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« Reply #15 on: August 19, 2006, 12:22:36 PM » |
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[...] Heros heißt jetzt SecurLog - der alte Name galt als "verbrannt", doch das Firmen-Konglomerat existiert großenteils weiter. Nur zwei Monate nach der Großrazzia, nach der Heros Insolvenz anmelden musste, präsentierte Insolvenzverwalter Manuel Sack im April einen Käufer für das schwer angeschlagene Unternehmen: den New Yorker Finanzinvestor Matlin Patterson.
Insgesamt entstand durch die kriminellen Machenschaften, so der Insolvenzverwalter, ein Verlust von 540 Millionen Euro. Demgegenüber stehen 140 Millionen, die nach der Pleite auf Heros-Konten bei der Bundesbank eingefroren wurden. Allein 230 Millionen Euro an Kundengeld verwendeten die Heros-Manager demnach in den vergangenen vier Jahren zur Aufrechterhaltung des Betriebs. Die Dumpingpreise, mit denen der Geldtransporteur Konkurrenten ausstach, reichten bei Weitem nicht, um die Betriebskosten zu decken. Der Verbleib von 95 Millionen Euro ist unklar - floss das Geld in die Taschen der Bosse?
1600 der zuletzt etwa 4600 Mitarbeiter des einst größten deutschen Geldtransport-Unternehmens hat die Raffgier ihrer Führungsriege wahrscheinlich den Job gekostet. Sie sollen zumindest in einer Beschäftigungsgesellschaft übernommen werden. Von den insgesamt 62 Standorten soll etwa die Hälfte geschlossen werden, darunter auch Teile des Standorts Hamburg.
Die um Millionen geprellten Kunden des Geldtransport-Unternehmens werden wohl auf ihrem Schaden sitzen bleiben: Das Landgericht Hannover, so der "Spiegel", urteilte jüngst, dass der Transportversicherer von Heros, die "Mannheimer", nicht für die unterschlagenen 300 Millionen Euro aufkommen muss - wenn die Konzern-Spitze das Geld vorsätzlich veruntreut hat.
Aus:"Jeder Dritte verliert seinen Job in der Geldtransport-Firma" (19. August 2006) Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2006/08/19/600057.html
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« Reply #16 on: August 27, 2006, 02:46:02 PM » |
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[...] Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft inzwischen gegen sieben ehemalige Mitarbeiter der IKEA-Bauabteilung sowie gegen 44 Mitarbeiter von Bau- und Handwerksfirmen. Sie stünden im Verdacht der Bestechlichkeit beziehungsweise der Bestechung und des Betrugs, berichtet das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf eine Sprecherin der Behörde.
Den Angaben zufolge soll allein der Hauptbeschuldigte seit Mitte der 80er Jahre zunächst in bar und später über eine Scheinfirma Schmiergelder in Millionenhöhe eingesteckt haben, unter anderem von einer Düsseldorfer Projektfirma und einem bayerischen Baukonzern. Sein Vermögen, das in Liechtenstein und der Schweiz lagere, habe der 56-Jährige laut einem internen Vermerk der Staatsanwaltschaft auf 2,8 Millionen Euro beziffert, heißt es in dem Bericht weiter. Der frühere Bauleiter aus der IKEA-Zentrale in Wallau (Main-Taunus-Kreis) hatte sich im September vorigen Jahres in seiner Zelle erhängt.
Aus: "IKEA-Korruptionsaffäre - Schmiergelder in Millionenhöhe?" (26.08.2006) Quelle: http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/index.jsp?rubrik=15662&key=standard_document_25354830
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« Reply #17 on: August 27, 2006, 02:53:00 PM » |
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[...] Der Anstieg der Wirtschaftskriminalität bereitet den Ermittlern in Schleswig-Holstein Kopfzerbrechen. Nach Aussage von Generalstaatsanwalt Erhard Rex hat sich die Zahl der Fälle in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Er kritisierte, dass derartige Delikte oftmals eher milde bestraft würden. Zudem seien Fälle von betrügerischem Immobilien- und Kapitalanlagebetrug oftmals komplizierter und umfassender als noch vor Jahren. Die im Land auf solche Fälle spezialisierten 29 Staatsanwälte in Kiel und Lübeck hätten im vergangenen Jahr 4.757 Fälle bearbeitet. 1995 waren es noch 1.850.
Nach Aussage von Rex stößt es auch bei Experten auf Unverständnis, dass Wirtschaftsstraftäter zuweilen sehr günstig vor Gericht davon kommen. So habe auch der Bundesgerichtshof gerügt, dass ein Betrüger, der einen Schaden von 1,5 Millionen Euro angerichtet habe, nur zu 240 Tagessätzen verurteilt worden sei. "So etwas halte ich für nicht erträglich; das destabilisiert unser Rechtssystem", sagte Rex. "Beim Bürger kommt nämlich die Botschaft an: Die Kleinen hängt man und die Großen lässt man laufen."
Aus: "Schleswig-Holstein - Generalstaatsanwalt sieht dramatische Tendenz bei Wirtschaftskriminalität" (26.08.2006) Quelle: http://www1.ndr.de/ndr_pages_std/0,2570,OID3017018,00.html
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« Reply #18 on: August 28, 2006, 09:14:24 AM » |
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[...] Berlin - Die jüngsten Korruptionsskandale bei Media Markt/Saturn oder Karstadt Sport sind nach Meinung von Fachleuten keine Einzelfälle. „Das ist im Einzelhandel verbreitet“, sagte die Berliner Korruptionsexpertin Birgit Galley dem Tagesspiegel.
