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« Reply #150 on: May 28, 2009, 09:06:08 AM » |
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[...] Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International befürchtet, dass die Wirtschaftskrise weltweit zu mehr Repression, Unterdrückung und Chancenungleicheit führt. Im neuen Jahresbericht, der an diesem Donnerstag veröffentlich wird, schreibt Generalsekretärin Irene Khan, die Aufmerksamkeit der Politiker und die finanziellen Mittel konzentrierten sich fast nur noch auf die Wirtschaftskrise, "dabei stecken wir mitten in einer Menschenrechtskrise".
So seien im vergangenen Jahr in Tunesien zwei Menschen von der Polizei getötet, viele verletzt und 200 strafrechtlich verfolgt worden, weil sie gegen die hohen Lebensmittelpreise protestiert hatten.
In dem westafrikanischen Land Kamerun seien sogar 100 Menschen erschossen worden, als sie mit Demonstrationen darauf aufmerksam machten, dass sie sich die Nahrungsmittel nicht mehr leisten konnten. Der "empörendste Fall der Verweigerung des Rechts auf Nahrung", so heißt es in dem Bericht, habe sich in Birma ereignet. Drei Wochen lang habe das Regime nach dem Zyklon Nargis keine ausländischen Helfer ins Land gelassen.
Amnesty International fordert "neue Führer, eine neue Politik, eine neue Art von Wirtschaft". Nötig sei eine multilaterale Kooperation zum Wohl aller Menschen, nicht nur zum Wohl weniger Auserwählter. Während sich Amnesty International früher vor allem auf politische Rechte wie Meinungsfreiheit oder Gleichheit vor dem Gesetz konzentriert hatte, nimmt sich die Organisation seit einigen Jahren auch des Themas Armut an.
...
Aus: "Jahresbericht von Amnesty International - Die Würde der Armen" Von Judith Raupp (28.05.2009) Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/520/470071/text/
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« Reply #151 on: July 21, 2009, 10:34:32 AM » |
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[...] Flaschen- und Dosensammler. Der Erste steht im S-Bahnhof Stellingen. Eineinhalb Stunden vor Spielbeginn ist sein Einkaufswagen halb voll. Er hat noch ein paar leere Taschen in Reserve. In eine Lache unter dem Wagen tropfen Bier, Red Bull, Wodka, Cola. Frank ist 42 und wäre ohne das Flaschensammeln "ganz schlecht dran". Mit Pfand ist er "schlecht dran". Frank ist bei jedem Heimspiel, Partien am Sonntag sind schwierig, weil dann die Dosen bis Montag zwischengelagert werden müssen.
In einigen Supermärkten seiner Wohngegend hat Frank Hausverbot, "weil die das mit dem Pfand nicht gerne sehen". Gibt's beim Einlösen des Pfandguts Ärger, sagt Frank: "Leute, das Pfandgesetz hab' nicht ich gemacht." Sondern der Trittin. Manchmal muss er die Flaschen und Dosen portionieren. Dann bringt er nur das Pfandgut in den Supermarkt, das dort auch verkauft wird. Es gibt Märkte, die alles nehmen. Es geht um Cent, aber die Menge macht's. Für den Markt und für Frank.
Unter den Fans hat Frank Stammkunden, die ihr Leergut in Einkaufstüten zu ihm bringen. Ist wie eine Spende. Er bekommt auch mal eine volle Flasche, am liebsten ist ihm Bier, oder Geld. Im S-Bahnhof Stellingen stehen heute fünf Einkaufswagen, die Stellplätze machen die Männer untereinander aus.
Vier der fünf Wagen gehören einem anderen Sammler, der schon mal neben einem Fan steht, der gerade trinkt, und darauf wartet, dass die Flasche leer wird. Dann schauen sich Fan und Sammler in die Augen, und der Fan schüttelt den Kopf, weil er sich vom Sammler nicht dazu nötigen lassen will, schneller zu trinken.
"Unter den Flaschensammlern gibt es nie Stress, vielleicht mal mit den Asylanten, weil die nicht gleich verstehen, wie das hier läuft", sagt Frank. Frank macht 40 bis 50 Mücken an einem guten, 25 an einem schlechten Tag. "Es gibt Spiele, da krieg' ich kaum was", sagt er. Frank, der von Hartz IV und Ein-Euro-Jobs lebt, versucht auf diese Weise, von seinen Schulden herunter zu kommen. Er wird in den nächsten Tagen Privatinsolvenz anmelden, und möchte den Gläubigern guten Willen zeigen, indem er ihnen ein paar Euro anbietet.
Da legt einer mehrere Flaschen in seinen Korb. "Danke", sagt Frank, der sich gerne mit den Fans unterhält. "Ich beruhige sie, wenn die Stimmung aufgeladen ist", sagt er. Das hilft den Fans und ihm hilft, "dass ich nicht nur zu Hause in der Bude hocke, wo mir die Decke auf den Kopf fällt". Frank hat die Kiste, auf der er sitzt, weil seine Knie langes Stehen nicht mitmachen, in eine Ecke gestellt. Da hockt er, wenn zwischen den ankommenden S-Bahnen Pause ist, und guckt sich um. Andere Flaschensammler lassen ihren Wagen häufiger stehen und suchen nach Dosen. Das macht Frank nicht, weil er weiß, dass herrenlose Einkaufswagen weniger Dosen kriegen.
Es gibt hier auch ambulante Sammler. Ein älterer Mann mit Glatze und Brille, in grauer Bundfaltenhose und grauer Windjacke sammelt und kontrolliert die Mülleimer. Ein anderer in rotem Pullover und guten Schuhen. Sie sehen aus wie wir. Daran kann man sehen, wie frisch das Elend über sie hereingebrochen ist. Wie es mit uns abwärts geht.
Hinter den Tunnels, dort, wo sich die Fans in Shuttle-Fahrer und Fußgänger teilen, steht Gerd, 48 Jahre alt, der "60 bis 70 Euro im Monat mit Flaschensammeln verdient". Reicht für Tabak und Bier. Bei ihm läuft's heute schlecht. Die Woche über sammelt er auf dem Kiez, der von einer selbst organisierten Tag- und Nachtschicht abgegrast wird, an den Landungsbrücken und auf dem Fischmarkt. Seine Tour beginnt zwischen zehn und zwölf Uhr am Vormittag.
Gerd bekommt 360 Euro Rente, die Miete zahlt das Amt. "Ich muss ja von irgendwas leben", sagt er, "ohne Flaschenpfand würde es nicht gehen." Gerd schätzt, dass es in Hamburg "so zwischen 2.000 und 2.500 regelmäßige Flaschensammler gibt, dazu kommen diejenigen, die es ab und zu mal machen". Ein paar arbeiten ständig auf Bahnhöfen und gehen durch Züge, die ein paar Minuten Aufenthalt haben. Die Bahn AG hat einen dieser Sammler mit dem Argument verklagt, das liegen gelassene Pfandgut gehöre ihr. Die Klage wurde abgewiesen.
"Es sind viele Alte dabei", sagt Jens, der mit Gerd zusammenarbeitet, "Rentner, Obdachlose, Arbeitslosengeld II-Empfänger, Schwerbehinderte." Gerd dreht sich eine Zigarette, plötzlich ist er weg. Er hat ein Klimpern gehört und fischt zwischen den Leuten im Tunnel eine Flasche hervor. "Wenn von uns jemand mehr als einen Fünfer in der Tasche hat, ist er reich", sagt Gerd. Auch er bedankt sich für jede Dose. "Ich krieg' ein bisschen Geld und hab Unterhaltung. Nur zu Hause sitzen, da verblödet man", sagt er.
Auf dem Fußweg ins Stadion steht alle hundert Meter ein Einkaufswagen, ein Mann oder eine Frau mit großen Tüten. Seit es auf Dosen und Flaschen Pfand gibt, liegt kaum mehr was in den Büschen.
...
Aus: "Sie sehen aus wie wir" VON ROGER REPPLINGER (19.05.2009) Quelle: http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=ha&dig=2009%2F05%2F19%2Fa0178&cHash=a982f9d361
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« Reply #152 on: August 05, 2009, 09:00:55 AM » |
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[...] Berlin - Die Finanzbehörde hat im Auftrag Thilo Sarrazins (SPD) einen detaillierten Drei-Tage-Speiseplan für Hartz-IV-Empfänger erstellt. Demnach können sich Arbeitslose schon für 3,76 Euro "völlig gesund, wertstoffreich und vollständig ernähren", erklärte Sarrazin der "Welt". Damit ließe sich sogar etwas sparen, da der Regelsatz von 4,25 Euro pro Tag sogar noch unterboten wird. Zur Überprüfung der angegebenen Preise habe er eine Mitarbeiterin in einen Discounter geschickt, sagte Sarrazin gegenüber der "BZ". Voraussetzung für die Einhaltung der "Sarrazin-Diät" ist allerdings die strenge Enthaltsamkeit bei Alkohol und Zigaretten. von martin.westendorf 12.2.2008 13:30 Uhr
Thilo Sarrazins als Ernährungsberater
Am Besten Herr Thilo Sarrazins richtet ein Konto für besonders hilfgsbedürftige Mitmenschen ein, überweist so viel Geld seines Girokontos darauf, dass ihm selbst noch ein "Hartz IV-Einkommen" bleibt und lebt dann nach seinen Vorschlägen für die Arbeitslosen.
- Oder sollte er auch seine Sparguthaben abgeben?
Wir brauchen wieder echte Vorbilder in der Politik die Persönlichkeitsausstrahlung und Charakter besitzen und niemanden der permant beschämt!
von top_t 12.2.2008 11:21 Uhr
Guten Appetit!
Wenn man nicht in der Lage ist, sich selbst zu verpflegen und auf die Hilfe der Gesellschaft angewiesen ist, kann man da wirklich Ansprüche stellen auf Alkohol und Zigaretten? 4,25 am Tag ist nicht viel, dafür hat man aber viel Zeit sich eine Beschäftigung zu suchen! HartzIV soll nämlich diese Zeit nur überbrücken und nicht zu einer Art Einkommen werden! Dann wäre nämlich auch genug Geld im Topf um die Oma und den Opa etwas mehr zum täglichen Leben zur Verfügung zu stellen, anstelle Unwillige und Faule mit durch zu füttern.
von ogre 12.2.2008 9:57 Uhr
Was regen Sie sich auf?
An alle, die hier auf der großen Empörungswelle schwimmen: denken Sie daran, dass Hartz IV dazu gedacht ist, das Existenzminimum zu sichern und nicht dazu, sich sein Leben vom Staat finanzieren zu lassen. Außerdem soll es ein Druckmittel für die Betroffenen sein, sich schnell wieder selbst durch Arbeit finanzieren zu können (auch wenn es vielleicht nicht im erlernten Beruf ist). Wenn ich sehe, dass in vielen Hartz-IV-Haushalten geraucht und/oder Alkohol konsumiert wird, scheint es ja noch zu viel Geld zu geben. Wenn dann noch den ganzen Tag der Fernseher läuft und die Leute zusehends verfetten, weil sie nur noch in der Lage sind, Fertigprodukte in die Mikrowelle oder den Ofen zu schieben (und damit noch unser Gesundheitssystem belasten), dann halte ich die Tips für durchaus vernünftig. Offensichtlich muss den Leuten ja mal gezeigt werden, wie sie sich vernünftig ernähren und wie sie ihr Leben wieder in den Griff bekommen.
von gernotdrechsler 12.2.2008 11:32 Uhr
welch ein luxus!
eines verstehe ich nicht ganz: wieso gesteht schmalhans sarrazin den faulen kaffee zu, wo doch kräutertee viel gesünder und billiger ist? es gibt noch so viel zu sparen ...
von kernkompetenz kernkompetenz ist gerade offline 12.2.2008 14:53 Uhr
Wieviel darf's denn sein?
