COMMUNICATIONS LASER #17
May 18, 2012, 06:16:05 AM *
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Author Topic: [Moral... (Notizen)]  (Read 1944 times)
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« on: June 28, 2006, 01:52:45 PM »

Quote
[...] Der Begriff Moral (frz.: moral, v. lat.: moralis die Sitten betreffend; lat.:mos Sitte, Plural mores) bezeichnet:

Die Gesamtheit der sittlichen Normen, Werte, Grundsätze, die das zwischenmenschliche Verhalten in einer Gesellschaft regulieren und von ihrem überwiegenden Teil als verbindlich akzeptiert oder zumindest hingenommen werden (herrschende Moral; bürgerliche Moral).
Das sittliche Empfinden oder Verhalten eines Einzelnen oder einer Gruppe (hohe Moral; niedere Moral).
In der Philosophie die Lehre vom sittlichen Verhalten des Menschen, auch Moralphilosophie genannt. (vgl. Ethik).
In der Literatur die Nutzanwendung z.B. einer Erzählung ("Moral von der Geschichte").
Soziologisch kann man Moral als Instanz beschreiben, die es Individuen ermöglicht, in sozialen Systemen mitzuwirken, die zu komplex sind, als dass sie in ihrer Gesamtheit zu erfassen wären.

Das Wort Moral ist ein sog. Singularetantum: ein Wort, zu dem kein Plural existiert.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Moral (28.06.2006)

-.-

Quote
[...] Als moralinsauer wird jemand bezeichnet, der sich auf die Moral beruft, ohne dabei im vollgültigen Sinn ethisch zu argumentieren. Eine Doppelmoral ist das Messen mit zweierlei Maß. Dies wird häufig mit dem bildhaften Ausspruch illustriert: "Wasser predigen, aber selbst Wein trinken.". Unter einem Moralapostel versteht man eine Person, die anderen dauernd moralisierende Belehrungen aufdrängt. Als unmoralisch wird jemand betrachtet, dessen Verhalten in größerem Maße sozialen, religiösen und humanistischen Normen und Werten widerspricht. Weiterhin wird der Begriff Moraltheologie in der christlichen Theologie verwendet.


Quelle:  http://de.wikipedia.org/wiki/Unmoral (28.06.2006)


« Last Edit: July 02, 2007, 12:01:19 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #1 on: June 28, 2006, 01:54:36 PM »

Quote
[...] Der Ausdruck Doppelmoral bezeichnet eine gesellschaftlich praktizierte oder auch stillschweigend sanktionierte Moral, die "mit zweierlei Maß" misst und ihr Werturteil zugunsten ihrer eigenen Bedürfnisse fällt.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Doppelmoral (28.06.2006)
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« Reply #2 on: June 28, 2006, 02:15:14 PM »

Quote
[...] diese konnte angeblich jedoch keine Heiratsurkunde für ihre Ehe mit Charlie Chaplin vorweisen und wurde deswegen moralisch unhaltbar

[...] So unverständlich und moralisch unhaltbar sein Handeln auf den Großteil des Publikums wirken mag...

[...] Es wäre moralisch unhaltbar, bewaffnete Nothilfe in ethischen Ausnahmesituationen ein- für allemal....

[...] nur weil etwas moralisch unhaltbar ist, sind wir nicht von der Pflicht entbunden, darüber eine politische Diskussion...

[...] als moralisch unhaltbar. Sex und Gewalt sind auch außerhalb des Films gesellschaftliche Tabus, obwohl - oder gerade weil...

[...] dass er es als moralisch unhaltbar empfindet, dass seine Firma den Auftrag einzig aus finanziellen...

[...] Das jetzige Stadium gleicht jener Situation, als immer mehr Menschen erkannten, daß die Sklaverei moralisch unhaltbar ist. Solche Umbruchphasen sind...

[...] Letztendlich ist ein solcher Werterelativismus nicht nur intellektuell und moralisch unhaltbar, sondern auch politisch in einem Ausmaß problematisch...

[...] Diese Großzügigkeit ist rechtlich wie moralisch unhaltbar. Sie hat auch nichts mit Toleranz oder gar Liberalität zu tun. Menschenwürde ist kein subjektives...

[...] eine nackte Brust moralisch unhaltbar. Die alten sind halt so verkorkst...


« Last Edit: June 28, 2006, 02:18:08 PM by Textaris » Logged
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« Reply #3 on: August 23, 2006, 10:56:20 AM »

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[....] Zwei Prinzipien stehen zunächst gegeneinander: Moral, Vernunft, Ordnung gegen Unmoral, Sinnlichkeit, animalische Instinkte. Bemerkenswert, wie okkupiert der Begriff „Moral“ zu Beginn der Sechziger noch war durch so etwas wie Sexualfeindlichkeit. Die „Moral“ jener Zeit war reduziert auf Keuschheit, Sinnenfeindlichkeit, und dementsprechend galt das außereheliche Ausleben von Sexualität als das genuin „Unmoralische“. Kein Ort konnte diesen Konflikt zwischen Lust und Kontrolle, Libido und Scham, „Sündigem“ und Schuld besser bündeln als das traditionelle evangelische Pfarrhaus. Der Pastorensohn Ingmar Bergman ist der Präzedenzfall eines Künstlers, der sich zeitlebens an seinem protestantischen Erbe abgearbeitet hat.


Aus: "Das Schweigen - Unter uns Pastorentöchtern" von Andreas Thomas (Datum ?)
Quelle: http://www.filmzentrale.com/rezis/schweigenat.htm
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« Reply #4 on: August 23, 2006, 11:24:32 AM »

Quote

Quote
[...] "FAZ"-Feuilletonchef Frank Schirrmacher, der das Interview mit Grass eher im Sinne des Befragten führte, holte dann aber in einem Leitartikel weniger brav zu einem moralischen Faustschlag aus. Mehr oder weniger - also eher weniger - verblümt steht da, Grass habe in dem von ihm geführten Gespräch moralischen Selbstmord begangen.

[...] Denn nicht dass Grass bei der Waffen-SS war, ist schlimm (auch wenn seine jetzigen Erklärungen, er habe keinen einzigen Schuss abgegeben, wie Bill Clintons Entschuldigung wirkt, er habe zwar gekifft, aber nicht inhaliert).

Nein, schlimm ist, dass Grass als besonders rigoroser Moralapostel im Kampf gegen den aufkeimenden Neonazismus, die weicher werdende Haltung gegen Nazitäter auftrat. Bitburg war so ein Fall: Als US-Präsident Ronald Reagan mit Bundeskanzler Helmut Kohl an Kriegsgräber trat, in denen auch Soldaten der Waffen-SS lagen, ging ein Sturm der Entrüstung durch die Welt. Auch Grass hat damals besonders stark seine Backen aufgeblasen.

Immer, wenn es darum ging, sich mit den Republikanern, der NPD, der FPÖ Jörg Haiders auseinanderzusetzen, spielte - zu Recht, wir denken an Franz Schönhuber - die späte Entschuldung der Waffen-SS eine entscheidende Rolle. Wie gut hatte da Grass an vorderster Spitze mitgekämpft! Wie viel besser hätte er mitstreiten können für das bessere Gewissen, hätte er sich zu seiner Jugend bekannt, wie er es von anderen mit Konsequenzen forderte. 

Aus: "Moralapostel mit Erinnerungslücken" von von Hellmuth Karasek; Datum 13. August 2006
Quelle: http://www.wams.de/data/2006/08/13/995870.html?s=1


Quote
[...] Es läßt sich immer prima und schnell urteilen. Grass in der Waffen-SS? Krass! GraSS! Am liebsten wäre mir ein Verweilen, ein Nachdenken. Aber in  unserer modernen Mediokratie undenkbar. Ich sehe schon, wie in den nächsten  Tagen dieses Thema zerpflückt wird  und jeder A-Z-Promi seinen Senf abgeben wird. Oh, bin ich das leid. (Dostoevskij; 12. August 2006)
http://www.literaturschock.de/literaturforum/index.php?topic=5878.msg161752#msg161752

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Quote
[...] Ich bin schon sauer auf Grass, denn es ist keine Art irgenwas jahrelang von Flaghelfer zu erzählen und dauernd loszuwerden, dass die Deutschen ihre Vergangenheit nicht bearbeiten. Für mich ist kein Problem, dass er dabei war, denn das waren wirklich viele, aber ausgerechnet ein Schriftsteller, der als Dauerthema den Krieg und das Naziregime hat, der hätte das zu Beginn seiner Karriere klarstellen sollen. (Judith; 13. August 2006)

Quelle: http://www.literaturschock.de/literaturforum/index.php?topic=5878.msg162206#msg162206


-.-

Quote
[...] Die Moralkeule wird mit klammheimlicher Freude von denen geschwungen, die GG zur 'moralischen Instanz' gemacht haben. Diesen Titel erhält man, ohne sich darum zu bewerben. Wenn er so etwas wie eine moralische Instanz ist, dann ist er es aufgrund seiner Aussagen. Entweder die empfand man als richtig und dann können sie nicht jetzt falsch sein, oder man empfand sie als falsch und dann ist er für diese Spezies auch keine moralische Instanz. Die Bedeutung eines Autors liegt in seinen Werken und nicht ob er als 17-jähriger in die SS eintrat, oder dreimal, viermal oder keinmal verheiratet war.

Forderungen nach einer Rückgabe des Nobelpreises werden laut, (was gar nicht geschehen kann, auch ein Nobelpreisträger der den Preis nicht annimmt, ist nach den Statuten des Nobelpreiskomittes dennoch Nobelpreisträger), als wenn man den Nobelpreis für seine Mitglied- oder Nichtmitgliedschaft in der SS erhalten würde. Den Preis hat wegen seiner überragenden Werke erhalten. Und die bleiben auch weiterhin überragend. Da mögen noch so viele verhinderte Möchtegernautoren versuchen GG ans Bein zu pinkeln, man nässt vielleicht die Fußknöchel.