[...] Die Hamburger Staatsanwaltschaft hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, sie sei einer größeren Korruptionsaffäre bei deutschen Elektronikhändlern auf der Spur. Vertriebsmitarbeiter des Philips-Konzerns sollen im großen Stil Einkäufer verschiedener deutscher Elektronikmärkte, darunter Media Markt/Saturn, bestochen haben. Gegen mehr als 100 Personen wird ermittelt. Bei Karstadt Sport sollen vier inzwischen entlassene Abteilungsleiter mit Lieferanten überhöhte Preise abgesprochen und Bestechungsgeschenke gefordert haben.
„Große Kunden erwarten, dass Einkäufer Verhandlungsspielräume nutzen und individuelle Absprachen treffen“, sagt Birgit Galley. Was wird wo in den Regalen platziert? Welche Produkte und Marken kommen in die Werbung? Wenn über Mengen und Preise und die so genannten „listing-fees“ (Regalgebühr) im Einzelhandel gesprochen werde, seien die Grenzen zwischen Annehmlichkeiten und Bestechung häufig fließend. „Viele Vertriebsleiter sind mit allen Wassern gewaschen“, weiß Waldemar Baier, Leiter der Konzernrevision bei Rewe.
Da die Hersteller es mit mächtigen Großkunden wie Media Markt oder Karstadt zu tun haben und selten Spielraum bei ihren Preisen sehen, werden eben andere Argumente bemüht: Reisen, Uhren, Tankgutscheine. „Da zahlt mancher Anbieter gerne das Doppelte für einen Auftrag und lässt den Einkäufer daran teilhaben“, sagt Birgit Galley. „Kickback“-Zahlungen nennt man so etwas. Das Nachsehen haben die Kunden: „Bestechungsgelder werden immer auf den Preis aufgeschlagen“, sagt die Korruptionsexpertin.
Aufgedeckt wird Bestechung meist aufgrund von Zufällen. „Entweder die Beteiligten streiten sich ums Geld – oder um die Frauen“, sagt Waldemar Baier von Rewe.
Aus: "Korruptionsfälle erschüttern den Einzelhandel: Philips schmierte Mitarbeiter von Media Markt/Saturn – doch offenbar sind solche Praktiken auch in anderen Firmen verbreitet" von Von Henrik Mortsiefer (28.08.2006) Quelle: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/archiv/28.08.2006/2736513.asp
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« Reply #19 on: September 11, 2006, 10:23:56 AM » |
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[...] Die Parteien der großen Koalition sowie die FDP wollen einem Bericht zufolge das Parteiengesetz ändern, um Strafen bei unrechtmäßigen Spenden zu entgehen. Wie das Magazin "Focus" am Sonntag vorab berichtete, einigten sich die Schatzmeister von CDU, CSU, SPD und FDP darauf, dass Parteien künftig straffrei bleiben sollen, wenn sie Fehler selbst entdecken und beim Bundestagspräsidenten anzeigen. Dies solle für unrechtmäßige Spenden sowie fehlerhafte Rechenschaftsberichte gelten, heißt es in dem Bericht weiter. Nach der Neuregelung müsste die betroffene Partei demzufolge nur noch die unrechtmäßige Spende abführen, nicht aber den doppelten oder dreifachen Betrag als Strafe. Fälle bis 10.000 Euro sollten die Parteien nicht mehr sofort melden müssen. Nach Auffassung der Schatzmeister reiche eine Korrektur im nächsten Rechenschaftsbericht aus, schreibt das am Montag erscheinende Magazin weiter.
Aus: "Parteien wollen Gesetz ändern - Keine Strafen für Schwarzgeld" (10. September 2006) Quelle: http://www.n-tv.de/708745.html
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« Reply #20 on: September 12, 2006, 09:03:29 AM » |
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[...] Schon im Frühjahr war ein Fall millionenschwerer Selbstbedienung in der IT-Abteilung aufgeflogen. Der durch einen leitenden Beamten im IT-Bereich verursachte Schaden beläuft sich laut Staatsanwaltschaft mittlerweile auf mehr als 4 Millionen Euro. Nun stehen laut Staatsanwaltschaft in Bonn weitere BaFin-Mitarbeiter unter Verdacht. Wie der "Spiegel" berichtet, gab es Durchsuchungen in Wohnungen und Büros von fünf BaFin-Mitarbeitern. Einer von ihnen steht dem Magazin zufolge unter dem Verdacht, für seine Töchter und die Ehepartner anderer Mitarbeiter Planstellen geschaffen und ihnen die Fragen der Bewerbungsgespräche vorab zugesteckt zu haben. In anderen Fällen lauteten die Vorwürfe auf Untreue, Vorteilsnahme sowie Beihilfe zur Bestechlichkeit.
Im Auftrag des Finanzministeriums haben Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC) die Abläufe in der BaFin untersucht. In einem Gutachten bescheinigen sie nach Angaben des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ der Führung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) mangelnde Kontrollen im eigenen Haus.
Aus: "Bankenaufsicht - Rückhalt für BaFin-Chef schwindet: Deutschlands oberster Bankenaufseher Jochen Sanio gerät zunehmend unter Druck. Ein Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass die Führung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zu spät reagiert hat" (11.09.2006) Quelle: http://www.welt.de/data/2006/09/11/1031486.html
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« Reply #21 on: September 13, 2006, 09:28:38 AM » |
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[...] Die DaimlerChrysler AG, Stuttgart, gerät in der Affäre um Schmiergeldzahlungen, Steuerhinterziehung und schwarze Konten immer weiter unter Druck. "Die ermittelnden US-Behörden verlangen, dass jemand auf Vorstandsebene die Verantwortung übernimmt", sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Dienstag zu Dow Jones Newswires. Dies könne auch ein Ex-Vorstand sein, da die Verfehlungen bis in die Anfänge der 90er Jahre zurückreichten.