Mir geht dieses jetzt schon jahrelange monotone Hartz-IV-Gesülze von "Bild", "Linkspartei" und deren jammernden Anhängern ganz gewaltig auf den Sender. Als handele es sich um eine planmäßige absichtliche Verelendungsstrategie und nicht um den verantwortlichen Umgang mit Steuergeldern.
Davor gab es doch auch die Sozialhilfe, und das war sogar noch weniger. Wem "Hartz IV" nicht auskömmlich ist, der soll halt arbeiten.
von berlinradler 12.2.2008 13:34 Uhr
Arbeit suchen
Man liest in den Kommentaren häufig den Vorschlag, von ALG II Betroffene sollen sich einfach Arbeit suchen. Gibt es denn wirklich so viele Millionen freie Arbeitsstellen? Wo?
Auch staune ich - wie einige Mitkommentatoren - über die scheinbar gefühlte Sicherheit einiger. Dass Arbeitslosigkeit sie niemals treffen kann, ist erstaunlich. Sind es im jungen Alter zunächst die Gerinqualifizierten, so finden sich bei den Alten dann auch immer mehr Fachleute und Akademiker. Von Risiken wie Krankheit (eigene oder die Verwandter), Wirtschaftskrise etc. ganz zu schweigen.
Zudem nützt es den Wohlhabenden nicht, würde man keine oder noch geringere Sozialleistungen anbieten. Das dürfte sich stark auf die Kriminalitätsstatistik und das Stadtbild (Obdachlose, Ghettos) auswirken.
Zu allerletzt frage ich mich wirklich, ob ein intelligenter Mensch wie Herr Sarrazin davon ausgeht, dass seine "gutgemeinten" Ratschläge wohlwollend aufgenommen werden könnten. ...
von taspie taspie 12.2.2008 7:22 Uhr
Abschaum
Ich lebe von ALGII, und wenn ich so etwas lese, bin ich fassungslos. Und: Nein. Ich habe keine Lust mich zu rechtfertigen. Weder dafür, dass ich von Transferleistungen lebe, noch dafür, dass ich kein Einkommen habe, also keiner Erwerbsarbeit nachgehe. Arbeitslosigkeit gehört zur Gesellschaft und lässt sich weder leugnen noch wegdiskutieren, und die Arbeitslosen können, auch wenn der ein oder andere es gerne hätte, nicht eliminiert werden. Noch nicht.
Ratschläge zur preiswerten Lebensführung oder Beschimpfungen als Sozialschmarotzer oder ähnliches, stammen aus den dunkelsten Niederungen der menschlichen Seele, von dort, wo alles ganz einfach scheint, völlig unkompliziert und handgreiflich. Wenn nur der ganze Schlamm nicht wäre, in dem man so tief steckt und der einen in seinem tiefsten Inneren nicht loslassen will. Ein zäher, klebriger Morast, in dem das geheime Innere gefangen ist, und von dem niemand etwas erfahren darf, und den man selbst am liebsten vergessen möchte. Ab und an öffnet sich jedoch der Schlund des eigenen Seelenlebens, zu quälend ist die ständige Verstellung, das Geheimnis, das man stets vor sich und anderen verbergen muss, und eine Wolke von ekelhaftem Gestank treibt ins Licht. Diskriminierung, Abwertung, Hetze und gute Ratschläge, sind die öffentlichen Manifestationen solcher geistigen Fürze. Am liebsten, weil so einfach und naheliegend, konzentrieren sie sich auf Minderheiten. Die können sich so schlecht wehren.
Früher dachte ich immer, die Deutschen besäßen eine ganz besondere Sensibilität für die seelischen Mechanismen, die zu solchen geistigen Deformationen und ihren öffentlichen Zurschaustellungen führen. Latente Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus habe ich nie wahrgenommen, war ich doch selbst nicht davon betroffen. Seit ich Hartz IV am eigenen Leib und an der eigenen Seele erleben, im Kontakt zu Behörden, Mitbürgern, durch die Äußerungen von Politikern, die sich Verantwortung anmaßen, oder auch nur beim Lesen einiger Leserbriefe auf dieser Seite, kenne ich meine Landsleute besser. Der ganze Sumpf ist noch vorhanden. Nicht in seinen wildesten, wortwörtlich erstickenden Ausprägungen. Aber die Ansätze sind da. Die Mechanismen sind dieselben. In Ihrer Grausamkeit ein wenig kastriert, aber sie regen sich. Zum Beispiel bei Herrn Sarrazin.
Vielleicht sollte ich mich bei Ihnen bedanken, Herr Sarrazin? Dafür, dass sie mich demütigen und erniedrigen? Ich kann sie ja schließlich nicht in die Luft sprengen, oder? Aber wohin mit der Wut? Schlagen sie mich, Senator! Erniedrigen sie mich. So wie sie es am eigenen Leib erfahren haben. Ich bin Abschaum. Der Abschaum am unteren Rand der Gesellschaft. Danke, dass Sie mich daran erinnern.
...
Aus "Hartz-IV-Menü: Sarrazin: So sollten Arbeitslose einkaufen" Von Henning Onken, 11.2.2008 Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/Landespolitik-Hartz-IV-Thilo-Sarrazin;art124,2474631,7-pg2-.- [...] Frage: Herr Trabert, Sie kommen gerade von der Generalversammlung der EAPN (European Anti Poverty Network) in Wien zurück. Dort waren Sie einer von acht Delegierten aus Deutschland. Inwiefern ist die Finanzkrise dort Thema gewesen?
Prof. Dr. Gerhard Trabert: Die Finanzkrise verschärft das Thema Armut in Europa. Derzeit sind etwa 80 Millionen Europäer von Armut betroffen. Es gab vor der Finanzkrise schon eine Zunahme von Armut, jetzt wird diese Krise, und dass hat sie teilweise auch schon, noch weiter in der scheinbaren sicheren Mitte unserer Gesellschaft eine soziale Abwärtsentwicklung verursachen. Die Schere zwischen arm und reich wird in Europa noch gravierender auseinandergehen.
Frage: Gibt es erste Anzeichen?
Trabert: Ja, die Arbeitslosigkeit in den europäischen Ländern nimmt zu. Der Verlust von Arbeit ist fast immer, wenn man einmal von den Abfindungen der Vorstandvorsitzenden und Managern bei Verlust ihrer beruflichen Position absieht, mit Einkommensminderungen verbunden. Zudem bedeutet Arbeitslosigkeit in unseren stark leistungsorientierten Gesellschaften immer auch ein Prestigeverlust, gerade auch im Hinblick auf den Sozialstatus. Bei vielen Betroffenen bedeutet dies eine deutliche Minderung des Selbstwertgefühles.
Frage: Vor ein paar Wochen hat der Paritätische Wohlfahrtsverband den Armutsatlas für die Bundesrepublik veröffentlich. Kann man in Deutschland überhaupt von Armut sprechen?
Trabert: Das kann man nicht, dass muss man. Mich ärgert es sehr, dass Politiker wie der in Mainz bekannte Herr Sarrazin das Armutsproblem immer wieder durch stigmatisierende, verharmlosende Äußerungen bagatellisieren, ja teilweise lächerlich machen. Arme Menschen sterben in Deutschland signifikant früher als reiche. Wenn man das reichste Viertel unserer Mitbürger mit dem ärmsten Viertel vergleicht, sterben arme Frauen acht Jahre und arme Männer zwölf Jahre früher. Das zeigt eindeutig, dass Armut in Deutschland existentiell bedrohliche Facetten hat und es eben nicht darum geht, ob man sich einen Plasmabildschirm oder CD-Player leisten kann.
Frage: Sie fliegen immer wieder in Krisengebiete, um die Menschen dort medizinisch zu versorgen. Sie waren in Afghanistan, Angola und nach dem Tsunami in Sri Lanka. Können Sie da die Armutsprobleme in Deutschland überhaupt noch erst nehmen?
Trabert: Die kann und nehme ich sehr wohl ernst. Es ist wenig sinnvoll, die Not und das Leid in der sogenannten Dritten Welt mit der Not und dem Leid hier bei uns zu vergleichen. Eine Schweizer Kollegin hat dies sehr gut formuliert: In Afrika verhungern die Menschen physisch, also körperlich weil sie nicht genug zum Essen haben. Bei uns in Europa verhungern die Menschen psychisch, also seelisch, weil sie ausgegrenzt, diskriminiert werden und an dem gesellschaftlichen Leben nicht mehr teilhaben, teilnehmen können.
Frage: Wer gilt als arm in Deutschland?
Trabert: Wir orientieren uns an einer Definition der europäischen Union, die die sogenannte Einkommensarmutsgrenze festgelegt hat. Danach zählt der als arm, der weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltseinkommens verdient. Dies wäre in Deutschland ein Einkommen von ungefähr 785 Euro. Von strenger Armut ist der betroffen der weniger als 40 Prozent verdient, dies wären in Deutschland beispielsweise alle Hartz IV–Empfänger.
Frage: Ist Armut ein gesellschaftliches Problem oder die Sache einzelner, die nicht mitkommen?
Trabert: Armut ist definitiv ein gesellschaftliches Problem. Natürlich spielen individuelle Verhaltensweisen auch eine Rolle, aber häufig sind diese die Folge gesellschaftsstruktureller Ursachen. So gibt es eine eindeutige Benachteiligung von armen Kindern im Bildungssektor. Studiengebühren verschärfen diese Ungerechtigkeit. Der Hartz IV – Betrag ist eindeutig zu gering. Wie soll man ein Kind ausgewogen ernähren, wenn man lediglich 2,67 Euro pro Tag für das Essen zur Verfügung hat? Die Gesundheitsreform führte und führt zu einer weiteren Benachteiligung, da immer mehr Zuzahlungen und Eigenbeteiligungen zu leisten sind, die viele Patienten nicht mehr aufbringen können.
Frage: Hartz-IV-Empfänger sind zu faul zum Arbeiten, brauchen die Hilfe der Super-Nanny und verschwenden ihr Geld für Videospiele und Zigaretten. Viele Fernsehsendungen leben von Klischees. Wie sieht die Realität aus?
Trabert: Da sprechen Sie einen sehr wichtigen Aspekt an. Dieser billige und irreführende Journalismus verstärkt Vorurteile durch Fehlinformationen. Die Medien, was sie ja auch teilweise tun, sollten sich ihrer Verantwortung zum Kontext Armut bewusst sein und auf billigen Quotenfang verzichten. Die Realität sieht so aus, dass die alleinerziehende Mutter die Schulmaterialien für ihr Kind nicht zahlen kann, weil dafür im Hartz IV-Satz nichts vorgesehen ist. Dass Rentner sich die Praxisgebühr, die Hörgerätebatterien, die notwendige Brille oder den notwendigen neuen Zahnersatz nicht leisten können. Denn dies alles zahlt die Krankenkasse nicht mehr. Dass die türkische Familie, deren arbeitsloses Familienoberhaupt schon seit Monaten oder Jahren sich um Arbeit bemüht, nicht ausreichend Geld für das Essen zur Verfügung hat und sich täglich bei der Ausgabestelle der Tafel anstellen muss, und von dem abhängig ist, was es dort gerade mal wieder zum Essen gibt. Ich könnte Ihnen noch zahlreiche weitere Beispiele aufführen.
