestrafter, Kinderschänder
oder wer auch immer hat ein Anrecht auf ein BGE. Genauso gilt das für
Ex-Manager, die nun pleite sind.


Quote
2. Mai 2012 16:54
Im Prinzip richtig
Captain Data

... Lustigerweise werden, wenn es um's "Sozialschmarotzertum" geht, nur
die üblichen Verdächtigen vorgeführt: alkoholisierte, kettenrauchende
"Abhartzer", deren einzige Agenda darin zu bestehen scheint, beim
Aldi nebenan Bier und Kippen zu beschaffen und um 12 beim
Frühschoppen vom Bild- oder RTL-Reporter erwischt zu werden.

Den Geschäftsmann, der hingegen ein Zeitarbeitsunternehmen führt und
sich vom Staat jede Stelle fördern lässt und kräftig an den
vermittelten prekär beschäftigten Arbeitnehmern verdient, der wird
als "erfolgreich" und "Vorbild" geführt. Nicht aber eben als
"Schmarotzer". Denn: gäbe es ihn nicht, würden seine Arbeitnehmer
womöglich in besseren Arbeitsverhältnissen stehen und nicht staatlich
gefördert werden ...



Aus: ""Ein perfides Menschenbild bestimmt Hartz IV"" Reinhard Jellen (02.05.2012)
Gespräch mit Kathrin Hartmann über Hartz IV, Super-Gentrifizierung und die Politik der Tafeln
Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/36/36823/2.html

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