Das US-Justizministerium und die US-Börsenaufsicht SEC ermitteln bereits seit über zwei Jahren gegen den Automobilhersteller. Dabei wurden zahlreiche schwarze Konten entdeckt, die seit Jahren für Bestechungszahlungen in Afrika, Asien und Osteuropa genutzt worden waren. Zusätzlich deckten die Ermittler systematische Steuerhinterziehungen bei Auslandsmitarbeitern in Millionenhöhe auf. DaimlerChrysler hat die Vorwürfe bereits eingeräumt und rückwirkend die eigenen Bilanzen korrigiert.
Aus: "SEC fordert von Daimler Konsequenzen" (de.biz.yahoo.com; 12. September 2006) Quelle: http://de.biz.yahoo.com/12092006/341/sec-fordert-daimler-konsequenzen-steueraffaere-kreise.html
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« Reply #22 on: October 11, 2006, 12:17:08 PM » |
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[...] «Die Türkei ist offensichtlich ein ganz beliebter Waschsalon», sagte er: «Wir wissen das aus dem Bereich der Banken.» Nach Erkenntnissen der Deutschen Bundesbank habe es erhebliche Kapitalverlagerungen ins Ausland gegeben, insbesondere seit der Einführung der Zinsabschlagsteuer. «Man spricht davon, dass in die Türkei und nach Ex-Jugoslawien insgesamt etwa 40 Milliarden Euro geflossen sind», sagte Kilmer.
Aus: "Türkei «offenes Tor» für deutsches Schwarzgeld" (Dienstag 10. Oktober 2006) Quelle: http://de.news.yahoo.com/10102006/12/tuerkei-offenes-tor-deutsches-schwarzgeld.html
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« Reply #23 on: October 16, 2006, 10:36:36 AM » |
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[...] Innsbruck (APA/syr). Eigentlich sollten sie österreichische Steuersünder jagen, ab heute, Montag, müssen sie sich aber selber wegen Steuervergehen vor Gericht verantworten: Zehn Betriebsprüfern des Finanzamts Innsbruck sowie einem ehemaligen Mitarbeiter einer Steuerberatungsfirma wird Beitrag zur vorsätzlichen Abgabenhinterziehung und Missbrauch der Amtsgewalt vorgeworfen.
Sollten sie schuldig gesprochen werden, drohen ihnen bis zu zehn Jahre Haft. Beobachter halten es für möglich, dass das Finanzstrafverfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden wird.
Die derzeit vom Dienst suspendierten Finanzbeamten sollen jahrelang etliche Unternehmen "steuerschonend" geprüft haben. Der entstandene Schaden wird von der Anklage mit 20 Millionen Euro beziffert.
16 Unternehmer, die wegen vorsätzlicher Abgabenhinterziehung mitangeklagt sind, wurden aus dem Prozess ausgeschieden. Gegen sie wird zu einem anderen, noch unbekannten Zeitpunkt verhandelt. Die Dauer des Strafprozesses, in dem alleine die Staatsanwaltschaft 100 Zeugen beantragt hat, ist noch nicht absehbar.
Aus: "Tirol: Zehn Finanzbeamte vor dem Richter" (Die Presse) 16.10.2006 Quelle: http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=c&ressort=w&id=592613
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« Reply #24 on: October 31, 2006, 12:26:29 PM » |
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[...] Trotzdem ist die Sorge groß, dass sich die Affäre ausweitet und „weitere Minen hochgehen“, so ein Spitzenpolitiker. Zugang zu Spendenlisten und Finanzunterlagen hatten nur Schönbohm, der Landesschatzmeister sowie Petke und Nelte, heißt es. Letztere waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Dass interne Finanzunterlagen und Papiere zur Spendenpraxis der Partei abhanden gekommen oder kopiert worden sind, hat die Union inzwischen aber offiziell bestätigt. „Das Zimmer des Landesgeschäftsführers ist praktisch leer“, so ein CDU-Politiker. In der Parteispitze geht man davon aus, dass Petke auch die Mitglieder- und Delegierten-Datei aus dem Computer kopiert hat. Einige der 200 Delegierten, die über die Schönbohm-Nachfolge zu befinden, fanden in ihrer privaten Post jüngst eine Geburtstagskarte des Ex-Generalsekretärs.
Aus: "In der CDU wächst die Sorge vor weiteren „Minen“ - Spendenaffäre könnte die Suche nach neuem Parteivorsitzenden beeinflussen / Landeschef Jörg Schönbohm kündigt Strafanzeige an" Von Thorsten Metzner (30.10.2006) Quelle: http://www.tagesspiegel.de/brandenburg/archiv/30.10.2006/2866640.asp
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« Reply #25 on: October 31, 2006, 12:33:07 PM » |
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[...] Schneider: In den vergangenen zahn Jahren hat sich das Geldwäschevolumen ungefähr verdoppelt. Weltweit betrug das Geldwäschevolumen aus Drogengeschäften im vergangenen Jahr 1039 Milliarden Dollar, das gesamte Geldwäschevolumen lag bei 1500 Milliarden Dollar. Das sind 3 bis 5 Prozent des Welt-Bruttoinlandsprodukts (BIP). Solange der globale Drogen- und Waffenhandel weiter floriert, ist mit einem Rückgang nicht zu rechnen. In Deutschland belief sich das Geldwäschevolumen auf sieben Milliarden Euro.
mm.de: Wie kommen Sie auf diese Zahlen?
Schneider: Bei diesen Zahlen handelt es sich natürlich um Schätzungen. Hier gibt es verschiedene Methoden, diese aufzustellen. Recht häufig wird der Umfang der Geldwäsche über die Erlöse aus dem Drogenhandel geschätzt, denn die organisierte Kriminalität erzielt knapp 40 Prozent ihres Umsatzes aus Suchtgift. Da man über die Zahl der Drogenabhängigen ziemlich genau Bescheid weiß und deren Konsum gut kalkulieren kann, lassen sich auch recht detaillierte Angaben über die Erlöse aus diesem Bereich machen.
mm.de: Was genau bedeutet Geldwäsche?