Frage: Was bedeutet es heutzutage für einen Menschen in Deutschland, arm zu sein?
Trabert: Ausgegrenzt zu sein. Am kulturellen Leben kaum noch teilnehmen zu können. Ein deutlich größeres Krankheits- und Sterberisiko zu haben. Und immer wieder vermittelt zu bekommen, du bist ein Verlierer, ein Looser, du bist selbst schuld, du musst irgend etwas falsch gemacht haben.
Frage: Für alleinerziehende Mütter mit drei und mehr Kindern galt bislang das höchste Armutsrisiko in Deutschland. Ist das immer noch so?
Trabert: Ja, leider. Kinder zu haben ist weiterhin ein Armutsrisikofaktor in einem der reichsten Länder der Welt, in Deutschland. Ein Skandal! Und wer auch noch alleinerziehend ist, ist quasi doppelt bestraft.
Frage: Wie ist es für ein Kind, in Deutschland in Armut aufzuwachen?
Trabert: Sehr früh im Leben zu spüren, dass vieles unerreichbar bleiben wird. Dass man in der Schule schlechtere Startchancen hat. In keinem europäischen Land ist der schulische Erfolg so sehr abhängig vom Sozialstatus der Eltern, wie in Deutschland. Kinder können eben nicht an der Schulfreizeit teilnehmen, da diese mal wieder 50 Euro oder 100 Euro oder 150 Euro oder noch mehr kostet, und dies von dem Hartz-IV-Betrag eben nicht zu bezahlen ist. Das beim Stadtbummel eben nicht einfach ein Eis gekauft werden kann, weil diese 80 Cent dem gesamten Etat für das Frühstück eines Hartz IV–Empfängers entsprechen.
Früher hat man arme Menschen vor allem am schlechten Zustand der Zähne erkannt. Wie wirkt sich Armut heute auf die Gesundheit aus?
Trabert: Dies ist weiterhin so. Von sozialer Benachteiligung betroffene Menschen zeigen deutlich höhere Erkrankungsquoten im Hinblick auf Erkrankungen der Herz- Kreislauforgane, wie zum Beispiel der Herzinfarkt, der Verdauungsorgane wie Magengeschwüre, der Luftwege wie der chronischen Bronchitis oder auch von Krebserkrankungen. Zudem kommen Depressionen und Selbstmordversuche ebenfalls deutlich häufiger bei armen Menschen vor.
Warum ist das so?
Trabert: Die Privatisierung im Gesundheitswesen, Stichwort: Brillen, medizinische Hilfsmittel, Zahnersatz, die Zuzahlungen, Praxisgebühr, Rezeptgebühr, stellen eine Benachteiligung armer Menschen dar, die zu erhöhten Erkrankungsraten und zu erhöhten Sterberaten führen. Die Menschen gehen seltener bei Beschwerden zum Arzt. Diagnose und Therapie werden demzufolge häufig zu spät durchgeführt. Arm zu sein bedeutet Stress. Psychischer Stress führt zu einer Verringerung der Körperabwehr und dies erhöht das Erkrankungsrisiko. Natürlich spielen hierbei auch ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Konsum von Zigaretten und Alkohol eine wichtige Rolle. Ohne die betroffenen Menschen aus ihrer Verantwortung entlassen wollen, bitte ich immer wieder darum, dieses individuelle Verhalten auch im Zusammenhang mit der schwierigen Lebenssituation zu sehen.
Frage: Staat und Krankenkassen tun also nicht genug, um den Gesundheitszustand zu verbessern?
Trabert: Ja. Arme Menschen haben einfach keine Lobby um die Entscheidungsträger beeinflussen und sensibilisieren zu können. Scheinbar ist die Distanz zur Lebenswelt, zur Lebensrealität sozial benachteiligter Menschen so groß, dass gerade die Politik sich von den Bedürfnissen armer Menschen meilenweit entfernt hat.
Wo müsste man anknüpfen?
Trabert: Wir müssten uns mit sozial benachteiligten Menschen in stärkerem Maße solidarisieren. Um dann, über öffentliche solidarische Parteinahme, den Druck auf die Politik, auf Krankenkassen, auf die Quellen von finanziellem Reichtum und Vermögen, zu erhöhen. Wir müssen endlich eine ethische oder / und auch christlich – humanistische Diskussion führen, was ist uns was in unserer Gesellschaft wert. Ist Gewinnmaximierung, reines Leistungsdenken, Ignoranz und Desinteresse gegenüber den Verlierern unseres Gesellschaftssystems zu akzeptieren, oder müssen hier andere Werte mehr in den Mittelpunkt gerückt werden. Werte, die Eigenschaften wie Teilen, Verantwortung oder schlichtweg Nächstenliebe in den Vordergrund stellen.
[...]
Frage: Sie sind mittlerweile seit 15 Jahren mit dem Ärztemobil unterwegs, um Wohnungslose medizinisch zu versorgen. Wie hat sich der Gesamtzustand von Wohnungslosen in den vergangenen Jahren verändert?
Er ist schlechter geworden! Die Veränderungen, speziell im Gesundheitssystem, mit den erwähnten Eigenbeteilungen, haben maßgeblich zu dieser Entwicklung beigetragen. Wie soll ein wohnungsloser Patient von seinem Tagessatz von ca. 11,50 Euro, dann 10 Euro Praxisgebühr und die Zuzahlungen für eventuell ein Medikament zahlen können? Muss er sich entscheiden: Gehe ich zum Arzt und habe dann kein Geld mehr um mir etwas zum Essen kaufen zu können. Wir haben jedes Jahr im Dezember einen Gedenkgottesdienst für die verstorbenen wohnungslosen Menschen. Die Zahl der Verstorbenen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen.
Frage: Ist Wohnungslosigkeit immer gleichbedeutend mit Armut?
Ja, dass ist so! Wobei wir natürlich den Begriff Armut, so wie er definiert wird, nämlich als Einkommensarmut hinterfragen müssten. Die betroffenen wohnungslosen Menschen haben sehr wenig finanzielle Mittel zur Verfügung, sie sind arm, aber viele haben, ohne deren Situation zu glorifizieren, einen anderen Reichtum, der mich immer wieder berührt. Der überwiegende Teil der Betroffenen ist authentisch, er sagt was er denkt, ist offen und lässt sich nicht in starre Verhaltensschemata hineinzwängen. Dies ist, meines Erachtens, eine Form von Reichtum, den viele von uns, Vermögen Besitzenden, schon lange nicht mehr haben.
Frage: Arme und Reiche, die gab es doch schon immer. Glauben Sie, dass man Armut wirklich bekämpfen kann?
Ja, ich glaube fest daran, dass man Armut bekämpfen kann. Man wird sie nicht abschaffen können, aber man kann Ungerechtigkeiten deutlich reduzieren. Und man kann armen Menschen mit Respekt und Würde begegnen, denn jeder Mensch ist wertvoll und hat Fähigkeiten und Schätze in sich. Diese von Wertschätzung geprägte Begegnung kostet keinen Cent, höchstes etwas Zeit und Nachdenken.
Das Gespräch führte Katja Rietze.
Aus: "Arme Menschen sterben früher - Interview mit Sozialmediziner Gerhard Trabert" Von Katja Rietze (MAINZ / WIESBADEN, 03.08.2009) Quelle: http://www.wiesbadener-tagblatt.de/7021574.htm
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« Last Edit: August 05, 2009, 09:27:41 AM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #153 on: August 05, 2009, 10:39:41 AM » |
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[...] Bonn (epd). Mit einem Brief an alle Bundestagsabgeordneten und einer Unterschriftensammlung will ein Aktionsbündnis gegen Mangelernährung bei Hartz IV protestieren. Wer sich mit dem Hartz-IV-Satz gesund ernähren wolle, müsse aus Geldmangel ab dem 20. eines Monats die Ernährung einstellen oder auf alles andere verzichten, erklärte Martin Behrsing vom Erwerbslosen Forum Deutschland am Montagabend in Bonn. Im derzeitigen Satz von 359 Euro monatlich seien für Ernährung und nicht-alkoholische Getränke täglich nur 3,94 Euro vorgesehen.
Das Bündnis aus Erwerbslosen Forum Deutschland, dem Aktionsbündnis Sozialproteste, KLARtext, dem Rhein-Main-Bündnis gegen Sozialabbau und Billiglöhne, der Sozialen Bewegung Land Brandenburg und Tacheles hat mit seinem Protestbrief die Bundestagsabgeordneten aufgefordert, öffentlich Stellung zu beziehen. Bundesweit wollen die Sozialinitiativen in den kommenden Wochen Unterschriften für die Forderung eines Eckregelsatzes von 500 Euro sammeln, erklärte Behrsing. Wer für einen Eckregelsatz von 500 Euro kämpfe, kämpfe auch für Lohnerhöhungen, heißt es in dem Aufruf.
epd-West zr es
Aus: "Hartz-IV-Aktionsbündnis startet "Kampagne gegen Mangelernährung"" (08/2009) Quelle: http://www.epd.de/west_index_67098.html
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« Reply #154 on: August 06, 2009, 08:46:54 AM » |
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[...] Nach einer Aufstellung der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit haben im Februar 2009 117.566 Selbstständige ergänzende Leistungen nach Hartz IV erhalten. Im Dezember waren es noch 112.256. Im Verlauf von zwei Jahren hat sich damit die Zahl der „aufstockenden Selbstständigen“ verdoppelt, und der Trend setzt sich weiter fort.
Insgesamt gesehen sind rund 1,3 Millionen Erwerbstätige ihres geringen Einkommens wegen auf Aufstockung durch Leistungen nach Hartz IV angewiesen. 8,5 Prozent davon sind Selbstständige. Gut die Hälfte verdient mit dieser Tätigkeit weniger als 400 Euro pro Monat, knapp ein Viertel mehr als 800 Euro.
Dies zeige, dass immer mehr Selbstständige mit ihrem Einkommen nicht das Existenzminimum absichern könnten, betont die Bundesagentur. Gleichwohl hat sie im Dezember 2008 noch 12.800 Existenzgründer mit "Einstiegsgeldern" gefördert, allerdings 4.500 oder fast 26 Prozent weniger als im Dezember des Vorjahres. Im April 2009 erhielten nur noch 9.500 Personen ein Einstiegsgeld. (fm/c't)
Aus: "Selbstständige benötigen immer häufiger Leistungen nach Hartz-IV" (05.08.2009) Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Selbststaendige-benoetigen-immer-haeufiger-Leistungen-nach-Hartz-IV--/meldung/143082-.- # http://www.pub.arbeitsagentur.de/hst/services/statistik/000100/html/sonder/broschuere_selbstaendige_2009.pdf
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« Reply #155 on: August 13, 2009, 10:25:24 AM » |
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[...] "Im Juli erlebten wir zum dritten Mal innerhalb der vergangenen fünf Monate einen neuen Rekord bei den Zwangsvollstreckungen", erklärte ein Unternehmenssprecher. Ungeachtet der anhaltenden Bemühungen der Regierung und der Bundesstaaten um ein Sicherheitsnetz für in Zahlungsnöte geratene Hausbesitzer hätten sowohl die Mahnungen als auch die Pfändungen durch die Banken deutlich zugenommen. Insgesamt seien in den ersten sieben Monaten des Jahres 2,3 Millionen Mahnungen, Versteigerungen und Bankpfändungen registriert worden. Mit fast 60 Prozent aller Zwangsvollstreckungen blieben im Juli die Bundesstaaten besonders betroffen, die Anfang des Jahrzehnts am meisten von dem US-Immobilienboom profitierten: Kalifornien, Florida, Arizona und Nevada.
