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« on: June 25, 2005, 01:48:36 PM » |
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[...] Brodbecks Kernthese laute: „Das Geld ist kein Ding, das Geld ist eine universalisierte Denkform… Die Welt denkt in einer Form, von der sie beherrscht wird und die eben deshalb ihre Macht entfalten kann, weil sie unerkannt ist.“ Dahinter stehe die Erkenntnis, daß mit dem Eintritt des Geldes in die Geschichte der Menschheit (im Zusammenhang mit der Entwicklung der Arbeitsteilung) sich nicht nur die Strukturen des Wirtschaftens, sondern auch die Seelen der Menschen verändert haben. Mit dem Geld begännen die Menschen, sich nicht nur durch Sprache zu verständigen, sondern durch Rechnen. Und zwar berechneten sie nicht nur Dinge, sondern sich selbst gegenseitig.
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Aus: "Zwanzig Jahre zu spät?" von Heerke Hummel (Das Blättchen/Nr. 6, 29. März 2010) Quelle: http://das-blaettchen.de/zwanzig-jahre-zu-spaet/-.- [...] In der Regel folgen die Geschäfte einem Kalkül, derweil die handelnden Personen und ihre eigenen Motive in den Hintergrund treten.
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Aus: "Flick-Historie: Ein Lehrstück über skrupellosen Kapitalismus" von Christoph Hardt (15.11.2009) Quelle: http://www.handelsblatt.com/flick-historie-ein-lehrstueck-ueber-skrupellosen-kapitalismus;2483869;2-.- [...] "Ich muss mir beim Flirten überlegen, was ist mein Produkt, was ist meine Zielgruppe, und wie schaffe ich den Markteintritt", erklärt Zielke.
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Aus: "Fürs Leben lernen - Mit Marketing zum neuen Partner" von Frank Leth (sueddeutsche.de, 2004)
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« Last Edit: March 30, 2010, 08:53:37 AM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #1 on: July 10, 2006, 11:37:06 AM » |
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[...] Der Markt ist inzwischen Weltreligion geworden, weil er als Weltmarkt eine globale Unterwerfung unter seine Glaubensmaximen verlangt.
Der Markt hat sich zu einem über den Menschen stehenden Wesen realisiert. Man spricht von ihm auf eine Art und Weise, dass die den Markt konstituierenden Bestandteile, d.h. die tausendfältigen Einzelentscheidungen der Marktteilnehmer, hinter einem ehrfurchtgebietenden Begriff verschwinden, der in Form eines Kollektivsingulars entzeitlicht und angebetet wird.
[...] Der neue Glaube erlangt seine volle Reife, sobald der Markt und seine Gesetze als unverbrüchlich geltende Naturerscheinungen auftreten. Nun erst gewinnt er diese anonyme, unpersönliche und unangreifbare Macht, von der alles abhängt, der man sich anpassen, der man sich als Diener unterwerfen muss. Der Markt verlangt eine adäquate Lebensweise. Was sollte er anderes sein als der neue Gott des weltökonomischen Zeitalters?
Wer bestehen will, muss sich den Gesetzen des neuen Gottes unterwerfen; wer in den politischen Diskursen noch kompetent mitreden will, der muss sich als Gläubiger des Marktes erweisen, sonst gilt er als Spinner, Utopist oder irrelevanter Heide des alten Glaubens an die Steuerbarkeit, Regulierbarkeit und Gestaltbarkeit der Gesellschaft durch staatliche Vorgaben.
[...] Jede Religion braucht ihre Agenten und Trägerschichten. Jeder religiöse Glaube hat verschiedene Typen des Nachvollzugs im Leben: Priester, Mönche, Asketen, Intellektuelle, Propheten, Apostel, Wandercharismatiker, Gemeindeorganisatoren, Wunderheiler, Eremiten, Ketzer, Gelehrte, Professoren. Auch der Markt hat seine Propheten, Priester und Missionare: etwa Börsengurus, in der Hausse wie Heilige verehrt, in der Baisse wie Ketzer verdammt. Ferner gibt es die universitären Dogmatiker, die ihre Theologie eher im spröden Gewand wissenschaftlicher Leitmaximen von den Kathedern verkünden. Auch da haben sich Glaubensrichtungen, wenn nicht gar Sekten gebildet. Dann gibt es die modernen Wanderapostel, die dem Gottesvolk verkünden, wie man sein ganzes Leben, seine Einstellung, seine Haltung ändern muss, um erfolgreicher Marktteilnehmer zu sein. Prosperität, Reichtum und Erfolg sind die Zeichen Gottes, dass man zu den Auserwählten gehört.
Aus: "GEBURT EINER WELTRELIGION - Und der Markt ist Gott geworden" - Woran glauben wir, wenn wir "der Markt" sagen? An diesen empfindlichen, launischen, aber angeblich souveränen und allmächtigen Markt? Unser neues Schicksal? Ein zorniger Zwischenruf von "Gazette"-Autor Alois Weber (SPON; 08. Juli 2006) Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,425528,00.html
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« Last Edit: February 26, 2007, 04:07:08 PM by lemonhorse »
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« Reply #2 on: July 10, 2006, 11:57:12 AM » |
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[...] Die "Herrschaft des Geldes" entwickelte sich in Europa allmählich seit dem 14. und 15. Jahrhundert, verbunden mit neuartigen Produktionsmethoden, Kapitalansammlungen und Konzepten von Wirtschaft und Gesellschaft. Der kaufmännische Geist unterwarf fast alles dem Zählen, Wägen, Rechnen. Ähnliches gilt von der Entwicklung von Naturwissenschaft und Technik, deren Siegeszug mit dem des Kapitalismus eng verbunden ist. Allmählich wurde der europäische Mensch verändert: Er lernte im Wettbewerb bestehen und sah sein Glück im geschäftlichen Erfolg. Religiöse Wandlungen im Calvinismus unterstützten diese Einstellung: Wirtschaftliche Erfolge wurden als göttlicher Gnadenbeweis betrachtet, Verelendung und Armut dagegen als Strafe für Sünde und Schuld. So sah sich der Kapitalist in seinen rücksichtslosen Ausbeutungsmethoden bestätigt.
Eine Revolte dagegen entstand erst im Marxismus des 19. Jahrhunderts: Geld sei der Gott oder Götze der modernen Welt geworden! Karl Marx setzte seine Hoffnung auf totale Umgestaltung der Gesellschaft entsprechend den Idealen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Eine solche Utopie erwartete er von der Einführung des Kommunismus. Heute wissen wir, dass Marx und seine Fortsetzer sich die Sache zu einfach vorgestellt haben, Die meisten kommunistischen Staaten sind zusammengebrochen und haben ein ökonomisches, soziales und kulturelles Chaos hinterlassen.
Wir müssen das Problem "Geld, Humanität und menschliche Psyche" neu durchdenken. Dazu bauen wir auf der Individualpsychologie von Alfred Adler (1870 - 1937) auf. Diese Lehre entstand als erstes Konkurrenzsystem zu der Psychoanalyse von Freud, bei dem Adler von 1902 bis 1911 in die Schule gegangen war. Von Nietzsche hat Adler übernommen, dass das menschliche Seelenleben dauernd danach strebt, ein Gefühl des Eigenwerts aufrecht zu erhalten. Bei günstiger Sozialisierung werden Selbstwert und Selbstachtung durch soziale Beitragsleistung ermöglicht. Unter unguten Bedingungen jedoch entartet das Kompensationsstreben zu asozialen Überlegenheitsbedürfnissen, wobei Macht und Herrschaft über andere die Stimme der eigenen Unsicherheit übertönen sollen.
