COMMUNICATIONS LASER #17
May 18, 2012, 05:27:27 AM *
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Author Topic: [Aspekte von Macht... ]  (Read 8822 times)
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« Reply #15 on: November 21, 2006, 11:42:36 AM »

Quote
[...] Die Zerstörung der Autorität sei die nachhaltigste Folge [von 1968], schreibt [Schönbohm] in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". "Das zu korrigieren wird nicht einfach sein", unterstrich er. Die "leider mehrfach erstickte Diskussion über eine Leitkultur" hätte wichtige Impulse zur Bewältigung dieser Aufgabe geben können.

Kaum etwas gebe der deutschen Gesellschaft in ihrer Gesamtheit mehr Halt, so der Politiker. Leistung, Fleiß, Disziplin und Ordnung seien "zu belächelten Begriffen verkommen". Vaterlandsliebe sei verpönt, die Familie "zu einer nach allen Seiten hin offenen Lebensgemeinschaft mutiert". Religion und Glaube würden im täglichen Leben kaum noch erwähnt und respektiert.

-.-

Quote
[...] Autor: Ulenspiegel / Datum: 20.11.06 04:27
Ein Spiesser will wieder zurück in die Fünfziger (II)
[...] Man kennt das ja aus der Bausparwerbung, wie sehr die Töchter anderer Väter darauf abfahren!

-.-

Quote
[...] Autor: jakobiner / Datum: 20.11.06 01:18
Der ''Punkt ohne Rückkehr'' ist lange überschritten ...
und alle abgewirtschafteten Blockflöten-Parteien nach 45 haben den vielstimmigen babylonischen Abgesang über preußische Tugende, Werte und Maßstäbe mit lautem Missklang, aber ''politisch korrekt'' vorgetragen und sind nun lange schon im neudeutschen Absurdistan angekommen!

-.-

Quote
[...] Autor: Atze007 / Datum: 19.11.06 17:07
ein Spiesser will wieder zurück in die Fünfziger
Ja das waren noch ganz tolle Zeiten, als Altnazis und ein auf seinem Stuhl festklebender Bundeskanzler sich gegenseitig die Tür aufhielten.
Ja da müssen wir unbedingt wieder hin.
Diese langhaarigen Linken gehörten ja schon immer alle in ein Arbeitslager
und überhaupt sollten alle Halbstarken unbedingt zum Bund, da gibt es Zucht und Ordnung.
Und davon kann man als ordentlicher Deutscher ja nicht genug haben.

-.-



Quote
Autor: Susumu / Datum: 21.11.06 10:29
Orientierung verloren.....
[...] Eher scheint mir, dass dieser Mann seine eigene Lebenswirklichkeit zu beschreiben versucht. Dass die Gesellschaft, in ihrer ethischen Entwicklung der technologischen hinterherhinkt wissen wir alle. Und dass sie sich weiterentwickelt und sich im stetigen Wandel befindet, sollte eigentlich jedem klar sein, der seinen Kindern die Möglichkeit bietet, sich in jede erdenkliche Richtung zu entwickeln und zu wachsen. Denn nur freie Menschen achten, respektieren, tolerieren und führen ihre Auseinandersetzungen mit wahrhaftigen aufrichtigen Worten.

Herr Schönbohm!
Sie sind dazu schon lange nicht mehr in der Lage, und wollen uns, die wir mit beiden Beinen im Leben stehen, belehren??
Herr Schönbohm, sie sind mehr als lächerlich!



Aus: "Folgen von 1968: Schönbohm: Deutsche Gesellschaft ist orientierungslos" (19.11.2006)
Quelle: http://www.rp-online.de/public/comments/index/aktuelles/politik/deutschland/377720?skip=15
« Last Edit: November 22, 2006, 12:25:28 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #16 on: November 21, 2006, 12:04:47 PM »

[...] Diskurs und die Praxis von Ordnung und Disziplin. Die Ironie...

[...] Eine Gesellschaft, in der eine starke Polizei für Sicherheit und Ordnung sorgt...

[...] und unmotivierten Schüler wurden zu Fleiß, Disziplin und Leistungsbereitschaft erzogen...