...
mik/Reuters/Dow Jones
Aus: "Zwangsvollstreckungen in den USA erreichen Rekordhoch" (13.08.2009) Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,642171,00.html
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« Reply #156 on: September 07, 2009, 10:04:22 AM » |
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[...] «Das ist ein existenzielles Thema, aber im gegenwärtigen Wahlkampf zur Bundestagswahl kommt es praktisch nicht vor», sagte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher bei einer Diskussion mit örtlichen Vertretern der Bundestagsparteien.
Allein in Nürnberg hat der VdK rund 23.000 Mitglieder, bayernweit sind es über 550.000, «mehr als CSU, SPD, Grüne, FDP und Die Linke zusammen Mitglieder haben», betonte Mascher. Die Mitgliederzahl in dem Verband wachse ebenso Jahr um Jahr wie der Beratungsbedarf seiner Mitglieder. Verantwortlich dafür seien vor allem die vielen Anfragen zu Alg-II-Regelungen. «Jeder zweite Hartz-IV-Bescheid ist falsch», sagte Mascher, «und dabei geht es um die Existenz der einzelnen Menschen. Das Gesetz ist mit zu heißer Nadel gestrickt worden.»
[...] Zwei Millionen Kinder seien in Deutschland von Armut betroffen, aber auch immer mehr Rentner. «Die Zahlen steigen in rasender Geschwindigkeit.» Ursache sei unter anderem die Arbeitslosigkeit der über 50-Jährigen. Wer fünf Jahre ohne Arbeit ist, so Mascher, erwirbt in dieser Zeit am Ende einen Rentenanspruch von gut zehn Euro. Aber auch die Ausweitung des Niedriglohnsektors sei für Altersarmut mit verantwortlich.
...
Aus: "Zunahme der Armut ist «erschreckend» - Die VdK-Präsidentin Ulrike Mascher diskutierte mit Bundestagskandidaten" Michael Kasperowitsch (5.9.2009) Quelle: http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=1081222&kat=10&man=3
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« Reply #157 on: September 08, 2009, 12:25:02 PM » |
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[...] „Bekämpfte Armut“ beinhaltet verschiedene Maßnahmen, insbesondere in den westlichen Industrienationen, in denen versucht wird, die Konsequenzen der Armut abzumildern. Dazu zählen im Feld der Sozialpolitik neben der „klassischen“ Bekämpfung durch Sozialleistungen, die kompensatorische Erziehung und die Einrichtung von Suppenküchen, Tafeln, Kleiderkammern und Notunterkünften.
Zu dieser so genannten „bekämpften Armut“ kommt noch die „verdeckte Armut“ von Personen, die einen Anspruch auf eine Grundsicherungsleistung hätten, diesen aber – z. B. aus Unkenntnis oder Scham – nicht geltend machen.
...
Aus: "Bekämpfte und verdeckte Armut" (8. September 2009) Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Armut#Bek.C3.A4mpfte_und_verdeckte_Armut-.- [...] Die verdeckte Armut in Deutschland erreicht fast die Größenordnung der statistisch erfassten und bekämpften. Neben den 2,8 Millionen Menschen, die staatliche Hilfe zum Lebensunterhalt erhalten, leben in der Bundesrepublik mindestens 1,8 Millionen Bedürftige ohne öffentliche Unterstützung. Das zeigt eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie der Frankfurter Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Richard Hauser und Dr. Irene Becker. Im Jahre 2003 kamen nach Analyse der Armutsforscher auf drei Empfänger von Sozialhilfe als Hilfe zum Lebensunterhalt "mindestens zwei, eher drei Berechtigte", die sich nicht bei den Behörden meldeten. Das entsprach 1,8 bis 2,8 Millionen Menschen. Nach der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe dürfte die Zahl tendenziell gesunken sein, weil die Dunkelziffer unter den Arbeitslosen zurückging - in anderen Gruppen hingegen nicht. Deutlich überproportional von verdeckter Armut betroffen sind allein stehende Frauen über 60 Jahre. Zudem sehen die Forscher Indizien, dass das auch für die ausländische Bevölkerung gilt.
[...] Eine wesentliche Ursache dafür, dass Bedürftige auf staatliche Hilfe verzichten, ist Unwissenheit. So geht in Befragungen mehr als die Hälfte der verdeckt Armen davon aus, Sozialhilfe zurückzahlen zu müssen. Dass auch Beschäftigte Anspruch auf ergänzende Sozialhilfe hatten, war vielen nicht bekannt, zeigt die Analyse. Die Hartz-Gesetze dürften dieses Informationsdefizit vergrößert haben, schätzen die Wissenschaftler: "Die Working Poor dürften sich noch seltener als anspruchsberechtigt sehen als vor der Reform - denn sie sind ja nicht arbeitslos."
Auch Furcht vor Stigmatisierung schreckt viele eigentlich Unterstützungsberechtigte ab.
...
Aus: "Studie zu verdeckter Armut - Mindestens 1,8 Millionen Bedürftige leben ohne staatliche Hilfe" (18.01.2006) Quelle: http://www.innovations-report.de/html/berichte/studien/bericht-54018.htmlRainer Jung | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft Weitere Informationen: www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/320_61832.html-.- [...] Bei der Diskussion um steigende Sozialleistungen richtet sich der Blick meist zuerst auf die Hartz-IV-Empfänger. Doch hinzu kommen Tausende Menschen, die sich knapp über dem Hartz-IV-Niveau befinden, sich mit Wohngeld, Kinderzuschlag oder Grundsicherung im Alter durchschlagen. Auch hier steigen die Zahlen, beim Wohngeld explodierte sie regelrecht.
Christine Sturm-Rudat vom Sozialverband VdK sagt: „Die verdeckte Armut nimmt definitiv zu. Viele Menschen können nicht mehr manövrieren.“ Der VdK und andere Wohlfahrtsverbände verzeichnen seit dem Beginn der Wirtschaftskrise vor einem dreiviertel Jahr einen starken Anstieg von Beratungen.
Der psychische Druck beginnt häufig schon, bevor die Armut beginnt: Viele haben Angst und erkundigen sich im Vorfeld, was bei Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit oder Rente auf sie zukommen könnte. Sturm-Rudat warnt angesichts des steigenden Renteneintrittsalters: „Zwei bis drei Jahre können die Menschen irgendwie überbrücken. Zehn Jahre nicht.“ Weiteres Problem: „Heutzutage gibt es kaum noch ungekürzte Renten.“
Insgesamt fließen in Augsburg viele Millionen Euro Sozialleistungen.
Hartz IV Im August gab es über 20 100 Hilfeempfänger, davon sind 14 600 erwerbsfähig, die anderen Kinder und Jugendliche. Damit hat sich gegenüber August letzten Jahres nicht viel geändert. Allerdings lagen die Zahlen am Jahresende beträchtlich tiefer und stiegen mit Beginn der Krise sprunghaft an. Viele hatten vorher nicht lang genug gearbeitet oder so wenig verdient, dass sie mit der Joblosigkeit direkt ins Arbeitslosengeld II durchrutschten. Nach Angaben des Gewerkschaftsbundes DGB betrifft das ein Drittel der Arbeitslosen. Außerdem bekommen inzwischen auch viele Kurzarbeiter Hartz IV. Die Zahlungen in diesem Bereich belaufen sich auf rund 90 Millionen Euro jährlich, davon zahlt der Bund den Unterhalt, die Stadt die Unterkunft.
Grundsicherung im Alter Diese beziehen in Augsburg 3400 Menschen (Vorjahr: 3200). Das kostet die Stadt rund 16,6 Millionen Euro im Jahr, allerdings bekommt sie einen Teil der Mietkosten (etwa zwei Millionen Euro) vom Bund zurück. Die Grundsicherung im Alter entspricht der früheren Sozialhilfe.
Wohngeld Die Regelungen für das Wohngeld wurden zum Januar erleichtert. Außerdem wurde es erhöht und damit nach Jahren den steigenden Mieten und Energiekosten angepasst. Dadurch stiegen die Zahlen. Während 2008 etwa 1500 Augsburger Wohngeld bezogen, sind es zurzeit 2300. Das Amt für soziale Leistungen rechnet bis Ende des Jahres mit 2500 Fällen. Hier wird sich die Zahl voraussichtlich einpendeln. Dementsprechend stiegen die Zahlungen von 1,75 Millionen auf 5,06 Millionen Euro im Jahr. Man rechnet in der Endsumme mit 5,6 Millionen. Wohngeld ist eine Bundesleistung.
Kinderzuschlag Ihn gibt es zusätzlich zum Kindergeld. Auch hier wurde zum Jahreswechsel der Bezug erleichtert, um zu vermeiden, dass Familien nur der Kinder wegen zu Hartz-IV-Empfängern werden. Die Neuregelung wirkt sich aus.
Während es vor einem Jahr 190 Fälle im Bereich der Augsburger Kinderkasse gab, sind es nun 730. Die Zahlungen stiegen von 67 000 auf 223 000 Euro im Monat. Der Kinderzuschlag ist eine Bundesleistung. Zuständig ist die Kinderkasse, die bei der Agentur für Arbeit angesiedelt ist. »Einblick Seite 36
Aus: "Die verdeckte Armut nimmt zu" von Ute Krogull (03.09.2009) Quelle: http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Lokales/Augsburg-Stadt/Lokalnews/Artikel,-Die-verdeckte-Armut-nimmt-zu-_arid,1850821_regid,2_puid,2_pageid,4490.html
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« Reply #158 on: November 03, 2009, 01:34:55 PM » |
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[...] Die Stadt Demmin in Mecklenburg Vorpommern, rund 40 Kilometer von der Ostseeküste entfernt, darf für einen traurigen Rekord für sich verbuchen. Nirgendwo sonst in Deutschland gibt es mehr Arbeitslose: Jeder vierte ist hier ohne Job. Auf der Suche nach einer Beschäftigung haben viele Bewohner und Bewohnerinnen die Region bereits verlassen.
Zurück blieben die Älteren und schlecht Ausgebildeten, wie Annegret Müller. Sechs Mal verlor die gelernte Verkäuferin seit der Wende ihren Arbeitsplatz. Jetzt, mit 53, lebt sie von Hartz IV, der Sozialhilfe für Langzeitarbeitslose. Weil der kaufkräftige Mittelstand weggezogen ist, mussten die meisten der Geschäfte zusperren. "Die Stimmung hier ist ganz schlecht", sagt die 53-Jährige, "am Monatsanfang sind die Läden noch voll, aber ab dem 10., 15. haben die Leute kein Geld mehr."
Helmut Kohl, der "Kanzler der Einheit", versprach bei der deutschen Wiedervereinigung, in der ehemaligen DDR für wirtschaftlich blühende Landschaften zu sorgen. Von der prognostizierten Angleichung der ökonomischen Verhältnisse in Ost und West ist heute wenig geblieben: 1,5 Millionen Menschen sind arbeitslos, viele Regionen leiden unter wirtschaftlichem Abschwung und Abwanderung.