In der seelisch kranken Kultur wird nach Adler fast jeder Mensch dazu inspiriert, seine Ziele auf Selbsterhöhung unter Beeinträchtigung anderer auszurichten. Wir sind alle vom Bazillus der Machtgier infiziert. Das erkennen wir auch in kollektiven Tragödien wie einer egoistischen Wirtschaft, nationaler, religiöser und rassischer Überheblichkeit, Aufrüstung und Krieg.
[...] Es ist unglaublich, wie das Geld- und Besitzdenken die Menschlichkeit überall "vor die Hunde gehen" lässt. Die Sklaverei wurde zwar vor ca. 150 Jahren nominell abgeschafft, aber sie existiert noch als Geldsklaverei in der ganzen Welt, wo mehr als ein Drittel der Menschheit nur mit dem Existenzminimum auskommen muss und großenteils hungert und verhungert.
[...] Danzer geht davon aus, dass unser Verhältnis zum Geld Züge von "Wahnsinn" enthält. Als "wahnsinnig" bezeichnen Psychiater einen Menschen, der Halluzinationen und wahnhafte Verkennungen erlebt. Dieser Realitätsverlust steht im Zusammenhang mit einem Abbau der Ich-Funktionen. Die moderne Philosophie sagt, dass eine funktionierende Wahrnehmung nur dann gegeben ist, wenn das betreffende Individuum ein intaktes Werte-Empfinden besitzt. Nach Max Scheler (1874-1928) nimmt man nur wahr, was man als Wert erkennt. Wenn in einem Menschen eine Wertblindheit eintritt, erlischt sein Realitätsgefühl.
[...] Wahnhaft sind Menschen nicht nur wegen organischer Schäden, sondern auch wegen Einengung ihres Werthorizontes, wenn sie hartnäckig die höheren Werte ausblenden und sich nur auf niedere Werte fixieren. Spinoza (1633-1677) nennt in seiner "Ethik" (1678) auch solche Menschen "wahnsinnig". die ihren dürftigen Leidenschaften ausgeliefert sind: "... Wenn der Habsüchtige an nichts anderes denkt als an Gewinn oder Geld, der Ehrgeizige an Ruhm usw., so werden diese nicht für wahnsinnig gehalten, da sie ... eher für hassenswert gelten. In Wahrheit aber sind Habsucht, Ehrgeiz usw. Arten des Wahnsinns, mögen sie auch nicht zu den Krankheiten gezählt werden".
Irresein und ethisches Versagen erweisen sich demnach als zwei Seiten einer Münze. Den gleichen Standpunkt vertritt auch Immanuel Kant, wenn er Achtung der Menschenwürde als vernünftiges Verhalten gegenüber den Mitmenschen beurteilt, während er ein "Traktieren von Menschen als niedere Sachwerte" (d.h. zweckhaftes Verwenden und ihre Einschätzung als bloßer Nutzwert) als "völlig abnorm" einstuft. Genau das tut aber unser Wirtschafts- und Geldsystem! Dieses bleibt daher nach Kant weit hinter den sittlichen Normen des Menschseins zurück.
In die gleiche Reihe stellte sich Erich Fromm mit seiner Kritk des "homo consumens", den er als "Prototyp des kapitalistischen Zeitalters" kritisierte. Dieser sage nicht mehr wie Descartes "ich denke, also bin ich" sondern "ich konsumiere, also bin ich".
Wir definieren "seelisch-geistige Gesundheit" als "umfassende Erfahrung des Reichs der Werte" und emotionaler Verankerung in ihm. Wertverlust oder Wertblindheit wird für uns zu einem psychopathologischen Faktum. Der Mensch wird gemütskrank, wenn er nicht auf die Realisierung höherer Werte hinlebt. Die Werte sind vergleichbar mit der Sonne in der physischen Welt; so wie eine Sonnenfinsternis die Realwelt verdunkelt, wird auch die Wertarmut zu einer Verfinsterung der ideellen und emotionalen Welt.
Man kann durchaus mit einer solchen Wertblindheit leben bzw. vegetieren. Ja, solche seelenblinden Menschen können unter Umständen in unserer pervertierten Gesellschaft enorm erfolgreich und effizient sein.
Aus: "Geld, Macht und die menschliche Psyche" - Ringvorlesung Energie - Umwelt - Gesellschaft; Referent: Dr. med. et phil. Gerhard Danzer, Privatdozent f. Psychosomatik u. medizinische Anthropologie, Charité, Humboldt-Universität Berlin (2002-12-04) Quelle: http://www.chemie.fu-berlin.de/fb/diverse/danzer021204.html
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« Last Edit: March 30, 2010, 08:54:35 AM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #3 on: July 18, 2006, 09:58:18 AM » |
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[...] «The Lonely Crowd» heisst David Riesmans Klassiker über die kollektive Vereinsamung der US-Gesellschaft in der Mitte des letzten Jahrhunderts; der Soziologe beschreibt darin den «aussengeleiteten Menschen» als primären Typus im Zeitalter der grossen Konzerne. Im Unterschied zu dem traditionsverhafteten Charaktertyp, der streng den Regeln gehorcht, und dem «innengeleiteten» Menschen, der eher den eigenen Massstäben folgt, ist dieser flexible, auf Anerkennung bedachte Typus das Herdentier der «einsamen Masse».
Bruchstiueck aus: "Die einsame Masse" (17. Juli 2006, Neue Zürcher Zeitung) Quelle: http://www.nzz.ch/2006/07/17/fe/articleEB23I.html
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« Last Edit: February 26, 2007, 04:08:04 PM by lemonhorse »
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« Reply #4 on: August 27, 2006, 01:46:47 PM » |
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[...] Der MAX taxiert die 74 Angestellten des «Schindlerhofs» monatlich mittels 16 Kriterien - eines davon sind Verbesserungsvorschläge. «Seit wir den MAX vor drei Jahren eingeführt haben, übertreffen sich unsere Mitarbeiter mit neuen Ideen», sagt der Inhaber des «Schindlerhofs», Klaus Kobjoll. Die Idee mit dem Audi stammt vom Koch, dessen Index entsprechend in die Höhe schoss.
[...] Menschen wie Aktien beurteilen: Was jedem Gewerkschafter die Nackenhaare in die Höhe stellt, ist in Wirklichkeit ein geschickt verpacktes Motivationssystem für Mitarbeiter, mit dem Effekt, dass Kellner und Empfangsdamen des «Schindlerhofs» dauernd vor lauter Freundlichkeit zu platzen scheinen. Ende jeden Monats müssen sich alle Angestellten selber beurteilen und der hausinternen Software Fragen zu Pünktlichkeit, Engagement, Fehlerquote, körperlicher Fitness oder Weiterbildung beantworten. Die Vorgesetzten reflektieren diese Selbstbeurteilung im persönlichen Gespräch mit den Mitarbeitern - und erstellen so die einzelnen Indizes. Wer die beste Performance aufweist, darf ein Mini-Cabriolet während eines Monats fahren, und wer mehrere Monate am Ende des Indexes steht, wird ziemlich sicher nicht mehr lange im «Schindlerhof» arbeiten.
«Natürlich gab es bei der Einführung des MAX kritische Stimmen», sagt Klaus Kobjoll, «zwei Mitarbeitern erschien der Druck auch zu gross, und sie haben damals gekündigt.» Doch die Mitarbeiterqualifikation mittels Indexes entspringt nicht einer übersteigerten Faszination für Kosten-Nutzen- Rechnungen. Sie ist die konsequente Umsetzung der Erkenntnis, dass Mitarbeiter auf der Bühne der Gastronomie das wertvollste Kapital darstellen.