[...] Mehr Leistung, mehr Wettbewerb, Aufwertung der Sekundärtugenden wie Fleiß, Disziplin, Pünktlichkeit und Ordnung sollen...

[...] Härte, Disziplin, Strafe, Ordnung, Unterordnung für Leistung, Anerkennung und Liebe...

[...] Industrielle Arbeits- und Sekundärtugenden wie Fleiß, Disziplin, die Bereitschaft...

[...] Werte wie Treue, Leistung, Fleiß, Disziplin u.a. (die sogenannten Pflichtwerte) sind neu gefragt und stehen durchaus wieder hoch im Kurs...

[...] Disziplin, Planung, Ordnung, Pünktlichkeit, Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Fleiß, oft erkauft um den Preis der Verbissenheit, Verdrossenheit und einer...

[...] Bloß weil sie sich als politisch missbrauchbar erwiesen haben, wäre es ein schwerer Irrtum, Fleiß,. Disziplin und Ordnung als veraltert abzutun....

[...] Wiederbelebung traditioneller Werte wie Disziplin, Fleiß, Ordnung, Anstand und Ehre...

[...] Diesen Erfolg hat man sich durch Ehrgeiz, Fleiß und Disziplin hart erarbeitet...

[...] In unserer globalen Welt bedingt Leistung neben Tugenden wie Fleiß, Disziplin, Ordnung...

[...] so mehr Leistung wir zeigen, um so größer wird der Respekt sein...

[...] "Disziplin", "Gehorsam", "Leistung", "Ordnung", "Pflichterfüllung", "Treue", "Unterordnung", "Fleiß", "Bescheidenheit"...

[...] Vorstellungen von Fleiß, Disziplin und Ordnung wurden zur Kontrastfolie für den stigmatisierten Müßiggang...

[...] Fleiß, Disziplin, Ordnung, Eigeninitiative und Zielstrebigkeit...

[...] Hartnäckigkeit. Effizienz. Ordnung. Präzision. Gerechtigkeit. Disziplin. Pflicht. Logik. Funktionalität. Status. Elite. Ehre. Macht. Ruhm. Stolz. Leistung...

[...] Treue, Fleiß, Pünktlichkeit, Höflichkeit, Anpassungsbereit-. schaft, Disziplin, Ordnung, Leistung, Opfer etc...

[...] ein Ende der Diskriminierung der Werte Fleiß, Disziplin, Zuverlässigkeit, Ordnung, Pünktlichkeit, Verzicht, Treue und Leistung sowie eine Relativierung...

[...] Und eines braucht Erziehung besonders: ein Ende der Diskriminierung der Werte Fleiß, Disziplin, Zuverlässigkeit, Ordnung, Pünktlichkeit, Verzicht...

[...] Grundwerte - u.a. die „alten Tugenden“ Fleiss, Disziplin und Ordnung...

[...] Sie können mit „Sekundärtugenden“ wie Disziplin, Ordnung, Sauberkeit und Fleiß selber nichts anfangen. Wehe aber, wenn sie als Kunden auf eigene Kosten...

[...] Es geht um mehr Leistung - anstelle von mehr Gleichmacherei. Wir kämpfen um jede Stimme, weil wir wollen Disziplin, Fleiß und Ordnung...

[...] Begriffe wie Ordnung, Fleiß oder Aufmerksamkeit seien schwer zu definieren und nur an...

[...] Mehr an Leistung durch Belohnung...

[...] Einordnung. ins Kollektiv...

[...] Fleiß Ordnung Disziplin - damit haben wir es weit gebracht, bis vor Stalingra...

[...] berechnet sich also nach der Leistung der menschlichen Arbeitskraft pro Zeiteinheit...

[...] Der Leitantrag listet auf: Fleiß, Ehrgeiz, Ordnung, Disziplin, Höflichkeit, Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Pflichtbewusstsein und - erfüllung...

[...] Am Arbeitsplatz sollen Disziplin und Ordnung herrschen. Sie geben Ihr Bestes...

[...] Christoph von Dohnányi: Wenn man Musiker ist und nicht an Ordnung und Disziplin glaubt...

[...] Mittelschicht: Fleiß, Ordnung, Disziplin und Mäßigung.

etc.
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« Reply #17 on: November 21, 2006, 12:20:46 PM »

[...] Ist es nicht die Psyche die ein solches Machtgefälle gestattet?...