In einem kürzlich vorgestellten Armutsatlas des deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes liegen die fünf neuen Bundesländer und Berlin im Spitzenfeld einer Armuts-Rangliste. Im Westen nimmt lediglich der Stadtstaat Bremen einen oberen Rangplatz ein. Als arm gilt, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat. Im Osten lebt demnach jede fünfte Person an oder unter der Armutsgrenze.
In manchen Regionen Ostdeutschlands - etwa im Kreis Demmin - liegt die Armutsquote bei 27 Prozent - beinahe ein Drittel der Bevölkerung kann hier als arm bezeichnet werden. Ein Aufschwung ist nicht in Sicht. Bald wird jeder zweite Bewohner der Region das 60. Lebensjahr überschritten haben. Der Mittelstand ist abgezogen oder verliert durch Arbeitslosigkeit an Kaufkraft. Es sind unter anderem die hohen Einkommensunterschiede, die seit der Wende fast zwei Millionen Menschen aus den neuen Bundesländern in den Westen gezogen haben.
Durch Westwanderung und Rückgang der Geburtenrate wird der Osten Deutschlands bis 2020 um eine weitere Million Menschen schrumpfen. Weil es vornehmlich die Hochqualifizierten sind, die dem Osten den Rücken kehren, verliert Ostdeutschland auch an Attraktivität für neue Betriebsansiedlungen. "Wenn sich der Osten weiter vom Westen Deutschlands entfernt, droht die Verödung ganzer Landstriche", warnt Ulrich Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverband.
Auch der Osten hat seine Boom-Zentren. So konnten sich etwa die Städte Dresden, Potsdam und Jena wirtschaftlich so gut entwickeln, dass sie heute zu den Top 20 der Bundesrepublik gehören. Im Vergleich zur Mangel-Wirtschaft des DDR-Staates ist der Lebensstandard im gesamten Osten deutlich gestiegen. So sieht sich auch - trotz Armut und Arbeitslosigkeit - die Hälfte der Ostdeutschen als Gewinner der Einheit, während sich immer mehr Westdeutsche als die eigentlichen Verlierer sehen.
"Die Westdeutschen merken, dass sie in der Transferfalle sitzen", sagt Daniela Dahn, Schriftstellerin und Mitbegründerin der DDR-Oppositionsgruppe Demokratischer Aufbruch: "Man hat die Einheit so organisiert, dass das jetzt eine Gegend ist, die sich selbst nicht ernähren kann". Über 1,5 Billionen Euro aus dem Westen sollen nach Berechnung diverser Wirtschaftsinstitute bereits in den Osten geflossen sein. Dass die Region innerhalb der nächsten Jahre wieder auf die Beine kommt, ist mehr als fragwürdig. Die Lücke zwischen Ost und West wird - 19 Jahre nach der Wiedervereinigung - wieder größer.
Text: Bea Sommersguter
Aus: "Armut im Osten Deutschlands" (2009) Quelle: http://oe1.orf.at/highlights/145876.html
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« Reply #159 on: November 18, 2009, 12:16:10 PM » |
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[...] Im Jahr 2007 waren noch elf Prozent der Haushalte nicht angemessen mit Lebensmitteln versorgt. Ein Jahr später, im Krisenjahr 2008, sind es 14, 6 Prozent gewesen. Das geht aus einer Studie des US-Landwirtschaftsministeriums hervor. Demnach hatten rund 50 Millionen Amerikaner zeitweise nicht genügend Geld, um sich ausreichend Essen zu kaufen.
Präsident Barack Obama bezeichnete es als "besonders besorgniserregend", dass davon auch kleine Kinder betroffen gewesen seien.
[...] Nach Angaben des Ministeriums reagierten die Betroffenen unterschiedlich auf die Geldknappheit. Zwei Drittel hätten sich dadurch beholfen, dass sie zu billigeren Lebensmitteln griffen, öffentliche Suppenküchen besuchten oder andere Hilfen in Anspruch nahmen.
Ein Drittel der Betroffenen waren tatsächlich gezwungen, ihre Nahrungsaufnahme zu verringern.
Aus: "50 Millionen Amerikanern fehlt das Geld für Nahrung" (17.11.2009) Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2009-11/wirtschaftskrise-nahrungsmangel-usa
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« Reply #160 on: November 30, 2009, 01:15:54 PM » |
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[...] Washington - Die Werte liegen auf Rekordhöhe - und jeden Tag kommen 20.000 neue Empfänger hinzu: Wegen der schweren Wirtschaftskrise ist nach einem Bericht der "New York Times" jeder achte Amerikaner - und jedes vierte Kind - auf die staatliche Hilfe angewiesen. Derzeit hängen 36 Millionen Amerikaner von Lebensmittelkarten ab, ein Drittel mehr als vor Ausbruch der Krise vor zwei Jahren. "Rekordhöhe, und jeden Monat ein weiterer Anstieg", schreibt das Blatt am Sonntag auf der Titelseite.
Mit den Lebensmittelkarten können arme Menschen Nahrungsmittel wie Brot, Milch und Käse praktisch wie mit einer Kreditkarte bezahlen. Im Durchschnitt erhalte jedes Familienmitglied auf diese Weise rund 130 Dollar. 28 Prozent aller schwarzen und acht Prozent der weißen Amerikaner würden die Leistung erhalten.
Bereits kürzlich hatte das US-Landwirtschaftsministerium einen Anstieg von Hunger und Unterernährung festgestellt. Demnach hatten während der schweren Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr rund 50 Millionen Amerikaner nicht immer genügend zu essen. 14,6 Prozent der Haushalte hatten demnach zumindest zeitweise nicht genügend Geld, um alle Familienmitglieder angemessen zu ernähren. Noch 2007 seien dies lediglich elf Prozent der Haushalte gewesen.
chs/dpa
Aus: "Krisenfolgen - Mehr Amerikaner brauchen Lebensmittelkarten" (29.11.2009) Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,664139,00.html-.- [...] Präsident Barack Obama hatte während des Wahlkampfes versprochen, dass in den USA kein Kind mehr hungern muss. Jetzt bezeichnet das Weiße Haus eine vorliegende Untersuchung des Agrarministeriums als „sehr beunruhigend“. Die Studie gibt an, dass 50 Millionen (oder jeder sechste) Amerikaner im vergangenen Jahr mehrfach nicht in der Lage waren, genügend Lebensmittel zu kaufen, um gesund zu bleiben. Vorrangig wird das auf eine grassierende Arbeitslosigkeit und schlecht bezahlte Jobs zurückgeführt. Die Zahlen sind im Vergleich zu 2007 um ein Drittel gestiegen und die höchsten seit Beginn der Erhebung im Jahr 1995. Sie dürften in diesem Jahr eine weitere Zunahme erfahren.
Landwirtschaftsminister Tom Vilsack spricht von einem „Weckruf“ und sagte, er gehe davon aus, dass die jetzige Lage sogar noch schlechter sei, was aber erst im Bericht des nächsten Jahres dokumentiert werde. Man müsse von 6,7 Millionen Menschen mit einer „sehr geringen Lebensmittelsicherheit“ ausgehen, was bedeutet, dass sie regelmäßig nicht genug zu essen haben. Nahezu alle Betroffenen sagen aus, sie verfügten kaum über genügend Geld, um sich ausgewogen zu ernähren. Auch wenn nur wenige angeben, es handle sich um ein permanentes Problem, das sich über das gesamte Jahr erstrecke, so sagen doch 88 Prozent, mit Geldnot hätten sie immerhin in drei bis vier Monaten des Jahres zu tun.
Die Zahl der Kinder, die in Haushalten mit Lebensmittelengpässen leben, erhöhte sich 2008 um nahezu ein Drittel auf 17 Millionen. Im Bericht der Regierung heißt es, dass die meisten Eltern, die selbst nicht genug zu essen haben, zwar dafür Sorge tragen, dass wenigstens ihre Kinder nicht hungern – dennoch über eine Million Kinder unter mangelnder Ernährung leiden. Am stärksten sind davon die Südstaaten betroffen. Mississippi weist den höchsten Anteil an Menschen auf, die mit langfristiger Lebensmittelknappheit zu kämpfen haben. Es folgen Texas und Arkansas. Mehr als die Hälfte der Betroffenen sind Schwarze oder Latinos. Millionen weiterer Amerikaner hungern nur deshalb nicht, weil sie so arm sind, dass sie von der Regierung Lebensmittelmarken erhalten oder sich auf die Versorgung durch Suppenküchen wie die von Feeding America verlassen. In manchen Staaten wie etwa West Virginia ist jeder sechste auf Lebensmittelmarken angewiesen.
Vicki Escarra, die Vorsitzende der Organisation Feeding America, die 200 Ausgabestellen für Lebensmittel in den Vereinigten Staaten betreibt und dabei 25 Millionen Menschen mit Lebensmitteln versorgt, nennt den Bericht „alarmierend“. „Obwohl diese Zahlen schon niederschmetternd genug sind, darf man nicht vergessen, dass sie die Situation von vor einem Jahr beschreiben. Seitdem ist die Wirtschaft wahrlich eingebrochen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass heute noch mehr Menschen Hunger leiden müssen als dieser Bericht wiedergibt.“
Nach Angaben von Feeding America gibt es einen „dramatischen Anstieg“ der Notfallhilfe, von Ausgabestellen und Suppenküchen im ganzen Land. Manche verzeichnen einen Mehrbedarf um über 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Als Hauptursache gelten die auf über zehn Prozent gestiegene Arbeitslosigkeit sowie die wachsende Zahl von Amerikanern, denen die Wochenarbeitszeit und damit die Löhne gekürzt wurden. Bereits vor der Wirtschaftskrise hatten viele der Arbeitenden damit zu kämpfen, steigende Lebenshaltungskosten zu bezahlen, beispielsweise höhere Benzinpreise, die für Menschen in ländlichen Regionen, die zum Arbeitsplatz weite Strecken zurücklegen müssen, eine große Last darstellen. Feeding America gibt an, 40 Prozent der von ihnen unterstützten Menschen lebten in Familien, in denen mindestens ein Erwachsener Arbeit habe.
Die Veröffentlichung des Berichts fällt mit dem in diesen Tagen in Rom stattfindenden UN-Welternährungsgipfel zusammen. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon erinnerte aus diesem Anlass daran, dass alle fünf Sekunden ein Kind an den Folgen von Unterernährung stirbt und über eine Milliarde Menschen auf der Welt an Hunger leiden.
Übersetzung: Holger Hutt
Aus: "Suppenküchen gegen den Hunger" USA | 18.11.2009 16:32 | Chris McGreal, The Guardian Quelle: http://www.freitag.de/politik/0947-usa-hunger-armut-arbeitslosigkeit
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« Reply #161 on: January 18, 2010, 12:07:49 PM » |
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[...] Das Land Berlin muss immer öfter für Begräbnisse von sozial schwachen Menschen aufkommen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa vom Sonntag haben sich die Ausgaben für Sozialbestattungen allein im Bezirk Mitte zwischen 2001 und 2009 fast vervierfacht.
Gaben im Jahr 2001 alle Berliner Bezirke rund 1,1 Millionen Euro für Sozialbestattungen aus, stiegen die Ausgaben im Jahr 2007 laut Senatsverwaltung für Soziales auf rund 2,9 Millionen Euro.
"Die Tendenz zu Sozialbestattungen ist deutlich gestiegen", sagte Rüdiger Kußerow, Obermeister der Bestatterinnung Berlin-Brandenburg. Hintergrund sei beispielsweise der Wegfall des Sterbegeldes der Krankenkassen 2004. Viele Berliner hätten sich seitdem nicht versichert, um für ihre Beerdigungskosten vorzusorgen. "Die Leute können sich das einfach nicht mehr leisten", so Kußerow. "Es gibt ja immer mehr Hartz-IV-Empfänger."