[...] Zwei Dinge charakterisieren das Denken und Schaffen von Kobjoll, der mit 22 Jahren seine erste Crêperie eröffnete und im Frankenland mit innovativer Trendgastronomie zwar für Aufsehen sorgte, aber immer wieder Pleite ging: Neben seiner unternehmerischen Passion, gespeist aus dem tiefen Bedürfnis, als ehemaliges Flüchtlingskind einmal eine Familiendynastie aufzubauen, ist es das konsequente Ins- Zentrum-Stellen seiner Mitarbeiter. Mit seiner zwölften Unternehmensgründung, 1984, gelang ihm damit der lang angestrebte Durchbruch: In zwei Jahrzehnten ist der «Schindlerhof» vom kleinen Landgasthof zu einem mit Dutzenden von Preisen übersäten Tagungs- und Konferenzhotel gewachsen. Teddybären zum Einschlafen, Quietsch-Enten fürs Schaumbad und Qualitätsweine in der Minibar sind Tausenden von Geschäftsreisenden angenehm in Erinnerung. Und im Sog der Erfolgsgeschichte avancierte Kobjoll, anfänglich ungewollt und nebenbei, zu einem der meistgefragten MotivationsTrainer im deutschsprachigen Raum.
[...] Kobjoll stellt nur Mitarbeiter ein, die Freude an anderen Menschen haben und kommunikativ sind. «Wenn dieses Talent nicht vorhanden ist, wirkt jedes Lächeln wie aufgesetztes Service-Design.»
Die Personalauswahl ist für Kobjoll entscheidend: «Gemäss der neusten Gallup-Studie üben nur 13% der befragten Arbeitnehmer in Deutschland ihren Job hochmotiviert aus. 69% erledigen Dienst nach Vorschrift, und die restlichen 18% haben innerlich bereits gekündigt.» Die Schlussfolgerung ist naheliegend: «Ein Unternehmer kann es sich nicht leisten, den demographischen Durchschnitt einzustellen.»
[...] Kobjoll ist überzeugt, dass im Zeitalter der Globalisierung ein Arbeitnehmer gut beraten ist, seinen Wert für den Arbeitsmarkt ständig im Auge zu behalten und zu steigern. Deshalb hat er auch den Punkt «Abschreibung» im MAX eingebaut, um genau dies jedem Angestellten ständig zu signalisieren.
Bruchstücke aus: "Der Mensch als Aktie - Der Gastrounternehmer Klaus Kobjoll taxiert seine Angestellten wie Wertpapiere. Wer seinen Wert nicht laufend steigert, muss gehen. Das System scheint erfolgreich zu sein. Von Daniel Puntas Bernet" (27. August 2006, NZZ am Sonntag) Quelle: http://www.nzz.ch/2006/08/27/wi/articleEF0MZ.html
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« Last Edit: November 06, 2007, 03:27:39 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #5 on: September 21, 2006, 07:51:10 AM » |
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[...] "Ich finde es gut, dass die Bezüge nun direkt an den Aktienkurs gekoppelt sind", sagte Hocker. Damit wirke sich die Performance des Unternehmens direkt auf das Gehalt aus. "Wer gute Arbeit leistet, bekommt gutes Geld, wer schlecht arbeitet, verdient wenig." (Tsp)
Aus: "Siemens-Vorstandsgehälter: "Obszön und unanständig"" (ZEIT online, Tagesspiegel | 20.09.2006) Quelle: http://www.zeit.de/news/artikel/2006/09/20/74644.xml
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« Last Edit: November 06, 2007, 03:28:17 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #6 on: November 07, 2006, 11:46:34 AM » |
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[...] Der einzelne müsse sich heute wie ein Unternehmer gebärden[...]. Selbst gegenüber Regierungsbehörden würden Bürger zu "Konsumenten", die sich nach Marktgesetzen richten müssten. Es herrsche eine "zynische Einstellung gegenüber dem Gesetz". Ökonomische Metaphern würden auch auf den zwischenmenschlichen Bereich ausgedehnt.
Aus: "Dreistigkeit, Unrecht und Freiheit" Von Christian Stöcker (SPON; 06. November 2006) Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,445981,00.html-.- [...] metasprachlichen Kodierung der gesammelten Metaphern...
[...] Der Weg aus dieser ungelösten Paradoxie ermöglicht einen Kontextwechsel, nämlich den Wechsel von moralischen in ökonomische Metaphern....
[...] verwendet dafür gelegentlich ökonomische Metaphern und spricht von ”Meinungswettbewerb”...
[...] ökonomische Metaphern und die Entstehung wissenschaftlich unterlegter Bilder und Stereotype von...
[...] Politische und ökonomische Metaphern können - wie alle anderen Metaphern - bestimmte Aspekte der Realität verbergen...
[...] Mit Blick auf die ökonomische Bildung kann Handlungsorientierung...
[...] anstatt Sprachluxus ökonomische Sprachausnützung aufgrund sachlicher Einsicht....
[...] erweist sich als unreflektierte ökonomische Metaphorik...
[...] Ökonomische Konzepte und moralische Ressourcen...
[...] Oekonomische und gesellschaftliche Effizienz...
[...] Ökonomische Analyseinstrumente zur Implementation von Moral...
[...] Sexuelle, ökonomische, soziale Entgrenzungen: Der Durchbruch durch Grenzen kann...
[...] mit welchen Metaphern im politischen Wachstumsdiskurs...
[...] Die oekonomische und politische Notwendigkeit sowie die technische...
[...] ökonomische Metapher ist durchaus ernst zu nehmen und führt zu sehr praktischen Vorschlägen, was die "Verringerung" der "Menschenausgaben" betrifft...
[...] Visuelle Metaphern finden im Rahmen einer Symbolisierung statt. Ihre ökonomische Abhängigkeit...
[...] Grenzen zwischen Analogie und Rhetoriken oder Argumentationsketten ökonomische Verhältnisse jeweils...
[...] was die ökonomische Bedeutung des Wissens angeht...
[...] Diese Wertschöpfung durch Humankapital - so die These des Autors...
[...] Humankapital (2004), Tätervolk (2003), Ich-AG (2002), Gotteskrieger (2001), Wir sind umstellt von Allegorien, Metaphern, Sprichwörtern und...
[...] sein Leben als so genannte Ich-AG an wirtschaftlichen Effizienz...
[...] als Humankapital, den wichtigsten Wettbewerbsfaktor der Zukunft...
[...] und die Humankapital-Rendite aus geeigneten Indikatoren abzuleiten...
[...] Wir sollten unser Humankapital wie eine Immobilie betrachten...
[...] er ist als Humankapital, eingstellt...
[...] Humankapital ist wichtig - Deutsche Bank Research stellt Studie vor...
[...] Die Einnahmen der Ich-AG unterliegen einer 10-prozentigen Pauschalbesteuerung...
[...] Immer Ärger mit dem "Humankapital der Nation – Die PISA-Studie - Was für ein Schock...
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« Last Edit: November 06, 2007, 03:28:38 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #7 on: November 07, 2006, 12:17:46 PM » |
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[...] Indem wir uns in einer Sprache bewegen, bewegen wir uns immer auch in einem Netz von Wahrnehmungs-, Bewertungs- und Gefühlsmustern.