Schneider: Geldwäsche ist der Prozess, durch den Erlöse, die aus kriminellen Tätigkeiten stammen, transportiert, überwiesen, konvertiert oder mit legalen Geschäften vermischt werden. Das geschieht in der Absicht, die wahre Herkunft, die Beschaffenheit, das Eigentum an solchen Erlösen zu verschleiern oder zu verheimlichen.
mm.de: Woher stammt der Begriff?
Schneider: Der Begriff Geldwäsche stammt aus den Vereinigten Staaten der 1920er und 1930er Jahre, als die ersten Waschsalons ihren Betrieb aufnahmen. Kriminelle Gruppen investierten ihre Bargeldeinkünfte aus Verbrechen in diese "laundromats", weil deren Umsätze kaum zu kontrollieren waren. Sie gaben dem Staat überhöhte Gewinne an und mussten dann nur noch die Waschmaschinen im leeren Zustand laufen lassen, um den Strom- und Wasserverbrauch dem Gewinn anzupassen. Dieses "money laundering" wurde später wörtlich als Geldwäsche übersetzt.
Aus: "GELDWÄSCHE: "Al Qaida braucht 50 Millionen Dollar jährlich"" Von Martin Hintze (30.10.2006) Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,443568,00.html
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« Reply #26 on: November 06, 2006, 11:55:57 AM » |
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[...] "Wir haben in Deutschland eine immer größere Verteilung von immer mehr vermögenden Menschen und immer mehr armen Menschen. Das Mittelfeld löst sich auf. Ich finde diese Entwicklung sehr dramatisch, obwohl ich auf der Gewinnerseite bin", erklärt sie. Die ungerechte Verteilung erlebt sie hautnah. Ihr Mann ist Landwirt und arbeitet sehr hart, um sein Geld zu verdienen, während sie durch Zinserträge mehr verdient, als ein normaler Mensch es in seinem Leben üblicherweise kann.
"Die Probleme hätte ich gerne", hört Auwärter-Brodbeck oft. "Es ist ein ungutes Gefühl, wenn man spürt, dass jemand einen unmittelbaren Mangel erlebt und derjenige aber weiß, dass ich die finanziellen Mittel habe, um diesen Mangel aufzulösen. Das ist keine einfache Situation", erzählt sie. In der Öffentlichkeit spricht sie nicht über ihren Reichtum, weil sie nicht auf Geld reduziert werden möchte. Sie möchte wahrgenommen werden als Mensch, als Person, als Mutter, als das, was sie kann und ist und nicht als reich.
Doch bedeutet Geld auch oft Macht. Und welche Macht hat Geld für Auwärter-Brodbeck? "Ich bin diejenige, die darüber entscheidet, spende ich mein Geld jetzt lieber Unicef oder Greenpeace oder schenke ich es meinen Nachbarn, damit er sein krankes Kind gut versorgen kann? Das ist einerseits Macht und andererseits aber auch genau das Thema mit der Verantwortung", so Auwärter-Brodbeck.
Aus: "Die armen Reichen - Verein für reiche Erbinnen" (Sendung am 05.11.2006) Quelle: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/4/0,1872,3977476,00.html
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« Reply #27 on: November 13, 2006, 10:53:13 AM » |
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[...] Sein Fünf-Millionenvolk hält er in eisernem Würgegriff. Die Menschen leben in Angst und Armut. In Turkmenbashis Reich gibt es keine unabhängige Berichterstattung, und die Menschenrechte werden mit Füßen getreten. Die Medien sind in staatlichem Besitz, das Fernsehen ist zum Regierungsinstrument mutiert. Im Hinblick auf die Pressefreiheit rangiert Turkmenistan auf der Liste der Organisation "Reporter ohne Grenzen" auf dem drittletzten Platz. Oppositionelle Journalisten werden drangsaliert oder verschwinden einfach. Unlängst starb die "Radio Free Europe/Radio Liberty"-Mitarbeiterin Ogulsapar Muradowa während der Haft. Das 58-jährige Gründungsmitglied der nichtstaatlichen Menschenrechtsorganisation "Turkmenistan Helsinki Foundation" (THF) hatte es gewagt, westlichen Journalisten bei ungenehmigten Filmaufnahmen zu helfen, die ttt in Ausschnitten erstmals im deutschen Fernsehen ausstrahlt. Daraufhin wurde die Journalistin verhaftet und der Planung eines Umsturzes beschuldigt. Menschenrechtsorganisationen gehen davon aus, dass Ogulsapar Muradowa zu Tode gefoltert wurde. "Turkmenistan ist eines der Länder mit den schwerwiegendsten Menschenrechtsverletzungen, vergleichbar nur noch mit Nordkorea oder Burma", bestätigt Marianne Heuwagen von Human Rights Watch. "Es gibt dort keine Meinungs-, keine Religions- und keine Pressefreiheit. Journalisten, die unabhängig berichten, landen entweder im Gefängnis oder in einer psychiatrischen Klinik oder werden ins Exil getrieben."
Doch weil der sich nach außen großherzig gerierende Staatschef auf schier unerschöpflichen Erdöl- und Erdgasvorkommen sitzt, sein Land zudem in einer geopolitisch wichtigen Region liegt, wird Turkmenbashi vom Westen hofiert und als Partner der neuen EU-Zentralasienstrategie von der Bundesregierung umworben. "Die Zentralasien-Initiative der Bundesregierung ist ganz auf die Energiepolitik ausgerichtet, auf die großen Gas- und Ölvorkommen in Turkmenistan. Da haben wir schon sehr den Verdacht, dass da die Menschenrechte hinten runterfallen", meint Marianne Heuwagen. Gerade war Außenminister Frank-Walter Steinmeier im Rahmen seiner Reise durch die zentralasiatischen Republiken zu Gast in Aschgabad.