Was von diesem Aufschrei der 'Entrüstung' bleibt, ist, dass er die Mitgliedschaft in der SS so lange verschwiegen hat. Das Kleinbürgertum pinkelt zurück. (mowitz; 15.08.2006, 15:44)

Quelle: http://forum.tagesschau.de/showthread.php?t=24293



« Last Edit: February 06, 2008, 11:50:41 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #5 on: August 31, 2006, 11:56:03 AM »

Quote
[...] Werbestunt von Grass: gelungen. Die Leute, die sich immer aufregen, regen sich auf. Die Leute, die immer über die Leute berichten, die sich immer aufregen, berichten. Die Leute, die jeden Scheiß kaufen, über den die Leute, die immer über die Leute berichten, die sich immer aufregen, berichten, kaufen.

Und die schlimmste Gefahr, sich mit unsäglicher Belanglosigkeit aus dem Leben zu verabschieden, ist vorerst gebannt. Sogar einige U-30jährige sollen Günter Grass plötzlich kennen, jedenfalls so vom Hörensagen her.

Welche PR-Agentur betreut eigentlich den Grass?


Aus: "[Hier Wortspiel mit “Grass” einsetzen]" (Samstag, 19. August 2006, by xyzzy)
Quelle: http://ntropie.de/2006/08/19/hier-wortspiel-mit-grass-einsetzen/
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« Reply #6 on: November 06, 2006, 11:49:53 AM »

Quote
[...] Ein Teil seines Lebens sei so "widerwärtig" und "dunkel", dass er als Erwachsener ständig dagegen gekämpft habe, hieß es in dem von einem anderen Geistlichen verlesenen Brief Haggards, der stets als entschiedener Gegner von Homosexuellen-Ehen und Verteidiger der traditionellen Familienwerte aufgetreten war.

[...] Haggard, eine Galionsfigur der christlichen Rechten, hatte dies zurückgewiesen und die Vorwürfe in einen Zusammenhang mit dem erbitterten Kongresswahlkampf zwischen Demokraten und Republikanern gestellt. "Ich hatte niemals mit irgendjemandem homosexuelle Beziehungen. Ich bin meiner Frau treu", hatte Haggard in Fernsehinterviews erklärt.


Aus: " 'Widerwärtig und dunkel' - Prediger gibt 'Unmoral' zu" (5. November 2006)
Quelle: http://www.n-tv.de/729306.html

-.-

Quote
[...] Montags nahm er oft an einer Schaltkonferenz mit Washington teil, in der er sich etwa dafür einsetzte, dass die Regierung einen steifen Kurs gegen die Schwulenehe und außerehelichen Sex hielt.

Doch Haggard (verheiratet, fünf Kinder) führte offenbar selbst ein Jekyll-Hyde-Doppelleben. Jetzt beichtete er, einen schwulen Callboy getroffen und die Party-Droge Crystal Meth gekauft zu haben. Er habe den Callboy "nur für eine Massage" angeheuert und das Meth gleich "weggeworfen", beteuerte der Kirchenführer zwar, von Reportern im Auto erwischt, neben ihm seine konsternierte Gattin Gayle. Doch der Callboy erzählt eine andere Geschichte: Er habe mit Haggard eine dreijährige Sex-und-Drogen-"Geschäftsbeziehung" unterhalten.


Aus: "Sex, Drogen und Schmiergelder" Von Marc Pitzke, New York (SPON; 05. November 2006)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,446549,00.html

-.-

Quote
[...] I am a deceiver and a liar. There is a part of my life that is so repulsive and dark that I’ve
been warring against it all of my adult life. For extended periods of time, I would enjoy
victory and rejoice in freedom. Then, from time to time, the dirt that I thought was gone
would resurface, and I would find myself thinking thoughts and experiencing desires that
were contrary to everything I believe and teach.

[...] The public person I was wasn’t a lie; it was just incomplete.



by Ted Haggard (November 5, 2006)
Source: http://www.newlifechurch.org/TedHaggardStatement.pdf

-.-

Quote
[...] Der entschiedene Gegner gleichgeschlechtlicher Ehen sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, in den vergangenen drei Jahren einen Mann für homosexuelle Kontakte bezahlt zu haben. Der verheiratete Vater von fünf Kindern hatte die Vorwürfe zunächst zurückgewiesen. Am Sonntag gestand er jedoch in einer Erklärung sexuelle Verfehlungen ein, entschuldigte sich bei seinen Anhängern und bat um Vergebung.

Er habe sich der sexuellen Unmoral schuldig gemacht und übernehme dafür die Verantwortung, hiess es in der während eines Gottesdienstes in Colorado Springs von einem anderen Geistlichen verlesenen Erklärung. Er räumte ausserdem ein, in der Affäre gelogen zu haben. Es seien zwar nicht alle Vorwürfe richtig, aber das, was geschehen sei, reiche aus für seine Entlassung als Vorsitzender der Kirchengemeinde. Er bat auch um Vergebung für den Callboy Mike Jones, der ihn belastet hatte.

Quote
Typische Fall

Die Psychologie sagt das ja schon lange: Man(n) bekämpft am heftigsten bei anderen das, was man(n) bei und an sich selber nicht akzeptieren kann.

(Kommentar von: surfer am: 05.11.2006 23:36)



Aus: "Stehende Ovation für Sex-Beichte von US-Evangelisten" (05.11.06)
Quelle: http://www.20min.ch/news/ausland/story/11735662

-.-

Quote
[...] Der fast 80-Jährige habe den Strafbefehl akzeptiert, um eine öffentliche Verhandlung zu vermeiden.

Über die Höhe der Geldstrafe wurde nichts mitgeteilt. Der Mann soll laut Behörde auf seinem Computer zu Hause mehr als 100 Fotos mit Kinderpornografie gesammelt haben. Die Arbeit des Kinderschutzbundes sei davon jedoch unberührt.

Von 1976 bis 1996 war der Mann Vorsitzender des Kinderschutzbundes Ulm/Neu-Ulm und danach Ehrenvorsitzender. Nach Angaben des derzeitigen Vorsitzenden, Dietrich Eberhard, habe der Ex-Vorstand seinen Ehrenvorsitz im Januar aus gesundheitlichen Gründen zurückgegeben. Während seiner Arbeit für den Kinderschutzbund, habe der Mann nie Kontakt zu Kindern gehabt, betonte Eberhard: "Da gibt es bei uns eine strenge Trennung. Die Akten von Kindern sind verschlossen." Man könne sich das Verhalten des Mannes nicht erklären und sei fassungslos.


Aus: "UlmKinderpornos bei Ex-Chef von Kinderschutzbund" (05.02.2008)
Quelle: http://www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=3127354/x0eyc2/

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Quote
[...] Mit der Arbeit des Kinderschutzbundes habe der Fall allerdings absolut nichts zu tun. Der Ex-Vorsitzende habe keinerlei Zugriffe auf irgendwelche Daten von Kindern oder deren Eltern gehabt und sei in letzter Zeit nur noch zwei oder drei Mal im Jahr bei Sitzungen des Vorstands aufgetaucht. Die Bilder habe er sich offenbar bei sich zu Hause "im stillen Kämmerlein" heruntergeladen.


Aus: "Kinderpornos bei ehemaligem Kinderschützer" (06.02.2008)
Quelle: http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Nachrichten/Bayern/Artikel,Kinderpornos-bei--ehemaligem-Kinderschuetzer_arid,1169216_regid,2_puid,2_pageid,4289.html

« Last Edit: February 06, 2008, 11:54:31 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #7 on: July 02, 2007, 12:09:26 PM »

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[...] Während seiner ersten Lagerhaft auf den Solowki-Inseln fühlte er sich noch moralisch gestärkt und betrachtete das Gefängnis als Schule der Selbstbildung. Diese Haltung spiegelte sich in der frühen Erzählung «Die drei Tode des Doktor Austino» (1936), in der er ein ethisches Dilemma noch mit einem absoluten Rigorismus auflöste: In der leicht durchschaubaren Allegorie einer Haftanstalt im faschistischen Italien wird ein zum Tode verurteilter Arzt zu der schwangeren Frau des brutalen Gefängnisdirektors gerufen, um sie und ihr Kind zu retten. Nach anfänglichem Zögern leistet der Arzt Hilfe, obwohl er weiss, dass dieser Einsatz nichts an seiner Lage ändern wird. Die letzte Nacht vor seiner Hinrichtung verbringt er hungernd, weil er bereits von der Liste der Essensrationen gestrichen wurde.

Von der unbedingten Bejahung moralischen Handelns auch unter widrigsten Umständen findet sich in den «Erzählungen aus Kolyma» keine Spur mehr. Am Kältepol der Grausamkeit - mit diesem Ausdruck charakterisierte Alexander Solschenizyn die Kolyma-Lager - verflüchtigt sich nicht nur die Moral, sondern auch der Überlebenswille der Menschen. Alle geistigen Regungen weichen einer bleiernen Apathie, auch der Tod wird nur noch als letztes Glied einer langen Reihe von Erniedrigungen wahrgenommen.

Schalamow reduziert die Erwartungen an Leben und Sterben auf das absolute Minimum: «Es gab einen geheimen, leidenschaftlichen Wunsch, eine letzte Sturheit - den Wunsch, irgendwo im Krankenhaus zu sterben, auf der Pritsche, im Bett, wenn andere Menschen es sehen, und sei es dienstlich, aber nicht draussen, nicht in der Kälte, nicht unter den Stiefeln des Konvois, nicht in der Baracke unter Schimpfen, im Schmutz und in der völligen Gleichgültigkeit aller.»