750 Euro zahlen die Sozialämter Berliner Beerdigungsunternehmen für eine Sozialbestattung. Zusammen mit Friedhofs- und Verwaltungsgebühren kostet ein Armenbegräbnis das Amt damit rund 1000 Euro. Die Ausgaben werden den Bezirken vom Land zurückerstattet.
...
Aus: "Immer mehr Armenbegräbnisse in Berlin" (17.01.2010) Quelle: http://www.rbb-online.de/nachrichten/politik/2010_01/zahl_der_sozialbestattungen.html
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« Reply #162 on: July 15, 2010, 08:32:15 AM » |
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[...] In Deutschland sind elf Millionen Menschen von Armut bedroht. Tausende leben bereits am Existenzminimum. Dabei handelt es sich nicht nur um Obdachlose, sondern auch um Rentner, Witwer, Alleinstehende und Alleinerziehende. Für viele gehört der Hunger inzwischen zum Leben dazu. Und ihre Situation scheint aussichtslos.
Täglich kommen Bedürftige zur Bahnhofsmission am Bahnhof Zoo in Berlin, um sich etwas Essen zu holen. Täglich bildet sich eine Schlange, die zum Monatsende hin immer länger wird. Denn dann ist das Geld knapp oder bereits aufgebraucht. Betroffen sind nicht nur Obdachlose, sondern auch Witwen, Rentner, Alleinerziehende. Die Zahl der ausgegebenen Lebensmittelrationen stieg in den vergangenen sechs Monaten um fast 15 Prozent. Im Juni zählte die Bahnhofsmission etwa 1.000 Menschen mehr als im Vorjahresmonat. Das war ein Anstieg von 28 Prozent. Dieter Puhl von der Bahnhofsmission weiß, dass viele der Bedürftigen lange Anfahrtswege für die eine Mahlzeit in Kauf nehmen.
Auch andere karitative Einrichtungen wie Suppenküchen und Tafeln haben derzeit großen Zuspruch. So macht etwa Rentnerin Heidrun Dietz vom Angebot für ein kostenloses Essen Gebrauch. Obwohl sie 45 Jahre gearbeitet hat, ist ihre Rente zu klein. Drei Euro hat sie täglich für Lebensmittel. In ihrem Kühlschrank befinden sich lauter Almosen. Ohne die Essensration von der Kirche könnte sie nicht überleben. Oft stellt sich Heidrun Dietz schon zwei Stunden vor Öffnung bei der Kirche an, um sich ihr Essen abzuholen.
Dass viele Menschen in Deutschland Hunger leiden, zeigt sich auch an anderer Stelle. Vor allem in größeren Städten kann man beobachten, dass Menschen in Papierkörben und Mülleimern nach Essbarem suchen. Für Petra Schöps aus Berlin sind diese Bilder keine Seltenheit. Die Besitzerin einer Imbissbude erzählt FAKT, dass es sich bei den Bedürftigen keineswegs nur um Obdachlose handelt. Oft seien es ordentlich gekleidete Menschen, die in die Mülleimer griffen, um nach einem angebissenen Brötchen, einer halben Wurst oder Pommesresten zu suchen.
Von Armut betroffen sind oft Menschen, die von Sozialleistungen leben. Nach Ansicht von Experten kann man mit den Regelsätzen für einen begrenzten Zeitraum auskommen, aber nicht auf Dauer. Doch anders als noch vor 20 Jahren ist Armut heute von langfristiger Natur. Das sagt Rudolf Martens, Wissenschaftler beim Paritätischen Wohlfahrtsverband. Er befürchtet, dass sich die Gesellschaft in Deutschland in Teilen auf amerikanische Verhältnisse zubewegt.
Bis sich die Menschen ihren Hunger eingestehen, dauert es oft lange. Vielen ist es auch peinlich, sich bei karitativen Einrichtungen Essen zu holen. Doch ihre finanziellen Mittel lassen ihnen keine andere Wahl.
Aus: "Hunger in Deutschland" (12. Juli 2010) Quelle: http://www.mdr.de/fakt/7485585.html
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« Reply #163 on: October 04, 2010, 12:37:02 PM » |
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[...] die Tafeln brauchen nicht nur Lebensmittel, sondern auch mehr Helfer und staatliche Unterstützung. Nach Angaben des Bundesverbandes Deutsche Tafeln erfahren die Ausgabestellen für Lebensmittel und warme Mahlzeiten immer mehr Zuspruch. Mehr als eine Million Bedürftige erhielten derzeit bei einer der rund 870 Tafeln regelmäßig Nahrungsmittel. Im Jahr 2005 seien es nur eine halbe Million Menschen gewesen.
In Thüringen kommen nach Angaben des Landesverbandes der Thüringer Tafeln rund 46.000 Menschen zu den 32 Tafeln. Ende vergangenen Jahres arbeiteten rund 700 Helfer bei den Thüringer Tafeln, 500 von ihnen ehrenamtlich. Tafel-Landeschefin Beate Weber-Kehr sagte, es werde immer schwieriger, Menschen für ein Ehrenamt zu begeistern. Sie beobachte aber auch die Tendenz, dass Ämter Bedürftigen die Tafeln empfehlen, um sich aus der eigenen Verantwortung zurückzuziehen.
...
Aus: "Deutscher Tafeltag: Tafeln brauchen mehr Helfer und Unterstützung" (02. Oktober 2010) Quelle: http://www.mdr.de/nachrichten/7731455.html
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« Reply #164 on: November 02, 2010, 11:26:09 AM » |
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[...] Begüterte Amerikaner sind sich zwar der enormen Kluft bewusst, die in ihrem Land zwischen Arm und Reich herrscht, haben aber die Tendenz, Bedürftigkeit als eine Art selbstverschuldetes Ungemach zu sehen. Doch als im Frühjahr die neusten Zahlen zur Familienobdachlosigkeit in den USA publiziert wurden, reagierte die Öffentlichkeit mit Entrüstung. Jedes fünfzigste Kind, insgesamt 1,5 Millionen Minderjährige, so das Resultat der Erhebungen des National Center on Family Homelessness (NCFH), muss auf ein festes eigenes Zuhause verzichten. Die Resultate einer vergleichbaren Erhebung wurden vor einem Jahrzehnt publiziert, damals gab es rund einen Fünftel weniger betroffene Minderjährige als heute.
Das Elend dieser Kinder hat verschiedenste Gesichter und bleibt doch den meisten Amerikanern verborgen. Sie leben entweder mit einem Elternteil oder seltener mit Vater und Mutter in einem Heim für Obdachlose, oder sie wohnen auf Pump in einem Billigmotel. Andere Familien nisten sich in einem zum Abbruch freigegebenen Haus ein, kommen vorübergehend bei Freunden oder Verwandten unter, übernachten im Van, Kombi oder gar Zelt. Wieder andere Kinder werden in provisorischen, häufig wechselnden Pflegefamilien placiert, weil ihre Eltern im Gefängnis oder in der Gosse gelandet sind.
[...] Nach dem Ende der Grossen Depression gab es in den USA lange Zeit kaum mehr obdachlose Familien. Noch vor zwanzig Jahren machten Familien nur gerade 1 Prozent der Personen ohne festes Dach über dem Kopf aus. Heute sind es 35 Prozent, die Hälfte der betroffenen Kinder ist im Vorschulalter. Wie lässt sich diese sprungartige Veränderung erklären? Bassuk nennt als wesentliche Faktoren die abwesenden Väter, die zu niedrigen Mindestlöhne und den Mangel an günstigem Wohnraum. Heute ist das Oberhaupt der typischen obdachlosen Familie weiblich, Mitte zwanzig, ohne Mittelschulabschluss und einer ethnischen Minderheit zugehörig. Besonders in afroamerikanischen Familien fehlt oft der Vater.
[...] Das Phänomen der alleinerziehenden Mütter ist nicht neu, hat sich aber in den letzten Jahrzehnten akzentuiert. Früher fanden diese Frauen meist in den Stadtzentren, in der Nähe von Arbeitsplätzen und Schulen, günstige Bleiben. Diese Möglichkeit existiert heute kaum mehr, weil solche Wohnungen aus den Innen- und Vorstädten Amerikas verschwunden sind. Die einstigen Ghetto-Mietshäuser, wo sich oft mehrere Generationen eine Wohneinheit teilten, fielen in den letzten zwanzig Jahren weitreichenden städtischen Modernisierungsprozessen zum Opfer. Anstatt mit staatlichen Bemühungen, diese verlorenen Heimstätten durch genügend Sozialwohnbauten zu ersetzen, begegnete man der wachsenden Not bedürftiger Familien mit einem Netzwerk von Obdachlosenheimen, Notschlafstellen und Suppenküchen. Wie InnVision im Silicon Valley kann die Mehrheit dieser subventionierten Einrichtungen nur dank ergänzenden privaten Zuwendungen überleben. Das bringt den gravierenden Nachteil mit sich, dass die Almosen immer dann versiegen, wenn sie aufgrund der wirtschaftlichen Not am dringendsten gebraucht würden.
...