Dabei unterhält der Operettenfürst Nijasow zu Deutschland ohnehin bereits beste Beziehungen: Die Deutsche Bank verwaltet das Vermögen seiner Präsidentenstiftung, Siemens modernisierte seinen TV-Sender, und Daimler Chrysler ließ als Dank für ein lukratives Geschäft die Diktatorenbibel "Ruhnama" ins Deutsche übersetzen.
Der im Exil lebende Abdu Kuliev und Ex-Außenminister von Turkmenistan macht keinen Hehl daraus, was er von solchen Kooperationen hält: "Es ist natürlich unmoralisch einen Mann wie Nijasow zu unterstützen, der sein Volk quält. In Turkmenistan hungern die Menschen, sie sterben wegen der schlechten medizinischen Versorgung. Nur: Wer denkt über Moral nach, wenn es ums Geld geht?"
Auch im Hinblick auf die Funktion, die das "Ruhnama" in Nijasows System erfüllt, hat Kuliev eine klare Meinung: "Ziel des Buches ist es, nach dem Niedergang von Marxismus und Leninismus den Menschen eine neue, quasi-religiöse Ideologie zu präsentieren und sie damit zu indoktrinieren." Das Buch diene - flankiert von anderen Maßnahmen wie der Verkürzung der Schulzeit, der Schließung von Bibliotheken und Universitäten - schlichtweg der Volksverdummung. "Nijasow möchte das turkmenische Volk in eine Schafherde verwandeln, die nichts weiß und nichts versteht und abgeschnitten ist von der modernen Welt".
Tatsächlich ist das nationalistische Machwerk in Turkmenistan Pflichtlektüre. Der Tag, an dem es der selbsternannte Prophet Gottes auf Erden vollendete, ist inzwischen nationaler Feiertag. Nicht nur Anwärter des öffentlichen Dienstes müssen aus dem Inhalt rezitieren können. Auch wer den Führerschein machen möchte, kommt an ihm nicht vorbei. Bereits im Kindergarten wird es gepaukt, in Schulen und Universitäten ist das "Buch der Seele" zum Hauptgegenstand des Unterrichts geworden. Verse daraus ließ Nijasow neben denen des Korans in der vom ihm erbauten gigantischen Moschee von Kiptschak anbringen. Dem dortigen Mufti trug sein Protest 20 Jahre Haft ein.
Jetzt wurde das Werk in einem groß angelegten PR-Coup an 1.200 Bibliotheken der ganzen Welt verschickt. Die Universität Göttingen nahm vor wenigen Wochen ein Exemplar in einer feierlichen Prozession in Anwesenheit des turkmenischen Fernsehens entgegen. "Wir waren daran interessiert, weil wir hier ein Sonderprojekt zu den mittelasiatischen Staaten haben. Und wir haben es sehr erfreulich gefunden, dass wir damit die Beziehungen zu dem Land und zu der Botschaft intensivieren konnten", sagt Elmar Mittler, der ehemalige Leiter der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen. Eine solche Sicht ist für die Menschenrechtsaktivistin Marianne Heuwegen eher naiv: "Mittels des Ruhnama werden die Leute einer Gehirnwäsche unterzogen. Alle müssen es gelesen haben. Ein Arzt, der die Prüfungen machen will, muss nachweisen, dass er es kennt. Das ist ja absurd. Wenn man sich in Hollywood einen Diktator ausgedacht hätte, wäre man auf eine Figur wie Nijasow gekommen. Aber der existiert ja wirklich."
Aus: "Diktator, Dichter und Prophet: Wie Turkmenbashi vom Westen hofiert wird" Autoren: Marcus Bensmann und Joachim Gaertner (wdr.de; 12.11.2006) Quelle: http://www.wdr.de/tv/kulturweltspiegel/20061112/4.html
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« Reply #28 on: November 17, 2006, 09:36:29 AM » |
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[...] Ermittlungsbehörden mehrerer Länder entdeckten ein geheimes, international weit verzweigtes Finanzsystem, das offenbar dazu diente, hohe Millionenbeträge in schwarze Kassen zu schleusen. Die Fahnder prüfen, ob es sich um Schmiergeld handelt.
In einer groß angelegten Razzia haben 200 Polizisten, Staatsanwälte und Steuerfahnder am Mittwoch die Siemens AG sowie Privatwohnungen von Managern und ehemaligen Mitarbeitern durchsucht. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue.
Oberstaatsanwaltschaft Anton Winkler erklärte, es bestehe der Verdacht, dass "einzelne Mitarbeiter Gelder veruntreut haben". Zunächste habe es noch keine Festnahmen gegeben, sagte Winkler. Die Anschuldigungen richten sich gegen neun derzeitige und frühere Beschäftigte.
Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ermitteln die Fahnder auch, ob der Konzern in großem Stil schwarze Kassen gebildet hat, um die dort deponierten Millionenbeträge im Ausland als Schmiergeld einzusetzen.
Untersucht wird beispielsweise die Zusammenarbeit mit hochrangigen Persönlichkeiten in Russland, die dort helfen sollten, Aufträge zu besorgen.
Siemens erklärte, man kooperiere mit den Ermittlungsbehörden. Zu den gegenwärtig laufenden Untersuchungen äußerte sich der Konzern am Mittwoch nicht.
Der Konzern kommt nach der umstrittenen Gehaltserhöhung für Vorstände und der Pleite der ehemaligen Handysparte unter dem neuen Eigentümer BenQ erneut in schwere Bedrängnis.