[...] 1969 erschien in Deutschland ein hilflos gemachter Band mit dem irreführenden Titel «Artikel 58. Die Aufzeichnungen des Häftlings Schalanow», in dem nicht einmal der Name des Autors richtig wiedergegeben wurde. Im gleichen Jahr publizierten die Trotzkisten Maurice Nadeau und Jean-Jacques Marie in Frankreich eine Auswahl der «Erzählungen aus Kolyma» und vereinnahmten so Schalamow, der wegen «KRTD» (konterrevolutionärer trotzkistischer Tätigkeit) verurteilt worden war, für ihren Kampf gegen das Moskauer Regime.

Schalamow zeigte sich durch diese erratischen westlichen Publikationen höchst irritiert und griff zu einer prekären Verteidigung. Am 23. Februar 1972 erschien in der «Literaturnaja gaseta» ein offener Brief, in dem Schalamow die Veröffentlichung seiner Lagertexte im Westen mit scharfen Worten kritisierte. Dabei scheute er nicht davor zurück, ein stalinistisches Hetzvokabular zu verwenden: Er bezeichnete die russischen Emigrationszeitschriften als «weissgardistische stinkende Blättchen», die sich «schlangenhafter Praktiken» bedienten. Darüber hinaus versicherte er der Partei und dem Volk seine uneingeschränkte Loyalität und bedauerte, dass er wegen seiner schwachen Gesundheit nicht am «gesellschaftlichen Aufbau» teilnehmen könne. Am empörendsten war allerdings Schalamows Behauptung, die Problematik der «Erzählungen aus Kolyma» sei «längst vom Leben aufgehoben» worden.

Lange Zeit glaubte man im Westen, Schalamow habe diesen Brief nur unter massivem Druck unterzeichnet. 1994 wurde allerdings eine private Aufzeichnung bekannt, in der Schalamow seine Beweggründe für diesen Schritt erläuterte. Selbstbewusst hielt er fest, es sei lächerlich zu glauben, dass er zu irgendetwas gezwungen werden könne. Er habe früher auch in viel schwierigeren Situationen keine öffentlichen Zugeständnisse an den Staat gemacht: «Meine Erklärung, ihre Sprache, ihr Stil gehören mir selbst.» Schalamow begründete seinen Brief mit der «ununterbrochenen Spekulation» mit seinem Namen: Man halte ihn auf der Strasse an, drücke ihm die Hand und missbrauche seine Prosa im Namen der «Menschheit».

[...] Schalamow wollte nicht, dass seine «Erzählungen aus Kolyma» politisch instrumentalisiert werden - weder von der sowjetischen Dissidenz noch von den russischen Emigranten im Westen. Er glaubte überdies, dass seine Prosa unübersetzbar sei und eine Publikation mithin nur in Sowjetrussland einen Sinn ergebe.



Aus: "Am Kältepol der Grausamkeit - Kasten: Warlam Schalamow (1907-1982)" Ein Gerücht, das endlich Gestalt wird - der russische Schriftsteller Warlam Schalamow; Warlam Schalamow, dessen 100. Geburtstag am 1. Juli gefeiert wird, verbüsste vierzehn Jahre Lagerhaft im Kolyma-Gebiet im äussersten Nordosten Sibiriens. In höchst eindringlicher und formbewusster Prosa legte Schalamow von seinem grausamen Lebensschicksal Zeugnis ab. Von Ulrich M. Schmid (30. Juni 2007, Neue Zürcher Zeitung)
Quelle: http://www.nzz.ch/2007/06/30/li/articleF6MW5.html

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« Reply #8 on: March 11, 2008, 03:54:13 PM »

Quote
[...] "Ich bin an jenen Standards gescheitert, die ich mir selbst setze. Ich muss nun einige Zeit investieren, um das Vertrauen meiner Familie zurückzugewinnen."


Aus: "SEX-AFFÄRE - Skandal um New Yorks Gouverneur - Kontakte zu Prostituiertenring" (10. März 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,540603,00.html



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Quote
[...] Die beißende Ironie blieb keinem verborgen, vor allem wohl ihm selbst nicht.

[...] Spitzer, von 1998 bis 2006 der berühmt-berüchtigste Generalstaatsanwalt New Yorks, hatte seinen Ruf als Law-and-Order-Mann und Nemesis der Wall Street erfolgreich in den Gouverneursposten umgemünzt, indem er die Verfehlungen von Konzernchefs nicht nur an den Pranger stellte, sondern auch strafrechtlich ahndete. Dabei hatte er sich zahllose Feinde gemacht, gerade in der Finanzwelt, die sich jetzt vor lauter Häme überschlugen.

[...] Ein Alptraum aber, wiewohl selbstverschuldet, für Spitzer und seine Familie (er hat drei Töchter im Teenage-Alter). Und wie so viele dieser Dramen, bei denen ein Machtmann über Sex vorübergehend sein Urteilsvermögen verliert (Bill Clinton, Mark Foley, Larry Craig), eine Parabel von erschütternder Banalität.

[...] Spitzer fiel den Berichten zufolge ausgerechnet jenen Ermittlungsmethoden zum Opfer, die er selbst perfektioniert hatte. Die Fahnder hatten den "Emperors Club VIP" schon lange im Visier - Prostitution ist in New York, wie in den meisten US-Staaten, illegal. Die Schlinge zog sich zu, nachdem die Telefongespräche des Rings monatelang abgehört worden waren.

Aus diesen Mitschnitten bauten die Ermittler ihre Anklage gegen die vier Betreiber des "Clubs" - ein Quartett aus New Jersey, Brooklyn und Rhinebeck bei New York, das vorige Woche verhaftet wurde. Sie hätten mit rund 50 Prostituierten mehr als eine Million Dollar verdient und diese über Tarnkonten und Scheinfirmen reinzuwaschen versucht.

Die Anklage bietet einen seltenen Einblick in die Welt der internationalen Hochpreis-Prostitution. Die "Emperors"-Girls - verfügbar in New York, Los Angeles, Miami, London und Paris - kosteten demzufolge zwischen 1000 und 5500 Dollar pro Stunde. Auch "ausgedehnte Dates" seien arrangiert worden, für bis zu 50.000 Dollar.

[...] Penibel listet eine eidesstattliche Erklärung des federführenden FBI-Agenten diverse "Transaktionen" des Callgirl-Rings auf. Darunter eben auch ein Rendezvous zwischen "Kunde 9" und der Prostituierten "Kristen" am 13. Februar - dem Vorabend des Valentinstags - in einem Nobelhotel in Washington. "Kunde 9", ergänzte das "Wall Street Journal" hilfreich, sei dabei "als Mr. Spitzer identifiziert" worden.

Spitzer, der im demokratischen Vorwahlkampf als Super-Delegierter fungiert und Hillary Clinton unterstützt, übernachtete an dem Tag tatsächlich im Mayflower, einem Luxushotel unweit des Weißen Hauses. Am 14. Februar hatte er einen Termin vor dem Unterausschuss für Kapitalmärkte im US-Repräsentantenhaus.

"Kunde 9" war offenbar Stammkunde: Er hatte der Anklage zufolge beim "Emperors Club" noch ein Guthaben "von früher", in Höhe von "400 oder 500 Dollar". Das Treffen mit "Kristen", die auf Kosten des Klienten eigens mit dem Zug von New York nach Washington gereist sei, erforderte demnach komplizierte Finanzverhandlungen. Schließlich habe "Kunde 9" für das vierstündige Tête-à-tête 4300 Dollar vorausgezahlt, inklusive eines Vorschusses für "künftige" Termine mit "Emperors", und habe "Kristen" auf Zimmer 871 des Hotels bestellt.

Genüsslich erzählt das ehrwürdige "Wall Street Journal" jedes kleinste Detail des Falls nach.

[...] Spitzers politisches Schicksal scheint besiegelt. Die Vereinigung der US-Gouverneure entzog ihm bereits das Vertrauen. Auch wenn ihm selbst derzeit noch nichts Strafrechtliches vorgeworfen wird: Er hat seine ganze Laufbahn schließlich auf Recht und Ordnung aufgebaut - und sein Gouverneursamt 2007 mit dem Schwur angetreten, "New Yorks Ethik" wiederherzustellen.

[...] Ein steiler Sturz für den Sohn österreichischer Einwanderer, der mit einer historischen Mehrheit von 69 Prozent zum Gouverneur gewählt worden war. Als Generalstaatsanwalt hatte er zuvor viele prominente Wall-Street-Größen zu Fall gebracht. Darunter Hank Greenberg, damals Chef des weltgrößten Versicherungskonzerns AIG, und den Ex-Vorsitzenden der New York Stock Exchange, Dick Grasso, den er zwang, einen Großteil seiner "exzessiven" Abfindung zurückzuzahlen.

Zu Spitzers Opfern zählten so namhafte Wall-Street-Konzerne wie Bear Stearns, Credit Suisse First Boston, Deutsche Bank, Goldman Sachs, J.P. Morgan Chase, Lehman Brothers, Merrill Lynch und Morgan Stanley. "Time" ernannte ihn zum "Kreuzritter des Jahres". Nun frohlockt das "Wall Street Journal" heute: "Es ist Schadenfreude-Zeit an der Wall Street."


Aus: "SEX-SKANDAL UM GOUVERNEUR: Sündenfall auf Zimmer 871" - Von Marc Pitzke, New York (11. März 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,540626,00.html

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Quote
[...] Tue Mar 11 2008

    * [l] Oh Mann. Elliot Spitzer muß zurücktreten, weil er eine Prostituierte bezahlt hat.

    => http://news.bbc.co.uk/2/hi/americas/7290071.stm


      Spitzer ist gerade Gouverneur von New York, aber vorher war er Generalstaatsanwalt von New York und hat in der Position ungeniert große Firmen angepinkelt. Der hat u.a. diverse RAM-Hersteller wegen Preisabsprachen belangt, den Vorsitzenden des NYSE ("Wall Street") angeklagt, und hatte auch ansonsten diverse Fälle in der Hochfinanz, in Banken, Brokern und Versicherungen. Er hat auch die Contentmafia gezwungen, Gelder an die Musiker abzutreten, und wegen Payola (Schmiergeld für Radiostationen, damit sie ihre Songs spielen) verfolgt. Außerdem hat er Abtreibungsgegner belästigt, die Pseudo-Beratungscenter aufgemacht haben, um Frauen von der Abtreibung abzuraten, und sogar gegen die Polizei hat er wegen Korruption vorgegangen. Kurz gesagt: der Mann ist ein echter Held.