[...] Man könnte statt von Mustern auch von Formen sprechen. Dann wird deutlicher, dass die Sprache unser Denken, Fühlen und Handeln formt. Wir glauben zu denken und werden gedacht. D.h. wir denken die Inhalte in den uns von der Sprache vorgegebenen Formen.
[...] Die Werbewirtschaft bewirbt allein in Deutschland ca. 3500 Marken mit einer halben Million Euro jährlich, das sind 1750 Mill Euro. Vordergründig eine ungeheure Macht Allerdings gehen seriöse Schätzungen davon aus, dass 98 % der Werbung unbeachtet bleiben (vgl. Buss/Fink-Heuberger 2000:31). „Wie Werbewirkungen genau zustande kommen, ist kaum ausreichend geklärt – der Stand der Werbewirkungsforschung wird als unzureichend und realitätsfern bezeichnet“ (Stöckl 2005: 243). Meine These besagt, dass Werbung dann Erfolg hat, wenn sie eine in der Zielgruppe bereits angelegte Verhaltenstendenz aufspürt. Dann stößt sie auf Resonanz in der Zielgruppe, und es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass die Werbung die Verhaltenstendenz verstärkt. Was wirkt, ist nicht so sehr, die Ausdrucksform von sprachlichen oder visuellen Botschaften, sondern die der Zielgruppe angebotenen Wahrnehmungs- und Bewertungsmuster bzw. –formen.
[...] Ein Großteil der Käufe wird kaum kognitiv kontrolliert. Menschen entscheiden auf der Basis von Voraus-Urteilen, unzureichender Information und falschen Schlussfolgerungen. Die Wirksamkeit von Emotionen wird von den Personen selbst weit unterschätzt (vgl. ebda). In der Summe ist auch das ein Grund, weshalb man Werbekommunikation als „Kampfkommunikation“ bezeichnen kann. Es geht dann in der Tat weniger um Informieren und Überzeugen, sondern vor allem um den Sieg im Kampf um Aufmerksamkeit und Köpfe.
Obwohl viele Menschen Werbung als solche erkennen und zu Recht andere Wahrheitsmaßstäbe an ihre Aussagen anlegen, können doch die vorgestanzten Verhaltens-, Wahrnehmungs- und Gefühlsmuster jene Muster verstärken, die als Tendenz in Personen oder Gruppen angelegt sind. Der Vergleich der Kölsch- und Bitburger-Werbung zeigt, dass den Kampagnen unterschiedliche Welt- und Menschenbilder zugrundeliegen. Die Bewertungsunterschiede adressieren unterschiedliche Zielgruppen und korrespondieren mit der Mentalität eines lokalen Milieus (Rheinland) und mit den Lebensgewohnheiten und Lebensauffassungen eines bestimmten sozialen Milieus, das sich nicht räumlich fixieren lässt (Lifestyle- Werbung für den Jetset).
[...] Man kann daher mit einiger Wahrscheinlichkeit annehmen, dass Werbung vorhandene Tendenzen aufspürt und indem sie diese thematisiert, verstärkt. Daher ist der Saturn-Slogan „Geiz ist geil“ symptomatisch für den Zustand unserer Gesellschaft und bedenklich zugleich. Wer geizig ist, setzt seine individuellen Interessen absolut. Die Rechte des Produzenten, Händlers, Staates kommen nicht in den Blick – auf Dauer kein „Spiel“, in dem alle gewinnen. Dabei haben wir gerade der neueren Ökonomik den verdeutlichenden Hinweis zu verdanken, dass Gewinne letztendlich immer Kooperationsgewinne sind, die - ob man will oder nicht – auf einer „Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil“ (Homann/Suchanek 2000: 18) beruhen.
[...] Es wäre wie im Falle der Werbesprache relativ sinnlos, alle Menschenbilder aufzuzählen, die im jeweiligen Kommunikationsbereich vorkommen. Im Übrigen findet sich in der Managementlehre „eine ausgeprägte Debatte über die den verschiedenen Konzepten zugrundeliegenden Menschenbilder (vgl. Kappler 1992): Die Reihe der gedanklichen „homunculi“ reicht vom „homo oeconomicus“ über den „complex man“ bis zum „social man“. Neuerdings müssen sich Personalabteilungen offenbar auch mit dem Typus „ego man“ auseinandersetzen – zumindest dann, wenn das propagierte „neue Karrieredenken“ weiter Platz greift“ (Laske 2002: 30; s.u. zur Ich-AG).
[...] dass ökonomische Prozesse sprachlich so dargestellt werden, als würden autonome Subjekte ein von den Bürgern völlig unabhängiges Eigenleben führen. Die folgenden Beispiele sind typisch für den Jargon der Börsenberichterstattung:
Die Kurse haben sich erholt. Eine vorbörslich noch feste Tendenz konnte sich im späteren Börsenverlauf nicht durchsetzen. Die Börsenstimmung litt unter dem Anstieg des Dollars. Der Leitindex zehrte seinen Vortagesgewinn wieder auf. Der Ölpreis gab nach. Der DAX ist gut gelaufen.
[...] Menschen neigen dazu, die Manipulationswirkung von Werbung zu unterschätzen.
Aus: "Prof. Dr. Helmut Ebert: Menschenbilder in der Wirtschaftssprache - Kampf um Köpfe: Verführer und Verführte: Menschenbilder in der Wirtschaftssprache und im öffentlichen Sprechen über die Wirtschaft" Von Prof. Dr. Helmut Ebert (27. Oktober 2005) Quelle: http://www.vrds.de/pdf/kongress/Rede-Ebert-Kongress.pdf
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« Last Edit: February 26, 2007, 04:08:43 PM by lemonhorse »
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« Reply #8 on: November 07, 2006, 02:28:13 PM » |
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[...] In der häufigsten Form der Schleichwerbung platziert ein Unternehmen sein Produkt in einem Massenmedium. Sehr ausgeprägt ist das Product Placement bei Kinofilmen. Angefangen hat das Ende der 1960er Jahre, als die Produktionskosten der Filme explosionsartig stiegen. Als erstes professionelles Product Placement gilt der Alfa Romeo in dem Film Die Reifeprüfung mit Dustin Hoffman. Die Szene ist so bekannt, dass sogar Audi sie in einem Werbespot mit Dustin Hoffman verwendet. Gleichzeitig perfektioniert sie Audi so sehr, dass Will Smith in dem Film „I, Robot“ nicht nur als Held einen Audi fährt, sondern außerdem auch alle anderen PKWs, die im Hintergrund stehen, Wagen der Marke Audi sind. Daneben bleibt immer noch genug Zeit für Will Smith, seine Converse-Schuhe auffällig in die Kamera zu halten, während er Musik auf einer JVC-Anlage hört und ein Paket von FedEx annimmt.
Telefoniert wird meist auffällig mit einem Nokia- oder Siemens-Handy, bezahlt wird oft mit American Express oder Visa. In vielen Filmen benutzen die „Guten“ außerdem Apple- Computer, während die „Bösen“ sich mit einem IBM-PC herumärgern. Besonders stark hat sich das Product Placement seit den James-Bond-Filmen mit Pierce Brosnan entwickelt, in dessen ersten drei Filmen der Schauspieler Fahrzeuge der Marke BMW fährt. Bekannt auch die Serie „Knight Rider“, in der der Schauspieler David Hasselhoff immer mit einem Sportwagen der Marke Pontiac (Firebird) unterwegs ist. In der Fernsehserie Dallas fuhren viele Darsteller Autos der Marke Mercedes-Benz, die vom Hersteller zur Verfügung gestellt wurden. Die Produzenten von Dallas bekamen auch Geld dafür, aber es war vertraglich festgehalten, dass keines der Autos eine Panne haben durfte.