Ermittlungsbehörden in der Schweiz und Italien haben, wie die SZ erfuhr, in den vergangenen Monaten ein geheimes Finanzsystem entdeckt, über das die Kommunikationssparte (Com) von Siemens in diesem Jahrzehnt mindestens 20 bis 30 Millionen Euro auf verborgene Konten geschleust haben soll.
Aufgeflogen war dieses System, nachdem einzelne Banken die Behörden wegen des Verdachts der Geldwäsche eingeschaltet hatten. Dreh- und Angelpunkt zahlreicher Transaktionen war die Schweiz.
Die ausländischen Behörden schalteten die Münchner Staatsanwaltschaft ein, die am Mittwoch mit Hilfe des Landeskriminalamtes (LKA) zuschlug. Mehrere Manager und ehemalige Mitarbeiter von Siemens wurden im LKA vernommen, darunter auch eine frühere Führungskraft der Kommunikationssparte.
Dieser Ex-Manager agierte nach ersten Erkenntnissen zusammen mit weiteren Personen aus dem Konzern und dessen Umfeld als Treuhänder für Firmen und Konten, über die Millionenbeträge geschleust wurden. Die Transaktionen liefen beispielsweise über Firmen aus den USA oder den in der Karibik gelegenen Virgin Islands.
Diese Gesellschaften rechneten bei der Siemens-Kommunikationssparte hohe Beträge für teure Dienstleistungen ab, etwa Beratung oder Projektentwicklungen. Die Ermittler prüfen, ob es sich um Scheinrechnungen von Briefkastenfirmen handelt.
Nachdem hohe Millionenbeträge auf diese Weise aus Siemens herausgezogen worden waren und mit dem Konzern offiziell nicht mehr zugeordnet werden konnten, verfügten die Treuhänder über dieses Geld. Zu welchem Zweck das geschah, ist Gegenstand der Ermittlungen.
Als gesichert gilt, dass der ehemalige Kommunikations-Manager und die weiteren Treuhänder nicht aus eigenen Antrieb, sondern auf Anweisungen aus dem Konzern handelten. Hochrangige Mitarbeiter von Siemens sollen in die Affäre verstrickt sein.
In einem Fall soll die Bundesanwaltschaft in der Schweiz einen hohen Millionenbetrag beschlagnahmt haben, der dort auf einem auffällig gewordenen Konto lagerte.
Dem Vernehmen nach handelt es sich um Mittel aus dem geheimen Finanzsystem, die Siemens in Griechenland einsetzen wollte. Angeblich fragte die Bundesanwaltschaft in der Schweiz vergeblich bei Siemens in München an, wofür diese Mittel genutzt werden sollten.
Das Ermittlungsverfahren rund um den Konzernbereich Kommunikation ist auch deshalb brisant, weil der heutige Konzernchef Klaus Kleinfeld von Anfang 2004 bis zum Sommer dieses Jahres für diese Sparte verantwortlich war. Derzeit löst Siemens die Com-Sparte auf und bringt große Teile des Geschäftsfeldes in ein Joint Venture mit Nokia ein, das Anfang nächsten Jahres starten soll.
Nokia wollte sich zunächst nicht zu den Vorgängen äußern. Nach Siemens-Richtlinien sind Schmiergeldzahlungen verboten. Dennoch waren in den vergangenen Jahren immer wieder Bestechungsvorwürfe laut geworden, zuletzt im Fall des italienischen Enel-Konzerns.
Aus: "Geheimes Finanzsystem bei Siemens: Aufgeflogen in der Schweiz" Von Markus Balser und Klaus Ott (SZ vom 16.11.2006) Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/759/91668/-.- [...] Es besteht der Verdacht, dass Angestellte im großen Stil Siemens-Vermögen veruntreut hätten, unter anderem, um Bestechungsgelder an mögliche Auftraggeber zu zahlen. Der Transfer soll teilweise auch über Auslandskonten, unter anderem in der Schweiz, abgewickelt worden sein.
Aus: "Erste Festnahmen nach Razzia bei Siemens" (ftd.de, 16.11.2006) Quelle: http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/132386.html-.- [...] Ein Münchner Nachrichtenmagazin meldet vorab, am Montag mehr über die inzwischen gut dreistelligen Millionen verraten zu wollen, von der die Ermittlungsbehörden inzwischen ausgehen. In Österreich wurden 60 Millionen Euro eingefroren. Auf dem Konto eines Siemens-Managers in Griechenland wurden weitere 40 Millionen Euro gefunden. Die Jagd nach den global und mit Schwarzgeld-Methoden verschobenen Millionen wird die Summe also deutlich erhöhen, soweit das Geld noch auffindbar ist. Siemens behauptet, jetzt erste Konsequenzen ziehen zu wollen. Man wolle die internen Kontrollsysteme auf Lücken überprüfen und ein Anwaltsbüro als Ombudsmann fungieren lassen, dem gewissensgeplagte Mitarbeiter gefahrlos beichten können. Das aber ist mehr als scheinheilig, denn wie ein Hamburger Nachrichtenmagazin ebenfalls vermeldet, am Montag melden zu wollen, wusste Siemens bereits seit fast einem Jahr von den Korruptionsvorwürfen, ohne etwas zu unternehmen. Dieses Versäumnis mussten daher über 270 Polizisten, Staatsanwälte und Steuerfahnder ausbügeln mit einer Razzia in der Siemens-Zentrale und 30 weiteren Siemens-Läden. Die Süddeutsche Zeitung war auch näher dran und folgte der Spur des Geldes bis auf die karibischen Virgin Islands zu ominösen Handelsfirmen, bei deren Namenswahl wie etwa "Eagle Invest" die Siemens-Manager mal richtig viel Phantasie entwickelten. Zwischenstationen waren unter anderem amerikanische Beraterfirmen namens Weavind und Prom Export sowie eine österreichische Krhoma Handels GmbH. Von dort ging es vermutlich über Offshore-Firmen retour zu Schweizer Banken. Im Mittelpunkt des undurchsichtigen Finanzsystems, das angeblich für Schmiergeldzahlungen in aller Welt eingerichtet wurde, stand ausgerechnet die Siemens-Sparte Com, die weltweit Datennetze aufbaut und ganze Staaten verkabelt. Sie gilt als "Konzern im Konzern" mit einem Jahresumsatz von 87 Milliarden Euro. Auch der heutige Konzernchef Klaus Kleinfeld wird Fragen der Staatsanwälte zu beantworten haben. Er betreute bei Siemens 2004 das Kommunikationsgeschäft und war für die von den Ermittlungen betroffene Festnetzsparte zuständig.