      Und DER stolpert jetzt ausgerechnet über sowas? Was sagt uns das? Mir sagt das, dass sie dem nichts anderes anhängen konnten, keine Korruption, keine Steuerhinterziehung, keine Baurechtsverletzung, keine schattige Wahlkampffinanzierung, nichts. Eine Prostituierte, dass ich nicht lache. Das muss die Business-Mafia Millionen gekostet haben, jetzt mit diesem Dreck anzukommen, um den loszuwerden. Wow.

      Oh und guckt mal, wer ihn verraten hat.

          The investigation began last year when banks reported irregular transfers to the Internal Revenue Service, which traced them back to Mr Spitzer and discovered they were made to a high-priced prostitution ring, an unnamed law enforcement official told the Associated Press (AP) news agency.

      Die Hochfinanz. Na so ein Zufall.


Aus: "Fefes Blog, Tue Mar 11 2008"
Quelle: http://blog.fefe.de/?ts=b92825fc
« Last Edit: March 13, 2008, 10:46:56 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #9 on: November 05, 2008, 11:13:57 AM »

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[...] Nein, die Hirnforschung sagt uns absolut nichts darüber, was eine gute Handlung ist. Vielmehr stellt sich die philosophische Frage, ob es so etwas wie moralisches Wissen in einem strengen Sinne überhaupt gibt. Sind Werte überhaupt Teil der objektiven Welt? Sind ethische Aussagen wie "Du sollst nicht töten" überhaupt wahr oder falsch? Das sind die eigentlichen Probleme.

Wie soll man denn mit dieser Ungewissheit umgehen?

Das weiß ich auch nicht. Nicht zu handeln ist auch keine Option. Wenn das tatsächlich so ist, dann müssen wir eine Ethik ohne Erkenntnisanspruch aushandeln, und dann sollten wir uns möglichst schnell darauf einigen, was wir denn als wertvolle Handlungsweisen oder zum Beispiel auch als wertvolle Bewusstseinszustände ansehen wollen.

Was bedeutet das für die Gesetzgebung?

Da wird es schwierig und zugleich brisant. Denn die große Frage ist natürlich, wie viel von unserem moralischen Vermögen - ähnlich wie unsere Körpergröße - physisch vorgegeben ist und wie viel in unsere eigene Verantwortung fällt.

Also was ich selbst bewusst an meinen eigenen moralischen Eigenschaften, an meiner Einfühlungsfähigkeit, an meiner Sensibilität für ethische Fragen überhaupt ändern kann. Habe ich die Pflicht zur moralischen Selbstverbesserung oder nicht? Entsprechend ist ein breites Spektrum an Konsequenzen für die Gesetzgebung und die Rechtssprechung denkbar.
         
Ist es denn wirklich nötig, dass sich etwas ändert?

Ja. Denn man kann nicht einfach so tun, als wäre unser Wissen über Moral und ihre körperlichen Bedingungen dasselbe wie vor 50 Jahren. Wir wissen heute einfach mehr über physiologische Grundlagen kriminellen Verhaltens - und wir werden in Zukunft noch mehr wissen.

Es ist eben so, dass Psychopathen, Menschen mit antisozialen Persönlichkeitsstörungen oder notorische Lügner mit schlechter psychiatrischer Prognose auch bestimmte Ähnlichkeiten in bestimmten Hirnstrukturen haben. Das Problem ist meines Erachtens, wie man vom existierenden Rechtssystem einen gleitenden Übergang schafft in ein System, das mehr und mehr empirisch informiert ist und dem neuen Wissen Rechnung trägt.

Können Sie skizzieren, in welche Richtung das gehen könnte?

Ich habe auch keine fertigen Lösungen. Wir werden sicher weiter Begriffe wie Zurechenbarkeit, Schuld, Verantwortung und Ähnliches verwenden. Die Bedeutung dieser Begriffe wird sich aber schrittweise verändern.

Und wir werden in Zukunft wohl nicht mehr sagen, dass jemand in jedem Fall anders hätte handeln können. Aber bis dahin, dass wir nicht mehr bestraft werden, sondern "repariert", ist es sicher noch ein sehr weiter Weg.




Aus: "Gehirnforscher über "Aufklärung Zweipunktnull""
Thomas Metzinger im Interview (04.11.2008)
Die zeitgenössische Hirnforschung hält brisante Herausforderungen für Ethik, Rechtssprechung und Menschenbild bereit. Dies meint der deutsche Philosoph Thomas Metzinger in einem Interview.
Quelle: http://science.orf.at/science/news/153205

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« Reply #10 on: December 04, 2008, 03:31:16 PM »

Quote
[...] Ronald Barnabas Schill (* 23. November 1958 in Hamburg) ist ein deutscher Jurist und Politiker. Schill war Gründungsvorsitzender der Partei Rechtsstaatlicher Offensive und von 2001 bis 2003 Zweiter Bürgermeister und Innensenator Hamburgs.

[...] Wegen einiger Urteile mit hohem Strafmaß erhielt Schill von der Hamburger Boulevardpresse den Spitznamen „Richter Gnadenlos“. Schill trat zu dieser Zeit häufig in der Presse und auch im Fernsehen auf, wobei er allgemein härtere Bestrafung insbesondere von Wiederholungstätern forderte und ein von ihm behauptetes „Kartell strafunwilliger Jugendrichter in Hamburg“ anprangerte.

[...] Schill gründete im Jahr 2000 die Partei Rechtsstaatlicher Offensive (nach ihm auch Schill-Partei genannt). Er zog im Wahlkampf die Aufmerksamkeit der Presse unter anderem durch folgende Positionen auf sich:

    * Nicht therapierbare Sexualstraftäter sollten seiner Ansicht nach nur dann wieder auf freien Fuß kommen, wenn sie sich zuvor einer (freiwilligen) Kastration unterzogen hätten.[3]
    * Eltern, die ihre Erziehungspflicht nachhaltig verletzen und deren Kinder massiv straffällig geworden sind, sollten selbst mit strafrechtlichen Sanktionen rechnen müssen.[3]
    * Im Wahlkampf kündigte Ronald Schill die Halbierung der Gewaltkriminalität binnen 100 Tagen an, sofern er in einer Koalition freie Hand dafür bekäme. Zu diesem Zweck sollten 2.000 neue Polizisten eingestellt werden.[4]

Große Unterstützung hatte Schill von der Springer-Presse, insbesondere von der BILD bekommen; so hatte vor allem letztere ihm schon vor der Parteigründung viel Platz in ihrer Berichterstattung eingeräumt.[5] Am 23. September 2001 erhielt die Partei Rechtsstaatlicher Offensive bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg 2001 19,4 % der Wählerstimmen. Am 31. Oktober desselben Jahres wurde Schill zum Zweiten Bürgermeister und Innensenator der Freien und Hansestadt Hamburg in einer Koalitionsregierung seiner Partei mit CDU und FDP unter dem Ersten Bürgermeister Ole von Beust berufen.

[...] Im Februar 2002 berichtete das TV-Magazin Panorama unter Berufung auf einen Zeugen, dass der Hamburger Innensenator Kokain konsumiert hätte. Schill bezeichnete das Magazin als „Schweinemagazin“, das „mit Denunzianten arbeite“. Er erwirkte vor der Pressekammer des Landgerichts Hamburg eine einstweilige Verfügung. Sie verbot dem NDR unter Androhung von Ordnungshaft und Ordnungsgeld zu behaupten, er habe gekokst (Aktenz. 324 O 95/02). Grundlage der Entscheidung war eine eidesstattliche Versicherung Schills. Zeitungen des Springer-Verlages verteidigten diesen und kritisierten die Panorama-Vorwürfe.[11] Schill unterzog sich im Zusammenhang mit den Kokain-Vorwürfen freiwillig einer Analyse einer Haarsträhne, bei der keine Kokainspuren festgestellt wurden.[12] Das von der Staatsanwaltschaft Hamburg eingeleitete Ermittlungsverfahren wegen Betäubungsmittelbesitzes wurde daraufhin eingestellt. Am 7. März 2008 wurde der BILD-Zeitung ein Video mit dem Ex-Politiker angeboten, das ohne dessen Wissen aufgenommen worden war. BILD kaufte nur einen Teil des Videos, der später auch im Internet zu sehen war und der Schill augenscheinlich und nach dessen vernehmbarer Aussage beim Kokainschnupfen zeigt. In einer längeren Version des Videos erkläre Schill laut Medienberichten außerdem, sein früherer negativer Drogen-Befund sei ursprünglich positiv gewesen.[13]

[Für eine Stellungnahme zu dem Video sei Schill bislang nicht zu erreichen gewesen, meldete die Morgenpost.] [13]

[...]