Aus: "Schleichwerbung => Product Placement" (11/2006) Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Product_placement
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« Last Edit: November 06, 2007, 03:31:12 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #9 on: November 07, 2006, 04:45:45 PM » |
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[...] In der Kunsthochschule wollten auch immer viele kreativ sein und einige sogar für die Kunst sterben und einige wollten sogar etwas bewirken oder verändern... der Ansatz war mir also vertraut. Werke oder wie man die Dinge auch immer nennen will, die KünstlerInnen produzieren, schienen mir im Prinzip obsolet, und auf der Suche nach dem Ort, an dem Kunst noch irgendetwas wie Relevanz behauptet, lag und liegt es Nahe in ein Unternehmen zu gehen. Die Grundfrage war, was das denn noch soll mit der Kunst, ob es die noch gibt, ob irgendjemand die noch braucht oder was das denn eigentlich ist, mit der Kunst und mit den Unternehmen. Ich habe nicht in einer Großstadt studiert, wo mir die Frage in DER TRENDBAR ZUM COOLEN KLUGSCHEISSER vielleicht anders hätte beantwortet werden können. Das Gehen in ein Unternehmen beginnt mit einer Bewerbung: Sich als Künstler bewerben - auch wenn nur für einen Praktikumsplatz –, bei einem Unternehmen und dann als Künstler angestellt werden und dann wissen, was es ist mit den Unternehmen und dann auch wissen, was es ist mit der Kunst und dann endlich wieder wissen, warum man damals Kunst als letzte Widerstandsbastion begriffen hatte. Heute Abend geht es hier um das Thema Ökonomisierung des Alltags unter der Überschrift go create resistance...
[...] Seit die ganzheitliche Corporate Identity sich auf Unternehmungen auswirkt, seitdem Neoliberalismus blairistischen Zuschnitts Wettbewerb mit sozialem Handeln verbindet, seitdem die Produktionsmittel in Erstweltstaaten den Arbeitnehmern gehören und man die unendliche Ressource Kopf - oder wie man es immer nennen mag – als Aspekt der Wertschöpfung begreift, seitdem werden in Unternehmen offensiver als je zuvor Lebensmodelle verhandelt: SAP, der erweiterte Campus mit flachen Hierarchien als basisdemokratisches Modell; Siemens, das kulturalisierte Unternehmen auf der Suche nach Kreativität und Innovation; dm Drogeriemarkt, dessen Ziel die Arbeit an der sozialen Plastik ist oder auch banaler Anna Albrecht, die Mutter der ALDI-Brüder, die sagt: „Es ist traurig, aber je schlechter es den Leuten geht, desto besser geht es uns.“
Das Unternehmen als Ort eines verhandelten oder definierten Lebensmodells ist ein guter Ort für diejenigen, die sich in diesem Modell wieder finden. Es bildet die Grundlage für vielerlei Veränderungen: Unternehmen werden sozial verantwortlich, ökologisch sauber, dienstleistungsorientiert ,modern. Wir leben im 21. Jahrhundert und jeder ist Kunde – überall – Werde Dein eigenes Unternehmen. Wer sollte etwas dagegen haben, wenn Menschen sich bei ihrer Arbeit verwirklichen können. Wer kann ernsthaft etwas gegen das soziale Engagement – wie ernst es auch immer gemeint sein mag – von Unternehmen sagen? Nach der New Economy befinden wir uns nun in der True Economy, Aufrichtigkeit, Mitleid und Nähe sind die Orte der Wertschöpfung. Die Welt ist nicht gemein, sie wird stetig besser. Wir leben in der ersten Welt. Die, die Zugang zu Unternehmen, zu organisatorischen Einheiten haben und in diesen effizient agieren, werden als Menschen wahrgenommen, weil Henry Ford Geschichte ist. Die Probleme verlagern sich.... 1927 beschreibt Ford in seiner Autobiografie die Aufteilung der Tätigkeiten zur Herstellung des erfolgreichen Model T :“...erforderlich sind 7882 verschiedene Arbeitsgänge. 949 Arbeitsgänge sind als Schwerarbeit zu bezeichnen und benötigen gesunde, kräftige Männer. 670 Arbeiten können von Beinlosen, 2637 von Einbeinigen, 2 von Armlosen, 715 von Einarmigen, 10 von Blinden verrichtet werden.“ Diese Zeit ist vorbei, vollständige Gliedmaßen sind kaum noch ein Einstellungskriterium. Die Ausschlusskategorien sind andere aber die sind nicht eben gerechter Verteilt. In Unternehmen werden also neben kulturalisierten Produkten, oder besser Brands, vor allem Lebensmodelle gehandelt und diese nicht im Sinne einer Marketingstrategie, sondern vielmehr im Sinne einer konkreten Organisationsstruktur, einer Alltagsrealität. Wenn dem so ist und es ist dem so, dann ist das Unternehmen ein Ort, an dem künstlerische Praxis notwendig ist bzw. praktiziert wird, nur eben meistenteils ohne Künstler, da die ja noch in ihren Ateliers sitzen und Bilder gegen den Krieg malen, die manchmal in den Fluren der Unternehmen aufgehängt werden. Dort macht man dann Eröffnungen oder Vernissagen, wie man sie nennt, auf die man Freunde einlädt, die dann mal gucken, wie das so ist mit der Kunst. Ich ging also in ein Unternehmen, um keine Bilder in Flure zu hängen und machte dort Karriere, was nicht weiter wichtig ist, zumindest nicht heute in diesem Themenfeld. Ein Aspekt des Erfolges hätte beurteilt werden können, wäre ich nicht dem Ratschlag gefolgt dies aufzuschreiben und hätte anstelle dessen frei gesprochen und damit einen sog. Skill vorführen können. Und dann hätten Sie beurteilen können, dann hätten Sie mich beurteilen können und hätten sogar sagen können, das kann ich auch und das wäre dann gut gewesen, weil man das bei Kunst ja gerne sagt, wenn man nicht genau weiß, was man sagen soll und durch das AUCH-KÖNNEN, aber nicht SELBERMACHEN zum Ausdruck bringen will, das es Quatsch ist. Aus dem Blickwinkel der künstlerischen Ausbildung hat man diesen leicht peinlichen Freiheitsbegriff und da der Zustand der Hochschulen durchaus den gesellschaftlichen Zustand widerspiegelt, gibt es dieses Wirrwarr an moralischen Kategorien, die sich im lauwarmen Sud der Kulturschaffenden wohlig vermehren und das Morphium werden, mit dem man es sich in seiner Existenz gemütlich macht und vielerlei aushält. Und deshalb ist der Weg in ein Unternehmen eben vor allem der Weg zum Klassenfeind, der Weg zum Sammler, der Weg zu dem, der Geld hat, aber leider keine Moral.
Ich kam aus der Hochschule, der kuscheligen Aufzuchtstation, deren Ziel es immer noch ist, Kampfmaschinen für den Turbokaitalismus Kunstmarkt zu produzieren. Einem Markt, in dem es keine Gesetze gibt, in dem nur der Stärkste überlebt, in dem das Kranke mindestens schon cool sein muss, will es akzeptiert werden. Ökonomisierung des Alltags hat in der Kunst eine Tradition, modellhaft in Szene gesetzt wird unter dem Deckmantel der Gemeinsamkeit der Kampf um das nackte Überleben geführt. Kaum ein sozialer Kontakt, der nicht unter Verwertungsaspekten zu lesen ist, kaum eine Idee die nicht mindestens strategisch verbreitet wird, kein Café, der nicht auch perspektivisch getrunken wird, kaum eine Veranstaltung, die nicht Referenzpunkt ist, kaum eine Handlung, die nicht trennen würde zwischen innen und außen. Kunst, die auf Existenzsicherung angelegt ist, kommt zumindest in der bildenden Kunst nicht ohne die Mikroökonmisierung der Gefühle aus.