[...] Dieses Machtgefälle führt zur unterschiedlichen Bewertung von...

[...] Rollenverteilungen mit Machtgefälle. Spiele mit Macht beinhalten typischerweise...

[...] Zentrale Merkmale: Machtgefälle und fehlende Freiwilligkeit...

[...] Dass es in vielen Situationen ein Machtgefälle gibt, steht ebenso ausser Frage...

[...] Dieses Machtgefälle birgt in sich viele Gefahren, für beide Seiten. Eine essentielle Frage...

[...] Der Kern vieler Rollenspiele ist ein künstlich erzeugtes Machtgefälle...

[...] Wie läßt sich das Machtgefälle zwischen Sender und Empfänger politisieren?

[...] um ihre Phantasien zu einem Machtgefälle auszuleben, welches erotisierend für sie ist...

[...] Kennzeichnend für sexuellen Missbrauch ist ein Machtgefälle zwischen Täter und...

[...] Im Begriff der Abhängigkeit wird schon ein Machtgefälle angedeutet...

[...] Es geht darum, im Bewußtsein der Differenzen und der Machtgefälle, Raum zu schaffen und...

[...] ein sekundäres Machtgefälle innerhalb der Arbeitnehmerschaft, welches das primäre Machtgefälle überlagert und...

[...] Eine weitere Bedingung für die Existenz von Rassismus ist das Machtgefälle zwischen Tätern und Opfern. Rassismus ist daher ein...

[...] Die Distanz entsteht nicht zwingend aus dem Machtgefälle...

[...] Hier entsteht ein ausgesprochenes Machtgefälle zwischen Diagnostiker und Proband...

[...] sie profitieren von diesem sozialen und ökonomischen Machtgefälle...

[...] Das Machtgefälle in der Institution ist total: Zwangsmedikamentierung, oft stundenlange Fixierung ans Bett oder...

[...] Das Machtgefälle hält die Erinnerung an ihre erlebte Ohnmacht fest und...

[...] Zweitens wird verheimlicht, dass die internationalen Finanzmärkte durch das Machtgefälle zwischen institutionellen Großanlegern, insbesondere den...

[...] das 'strategische Machtgefälle' in der Konsumgüterdistribution...

[...] Das Machtgefälle eliminieren können wir nicht. Da würden wir uns etwas vormachen...

[...] Das Machtgefälle und die Art und Weise der Kontrolle...


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« Reply #18 on: November 22, 2006, 12:22:57 PM »

[...] Das Hinterfragen der Aussagen von Höhergestellten oder sogenannten Autoritäten ist für Sie vermutlich keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Lernprozeß...

[...] scheint das Hinterfragen sämtlicher Autoritäten und Geltungsansprüche so weit vorangeschritten zu sein, daß kaum mehr allgemeinverbindliche Werte gelten und...

[...] Antiautoritäre Erziehung stellt alle überlieferten Werte und Autoritäten in Frage und...

[...] Ruf nach mehr Disziplin: So wird Autorität in der Erziehung wieder salonfähig...

[...] Die göttliche Autorität oder das einzigartige Wissen der Führungspersönlichkeit sind endgültig, es gibt nichts mehr zu hinterfragen, das letzte Wort ist...

[...] Die Norm des Gehorsams gegenüber Autoritäten...

[...] mächtige Hierarchien und Autoritäten zu hinterfragen, Transparenz in allen Bereichen, die über Leben und Tod zu entscheiden haben...

[...] So eingeschüchtert und unsicher kommt man gar nicht erst auf den Gedanken, „Autoritäten“ zu hinterfragen oder sich gar gegen sie...

[...] genauer zuhören, Phrasen hinterfragen...

[...] ...dass es eine Wahrheit gibt, die nicht zu hinterfragen ist?

[...] Die Sache mit der Autorität hatte zwei Seiten...

[...] So funktionieren Sekten, so funktioniert Unmündigkeit, so funktionieren religiöse Autoritäten Hinterfragen ist unerwünscht...

[...] Um sich vom konventionellen Niveau des Moralbewusstseins zu lösen, ist es wichtig, moralische Normen zu hinterfragen und nicht blind Autoritäten zu folgen...