[13] # ↑ Artikel auf Sueddeutsche.de vom 7. März 2008.
http://www.sueddeutsche.de/,tt8m1/panorama/artikel/714/162266/

   1. ↑ BGH, Urteil vom 4. September 2001, Az. 5 StR 92/01, BGHSt 47, 105-116
   2. ↑ Freispruch für Schill, Netzeitung, 21. Dezember 2001]
   3. ↑ a b Schill für Kastration nicht therapierbarer Sexualtäter, Die Welt, 3. September 2001
   4. ↑ Hauptstadt des Versprechens, Die Zeit, 51/2002
   5. ↑ "'Richter Gnadenlos' spricht Klartext". In: bildblog. 25. März 2008 (Online ; Stand: 2. August 2008).
   6. ↑ Amtliche Kriminalstatistiken des Landeskriminalamtes Hamburg
   7. ↑ Kriminalität um ein Prozent gestiegen in Hamburger Abendblatt vom 23. Januar 2004
   8. ↑ Kriminalität stark rückläufig im Hamburger Abendblatt vom 7. Februar 2003
   9. ↑ Weniger Kriminalität: Schill legt erfolgreiche Bilanz vor in Die Welt vom 7. Februar 2003
  10. ↑ Frank Drieschner: Hauptstadt des Versprechens in Die Zeit 51/2002
  11. ↑ gesamter Absatz nach Hans Leyendecker: Wer ist da geschockt? Schill, das Kokain, der NDR - und eine alte Rechnung, Süddeutsche Zeitung, 10. Feb. 2008, S. 15
  12. ↑ Schill-Gutachten: Keine Hinweise auf Kokain in Die Welt vom 15. Januar 2004
  13. ↑ Artikel auf Sueddeutsche.de vom 7. März 2008.
  14. ↑ Skandalvorwürfe im Wortlaut im Hamburger Abendblatt vom 20. August 2003.
  15. ↑ Schill verschollen - ist er in Brasilien? im Hamburger Abendblatt vom 29. Mai 2006.
  16. ↑ Ex-Kripomann findet Schill in Rio, Hamburger Abendblatt, 19. August 2006
  17. ↑ Schill spekuliert über Präsidentenamt in Brasilien, Die Welt, 22. September 2006
  18. ↑ Ex-Senator Schill zur Fahndung ausgeschrieben, Spiegel-Online, 2. Dezember 2006 15:00Uhr
  19. ↑ Ronald Schill - Mein neues Leben - Putzfrau, Hobbys und politische Fehler, Hamburger Morgenpost, 12. September 2007
  20. ↑ Artikel auf Spiegel-Online, März 2008




Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Ronald_Schill (4. November 2008)

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Quote
[...] Berlin - Ein im Internet aufgetauchtes Video zeigt Hamburgs ehemaligen Innensenator Ronald Schill angeblich beim Drogenkonsum. In dem 21 Sekunden langen Video ist der als "Richter Gnadenlos" bekannt gewordene Jurist zu sehen, wie er etwas von einem Teller oder Tablett in die Nase einzieht. Laut "Bild"-Zeitung soll das Video in Rio de Janeiro aufgenommen worden sein. Unklar sei, wer den früheren Chef der Partei Rechtsstaatliche Offensive gefilmt habe und ob dies heimlich geschehen sei. Wie das Blatt meldete, erzählt Schill in dem Video, das Kokain-Gutachten über ihn, das er als Senator auf einer Pressekonferenz präsentiert hatte, sei manipuliert gewesen.

Außerdem verrate Schill, er habe als Richter Dunkelhäutige härter bestraft: "Von mir haben die Neger alle etwas mehr bekommen." Schill bestritt im Februar 2002, Kokain zu nehmen. Später outete er den Hamburger Bürgermeister Ole von Beust (CDU) in der Öffentlichkeit als homosexuell, woraufhin von Beust die Koalition beendete. AFP


Aus: "Nimmt Ex-Innensenator Schill Drogen?" (Samstag, 8. März 2008)
Quelle: http://www.morgenpost.de/printarchiv/politik/article167836/Nimmt_Ex_Innensenator_Schill_Drogen.html


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[...] Die Öffentlichkeit ist entsetzt über "einen der schlimmsten Tiefpunkte der politischen Kultur" in Hamburg und im Lande - um sogleich verständnisvoll die Rechnungen und Berechnungen zu besprechen, die bei der Entlassungsaffäre Schill eine Rolle spielen bzw. in ihrem Gefolge eröffnet werden: Schills Drohung mit der Veröffentlichung der homosexuellen Neigungen des 1. Bürgermeisters - wie eklig, welch eine Vermischung von Politik und Privatsphäre! Aber hat man nicht ein Recht zu wissen, was eigentlich dran ist an der Geschichte? Und überhaupt: Sollten sich Politiker nicht selber rechtzeitig outen, um sich gegen das erpresserische Ausnutzen von Vorurteilen zu wappnen, die - natürlich nicht man selber, sondern - andere haben? Wie verlogen doch Schills Erklärung, es "widerspreche seinem Gerechtigkeitsgefühl, dass Beust anderen Politikern moralisches Fehlverhalten vorwerfe, gleichzeitig aber ‚seinen Lebensgefährten Roger Kusch' zum Justizsenator gemacht habe"! Wie glaubwürdig dagegen, wenn auch ein bisschen spät, Beusts Erkenntnis nach zweijähriger Zusammenarbeit, Schill sei "charakterlich nicht geeignet, das Amt eines Hamburger Senators weiter zu führen"! Problematisch vielleicht, aber auch wieder ziemlich verständlich, dass Beust mit der PRO-Partei, die jeder nur unter dem Namen ihres ‚rechtspopulistischen' Gründers und Ehrenvorsitzenden kennt, unbedingt weiter regieren will, um seinen "Wählerauftrag zu erfüllen" und an der Macht zu bleiben! Kann man von der CDU verlangen, "sich in schwerer Stunde dem politischen Wettbewerb zu stellen", der sie garantiert Stimmen kostet?


[...] Womit haben sich knappe 20 Prozent des Hamburger Wahlvolks den Vorwurf demokratischer Unmündigkeit, womit hat sich dieser Mann die Ernennung zur politischen Unperson verdient?

 1. Erst einmal überhaupt nichts. Im Gegenteil: Der Mann beweist mit seiner Karriere, dass er mit allen einschlägigen Tugenden ausgestattet ist, die einen Menschen zum erfolgreichen Politiker prädestinieren.

Das betrifft schon gleich und vor allem seine politische Botschaft: Aufräumen - mit der Drogenszene, mit Jugend-, Ausländer- und überhaupt der Kriminalität, mit um sich greifender Rechtsunsicherheit und laschem Strafvollzug! Für das Programm hat er sich mit seiner vormaligen Rolle als "Richter Gnadenlos" qualifiziert. Arbeitslose Jugendliche und Drogensüchtige, Obdachlose und andere Sozialfälle, der ganze in Krisenzeiten anschwellende Ausschuss des kapitalistischen Geschäftsgetriebes, und das Arsenal an Billiglohnbevölkerung und Asylantenstrandgut aus fremden Ländern schon gleich - das alles ist nach seiner Definition ein einziges Ordnungsproblem, mit dem aufgeräumt werden muss. Er denkt nämlich die allgemein gültig gewordene Kritik am Sozialstaat weiter und zu Ende. Die Debatte um die sozialstaatlichen Aufwendungen, die mit der ausufernden Armut wachsen, sowie die praktischen Korrekturen am bisherigen Sozialstaatswesen gehorchen ja streng der Leitlinie, dass die ‚Umstände', die staatlicherseits um Arbeitslose, Kranke, Rentner gemacht werden, nicht dafür gut sind, die Armut staatsnützlich zu betreuen, sondern recht besehen, den ausufernden Ausschuss überhaupt erst stiften und mit ihm lauter schädliche Kosten für Staat und Wirtschaft. Also ist alles, was unter dem Firmenschild staatlicher ‚Hilfe' veranstaltet wird, auch kein Dienst am Volk, sondern - so die logische Fortsetzung - das Gegenteil: Da wird Kreaturen, die es nicht verdient haben, ermöglicht, sich auf Kosten der ‚Gemeinschaft' häuslich einzurichten. Da wird die Jugend zu Nichtstun und Lotterleben angehalten, wird Arbeitslosen der Zwang zum Arbeiten erspart, Ausländern und Asylanten, denen per se nichts zusteht, der Zugang zu deutschen Kassen und Arbeitsplätzen erlaubt. Bei diesen sozial nutzlosen bzw. ausländischen Massen handelt es sich eben um ‚asoziale' Figuren, Typen, die außerhalb der für normal geltenden ‚ordentlichen' Arbeits- und Lebensverhältnisse eines ‚anständigen' Deutschen stehen, weil sie sich selber außerhalb der anständigen Gesellschaft und ihrer Ordnung gestellt haben oder als Ausländer von Natur aus nicht zu ‚uns' gehören: eine einzige Ansammlung von Arbeitsscheuen, Schmarotzern, Lumpen und Volksfremden, von echten oder potentiellen Schädlingen mithin, immer auf dem Sprung in die Kriminalität oder längst dort gelandet und insofern ein Fall für Polizei und Justiz. Wenn die Politik endlich vom Standpunkt der sozialen Betreuung ganz Abstand nimmt, wenn sie nur noch die Gefahr für Recht und Ordnung ins Auge fasst, die von diesem Sumpf ausgeht, wenn sich also die Staatsgewalt mit ihrer ganzen abschreckenden Härte zur Geltung bringt, dann und nur dann erfüllt sie ihre Pflicht gegenüber ihren Bürgern, die es verdient haben, dass man sie von diesem Gesindel befreit. Und genau daran lassen es die ‚etablierten' Parteien nach Ansicht Schills allenthalben und die ‚Sozis' in Hamburg schon gleich fehlen. Beweis: der viel sagende Fingerzeig auf die Kriminalitätsstatistik und die einschlägigen Erscheinungsformen der Drogen- bzw. Ausländer'szene' in der Hansestadt. Mit diesem Credo tritt Schill kritisch gegen den 'Klüngel der Altparteien' in Hamburg an - und bekommt voll recht.