Aus: "Amerikas unsichtbare Obdachlosigkeit: Immer mehr Familien mit Kindern haben kein Zuhause" Von Ursula Schnyder in Kalifornien (10. September 2009, Neue Zürcher Zeitung) Quelle: http://www.nzz.ch/nachrichten/international/amerikas_unsichtbare_obdachlosigkeit_1.3529465.html-.- [...] Die amerikanische Gesellschaft bricht auseinander: Millionen Bürger haben durch die Rezession ihren Job verloren und verarmen, unter ihnen viele Mittelschichtfamilien. Die New Yorkerin Pam Brown hat den Absturz erlebt - über Nacht veränderte sich ihr Leben komplett. Auf den Schock war sie nicht vorbereitet. "Es war entsetzlich", erinnert sich Pam Brown. "Über Nacht fand ich mich auf der falschen Seite des Lebens wieder. Dass mir so was passieren könnte, hätte ich mir nie träumen lassen. Ich bin in eine tiefe Depression gestürzt." Brown sitzt im einem Billigrestaurant an der 14. Straße und rührt in ihrem Kaffee für 1,35 Dollar. Mehr bestellt sie nicht - es ist zu spät fürs Frühstück und zu früh fürs Mittagessen. Sparen muss sie sowieso. Bis Anfang 2009 arbeitete Brown noch als Vorstandsassistentin an der Wall Street, verdiente mehr als 80.000 Dollar im Jahr und wohnte mit ihren drei Söhnen in einer Sieben-Zimmer-Wohnung. Heute ist sie langzeitarbeitslos, muss in einem winzigen Apartment in der New Yorker Bronx hausen und ist nur mit viel Glück nicht obdachlos. "Eins kam nach dem anderen - boom, boom, boom", sagt Brown. "Jedesmal rappelte ich mich wieder auf. Trotzdem trudelte ich immer weiter in den Abgrund." Ihre Stimme bebt. "Ich habe alles getan, was mir Amerika aufgetragen hat. Ich bin zur Schule gegangen. Ich war nie im Gefängnis. Ich habe wunderbare Kinder großgezogen. Und jetzt?" Sie lacht sarkastisch. Brown ist eine von Millionen Amerikanern, die während der Rezession aus ihrer bürgerlichen Idylle bis an den Rand der Armut gefallen sind - oder darüber hinaus. Viele erleben den Absturz als Demütigung, die zu begreifen ihnen schwerfällt. Aussicht auf Hilfe haben sie keine: Staat und Gesellschaft lassen sie im Stich. Längst jagt die Wall Street wieder neuen Profiten nach. Doch für weite Teile der Nation ist der Mythos von Aufstieg, Eigenheim und Selfmade-Wohlstand auf lange Sicht zerplatzt. Die Mittelklasse, Amerikas Rückgrat, bröckelt - ihr "American Dream" ist ausgeträumt. Die US-Armutsrate erreichte voriges Jahr 14,3 Prozent, 1,1 Prozent mehr als 2008. Fast fünf Millionen Amerikaner rutschten erstmals unter die Armutsgrenze, die bei einer vierköpfigen Familie unterhalb eines Jahreseinkommens von 22.050 Dollar liegt. Viele erlebten den Absturz aus zuvor relativ guten Kreisen. Die Zahl der Langzeitarbeitlosen steigt weiter. Am stärksten sind Familien mit Kindern betroffen: Jedes fünfte Kind in den USA lebt in Armut. "Verstehen Sie mich nicht falsch, die Lage war früher schon schlecht genug", sagt Bich Ha Pham, Direktorin des New Yorker Sozialdienstes Federation of Protestant Welfare Agencies (FPWA). "Doch diesmal kann es wirklich jeden treffen." Im US-Kongresswahlkampf spricht davon keiner. "Die Leute schert es nicht", sagt Curtis Skinner, Familienexperte des National Centers for Children in Poverty. Im "vergifteten politischen Klima" dieser Tage seien neue Staatsausgaben tabu - selbst wenn sie Armen zugutekämen. So lange ist das gar nicht her, dass auch Pam Brown wenig an diejenigen dachte, die durchs soziale Netz fielen. Auch sie selbst hatte keine Angst davor. "Ich habe mich nicht gekümmert", sagt sie. "Ich hatte keine Ahnung, wie es ist, wenn du nicht mehr frei über dein eigenes Leben bestimmen kannst." Es sind die Schattenseiten einer Wohlstandsgesellschaft, in der sich Brown lange gut aufgehoben fühlte - bis ihr der Boden unter den Füßen wegbrach. Dabei hat sie einen exemplarischen US-Lebenslauf. In einfachen Verhältnissen geboren, schaffte sie es aus eigener Kraft nach oben. Brown ging in der Bronx zur High School und in Brooklyn aufs College, begann als Praktikantin bei Citigroup. Bald begleitete sie ihren Boss, einen Wealth-Manager, aufs Parkett der Stock Exchange, wanderte dann mit ihm zu Morgan Stanley, HSBC, Barclays. Als Chefassistentin sah Brown, "wie Kapitalismus funktioniert". Sie hatte "den Finger am Puls" der Wall Street, war überzeugt: "Alles schien möglich." Auch für sie selbst: Brown wollte das Haus, in dem sie zur Miete wohnte, kaufen. Doch kurz bevor sie zur Bank of America hätte wechseln sollen, erlag ihr Chef einem Herzinfarkt - mitten in der Finanzkrise. Die Bank übernahm Brown als Teilzeitkraft, baute ihre Stelle dann aber ab. Ihre Ehe zerbrach. Sie saß mit ihren Söhnen Said, 15, Yusuf, 20, und Malik, 21, alleine da. Es war eine Falle. Da Brown zuletzt nur Teilzeit gearbeitet hatte, hatte sie keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Und so landete sie völlig ungewappnet in den Reihen der Armen, Hungrigen und Sozialhilfebedürftigen. "Es fiel mir ungeheuer schwer, mich als arm zu identifizieren", sagt Brown. Sie merkte, welche Vorurteile sie selbst hatte, wie viel Stigma und Scham dies mitbrachte. "Ich habe Mitgefühl lernen müssen - auf die harte Tour." Diese Tour wurde zur Odyssee. Statt wieder Arbeit zu finden, verirrte sich Brown immer mehr im Labyrinth des US-Sozialhilfewesens. Bill Clintons "Welfare Reform" von 1996 lagerte die Sozialhilfe an Privatfirmen aus, die sie als Profitgeschäft betreiben. Sie unterwerfen die Antragsteller so strengen Kriterien, dass "die Mehrzahl sofort abgelehnt wird", wie die FPWA kürzlich resümierte. Viele andere geben freiwillig auf. Auch Brown blieb nicht verschont. Die Behörden konnten lange nicht klären, wie viel Stütze ihr zustand. Durch einen bis heute nicht behobenen Computerfehler wurden ihr dann alle Bargeldansprüche vollends gestrichen. So erhält sie jetzt jeden Monat lediglich Lebensmittelmarken im Wert von 242 Dollar und knapp 400 Dollar Mietzuschuss. Für beides muss sie regelmäßig mit Dutzenden Dokumenten antreten, um sich wieder neu zu "bewerben". Die Lebensmittelmarken reichen meist nur zwei Wochen. Danach ist Brown auf Suppenküchen angewiesen - oder Hilfsgruppen wie die "West Side Campaign Against Hunger" (WSCAH), die in einem Kirchenkeller an der West 86th Street eine Pantry und einen Kramladen unterhält. "Wir sehen einen dramatischen Anstieg von Klienten", sagt WSCAH-Direktorin Doreen Wohl. "So schlimm war es in unserer 31-jährigen Geschichte noch nie. Dies ist eine wahre Krise." Die weißhaarige Frau steht in dem Lädchen, in dem die Bedürftigen sich per Punktesystem Lebensmittel aussuchen können: Getreide, Protein, Gemüse, Obst, Milch. So groß ist der Ansturm, dass die Kühlkammer für Fleisch zurzeit völlig leer ist. Für Pam Brown war es im vergangenen Winter am schlimmsten. Da hatte sie an einem Tag nichts mehr zu essen und musste Mülltonnen durchstöbern. Erst ihr Sohn Malik munterte sie auf, indem er als Weihnachtsmann aufkreuzte. Dass vor allem ihre Kinder leiden, nimmt Brown am meisten mit. "Eltern sollten ihren Kindern Träume erfüllen", sagt sie. "Stattdessen helfen mir meine Jungs jetzt über die Runden." Vom neuen Aufschwung, den die Ökonomen beschwören, spürt Brown nicht viel. Mehrmals die Woche hockt sie bis zu acht Stunden im Warteraum ihres "Job Centers", ihren säuberlichen Lebenslauf in der Tasche, nur um zu Trainingsprogrammen und Bewerbungsgesprächen geschickt zu werden, die zu nichts führen. "Es gibt keine Arbeit", seufzt sie. "Zu viele Leute. Zu wenige Stellen." Dafür fühlt sie sich behandelt wie Vieh. "Die wissen nicht, wie sie mit gebildeten Leuten umgehen sollen", klagt sie über ihre überforderten Sozialhelfer. "Die kennen nur das Stereotyp der wütenden Schwarzen." Zwei Jobs hatte sie zwischenzeitlich. Eine Immobilienfirma beschäftigte sie eine Woche lang als Aushilfe. "Da konnte ich Seife, Klopapier und Spülmittel kaufen." Im Winter kehrte sie für die Müllabfuhr die Straße - in einer abgelegenen Gegend, wo Kondome in der Gosse lagen. "Ich hatte Todesangst." Zumindest sitzt sie, dank ihrer nachsichtigen Vermieterin, nicht auf der Straße. Doch das Haus steht zum Verkauf - wer weiß, wie es der neue Besitzer hält. Vor den Obdachlosenasylen graut es ihr. Gerade erst hat sie eine Freundin, die trotz MBA-Abschluss verarmt sei, in einem besucht: "Wie im Knast, mit Gittern und Sperrstunde." Der Kellner schenkt Kaffee nach, umsonst. Brown nimmt einen Schluck und entschuldigt sich für ihre Klagen. "Eins will ich klarstellen", sagt sie. "Ich lasse nicht zu, dass mir das den Optimismus verdirbt." ... ottokaristda So ist es
... Viele wollen oder können sich einfach nicht vorstellen, wie schnell es gehen wird. Der Spon schreibt über die Armut in den USA und schweigt über selbige im eigenen Land. In D werden leider noch sehr viele erfahren, wie es sich anfühlt wenn man plötzlich Hartz-IV-Empfänger ist, und alles was sie vorher über diese Menschen gesagt haben, ganz schnell vergessen werden. Sie werden schlicht behaupten, nie etwas negatives über Hartz-IV-Empfänger gesagt zu haben immer schon dagegen gewesen zu sein, aber eben typisch deutsch, erst grosse Fresse, und dann as komplette Gegenteil behaupten. Ich habe Deutschland noch nie sehr gemocht, wegen der Judenverfolgung, wegen der Großmannssucht (Am deutschen Wesen, soll die Welt genesen), wegen solchen Sprüchen wie "Sozial ist was Arbeit schafft" klingt irgendwie nach "Arbeit macht frei". Aber das ist typisch deutsch, immer großspurig und ein bisschen dumm. Deswegen kann die Politik und der Mainstream diese Gülle verbreiten, sie wird nur all zu gern aufgenommen, immer stramm an der Realität vorbeit, und wenn die Karre dann an der Wand ist, war es niemand gewesen, niemand hat je mitgemacht, niemand war je dafür, es ist halt einfach so passiert, und wenn überhaupt was das Ausland Schuld.
Umbanda So, liebe Hartz IVler
...habt ihr jetzt endlich kapiert, wie unendlich dankbar ihr Mütterchen Merkel zu sein habt für all die Wohltaten? Und ihr, ihr Aufstocker, was geht es euch doch gut! Schämt ihr euch nicht, nach Mindestlöhnen zu verlangen? Seht wie es den Amerikanern geht! (Ironie aus)
Volker Zorn USA
Und wenn der Spiegel und andere noch tausend Artikel über den Niedergang der USA schreiben - es wird in der absehbaren Zukunft dort keine sozialdemokratischen Systeme wie in Europa geben. Das liegt schlichtweg nicht in der Mentalität der meisten Amerikaner. Ob die Amerikaner damit besser oder schlechter fahren, kann man diskutieren. Die Menschen dort sind so erzogen, zunächst mal selbst ihre Probleme zu lösen und nicht von Staat Lösungen zu erwarten. Im Gespräch sehen viele Amerikaner durchaus den Vorteil von Krankenversicherung, sozialer Absicherung, guter Ausbildung für alle und der sonstigen "Errungenschaften" europäischer Staaten. Wenn es dann aber um den Preis dafür geht - hohe Steuern und die Einmischung des Staates in jeden Lebensbereich - dann wird letztendlich doch dem eigenen System der Vorzug gegeben.
Heinzel
...
""Eins kam nach dem anderen - boom, boom, boom", sagt Brown. "Jedesmal rappelte ich mich wieder auf. Trotzdem trudelte ich immer weiter in den Abgrund." Ihre Stimme bebt. "Ich habe alles getan, was mir Amerika aufgetragen hat. Ich bin zur Schule gegangen. Ich war nie im Gefängnis. Ich habe wunderbare Kinder großgezogen. Und jetzt?" Sie lacht sarkastisch."
Diese Aussage erinnert mich an Gläubige wie Christen und Muslime, die seine Gebote einzuhalten versuchen, und dafür von ihm eine Gegenleistung erwarten. Nur wird diese nicht kommen. Und im Kapitalismus genausowenig. Die Gesellschaft ist eine namenlose Masse, die kein Verantwortungsgefühl kennt. Das ist Fakt. Ansonsten gäbe es Klimawandel nicht, ansonsten gäbe es die Massentierhaltung mit alls ihren Konsequenzen nicht, ansonsten gäbe es solche Billigketten wie Kik nicht.