[...] KünstlerInnen sind Idealtypen eines neoliberalen Systems: Rennpferde, die nicht auf die Rennbahn wollen, sondern sich selber leid tun. Einzig die Moral wird für sich in Anspruch genommen, so verworren sie auch sein mag. Es ist Krieg und auf den Schlachtfeldern der Menschlichkeit nimmt der moralische Künstler die Moral, wenigstens die Moral, für sich in Anspruch, während er den nächsten Kontakt knüpft. Auch 20 Jahre Bourdieu konnten nicht verhindern, dass sich hier immer noch welche außerhalb von irgendetwas fühlen – auch wenn das Gegenteil inflationär behauptet wird. Ökonomisierung des Alltags meint heute eben auch Kulturalisierung des Alltags - und das ist wirklich ein Horrorszenario.
[...] Das Horrorszenario Kulturalisierung der Alltags ist deshalb eines, weil es ausschließlich aus Imperativen besteht: Gesundheit – nur wer gesund ist und in der Lage den täglichen Überlebenskampf zu führen, kommt weiter; Krankheit bedeutet Ausschluss. Kreativität – nur wer Ideen besitzt, wer fortwährend das Neue oder das Andere sucht, kann bestehen, da das Gewohnte nicht gefordert ist. Sozialkompetenz – nur wer schlau genug ist auf verschiedenen inhaltlichen oder formalen Klaviaturen zu spielen, findet Akzeptanz. Flexibilität – nur wer bereit ist soziale Systeme als temporär, ersetzbar, austauschbar zu begreifen, kann mit den Anforderungen des Marktes mithalten. Kommunikation – nur wer verbal dazu in der Lage ist sich selbst zu repräsentieren, kommunikativ Netzwerke zu entfalten, kann überleben. Diese Kategorien, und dies ist lediglich eine Auswahl, sind Ausschlusskategorien und Ausschlusskategorien zeichnen sich dadurch aus, dass sie eben gerade nicht solidarisch funktionieren.
[...] Ich ging also in die Wirtschaft, um dem Klassenfeind auf die Finger zu sehen und entdeckte mich selbst als Klassenfeind. Die Verwobenheit, das Teil des Ganzen sein, ist eben doch grundsätzlicher, als man denken möchte. Affirmation scheint eine Widerstandskategorie zu sein – oder eben auch nicht. Eine Fallstudie ist es vielleicht nicht geworden, mehr ein Fallbeispiel und so bin ich nicht in der Lage zehn Thesen mit ein paar Erläuterungen zu formulieren, leider!
Aus: "raubkopie 08: reflexion über das scheitern II - ein vortrag von armin chodzinski im rahmen der reihe go create resitance #03_16.03.03 im deutschen schauspiellhaus hamburg" Quelle: http://www.revisionsverlag.de/revisionsverlag/raubkopie/rk08.html
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« Last Edit: July 12, 2011, 02:25:24 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #10 on: November 13, 2006, 05:00:17 PM » |
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[...] Nachfrageorientierung und ständige Flexibilität als Leitlinie in der Kindergartenentwicklung...
[...] Nachfrageorientierung und Wettbewerb hilft auch Familien. Ein Plädoyer für Kinderbetreuungsgutscheine...
[...] Nachfrageorientierung (primäre und sekundäre) Systemautonomie....
[...] Gesellschaftliche Nachfrageorientierung als Gründungslogik...
[...] Die Nachfrageorientierung der Marktwirtschaft ist geknüpft an die...
[...] Das Postulat der Nachfrageorientierung erfordert eine permanente Aktualisierung im Hinblick auf...
[...] Kulturpolitik zwischen Angebots- und Nachfrageorientierung...
[...] Stärkere Unternehmens- und Branchenfokussierung und damit stärkere Markt- und Nachfrageorientierung...
[...] Nachfrageorientierung bedeutet nicht nur inhaltliche, sondern auch...
[...] Was heisst ein nachfrageorientierter Flughafen?
[...] Nachfrageorientierung heißt schlicht, dass den Konsumenten in unserer Gesellschaft...
[...] Wir brauchen eine stärkere Nachfrageorientierung über Finanzierungsinstrumente...
[...] Wer sich also für die risikoärmere und vielleicht kosteneffizientere Nachfrageorientierung entscheidet, muss...
[...] Nachfrageorientierung und Opportunitätsorientierung.
[...] Nachfrageorientierung der Kunden, ein kontinuierlicher Bedeutungsgewinn...
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« Last Edit: April 29, 2007, 06:31:26 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #11 on: December 03, 2006, 11:48:40 AM » |
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[...] Man kann zunächst einmal daran erinnern, dass die Pädagogik als "Disziplinierungswissenschaft" entstanden ist - ein Gefüge von Diskursen, die die systematische Formung von Kindern und Menschen thematisieren. In ihr findet eine Normierung statt - ein Prozess, der gleichzeitig Individualisierung und Totalisierung bedeutet. Menschen werden (ähnlich wie im Justizsystem, im Krankenhaus oder der Psychiatrie) in einen Gesamtzusammenhang gestellt, eine gesellschaftliche Norm von Leben, Gesundheit, Gefügigkeit etcetera formuliert, gleichzeitig jedoch wird eine Vielzahl von Differenzierungen vollzogen. Die Aufgabe des Lehrers in der bürgerlichen Schule besteht wesentlich darin, die Fähigkeiten des Kindes anhand einer Norm zu bewerten und auf diese Weise zu ökonomisieren. Er forscht nach Eigenschaften, die wirtschaftlich nutzbar sind oder - wie es neudeutsch heißt - "einem auf dem Arbeitsmarkt weiterhelfen". Doch die Schule ist nicht nur ein Ort, wo sortiert und kategorisiert wird, intellektuelles von handwerklichem Geschick, naturwissenschaftliches Denkvermögen von "Leitungsqualitäten" unterschieden werden. Noch viel stärker ist die Schule ein Ort der Subjektbildung.
In dieser Hinsicht ist die Pädagogik die biopolitische Wissenschaft überhaupt. In dem Maße, indem sie sich die systematische Bildung von ökonomisch handelnden Akteuren zum Ziel setzt, verwandelt sie das Leben in ein Objekt von staatlicher Lenkung. Foucault hat sich in den 1970er Jahren verstärkt mit dieser produktiven Seite von Macht beschäftigt. Während man mit dem Begriff der Disziplinierung vor allem das Unterbinden bestimmter Handlungen assoziiert (den Einzelnen wird beigebracht, Wünsche und Handlungen zu unterdrücken und sich der Ordnung in einer Armee, einer Fabrik, einer Schulklasse zu unterwerfen), will die Subjektbildung, wie sie von der Erziehung formuliert wird, aktives Verhalten hervorbringen. Die Individuen werden geschult, sich in einer bestimmten Weise wahrzunehmen, und zu spezifischen Handlungen animiert; "gute" Regierungspolitik ist in dieser Hinsicht immer auch ein pädagogisches Projekt. Arbeitslose sollen aktiviert werden, sich selbst weiterzubilden und um Jobs zu kümmern, Kinder Spaß an Leistungsbereitschaft und Teamfähigkeit entwickeln, die Einzelnen sich als unternehmerische Subjekte, ihre Körper als Kapital, ihr Leben als Ich-AG begreifen. Foucaults Begriff "Gouvernementalität" meint genau das: Die Kunst der Lenkung, das Vermögen, Menschen als handelnde Subjekte zu aktivieren.