Erstens von der Öffentlichkeit, die ihm noch nach seinem Sturz in seltener Einmütigkeit bescheinigt, den Finger auf die drängenden Probleme in Hamburg und anderswo gelegt zu haben: "Ein großes Thema der großen Städte ist deren dunkle Seite: Drogen, Kriminalität, Unsicherheit und insgesamt jener Prozess der Verwahrlosung, der alle großen Kommunen erfasst, die von der Auflösung alter Bindungen und Verbindlichkeiten sowie von einem schnellen Prozess ethnischer Durchmischung geprägt sind." (Nein, nicht Schill, sondern die FAZ, 20.8.) "Natürlich haben Hamburgs Behörden die mit Recht unbeliebten ‚Crash-Kids', die serienweise Autos klauten und zuschanden fuhren, mit erstaunlicher Milde behandelt: Da wurden grinsende Teufelsbraten lieber in aufwändige Abenteuer-Urlaube statt hinter sichere Schlösser geschickt. Sicher ist auch, dass überführte und festgenommene Drogen-Dealer zumeist schnell wieder am gewohnten Handelsplatz standen, zumal es der Polizei nicht gestattet war, ihnen verschluckte Beweise durch Kotzmittel wieder zu entlocken." (Schon wieder nicht der "Richter Gnadenlos", sondern die liberale Münchener AZ, 20.8.) Dass hier dringlicher staatlicher Handlungsbedarf besteht, der sträflich vernachlässigt wird, das ist eben gar nicht bloß Schills ‚rechtspopulistische Hetze', das ist die allgemein gültige Auffassung eines problembewussten, kritisch-differenzierten demokratischen Journalismus.

Zweitens kommt Schill mit diesem Programm bei den Bürgernder Hansestadt an. Der Mann weiß eben, wie man sich als Anwalt der wahren Nöte guter Hamburger und Deutscher präsentiert. Also macht er dem Volk klar, dass seine wachsenden Sorgen einzig und allein von dem Gesindel herrühren, das Hamburgs Straßen unsicher macht, dass Durchgreifen sein dringlichstes Bedürfnis und Recht ist, dass die Zustände insofern von einer einzigen Pflichtvergessenheit der ‚Altparteien', insbesondere der regierenden SPD zeugen, die sich in Posten und Ämtern eingehaust hat, statt ordentlich mit harter Hand zu ‚regieren' - kurz: dass die Zustände nach einer ‚neuen, ‚unverbrauchten politischen Kraft' schreien, die es genau umgekehrt hält. Der saubere Newcomer verspricht, nicht nur den Sumpf des Verbrechens, sondern auch den politischen ‚Sumpf' und ‚Sozi-Filz' in der Stadt auszutrocknen. Dermaßen volkstümlich angesprochene Hamburger lassen sich das in großer Zahl einleuchten. Sie honorieren den ‚Mut', mit dem dieser Mann den Finger auf die Wunde legt, und geben ihm haufenweise ihre Stimme. So bescheinigen sie ihm und seiner neugegründeten Partei besondere Glaubwürdigkeit im Hinblick auf einen ordnungspolitischen Bedarf, der schließlich durch ihn zum alles beherrschenden (Wahlkampf-)Thema wird. Dies nicht zuletzt deshalb, weil drittens auch die anderen Volksparteien dem ‚rechtspopulistischen' Ankläger in der Sache Recht geben und ihrerseits tätige Abhilfe versprechen; die CDU als ewige Hansestadt-Opposition anklagend, die SPD als ewige Stadtregierungspartei selbstkritisch.

Mit massenhaftem Wählerauftrag ausgestattet, zögert Schill nicht, die Gelegenheit zur Beteiligung an der Regierungsverantwortung zu ergreifen, die ihm die CDU mit ihrem Drang an die Spitze des Stadtstaats bietet. Zumal er mit seinem Stimmengewicht die Chance erhält, als zuständiger Senator für mehr ‚innere Sicherheit', mehr Polizei, härteres Durchgreifen und Strafgerechtigkeit zu sorgen. Das macht er dann auch nach Kräften und mit den Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen.

2. Einmal in Amt und Würden, scheitert der Senator Schill freilich gründlich mit allen Bemühungen, zur positiven Würdigung seines Anliegens auch die Anerkennung seiner persönlichen politischen Kompetenz dazu zu erobern.

Zunächst einmal bleibt beim praktischen Aufräumen in Hamburg manches hinter seinen radikalen Ankündigungen zurück. Vieles bleibt ‚auf der Strecke', viel zu viel jedenfalls nach dem Geschmack der journalistischen Prüfungsinstanzen, die sein Säuberungsprogramm als ‚Versprechen' begrüßen und peinlich genau nehmen. Noch viel radikaler als Schill dringen sie auf Vollzug, um den Aufsteiger an seinen eigenen Maßstäben zu blamieren: Von wegen, in 100 Tagen die Kriminalitätsrate halbiert! Statt 2000 neuen Polizisten nur neue ‚Designeruniformen' und ein paar anderswo ausgeliehene Beamte! Lauter leere Versprechungen! "So leicht sich die Schill-Partei mit Versprechen getan hatte, so schwer tat sie sich mit deren Umsetzung." (FAZ 21.8.) Ronald Schill findet mit seinen Forderungen also so radikalen Zuspruch, dass sich der von ihm angestachelte demokratische Ordnungsfanatismusdurch seine Taten einfach nicht zufrieden gestellt sehen will.

Dabei ist Schill gewiss nicht vorzuwerfen, dass er für seine Sache nicht entschieden genug kämpft. Im Gegenteil: Mit der Autorität eines Landesinnenministers stellt er sich auch im Bundestag auf und agitiert nach Kräften gegen die Ausländerpolitik von SPD und Grünen. Gegen Zwischenrufe und Tumult, sowie gegen ein Parlamentspräsidium, das bei ihm die Redezeit mit dem Sekundenzeiger kontrolliert, setzt er seine Tirade durch, bis man ihm das Mikrofon abschaltet. Nach einhelliger Auffassung ein ‚Skandal', ‚Ausländerhetze' und eine ‚unerträgliche Respektlosigkeit' gegenüber dem Hohen Haus. Eine Regierung, die eine durchgreifende Ausländerpolitik und - nach dem ‚11. September' schon gleich - die 'innere Sicherheit' ganz oben auf ihre Tagesordnung gesetzt hat, muss sich nichts vorwerfen lassen in Sachen Ausländer und Asylanten - und schon gar nicht in einem solchen Ton. Dass die versammelten Fraktionen ihn nicht hören wollen, disqualifiziert Schill; Dass er gegen ihre Störungen ankämpft, dabei die Etikette des einvernehmlichen parlamentarischen Schaukampfs sowie die Redezeitbeschränkung verletzt, spricht im Fall Schills noch mehr gegen ihn: Ein Rabauke, der nicht in den Kreis der ernst zu nehmenden Politiker gehört.

Auch an der zum politischen Amt in der Demokratie nun einmal dazugehörigen Präsentation der eigenen Persönlichkeit lässt Schill es keineswegs fehlen. Als Herr Senator gibt er sich bürgernah, menschlich und festfreudig, wo sich Gelegenheiten bieten. Damit gerät er prompt in den Ruf, nein, nicht mit dem politischen Gehalt seines ‚Rechtspopulismus', sondern mit seinem persönlichen ‚populistischen' Auftreten gar nicht der feine ‚Herr' zu sein, auf den Hamburger Demokraten nun einmal ein Recht haben. Dem Aufsteiger fehlt einfach das glanzvolle Parkett, die selbstverständliche Verbundenheit und Eingebundenheit in die Honoratiorenkreise, die die anständige Bürgerschaft repräsentieren. Im Unterschied zu von Beust, der von Haus aus ein Ehrenmann unter Hamburger Ehrenmännern ist - nicht zuletzt deswegen verheimlicht er ja seine Neigungen, was dem ‚vornehmen' Senatschef selbstverständlich zur Ehre gereicht. Dem frisch gebackenen Innensenator dagegen klebt der Aufsteiger an, ihm wird Luxus als Prahlerei ausgelegt. Und wenn er in die feine Gesellschaft drängt, dann erscheint das der Hamburger Öffentlichkeit alles mehr wie Halbwelt. Einmal gerät der ‚selbst ernannte Saubermann' sogar selbst unter Drogenverdacht, und der bleibt an ihm auch nach dessen Widerlegung hängen. So konfrontieren ihn die Saubermänner von der Presse immer wieder neu mit dem Bild des anständigen Hamburger Amtsträgers und ‚Honoratioren', der Lokalausgabe des Persönlichkeitsprofils, nach dem Demokraten ihre zum Führen berechtigte politische Elite zu beurteilen pflegen - und lassen ihn glatt durchfallen. Er ist eben doch nur ein politischer Parvenü.

Dank CDU koalitionsfähig geworden und in Amt und Würden gekommen, weiß Schill und beherzigt, dass die Regierungs'arbeit', an der er und seine Partei jetzt beteiligt sind, nicht nur eine Bürde ist, sondern auch eine, ja überhaupt die von der Demokratie gebotene Gelegenheit, seine Person und seine Partei im Machtgetriebe zu etablieren, Führungspositionen zu erobern und zu festigen, Seilschaften zu bilden, also die Amtsgewalt und den Amtsbonus auszunutzen, um sich und seine Mannschaft in der Konkurrenz der Parteien zu behaupten und voranzubringen. Die Unterbringung von Gefolgsleuten und Vertrauten, Verbindungen zur ‚Wirtschaft', Stiftung und Belohnung von ‚Loyalitäten' - all das, was ‚Filz' und ‚Klüngel' heißt, weil es so gewöhnlich und durch die Kumpanei der konkurrierenden politischen Parteien gedeckt ist, - das gehört schließlich zum ehrenwerten Geschäft der demokratischen Willensbildungsorgane; im großen Staatsganzen wie im kommunalen Rahmen, also selbstverständlich auch im ‚ehrwürdigen' Hamburg. Eine frisch ins Geschäft eingestiegene Partei hat da natürlich einigen Nachholbedarf. Nach vierzig Jahren SPD-Vorherrschaft betrifft das irgendwie selbst die CDU, erst recht aber die Schill-Mannschaft, die ja an dem in Jahrzehnten eingefahrenen segensreichen demokratischen Zusammenspiel von Politik und hanseatischem Unternehmertum keinen Anteil hat. Eine Figur, die mit dem Nimbus des Saubermanns gegen ‚Korruption und Filz' antritt, macht da keine Ausnahme. Schließlich wollen die vereinten ‚neuen Kräfte' Hamburg von den alten Seilschaften derer befreien, die die innere Sicherheit vernachlässigt haben, aber doch nicht die gültigen Gepflogenheiten des Machtgebrauchs umstürzen. Die alternative Kungelei, die mit Beust und Schill in Gang kommt, ist die Verwirklichung des Versprechens, den Sozi-Filz zu zerschlagen und frischen Wind in die Bürgerschaft zu bringen. Und sie ist ein Recht, das sie mit ihrem Wahlsieg redlich erworben haben.

