[...] BERLIN taz | Mancher Beobachter hatte schon nicht mehr daran geglaubt. Doch nach jahrelangem Hickhack wird ab Donnerstag die sogenannte elektronische Gesundheitskarte (eGK) ausgegeben. Den Praxistest der neuen "e-Card" wagt die Region Nordrhein mit ihren insgesamt rund neun Millionen gesetzlich Versicherten.
Dort wollen die Kassen bis Jahresende 100.000 Karten verteilen. Bis Ende 2010 sollen alle 70 Millionen gesetzlich Versicherten in Deutschland das Plastikkärtchen besitzen, das dann die bisherige Versichertenkarte ersetzt.
Auf den ersten Blick ist die elektronische Gesundheitskarte bloß ein weiterer Datenträger im Scheckkartenformat, auf dem ein Porträtfoto des Versicherten prangt. In der Anfangsphase müssen auf ihm nur zwei Dinge gespeichert werden: Zum einen die Verwaltungsdaten, also Name des Patienten, Versicherungsstatus, Krankenkasse und Geburtsdatum.
Zum anderen das "elektronische Rezept". Dieses kann künftig der behandelnde Arzt auf der Karte hinterlegen, und in der Apotheke wird es an einem Lesegerät eingelöst. Freiwillig speichern können Patienten zudem einen "Notfalldatensatz".
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01.10.2009 12:04 Uhr:
Von YAK:
Ich finde es gut. Endlich wäre ich den Aufwand los, bei meinem Ärzten um die Untersuchungsergebnisse bitten zu müssen und könnte auch Jahre später noch wissen, woran ich damals erkrankte.
Alles auf einer Karte passwortgeschützt (!) dabei zu haben wäre fein.... - natürlich vorausgesetzt, dass das Verfahren wirklich sicher ist. Soll der ChaosComputerClub mal ran zum testen
01.10.2009 13:55 Uhr:
Von SiC:
Hat der CCC schon gemacht und für unsicher eingestuft!
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01.10.2009 20:12 Uhr:
Von fakten:
Das eigentliche Problem bei der eGK ist noch nicht einmal der auf der Karte gespeicherte Datensatz, obwohl dies schon problematisch genug ist. Viel interessanter ist doch die Tatsache, dass sämtliche Patientendaten statt auf der Karte auf einem zentralen Server gespeichert werden sollen, welcher bereits seit geraumer Zeit vom CCC geknackt und für absolut unsicher erklärt wurde.
Man muss sich das einmal vorstellen: Auf einem völlig unzureichend gesicherten Server liegen quasi für jeden Amateur-Hacker ausspionierbar sämtliche Patientendaten aller Deutschen wie Name, Adresse, Geburtsdatum, Geschlecht, sämtliche Untersuchungsergebnisse, Röntgenaufnahmen, EKG- und Ultraschallaufnahmen und Befunde, ärztliche Gutachten, sämtliche bislang verschriebene Medikamente etc. etc. Ein gefundenes Fressen für einen Datenmissbrauch im ganz großen Stil!
Es fehlt nicht mehr viel, dann könnten z. B. die personalisierten Einkaufsdaten beim Bezahlen im Supermarkt mit Kredit-, EC- oder Payback-Karte mit solchen Patienten-Datensätzen abgeglichen werden. So könnte es schon bald Realität werden, dass die Bezahlung einer anstehenden Operation oder ärztlichen Behandlung von der Krankenkasse mit der Begründung abgelehnt wird, man habe halt über die letzten Jahre einfach zu viele ungesunde Lebensmittel eingekauft, die dieses Krankheitsbild stark begünstigt haben.
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01.10.2009 11:44 Uhr:
Von Anne:
Funktioniert bei diesem Chip auch der Kurzaufenthalt in der Mikrowelle?
Das Letzte, aber wirklich das Allerletzte was ich will, ist, meine Krankenakte in meiner Brieftasche mit mir permanent herumzutragen. Meine jeweiligen Krankendaten gehen ausschließlich meine jeweiligen Fachärzte etwas an und nicht einmal die untereinander, wenn ich das nicht will.
Aus: "Langer Weg zur Gesundheitskarte" VON MATTHIAS LOHRE (01.10.2009)
Quelle:
http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/langer-weg-zur-gesundheitskarte/-.-
[...] Sie war von Anfang an umstritten; nun wird die elektronische Gesundheitskarte Realität. Seit 1. Oktober 2008 halten die ersten Kassenpatienten das neue High-Tech-Plastik in den Händen – viele von ihnen mit gemischten Gefühlen. Wird der Albtraum vom gläsernen Patienten nun endgültig Realität? Oder ebnet die neue Technik womöglich doch den Weg in ein besseres Gesundheitssystem? Thilo Weichert, Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz in Kiel, spricht Klartext.
FOCUS Online: Nach jahrelangen Querelen wird die elektronische Gesundheitskarte nun tatsächlich eingeführt – zunächst allerdings nur in Nordrhein-Westfalen. Warum behandelt man nicht alle Patienten gleich?