Aus: "Das ganze Leben ist ein Kampf" - MOBILMACHUNG: Über Emsdetten, Dschungel-Soldaten und das Wesen der Pädagogik | Von Raul Zelik (01.12.2006) Quelle: http://www.freitag.de/2006/48/06481101.php
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« Reply #12 on: February 26, 2007, 04:04:41 PM » |
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[...] von der Ökonomie (oder Ökonomisierbarkeit) bestimmter ästhetischer Verfahren...
[...] ein Ausblick auf die Ökonomisierbarkeit von journalistischen. Inhalten und ihre Integrierbarkeit in die Gesellschaft...
[...] Anhaltend gestritten wird vor diesem Hintergrund bekanntlich um Fragen der Ökonomisierbarkeit ebenso wie um Kriterien außerökonomischer Effektivitäts- und...
[...] daß die auf Effektivität abzielenden Mittel des wissenschaftlichen technischen Fortschritts...
[...] Forscher weisen Effektivität von klinischen Behandlungspfaden nach...
[...] Ich denke nicht, dass man die Psyche scheibchenweise therapieren kann...
[...] Die Effektivität der Methode hängt ab von der Fähigkeit der TherapeutIn, die KlientIn auf...
[...] Inzwischen ist bekannt, dass die Psyche das Schmerzgeschehen über Botenstoffe und...
[...] gesetzte Produktivität und Effektivität bei der Arbeit oder in der Schule...
[...] Allgemeine Beurteilung der Effektivität von Entspannungsverfahren. Die Schmerzintensität und der...
[...] Wie wird die Effektivität von Lernprozessen gemessen oder beeinflusst?
[...] Die Effektivität dieses Modells. wurde auch in Studien untersucht...
[...] Studienergebnisse stellen Effektivität von gängigen Beta-Blockern infrage...
[...] Zunächst wird zwischen Psyche und Geist unterschieden, wobei der Geist selbst ein...
[...] Teile der Psyche nicht integriert.
[...] Die Methoden waren mir hinsichtlich des Behandlungsverlaufes und dessen Effektivität zu unkonkret...
[...] Prüfung der Effektivität der Elektrostimulierung auf die Fleischqualität...
[...] Der Wert einer Aufgabe resultiert aus dem Nutzen des Ergebnisses für Ihre Zielerreichung...
[...] Effektivität zur Systemoptimierung....
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« Reply #13 on: April 29, 2007, 06:06:08 PM » |
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[...] Statt der Entwicklung politischer Visionen zur Verbesserung der allgemeinen menschlichen Lebensumstände beherrscht ein unkritischer Wirtschaftsglaube das politische Handeln. Das heutige politische System hat das nationale Wirtschaftwachstum zum einzigen Maßstab politischen Erfolgs erkoren. Konsum gilt als Ausdruck individueller Selbstverwirklichung. Es handelt sich hierbei um ein System, das, in seiner einzig logischen Konsequenz, die Umwelt zerstören, soziale Ungleichheit verschärfen und das menschliche Leben in Formen pressen muss. Der Mensch ist ein austauschbarer Funktionsträger in einer sinnlos wachsenden Wirtschaft, wer sich weigert oder scheitert, ist nur noch Abfall. In einer Gesellschaft, in der es wichtig ist, zu den Gewinnern zu gehören, bleibt immer eine Mehrheit von Verlierern übrig. Das Ideal des mobilen, flexiblen, motivierten und leistungsbereiten Menschen führt zu einer vereinzelten Gesellschaft, in der ein solidarisches Miteinander zugunsten eines wirtschafts-vergötternden Denkens dem Geld geopfert wird. Gerade junge Menschen gestalten ihr Leben nur noch nach Bewerbungskriterien. Unter dem Damoklesschwert der Arbeitslosigkeit ordnen viele ihr Leben scheinbar freiwillig der wirtschaftlichen Verwertbarkeit unter. Wir brauchen die Entkopplung von Arbeit und materieller Grundausstattung. Eine kostenlose Grundversorgung, sprich Bildung, Gesundheit, Wohnraum, Lebensmittel und Kultur, ist notwendig, um den Menschen ein freies und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Die immer stärkere Einflussnahme der Wirtschaft auf Bildungseinrichtungen sowie die Orientierung vorgefertigter Lehrinhalte an ihrer ökonomischen Nutzbarkeit sind maßgeblich verantwortlich für eine geistige Verkümmerung und Normierung der Gesellschaft. Nicht soziales Denken, sondern Konkurrenz und Leistungsdruck bestimmen den Ausbildungsalltag. Ziel einer jeden freien und emanzipierten Gesellschaft muss es sein, die Entwicklung der individuellen Persönlichkeit und selbstbestimmten Meinungsbildung zu fördern. Dabei darf es Selektionskriterien wie solche nach sozialem Status, persönlichen Fähigkeiten, Geschlecht sowie religiösem, nationalem oder kulturellem Hintergrund, nicht mehr geben. Während der Großteil der Weltbevölkerung in Armut lebt und durch transnationale Konzerne ausgebeutet wird, kaufen wir alle wesentlich mehr, als wir tatsächlich benötigen, als für uns ausreichend ist. Um den Menschen in eine den Rest der Welt und die Herstellung ihres Produkts ignorierende Kaufmaschine verwandeln zu können, bedient sich die Wirtschaft eines trickreichen Instruments: der Werbung. Werbung ist keine Produktinformation, sie ist Propaganda - subtile Propaganda, welche uns einen Lebensstil aufzwängen soll, der dem Unternehmen Gewinne beschert und der Volkswirtschaft gute Zahlen. Dass ein Geländewagen und Billigflüge den Klimawandel anheizen, Kleidung unter menschenrechtsverachtenden Zuständen entsteht, wird in dieser freundlichen Warenwelt nicht erwähnt. Wir lehnen Werbung ab. Die Öffentlichkeit muss einer politisierten Gesellschaft zurückgegeben werden. Die Wirtschaft wird immer mehr von größeren Subjekten bestimmt und unterwirft alles ihrem Streben nach Gewinn. Hier an das nicht vorhandene Verantwortungsdenken der Unternehmen zu appellieren, greift zu kurz. Den Konzernen muss der politische Einfluss und die Beherrschung öffentlicher Räume entrissen werden. Dabei ist eine Zerschlagung aller Konzerne notwendig, darunter verstehen wir eine Zerteilung und Vergesellschaftung. Die Gesellschaft könnte somit wieder selbständig handeln, ihren politischen Rahmen selbst definieren. Wir verlangen, Utopien leben zu dürfen. Die Menschen sollten auf ihre Art und Weise leben und an der Gesellschaft partizipieren dürfen. Die fortschreitende technische Entwicklung und Produktivitätssteigerung würde der Bevölkerung ermöglichen, weniger zu arbeiten für das Lebensnotwendige und insgesamt mehr Freiräume zu haben. Der Einzelne muss den Glauben an die Gesellschaft, an einen Sinn in seinem Leben außerhalb des Geldbeutels wiederfinden. Wir treten für eine Demokratie ein, die es Menschen gestattet, den politischen Rahmen und ihr Umfeld zu gestalten und mitzubestimmen. Wir treten für eine menschliche, ökologische und soziale Wirtschaft ohne Konzerne und eine solidarische, freie, emanzipatorische Gesellschaft ein. Unsere Forderungen richten sich an keine herrschende Elite. Wir rufen zu einem öffentlichen Diskurs und zu einer neuen freien Bewegung auf. Mit dieser Aktion setzen wir ein Zeichen gegen das derzeitige System. Alle, die mit dem Bestehenden unzufrieden ist und die Hoffnung auf eine freie bessere Gesellschaft nicht aufgegeben hat, rufen wir auf, Widerstand zu leisten. Geld oder Leben Johan Steunenberg 28. April 2007 um 9:12 Uh: [...] Es gefällt mir auch nicht ganz, wie ‘die Wirtschaft’ in der Text als ein aktives Wesen dargestellt wird, das ’sich bedient’ und ‘unterwirft’. Die Wirtschaft ist die Zusammenfassung der Prozesse die die Verteilung der Ressourcen in der Gesellschaft umfassen, und die Summe von vielen menschlichen Entscheidungen. Entscheidungen von Menschen mit viel Macht. Aber auch sehr vielen Entscheidungen von sehr vielen Menschen mit wenig Macht.