Davon ist Schill selber zutiefst überzeugt; und davon geht er auch in der Auseinandersetzung um die unsaubere Amtsführung seines Stellvertreters nicht ab. Als der öffentlich wegen des Verdachts der ‚persönlichen Vorteilsnahme', in Verruf gerät, hält er demonstrativ an ihm fest und weigert sich, ihn wegen eines in seinen Augen lächerlichen Vorwurfs zu entlassen. Selbstgerecht, wie ein zum Führen Berufener nun einmal ist, wehrt er sich gegen eine - nach seinem geschärften politischen Empfinden - gezielte öffentliche ‚Kampagne'. Er mag einfach nicht einsehen, dass die Öffentlichkeit ihr Recht bedient sehen will, über die moralische Befähigung von Politikern zu richten. Er besteht ziemlich ehrlich auf seinem Recht als Politiker, selber darüber zu entscheiden, was bei der persönlichen Amtsausübung in Ordnung geht. Der Gestus bescheidener Amtsführung ist ihm verhasst, er geht nicht nur davon aus, dass Politiker selber die Maßstäbe setzen, was geboten, was ihnen auch persönlich erlaubt ist, sondern führt sich auch entschieden so auf. Damit missachtet er allerdings ein wenig die Gebote der gekonnten Heuchelei, die zur Öffentlichkeitsarbeit nun einmal dazugehören. Ein fähiger demokratischer Politiker muss, wenn es dem eigenen Machterhalt dient, eben auch einmal - ‚schweren Herzens' - die ‚Schuld' eines bisher protegierten Gefolgsmannes ‚anerkennen', ihn demonstrativ über die Klinge springen lassen, dadurch ‚Unbestechlichkeit' sowie ‚Rücksichtslosigkeit' beweisen, um im Glaubwürdigkeitstest in Sachen integrer, tatkräftiger Führungspersönlichkeit Punkte zu machen, den die demokratische Öffentlichkeit nach solchen Kriterien veranstaltet. Zu dieser Selbstverleugnung will Senator Schill sich nicht durchringen, schon deshalb nicht, weil er darin, ganz zu Recht, ein Einknicken gegenüber den öffentlichen Angriffen sieht, die ja nicht so sehr dem Stellvertreter, als ihm selber gelten. Also bleibt er stur. Selbst dann und gerade dann, als auch der 1. Bürgermeister den Kopf des Schill-Mannes fordert. Den erinnert er unter vier Augen drohend daran, dass der schließlich auch seine Seilschaften und privaten Machenschaften pflegt und dass ja wohl eine Hand die andere wäscht - und verkennt damit gründlich die Grenzen seiner Macht und der Kumpanei innerhalb der Regierungsmafia, die Rechnungen und Berechnungen nämlich, die Beust längst auf seine Kosten anstellt. Der nimmt die sich bietende Gelegenheit wahr, sich Schills nach allen Regeln demokratischer Regierungskunst zu entledigen. Er macht - mit aller gebotenen Entrüstung versteht sich - den ‚ungeheuerlichen Erpressungsversuch' öffentlich und, dass er - selbstverständlich - darauf nicht eingegangen sei, womit seine Integrität ja wohl zu Genüge bewiesen ist, entlässt Schill wegen ‚Charakterlosigkeit' - und liefert damit die Demonstration von Sauberkeit und Führungsstärke, auf die die Öffentlichkeit scharf ist.

So ist Schills Fall zunächst einmal ein Zeugnis dafür, dass demokratisches Regieren und Ehrlichkeit irgendwie doch nicht zusammengehen. Der ‚Rechtspopulist' behält sich vor, die von ihm vertretenen Maßstäbe sauberer Politik selber zu definieren und für sich und seine Mannschaft auszudeuten; er fordert offensiv den parteilichen Zusammenhalt der Regierenden gegen eine kritische Öffentlichkeit; er macht keinen Hehl daraus, dass selbstverständlich er, Ronald Barnabas Schill mit seinem Gerechtigkeitssinn und Politikverständnis das Maß aller Dinge ist - und kommt damit nicht durch. Dieses zum Charakter gewordene offensiv zur Schau gestellte Sendungsbewusstsein, ohne das er seinen Aufstieg erst gar nicht unternommen und schon gar nicht erfolgreich gegen das politische ‚Establishment' geschafft hätte - ist es, was ihm die Öffentlichkeit übel nimmt und der Koalitionspartner nicht durchgehen lässt.

3. Freilich, ungewöhnlich und besonders ‚charakterlos', wie behauptet, ist Schills Gebaren dann doch nicht. Eher schon gehört es zu den professionellen ‚Deformationen' dieses verantwortungsvollen Gewerbes. Auch andere Führungsfiguren bis ins Kanzleramt hinein üben sich nicht gerade in Bescheidenheit. Seilschaften und einschlägige Affären sind in allen Parteien an der Tagesordnung. Wegen einer Verquickung von politischem Amt und Privatem stürzt andererseits nicht gleich jeder Amtsinhaber - siehe von Beust mit seinen Vertrauten. Auch mit seiner verächtlichen Einstellung zum Geschäft der ‚vierten Gewalt' steht Schill nicht allein auf weiter Flur - und mit der selbstgerechten Beurteilung der politischen Intrigenwirtschaft schon gleich nicht. Auch Helmut Kohl hat nach seinem erzwungenen Abgang gedacht und geredet wie Schill, dem an seinem Sturz schlagartig aufgegangen ist, was für ‚ein schmutziges Geschäft Politik' doch ist. Dass Schill sein ausgeprägtes politisches Sendungsbewusstsein, das ihn vom Richterstuhl bis in den Senat gebracht hat, ziemlich schnell zum Verhängnis wird, liegt sicher nicht an irgendeiner den Rahmen des demokratisch Üblichen sprengenden, besonders unerträglichen Ausprägung dieser politischen Charaktermaske. Es ist nur so, dass man ihm nichts von dem durchgehen lässt, was andere Politiker sich durchaus einmal erlauben können, und dass man ihm all die Politikertouren vorwirft, die anderen Machtmenschen zur Ehre gereichen, weil und solange sie erfolgreich die Macht innehaben und ausüben. Im Falle Schills aber ist es genau umgekehrt: Es ist sein erfolgreicher Aufstieg, der Demokraten nicht ruhen lässt, weil er damit gegen diejenigen antritt, die allein dazu befugt sind, den nationalen politischen Bedarf zu definieren und zu erledigen. Er ist keiner von den gern gesehenen neuen Gesichtern, die in und mit dem Rückhalt einer anerkannten Partei hochkommen und ihr mit ihrem Aufstieg wiederum einen Zuwachs an Macht bescheren; stattdessen erobert der Außenseiter mit einer ‚Protestpartei' Wählerstimmen, Einfluss und Macht gegen den existenten Parteienzirkus und auf dessen Kosten, greift also den Monopolanspruch der etablierten Parteien an: ein Störenfried, der nicht in die politische Landschaft passt.

In der ist er aber, und zwar zum Leidwesen der zur Konkurrenz um die Positionen im Staat alleinbefugten Anwärter unübersehbar präsent und viel zu erfolgreich. Also ist seine Bekämpfung angesagt. Die passiert, wie es sich unter Demokraten gehört, nicht in der Form einer inhaltlichen Auseinandersetzung - wie auch, wenn man dem Mann auf diesem Feld nichts vorzuwerfen hat; vielmehr nach dem ‚11. September' ein Fanatismus in Sachen ‚innere Sicherheit' in einem Maße zur politischen Leitlinie wird, wie Schill es sich nicht hätte träumen lassen! -, sondern mit den bewährten Methoden der demokratischen Machtkonkurrenz. Man vernichtet den störenden Konkurrenten als moralische Person - und entzieht ihm so die Zulassung.

Praktisch erledigt das die CDU. Die nimmt ihn zwar - für inhaltliche Gemeinsamkeiten ist ja zu Genüge gesorgt - in den Kreis der Regierungspartner auf, um mit seiner Hilfe die SPD abzulösen; wenn schon der Wechsel in Hamburg nicht ohne ihn und seine Partei geht, dann wird er eben dafür eingespannt. Dann heißt es aber auch, den Mann verlässlich ein- und unterzuordnen unter die C-Regie, um ihm das Renommee des glaubwürdigsten Vertreters eines ‚neuen Aufbruchs' in Hamburg zu nehmen, ihm die Wählerschaft wieder abspenstig zu machen und sie sich zuzuführen. Da Schill sich aber nicht, wie verlangt, unterordnet, sondern die errungene Machtposition für sich und seine Sache ausschlachtet - da steht er den etablierten Demokraten eben nicht nach -, nimmt von Beust die sich bietende Gelegenheit wahr, den unliebsamen Koalitionspartner so gründlich wie möglich bloßzustellen und zu entmachten, ohne deswegen für den eigenen Machterhalt auf die Hilfe von dessen bisherigen Mitstreitern zu verzichten. So wird das ‚rechtspopulistische' Anliegen von seinem radikalen Generalvertreter getrennt und verlässlich bei der CDU beheimatet, die Führungsfigur der ungeliebten Konkurrenzpartei dauerhaft demontiert, seine Partei endgültig zum Handlanger der CDU degradiert, langfristig die Masse der ‚Protestwähler' jeden Bildungsniveaus für die ‚Demokratie' zurückgewonnen - und damit dem Dogma von Franz Josef Strauß Genüge getan: Rechts von uns darf es keine Partei geben.