Thilo Weichert: Es ist durchaus sinnvoll, erst einmal in einem Pilotprojekt zu erproben, wie sich die neue Karte bewährt. Auf diese Art und Weise lassen sich Kinderkrankheiten noch verhältnismäßig leicht beheben, ohne dass gleich 70 Millionen Versicherte betroffen sind.
FOCUS Online: Das heißt, die Versicherten in der Pilotregion sind nichts anderes als Versuchskaninchen?
Weichert: Das kann man so nicht sagen. Irgendjemanden muss es ja treffen – und man kann es ja auch durchaus als Ehre empfinden, unter den ersten zu sein, die die neue Karte besitzen.
FOCUS Online: Warum Ehre? Die neue Karte bietet doch bisher noch keine Vorteile gegenüber der alten?
Weichert: Das ist richtig. Bislang unterscheiden sich die beiden Karten lediglich durch das Passbild auf der Vorderseite. Allerdings ist das Potenzial des neuen Systems immens: In Zukunft könnte die Karte den berechtigten Ärzten oder Apothekern vom elektronischen Rezept bis hin zur kompletten Krankenakte alle wichtigen Informationen gewähren, die für die optimale Behandlung eines Patienten erforderlich sind.
FOCUS Online: Gerade das macht viele Versicherte skeptisch. Wenn alle Ärzte, Apotheker und Krankenhäuser künftig Einblick in die intimen Details diverser Krankengeschichten erhalten – ist das nicht ein bisschen zu viel des Guten?
Weichert: So weit wird es ja nicht kommen. Zwar stimmt es, dass Ärzte, Apotheker und Krankenhäuser grundsätzlich in der Lage sein werden, die Daten auf der Gesundheitskarte zu lesen. Wenn der Patient das nicht möchte, kann er aber gegensteuern und das verhindern.
FOCUS Online: Auf welche Weise?
Weichert: Zunächst steht es jedem Patienten frei, ob er überhaupt zulässt, dass außer den Stammdaten wie Namen, Geburtstag, Geschlecht überhaupt etwas auf der Karte gespeichert wird. Und selbst wer sich dafür entscheidet, hat es jederzeit in der Hand, wem er diese Informationen zugänglich machen will.
FOCUS Online: Wie?
Weichert: Wenn die Karte flächendeckend eingeführt ist, wird es an ausgewählten Standpunkten – etwa in Arztpraxen oder Apotheken –sogenannte eKioske geben, also Computer, an denen die Patienten ihre Karte einlesen, Daten löschen und Sicherheitseinstellungen individuell einstellen können. Wer sich also nur ein Asthmaspray aus der Apotheke holt, muss nicht befürchten, dass der Apotheker ohne Weiteres seine ganze Krankengeschichte, ja nicht einmal sämtliche Verschreibungen einsehen kann.
FOCUS Online: Wer entscheidet, wo diese Kioske stehen werden?
Weichert: Das werden die Kassen sein – sie zahlen schließlich auch dafür.
FOCUS Online: Und das nicht zu knapp. In den ersten neun Jahren rechnen Experten mit Extrabelastungen von über 14 Milliarden Euro. Wird das neue System wirklich genug Geld sparen, damit sich diese Kosten irgendwann wieder amortisieren?
Weichert: Klar ist: In der Anfangsphase verschlingt die neue Karte horrende Summen. Kurzfristig führt die Umstellung daher eher zu zusätzlichen Belastungen. Allerdings ist das gesamte Projekt sehr langfristig angelegt. Patienten und Ärzte müssen sich ja auch erst einmal an die neue Situation gewöhnen und lernen, mit der neuen Technik umzugehen. Ich denke aber, dass die Anfangsschwierigkeiten in ein paar Jahren überwunden sein werden – und die Karte durchaus beim Sparen helfen kann.
FOCUS Online: Sollte die Einführung der Karte wunschgemäß verlaufen – profitieren dann Patienten oder Krankenkassen am meisten von dem neuen System?
Weichert: Weder noch. Die größten Nutznießer dieses Megaprojektes sitzen vor allem in der IT-Branche.
DIE NEUE KARTE IM ÜBERBLICK
Anders als die herkömmliche Versichertenkarte ist die neue Karte mit einem Mikroprozessor ausgestattet. Darauf können Daten verschlüsselt gespeichert werden. Außerdem ermöglicht die neue Gesundheitskarte Online-Funktionen wie das Einrichten von elektronischen Patientenakten, in denen alle relevanten Informationen über bisherige Behandlungen und Diagnosen hinterlegt sind. Auf der Karte wird auch das Foto des Versicherten gespeichert, um einen Missbrauch von Kassenleistungen zu verhindern. Bis alle 70 Millionen gesetzlich Versicherten damit versorgt sind, dürfte es Ende 2010 werden.
Aus: "Elektronische Gesundheitskarte: „Profitieren wird vor allem die IT-Branche“" Von Catrin Gesellensetter (01.10.2009)
Quelle:
http://www.focus.de/finanzen/versicherungen/krankenversicherung/elektronische-gesundheitskarte-profitieren-wird-vor-allem-die-it-branche_aid_440855.html