Und wenn diese Menschen deren Einfluss nehmen wollen, müssen sie miteinander reden. (Oder Kommentare in Blogs schreiben usw.) Iris 28. April 2007 um 14:21 Uhr
Nach Politikpromotion und fuenf Jahren Studium ueber Beschaffenheit, Sinn und Ziel des politischen Systems Deutschlands halte ich vieles, was ausgestaltet ist wie es ist fuer richtig. Die Probleme, die die Regierung zu loesen hat sind komplexer als es in der Oeffentlichkeit und innerhalb einer demokratisch gefuehrten Diskussion scheint. Trotzdem muss sich die Regierung den Ursprung vergegenwaertigen, aufgrunddessen sie geschaffen wurde - dem Menschen zu dienen, nicht umgekehrt. Die Worte der Protestaktion sind teils pauschalierend und utopisch; was ihnen aber zu Grunde liegt ist der Wunsch nach einer Gesellschaft, die sich nicht ueber die Werte definieren sollte, die allein von oben vorgegeben werden; damit hat sie recht.
wakiro 28. April 2007 um 14:26 Uhr
Wow!
Das war toll! Hatte schon befürchtet, unsere Jugend wäre schon so mit sich selbst beschäftigt, dass die gar nicht mehr rallt, wie sie von unseren selbstgefälligen, hirnrissigen Politikern verarscht wir.
Ein wunderbarer Lichtblick!
Dr. Dean 28. April 2007 um 21:52 Uhr
So sehr ich den Aufruf an einigen Stellen für sehr lesenswert halte, Teile der Kritik teile, die Aktion sowohl witzig wie auch legitim halte,…
…was ihr wollt, ist eine Utopie.
Ich habe nichts Grundsätzliches gegen utopisches Denken, im Gegenteil, oft ist es ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen Diskurses, der ohne Zielbestimmung, ohne Hoffnung und Orientierung auseinanderfällt, und sei es im tagtäglichen Kleinklein der Kleinkarierten, welche die Hoffnungen und Wünsche der Menschen längst vergessen haben.
Jedoch.
Ihr schreibt wohltönende Dinge wie:
Wir treten für eine Demokratie ein, die es Menschen gestattet, den politischen Rahmen und ihr Umfeld zu gestalten und mitzubestimmen. Wir treten für eine menschliche, ökologische und soziale Wirtschaft ohne Konzerne und eine solidarische, freie, emanzipatorische Gesellschaft ein.
Eine konzernfreie Welt wird es nicht geben. Sie wäre nicht einmal wünschenswert. Oder werft ihr bereits z.B. eure Digicams weg, im Vorgriff auf euer konzernfreies Paradies?
Nein, das wahre Geheimnis liegt in der Machtbegrenzung, also in der Begrenzung wirtschaflicher Macht und ihrer Unterordnung unter dem Primat der Ethik, des Politischen und Sozialen.
Ich gäbe viel darum, die Macht von Konzernen zu begrenzen, möglich wäre das, z.B. eine Kampf gegen den Stromwucher mit seinen rund 20% überhöhten Preisen, oder den übergroßen Einfluss von Konzernen und Wirtschaftsspitzen auf gesellschaftliche Prozesse. Ich wundere mich über die Saft- und Orientierungslosigkeit der Sozialdemokratie, welche z.B. in Form des Seeheimer Kreises sich sogar an den militärisch-industriellen Komplex anbiedert und sein Heil in drögen wie arrivierten Konservatismus sucht. Lächerlich.
Aber, nun: Lächerlich ist es auch, sich mit seinen Utopien zu verheben, und eure Idee einer konzernfreien Welt erscheint exakt wie die spiegelbildliche Seite übergeschnappter Neoliberaler, welche sich die Welt als Konzern, und den Menschen als abhängigen Untertan der Wirtschaft vorstellt, ja, sogar den Menschen zu formen sucht, was ein Extremismusmerkmal ist, und zwar nach den Bedürfnissen der Wirstchaft.
Insofern:
Ich wünsche euch Mut für weitere Aktionen, ich wünsche euch eine Vertiefung des Diskurses, aber auch ihr seid bereits in einem ähnlichen Zustand wie eure politischen Gegner:
Ihr schmort allzusehr im eigenen Saft.
Wie auch immer: Im Augenblick soll die Gratulation an euch überwiegen.
Aus: "Aktion: „Der Bundestag ist gescheitert”" (26. April 2007) Quelle: http://geldoderleben.blogsport.de/2007/04/26/geld-oder-leben/Visuelle Notizen (geldoderleben's photos): http://www.flickr.com/photos/7990548@N02/
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« Last Edit: April 29, 2007, 07:02:37 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #14 on: June 28, 2007, 01:21:44 PM » |
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[...] Buzzfeed [http://www.buzzfeed.com/], die Website für aktuelle Trends, stellt fest, dass weltweit—wobei weltweit hier vermutlich bedeutet in Europa und Nordamerika — immer mehr Menschen ihren Kindern bizarre Namen geben, zum Beispiel 4Real oder Metallica. Ein von Buzzfeed erwähnter Artikel im Wall Street Journal geht näher auf das Phänomen ein. Eltern, so der Artikel, glauben, dass der Name ihres Kindes so etwas wie ein Markenzeichen sei, mit dem es Werbung für sich selbst mache. Sie überlassen deshalb bei der Namenswahl nichts dem Zufall, sondern ziehen Consultants bei, um einen optimalen Namen für ihr Kind zu wählen.
Die Strategie, Kinder mit einem geeigneten Namen quasi markttauglich zu machen, ist jedoch nicht ohne Risiko. Ein Name wird bis zu 100 oder mehr Jahren getragen, und in dieser Zeit kann sich der Markt dramatisch verändern. Die Ankunft von Ausserirdischen wäre eine solche dramatische Veränderung, und es ist kaum vorherzusehen, welche Marke auf dem neuen Markt erfolgreich sein wird. Die Ankunft von Ausserirdischen wäre eine solche dramatische Veränderung, und es ist kaum vorherzusehen, welche Marke auf dem neuen Markt erfolgreich sein wird.
Aus: "Namenswahl" Von Beta @ 07:12 (2007-06-28) Quelle: http://alpha.blueblog.ch/thema-der-woche/namenswahl.html
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