Mit diesem Manöver kommt der CDU-Mann bei einer demokratischen Öffentlichkeit an, die längst damit befasst ist, den theoretischen Teil der Schill-Demontage zu erledigen. Mit ihrem eingefleischten Opportunismusgegenüber der Macht weiß sie einfach, wem Respekt gebührt und wem nicht. Respekt gebührt den Figuren, die mit ihren Parteien im Land wirklich das Sagen haben und sich die Macht teilen, Figuren, die nicht gegen die politischen Konkurrenzverhältnisse, sondern in ihnen hochkommen. Das sind Politiker, die jenseits aller Einzelkritik als im Prinzip respektabel ausgewiesen sind. Schließlich haben sie die Institutionen der Macht in der Hand und Parteien hinter sich, die bei aller gehässigen Konkurrenz verlässlich die jederzeit auswechselbaren Rollen von Regierung und Opposition ausfüllen; sie definieren den Kreis der anerkannten politischen Elite, die alle nationalen Machtfragen unter sich ausmacht und ausstreitet. Dieser zur Verantwortung berufene Stand genießt bei Journalisten wie bei Wählern einen Glaubwürdigkeitsvorschuss, der durch die gewöhnlichen politischen Machenschaften nicht leicht zu zerstören ist - jedenfalls solange nicht, bis doch wieder einmal enttäuscht festsgestellt werden muss, dass ein nach der gültigen Gleichung - erfolgreiche Machtausübung = zur politischen Verantwortung berufene Persönlichkeit - bis eben noch geschätzter Politiker plötzlich in ganz anderem Licht erscheint, weil er erfolglos agiert, seinen Anhang verloren hat oder Konkurrenzberechnungen geopfert wird. Dass ein Außenseiter wie Schill aber dieses gedeihliche demokratische Zusammenspiel erfolgreich stört und die eingefahrenen Machtzuständigkeiten ankratzt, das macht ihn für berufsmäßige Demokraten unerträglich. So jemanden lassen sie dafür büßen, dass er im Grunde nicht ‚dazugehört'. Sie sprechen dem Störenfried mit aller Gehässigkeit, die politischen Sittenwächtern zu Gebote steht, die ‚Persönlichkeit' ab. Mit derselben Entschiedenheit, mit der sie bei anderen das anmaßende Gehabe und das Zur-Schau-Stellen der Führungspersönlichkeit honorieren, strafen sie diese Touren beim politischen Quereinsteiger Schill mit Verachtung, lassen ihn beim einschlägigen Persönlichkeitstest an seinen Saubermannskriterien scheitern und nehmen mit hämischer Genugtuung zur Kenntnis, dass der gesamtdeutsche Wähler ihm und seiner Partei schon 2002 eine vernichtende Abfuhr erteilt, also die Botschaft verstanden hat. Bei ihm entdecken die Freunde demokratischen Führerkults glatt, dass da einer "aus öffentlicher Aufmerksamkeit" nur "das Gefühl persönlicher Bedeutsamkeit saugt'" (SZ, 22.68.), weil sie ihm die mit einem einflussreichen politischen Amt einhergehende Wertschätzung als ‚bedeutsame Persönlichkeit' nicht gönnen. Mit den Mitteln der moralischen Denunziation machen sie sich also auf ihre Weise um die Trennung des - ehrenwerten - Anliegens des rechten Scharfmachers von seiner - ehrlosen - Person verdient. So geht dem organisierten Sturz Schills die passende Rechtfertigung immer schon voraus.

Eine so gekonnte, arbeitsteilige moralische Vernichtung eines unerwünschten politischen Konkurrenten, soll den Demokraten erst mal einer nachmachen.


Aus: "Und noch ein Aufstieg und Fall: Ronald Schill" (GegenStandpunkt 3-03, 2003)
Quelle: http://www.gegenstandpunkt.com/gs/03/3/schill.htm

-.-

Quote
[...] der ehemalige Hamburger Innensenator Ronald Schill für die Teilnahme am RTL-"Dschungelcamp", im Gespräch sein. Derzeit laufen die Castings für die fünfte Staffel der Sendung, in der Prominente im australischen Dschungel ausgesetzt werden und Ekel-Prüfungen absolvieren müssen. 2011 soll die nächste Staffel stattfinden. Nach Informationen von bild.de und der "Mopo am Sonntag" verhandelt der 52-jährige Schill mit dem Kölner Privatsender über eine Rolle in der neuen Dschungelshow. Angeblich soll er 100.000 Euro für seinen Auftritt im australischen Busch verlangen. [...] Nachdem Schill im Jahr 2003 die Homosexualität des Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust öffentlich machte und ihn damit erpressen wollte, flog der Senator zunächst aus dem Rathaus und dann nach Rio. An der Copacabana setzte er sich ab - auch weil in Deutschland ein Video aufgetaucht war, das ihn zumindest dem Anschein nach beim Koksen zeigte. Zuletzt machte der Ex-Senator nur noch dadurch auf sich aufmerksam, dass er sich an der Copacabana beim Schnupfen eines weißen Pulvers mit Prostituierten filmen ließ. Wie die "Mopo am Sonntag" herausgefunden haben will, ist Schill nun aus finanziellen Gründen nach Hamburg zurück gekehrt. Der "Richter Gnadenlos", der vor Jahren eine Frau ins Gefängnis bringen wollte, die ein Auto zerkratzt hatte, suche einen Job beim Fernsehen und träume von einer eigenen Show, heißt es in der Sonntagszeitung. [...] Ob Schill sein Skandal-Image durch einen Auftritt in der Dschungelshow aufbessern kann, ist mehr als fraglich.

...


Aus: "Skandal-Politiker Schill will ins Dschungelcamp " kmi (10. Oktober 2010)
Quelle: http://www.stern.de/kultur/tv/angebliche-verhandlungen-mit-rtl-skandal-politiker-schill-will-ins-dschungelcamp-1612438.html

« Last Edit: October 11, 2010, 02:11:29 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #11 on: November 22, 2011, 11:48:01 AM »

Quote
[...] Eines der wichtigsten Objekte von Nietzsches Kritik spätestens seit Menschliches, Allzumenschliches ist die Moral im allgemeinen und die christliche Moral im besonderen. Nietzsche wirft der bisherigen Philosophie und Wissenschaft vor, herrschende Moralvorstellungen unkritisch übernommen zu haben; wahrhaftig freies und aufgeklärtes Denken habe sich dagegen, wie der Titel eines Buchs sagt, Jenseits von Gut und Böse zu stellen. Dies hätten alle abendländischen Philosophen seit Platon, insbesondere auch Kant, versäumt. Nietzsche untersucht oft Werturteile nicht auf ihre vermeintliche Gültigkeit hin, sondern beschreibt Zusammenhänge zwischen der Erschaffung von Werten durch einen Denker oder eine Gruppe von Menschen und deren biologisch-psychologischer Verfassung. Es geht ihm also um die Frage des Werts von moralischen Systemen überhaupt:

    „Alle Wissenschaften haben nunmehr der Zukunfts-Aufgabe der Philosophen vorzuarbeiten: diese Aufgabe dahin verstanden, dass der Philosoph das Problem vom Werthe zu lösen hat, dass er die Rangordnung der Werthe zu bestimmen hat.“

    – Zur Genealogie der Moral

Diese Form der Kritik auf einer Meta-Ebene ist ein typisches Kennzeichen von Nietzsches Philosophie.

Er selbst führt diese Kritik mit Methoden der Geschichts-, Kultur- und Sprachwissenschaft exzessiv aus und legt dabei ein besonderes Augenmerk auf die Herkunft und Entstehung moralischer Denkweisen, etwa in Zur Genealogie der Moral. Wichtige Begriffe seiner Moralkritik sind:

        Herren- und Sklavenmoral: Herrenmoral sei die Haltung der Herrschenden, die zu sich selbst und ihrem Leben Ja sagen könnten, während sie die anderen als „schlecht“ (Wortstamm: „schlicht“) abschätzten. Sklavenmoral sei die Haltung der „Elenden […], Armen, Ohnmächtigen, Niedrigen […], Leidenden, Entbehrenden, Kranken, Hässlichen

Aus: "Friedrich Nietzsche" (3. Juni 2005)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Nietzsche#Kritik_der_Moral

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« Reply #12 on: November 22, 2011, 12:03:05 PM »

Quote
[...]

    „Sprechen wir sie aus, diese neue Forderung: wir haben eine Kritik der moralischen Werthe nöthig, der Werth dieser Werthe ist selbst erst einmal in Frage zu stellen – und dazu thut eine Kenntniss der Bedingungen und Umstände noth, aus denen sie gewachsen, unter denen sie sich entwickelt und verschoben haben (Moral als Folge, als Symptom, als Maske, als Tartüfferie, als Krankheit, als Missverständniss; aber auch Moral als Ursache, als Heilmittel, als Stimulans, als Hemmung, als Gift), wie eine solche Kenntniss weder bis jetzt da war, noch auch nur begehrt worden ist.“

    – Vorrede, Abschnitt 6:KSA 5, S. 253


... Der Text [Zur Genealogie der Moral] gilt als Wegbereiter der postmodernen Philosophie. So ist zum Beispiel das Werk Michel Foucaults von Bezügen zur Genealogie der Moral durchzogen. Ebenfalls lässt sich für die französischen postmodernen Denker das jüngere Werk Die feinen Unterschiede von Pierre Bourdieu auf Ideen aus der Genealogie der Moral zurückverfolgen. Hierbei geht der Kerngedanke von den herrenmoralischen Ressentiments aus, nämlich das Schlechte durch feine Unterschiede auf vielen Ebenen des Lebens vom Guten abzugrenzen.

...


Aus: "Zur Genealogie der Moral" (26. Juli 2011)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Zur_Genealogie_der_Moral

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