Aus: "Siemens: Schmiergeld-Millionen jetzt schon dreistellig" von Bernd Kling (18 November 2006) Quelle: http://de.theinquirer.net/2006/11/18/siemens_schmiergeldmillionen_j.html-.- [...] In einem Anfang Oktober veröffentlichten Ranking der Schmiergeldzahler unter den 30 führenden Exportnationen landete Deutschland auf dem siebten Platz der "saubersten Nationen".
Damals lobte der Vorsitzende von TI Deutschland, Hansjörg Elshorst, die deutsche Ehrlichkeit noch: "Man muss nicht Weltmeister im Schmieren sein, um sich auf immer stärker umkämpften Märkten als Exportweltmeister zu halten." Dass es aber auch die deutschen Unternehmen mit der Aufrichtigkeit nicht immer ganz genau nehmen, zeigen die aktuellen Untersuchungen in den Siemens-Standorten exemplarisch.
Ein Überblick über die Skandale der letzten Jahre...
* Siemens
* Volkswagen
* Porsche
* BMW
* DaimlerChrysler
* Philips
* Heros
* Rewe
Aus: "Wie Deutschlands Konzerne schmieren" von Susanne Amann (ftd.de, 20.11.2006) Quelle: http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/133501.html-.- [...] Als 2002 die Gefahr bestanden habe, dass schwarze Kassen in Österreich enttarnt werden könnten, habe eine dieser beiden Führungskräfte intern mitgeteilt, man müsse sich ein anderes Modell überlegen.
[...] Kunert sagte [ ], man könne nicht ausschließen, dass so etwas auch bei anderen Unternehmen vorgekommen sei oder noch vorkomme. "Es ist zumindest befremdlich, dass jetzt nach VW mit Siemens der zweite große Dax Konzern in interne Korruptionsaffären verwickelt worden ist. Da stellt sich die Frage durchaus, inwiefern die internen Kontrollmechanismen der Unternehmen greifen, um so etwas früh zu erkennen"...
Aus: "SIEMENS-FINANZAFFÄRE: Auch Korruptionsjäger sollen verstrickt sein" (27. November 2006) Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,450799,00.html-.- [...] Laut "Spiegel" soll "eine verschworene Managertruppe" mindestens 200 Mio. Euro abgezweigt haben - Pierer und Kleinfeld wollen kompromisslos aufklären. Der Korruptionsskandal bei Siemens war angeblich bis in die höchsten Kreise des Konzerns bekannt. Laut "Süddeutscher Zeitung" soll ein in U-Haft sitzender Beschuldigter ausgesagt haben, dass ein führendes Mitglied des Konzerns die Korruptionspraxis gekannt habe. Weder Siemens noch die Staatsanwaltschaft München I nahmen am Wochenende dazu Stellung. Unterdessen berichtete der "Spiegel", angeblich habe "eine verschworene Managertruppe mindestens 200 Mio. Euro aus der Kommunikationssparte des Konzerns abgezweigt".
Aus: "Konzern-Spitze bei Siemens soll von Korruption gewusst haben" (27. November 2006) Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=2675004-.- [...] In den Skandal um Schmier– und Schwarzgelder beim Elektronikkonzern Siemens soll auch die eigens für Korruptionsbekämpfung eingerichtete Abteilung Compliance verwickelt sein: Mehr als 30 Beschäftigte der Abteilung sollen vom angeblichen Schwarzgeldsystem gewusst haben, berichtete die «Süddeutsche Zeitung». Das Blatt beruft sich auf Aussagen zweier in Untersuchungshaft sitzende langjährige Mitarbeiter, die demnach Schwarze Kassen in der Schweiz und Österreich betreuten. Die Gelder sollen vor allem über leitende Angestellte geflossen sein, die jeweils für bestimmte Regionen wie Naher Osten, Afrika oder Amerika zum Teil als Vertriebschef zuständige waren.
Einer der beiden Untersuchungshäftlinge soll laut «SZ» bei den Vernehmungen ausgesagt haben, zwei Führungskräfte der Abteilung Compliance seien nicht nur über die Existenz der Schwarzgeldkonten informiert gewesen. Sie hätten darüber hinaus auch versucht, die Vorgänge zu vertuschen. Die Abteilung Compliance hat die Aufgabe, Gesetzesverstöße zu verhindern oder zu bekämpfen und Ethikrichtlinien zu schaffen. Ähnliche Abteilungen existieren auch in anderen großen und mittelständischen Unternehmen.
Aus: "Bestechungen hießen bei Siemens Provisionen" (nz; 27.11.2006) Quelle: http://www.netzeitung.de/wirtschaft/unternehmen/455511.html-.- [...] Mit Sarkasmus kommentiert der Mitarbeiter den Verdacht, es handle sich um ein ganzes System schwarzer Kassen: "Wenn Siemens etwas macht, dann richtig und systematisch."