Clawog Armut in Amerika
Die Menschen in den USA sind und denken anders, als die "Doomsday-Elite" in Deutschland. Für viele Menschen war die "Krise" eine Gelegenheit, um aus der Armut heraus zu kommen. Die US Wirtschaft befindet sich gerade in einem Transformationsprozeß, in welcher mancher in die Armut stürzt and sehr viele auch wohlhabender werden. Es ist die Wahl eines jeden, gegebene Chancen wahrzunehmen. Den Marxisten bleibt es überlassen, das Gegenteil zu "beweisen". Wer seine Zeit damit vergeuden möchte, bitte schön. In einer freien Welt ist alles möglich und ganz besonders in den USA. Das erkennen auch viele Menschen, sonst müßte die Regierung nicht hunderte von Millionen Dollar für die Grenzsicherung ausgeben, um Illegale zu entmutigen ihr Leben auf's Spiel zu setzen.
christoph.
Blüht den Deutschen auch
Vieles wird ja aus den USA importiert, Mode, Halloween usw.. Und auch eine solche gesellschaftliche Entwicklung wie geschildert blüht den Deutschen.
Die Entsolidarisierung wird von Zeitgenosen wie Westerwelle und Sarrazin weiter befördert, und mit dem Stichwort "Globalisierung" wird jeder Abbau von Leistungen und Möglichkeiten für den Durchschnittsbürger als angeblich unvermeidlich hingestellt.
In Wahrheit wird eine Entwicklung gewollt und gefördert, bei der der Reichtum der oberen paar Millionen von der Armut der unteren zig Millionen genährt wird. Vom Gedanken der gesellschaftlichen Teilhabe für möglichst viele spricht man nur noch in Sonntagsreden.
Tatsächlich wird eine Politik gemacht, die sich aus meiner Sicht gegen die Interessen der Mehrheit der Menschen richtet. Und es wird versucht, dies, z.B. über manipulative Kommunikation über die Medien, zu bemänteln. Offensichtlich erfolgreich, anders kann ich mir das Stillhalten der Menschen und die Wahlerfolge solcher Parteien nicht erklären.
Asirdahan Warum
Ich wundere mich schon lange, weshalb man immer erst aufwacht, wenn es auch der Mittelschicht schlecht geht. Solange das die Unterschicht betrifft, scheint es niemanden zu kümmern, denen geht es eh mies, das ist quasi unabänderliches (gottgewolltes??) Schicksal. Wenn es dieser Frau aus dem Artikel wieder gelingen sollte, Fuß zu fassen und wieder zu den Gutverdienenden zu gehören, wird dann ihr Mitgefühl anhalten, oder wird sie dann zu den Selbstgerechten gehören, die schwadronieren, ich war ganz unten, habe es aber dennoch geschafft. Man bedenkt dabei nicht, dass diese Kraft nicht jedem gegeben ist. Doch auch der Schwache muss essen, muss leben, und auch ihm ist ein Stück Sonnenschein zu gönnen. Wer stark ist, schaut auf die Zurückgebliebenen hinab, statt sie zu sich heraufzuziehen. Egoismus, gepaart mit Selbstüberschätzung (ich bin so toll, mich erwischt es nicht), erstickt dann jedes Miteinander. Auch Amerika muss einen anderen Weg gehen. Die Zeiten, wo tapfere Pioniere neues Land urbar machten, sind vorbei. Freiheit, die nur die Starken genießen können, ist Knechtschaft für die Armen!
kontinuität Freiheit und Deregulierung
Solche Erscheinungen müßten bei der hiesigen FDP doch geradezu Wohlgefallen auslösen. Das ist halt Freiheit pur; und vor allem ist es keine römische Dekadenz, sondern vitaler und lupenreiner Kapitalismus.
thomas bode Konstruktionsfehler im System
Dass bei den Kongresswahlen diese Zustände gar kein Thema sind, ist bezeichnend. Das deutet auf das grundsätzliche Problem, dass in den derzeitigen westlichen Gesellschaften die Armen eine Minderheit sind. In einer Demokratie mögen rassische und religiöse Minderheiten geschützt werden, aber die diffuse Minderheit von 20- 30%, denen es richtig mies, oder nicht wirklich gut geht, die nur Verfügungsmasse von Unternehmen, oder Bittsteller von Behörden sind, die kommt nie auf einen grünen Zweig. Die politische Kaste hat sich verbandelt mit dem Geld, und die Medien werden gelenkt von Eigentümern die natürlich selbst nicht zum, sagen wir mal Prekariat, gehören. Unter diesen Umständen ist es ohne grundsätzliche Systemreformen unmöglich diesen widerlichen Zustand zu ändern. Die Lösung wird seitens der Machtzirkel immer auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben, an dem "Vollbeschäftigung" herrscht und "Bildungsgerechtigkeit" hergestellt ist. Was not täte wäre es als gesellschaftliches Ziel anzustreben, dass niemand unverschuldet in solch deprimierender Biografie enden muss. Zb. durch Bürgergeld. Aber dazu fehlt natürlich der politische Wille. Dieser richtet sich lediglich auf Machterhalt (gegenwärtig: der FDP willfährig sein), Geschenke für die die schon besitzen (könnte sich später bezahlt machen..) und die Produktion schöner Powerpoint-Folien zum BIP. Wie es aber Menschen geht, denen die leiden, die in unserer wieder vielbeschworenen christlichen Tradition "Brüder und Schwestern" genannt werden, interessiert herzlich wenig.
kb26919 Was in USA passiert ist auch in Europa an der Tagesordnung. Europaer muessen nicht schadenfroh ueber den Atlantik schauen. Sie sollen sich lieber in der eignen Nachbarschaft umsehen, dann werden sie die Anzeichen schnell erkennen.
heinrichp
... was in den Armutsregionen der Welt passiert ist unfassbar. Ich komme gerade aus Darfur zurück. Dort leben 2,2 Millionen Menschen in Lagern. Die werden von den UN geschützt. Wenn dort nicht die weißen Lastwagen mit Mehl und Reis, Trockenmilchsäcken und Wasser kommen, dann sterben die Menschen. Das Welternährungsprogramm verteilt nur 1500 Kalorien pro Erwachsenen pro Tag, obwohl das Existenzminimum laut Weltgesundheitsorganisation bei 2200 Kalorien liegt. Obwohl dort die UN-Fahne weht, werden die Menschen in der Unterernährung gehalten. Und warum? Weil die freiwilligen Beiträge der Staaten gestrichen worden sind.
ELOquenz Einzelfälle? Amerikas unsichtbare Obdachlosigkeit Immer mehr Familien mit Kindern haben kein Zuhause Elend mit verschiedenen Gesichtern Begüterte Amerikaner sind sich zwar der enormen Kluft bewusst, die in ihrem Land zwischen Arm und Reich herrscht, haben aber die Tendenz, Bedürftigkeit als eine Art selbstverschuldetes Ungemach zu sehen. Doch als im Frühjahr die neusten Zahlen zur Familienobdachlosigkeit in den USA publiziert wurden, reagierte die Öffentlichkeit mit Entrüstung. http://www.nzz.ch/nachrichten/international/amerikas_unsichtbare_obdachlosigkeit_1.3529465.htmlLeider setzt sich diese "Selbstschuld-Mentalität" in den Köpfen hier zu Lande auch schon fest. Dank der Unternehmensberater Sekte und ihrer höhrigen Politikerschar, die schon fast in esoterischer Manier, die "Eigenverantwortung" und "Selbstaktivierung" als die Erlösung allen Übels lobpreisen und die Bevökerung damit immer und überall einlullen... ...und immer dabei auch noch schön freundlich sein und allseits lächeln, wie die Mutter die nach ihrer Putzstelle gerade ihre Stelle im Fastfood Restaurant angetreten hat, bevor sie abends noch an der Theke arbeiten muss, um über die Runden zu kommen... Servo,
Warum nach Amerika schauen, wenn das Elend so nahe liegt!
Unsere kapitalistischen Regierungen werden es nie begreifen, dass sie ohne ein Volk nichts sind. Wir sind auf dem besten Wege zurück in's tiefste Mittelalter, das unaufgeklärt ein paar wenige Reiche hatte, die sich die große Masse der Armen zu rechtlosen Untertanen gemacht haben.
Verweigert weiter einen Mindestlohn und macht weiter ohne Maximallöhne. Es ist pervers, dass einige Bonzen zig Millionen im Jahr abgreifen und auf das Dekadenteste über die Schicksale der großen, unteren Gesellschaftsschicht urteilen und walten. Herr Wiedeking soll teilweise bis zu 100.000.000 Euro pro Jahr verdient haben, wenn man den Quellen trauen darf. In was für einer Gesellschaft leben wir, dass eine einzelne Person so viel verdienen darf wie gut 740 Arbeitnehmer in einem ganzen Arbeitsleben (45 Jahre mal 3000 € brutto/Monat)? Das ist derart abartig, dass man gar nicht daran denken darf, ohne den Glauben an unsere Gesellschaft zu verlieren.
Die großen Arbeitgeber vergessen immer wieder, wer ihnen ihren unendlichen Reichtum beschert hat (das dumme, arbeitende Volk in der Produktion bzw. im Dienstleistungssektor). Und wenn der Gewinn nach Steuern mal von 3 MRD auf 2 MRD gesunken ist, wird wieder massenhaft entlassen, anstatt sich über den fetten Gewinn zu freuen. Aber nein, es muss immer mehr sein, immer mehr, immer mehr. Schließlich hat man sich fest vorgenommen, monatlich einen Luxus-Neuwagen zu erwerben. Selbst, wenn man so viel gescheffelt hat, dass sich die folgenden 20 Generationen keine Sorgen mehr machen müssen, heißt es weiter "Mehr! Mehr! Mehr!". Logisch, Geld gerecht zu verteilen wird ja gerne mit Sozialismus gleichgesetzt, den wollen wir aber nicht, ist ja schließlich schon mal gescheitert (obwohl mir kein Land auf dieser Erde bekannt ist, in dem Sozialismus auch nur eine Sekunde praktiziert wurde).
Unsere Gesellschaft steht ganz nah am Abgrund. Wir müssen den Bonzen ein immer fetteres Leben gewährleisten und bleiben dabei auf der Strecke als Kollateralschäden. Wir brauchen dringend einen sozialen Staat. Bevor ich missverstanden werde, es geht nicht darum, faulen, arbeitsunwilligen Menschen ein angenehmes Leben zu schaffen. Jeder soll seinen Beitrag zur Gesellschaft leisten. Aber jeder soll sich immer darüber im Klaren sein dürfen, dass er als wichtiges Mitglied der Gesellschaft gilt und auch entsprechend behandelt wird.
Aber es wir ja lieber über die Hartz-IV-Schmarotzer abgeledert anstatt über die wahren Verbrecher in diesem Land. Das ist ja viel einfacher, auf die kann man wenigstens mit dem Finger zeigen.
Unser System widert mich an!
... Aus dem SPON Forum: Armut in Amerika http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=23380Aus: "Armut in Amerika: "So schlimm war es noch nie"" Von Marc Pitzke, New York (01.11.2010) Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,725978,00.html
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« Last Edit: November 02, 2010, 11:32:02 AM by Textaris(txt*bot) »
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