„Korruption gehört zum Geschäft“
Siemens ist mit 475.000 Mitarbeitern nahezu in der ganzen Welt tätig. Aufsichtsratsvorsitzender Heinrich von Pierer sagt stets mit Stolz, nur Coca-Cola sei in noch mehr Ländern präsent. Im vergangenen Geschäftsjahr, das am 30. September endete, erzielte der Konzern mehr als 80 Prozent des Umsatzes im Ausland. Seit langem sind die Wachstumsraten außerhalb Deutschlands viel höher: Zuletzt stieg der Auftragseingang im internationalen Geschäft um 18 Prozent, der Umsatz um 19 Prozent.
"Globalisierung ist Globalisierung und kennt keine Moral", schreibt Wigand Cramer von der IG Metall in einem Kommentar auf der Internetseite "Siemens Dialog" der Gewerkschaft. "Da bleiben die Hände nun mal nicht sauber." Den Medien wirft er Scheinheiligkeit vor: "Allgemeine Empörung über einen ganz normalen Vorgang." Das Ziel, doppelt so schnell zu wachsen wie die Weltwirtschaft, erreiche Siemens nur mit Geschäften in Schwellenländern wie China, Indien, Indonesien und Rußland - am besten mit Projekten industrieller Infrastruktur. "Jeder weiß, daß das sowohl geographisch als auch von den Zielkunden her die Bereiche sind, in denen Korruption nun mal zum Geschäft gehört."
Im Siemens-Management wird zumindest angedeutet, daß die Methoden, mit denen lokale Partner in manchen Ländern für den Konzern tätig seien, nicht hinterfragt würden. In der Sportartikelindustrie haben sich Hersteller längst verpflichtet, daß auch ihre Partner in Entwicklungsländern, zum Beispiel Auftragsfertiger, Sozialstandards einhalten. Ethikstandards für Geschäftspartner von Siemens gibt es dagegen offenbar nicht. "Da wird dann eine Rechnung an Siemens für Beratungsleistungen ausgestellt", berichtet ein ehemaliger Mitarbeiter. "Und jeder weiß, was dahintersteckt." Bis 1999 konnten deutsche Unternehmen solche Arten von Beratung sogar als "nützliche Aufwendungen" von der Steuer absetzen.
Für wenig glaubwürdig hält deshalb ein Mitarbeiter von Com die Reaktion seines spanischen Bereichschefs Eduardo Montes, der auch im Vorstand der Siemens AG sitzt. Montes habe seinen Mitarbeitern geschrieben, die Affäre und die Ermittlungen träfen ihn bis ins Mark. "Besser wäre von ihm gewesen, gar nichts dazu zu sagen."
Aus: "Wirtschaftskriminalität: „Globalisierung kennt keine Moral“" Von Joachim Herr (27. November 2006) Quelle: http://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~EEA1BA53CC1A4440883989374665B2788~ATpl~Ecommon~Scontent.html
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« Last Edit: November 28, 2006, 11:32:16 AM by Textaris(txt*bot) »
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Textaris(txt*bot)
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« Reply #29 on: November 21, 2006, 10:01:51 AM » |
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Leuna-Affäre: http://de.wikipedia.org/wiki/Leuna-Aff%C3%A4re-.- [...] BRÜSSEL Es war nur eine kleine Frage. Aber sie scheuchte gestern die EU-Kommission auf: Wird der größte Wirtschaftskrimi der Nachkriegsgeschichte, die Affäre um den Bau der Leuna-Raffinerie durch den damaligen Betreiber, den französischen Konzern Elf-Aquitaine, wieder aufgerollt? Morgens hieß es noch "Wir sehen keinen Anlass dafür." Am Nachmittag teilte eine Sprecherin von Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes mit: "Wir haben Informationen angefordert."
Im deutschen Nach-Wende-Jahr 1992 beginnt das, was sich später zur Affäre ausweiten sollte. Der französische Mineralölkonzern Elf-Aquitaine hatte angekündigt, 3,4 Milliarden Mark in den Bau einer neuen Raffinerie zu stecken. Dafür gab es Subventionen aus Brüssel – 550 Millionen Euro. Scharen von EU-Ermittlern und Staatsanwälten gingen später den Vorwürfen nach, es sei zu Subventionsbetrug gekommen. Doch als 2002 der damalige Wettbewerbskommissar Karel van Miert die Akten schloss, hieß es, Hinweise auf eine "missbräuchliche Verwendung von Beihilfen beim Bau der Raffinerie" habe es nicht gegeben. War der Satz falsch?
Journalisten der Zeitung "Die Zeit" haben den pensionierten van Miert jetzt mit neuen Unterlagen konfrontiert. "Wenn wir das damals gehabt hätten, wäre die Sache anders ausgegangen", sagt er heute. Denn die Recherchen besagen: Elf und der deutsche Thyssen-Konzern haben die überhöht angesetzten Baukosten indirekt über ihre Tochterfirmen Technip und Thyssen-Reinstahl kassiert. Diese beiden Firmen bildeten damals gemeinsam mit dem Anlagenbauer Lurgi das TLT-Konsortium, dass die Raffinerie im Süden Sachsen-Anhalts von 1994 bis 1998 errichtete. Die zitierten Dokumente belegen die Manipulation der Baukosten. Die französischen Elf-Manager hätten die Summen für die Errichtung um 350 Millionen Euro nach oben korrigiert, was zu einer völlig unüblichen Rendite "von bis zu 20 Prozent" geführt habe, so ein Augenzeuge. Der Knackpunkt: Damals wurden die Finanzübersichten des Konsortiums den Ermittlern vorenthalten. Nun liegen sie vor.
Aus: "Frisierte Renditen: Neue Erkenntnisse zur Leuna-Affäre: Rollt die EU den Fall wieder auf?" (21.11.2006) Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/10821723/492531/
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« Last Edit: July 02, 2007, 08:53:11 AM by Textaris(txt*bot) »
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