[...] P-Typen hinterfragen eher Autoritäten, J-Typen eher Werte und Normen...

[...] Ist dieses Hinterfragen von Autoritäten bei Mozart ein zentrales Thema? Absolut...

[...] Es funktioniert so gut, weil man oft zu faul ist, solche Autoritäten zu hinterfragen...

[...] lautes Gejammere, daß den armen Jungmachos nie fremde Autoritäten Grenzen aufzeigen...

[...] Dank Kant ist Kritik ein Synonym für das metaphysische Hinterfragen der...

[...] Descartes suchte nach einer absoluten geistigen Autorität...

[...] Ich vermute, Du wolltest darauf hinweisen, dass man auch scheinbare Autoritäten kritisch überprüfen und hinterfragen soll, und dass auch die vermuteten...

[...] Die Begriffe Pluralisierung und Autorität bilden in ihrer Gegenüberstellung...

[...] denn hinter dem Schein liegt die Wahrheit...


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« Reply #19 on: December 02, 2006, 12:19:25 PM »

Quote
[...] Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA habe auch Generalbundesanwalt Kay Nehm nach Besprechungen im Bundeskanzleramt genaue Vorgaben erhalten, «wann er im Zuge seiner Recherchen welchen Anfangsverdacht wie zu bejahen hat», schreibt das Magazin. Nach Darstellung von Eingeweihten habe Nehm sich dies gefallen lassen, «weil ihm die Abberufung drohte».

Zwar kämen derart krasse Eingriffe in die Unabhängigkeit der Justiz im Alltag kaum vor, räumt laut «Spiegel» auch Frank ein. Doch «gerade weil immer das Weisungsrecht im Raum steht, kann informell relativ viel Einfluss genommen werden», klagte der DRB-Vizechef: Durch «Prüfbitten», «Empfehlungen» und «Ratschläge» sowie Verweigerung von Personal hätten Minister viele subtile Möglichkeiten, ihre Wünsche auch ohne direkten Eingriff durchzusetzen. (nz)


Aus: "Richterbund will Einfluss der Politik auf Staatsanwälte eindämmen" - Der Richterbund hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, um Staatsanwälte von der Politik unabhängiger zu machen. Das Weisungsrecht der Justizminister soll entfallen (nz; 09. Aug 2003)
Quelle: http://www.netzeitung.de/deutschland/250395.html



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« Reply #20 on: January 11, 2007, 11:37:38 AM »

Quote
[...] Berlin (AP) Beim G-8-Gipfel in Heiligendamm werden im Juni mehr als 10.000 Polizisten aus allen Bundesländern im Einsatz sein. Die Stärke der Polizeitruppe werde sich im fünfstelligen Bereich bewegen, sagte der neue Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Berlins Innensenator Ehrhart Körting, am Mittwoch in Berlin. «Ich hoffe, dass wir das genauso erfolgreich hinter uns bringen wie die Fußball-Weltmeisterschaft.»


Aus: "Mehr als 10.000 Polizisten beim G-8-Gipfel im Einsatz" (Mittwoch 10. Januar 2007, 13:38 Uhr)
Quelle: http://de.news.yahoo.com/10012007/12/10-000-polizisten-g-8-gipfel-einsatz.html

-.-

Quote
[...] Fünf Monate vor dem G-8-Gipfel im mecklenburgischen Ostseebad Heiligendamm hat der Bau des 12,5 Millionen Euro teuren Sicherheitszaunes um den Tagungsort begonnen. Mit einer Länge von mehr als zwölf Kilometern soll er das Nobelbad halbkreisförmig bis an den Strand abriegeln und die Staats- und Regierungschefs der G-8-Nationen bei ihrem Treffen im Juni schützen.

 Heiligendamm - Der 2,50 Meter hohe Bau aus Stahlgittern auf Betonelementen soll Ende April fertig sein. Der Zaun wird mit Stacheldraht umwickelt, und soll auch Kletterversuchen widerstehen, zusätzliche Kameras und Bewegungsmelder alarmieren die Polizei über Eindringlinge. Nach dem G-8-Treffen wird der Zaun wieder abgebaut. Globalisierungsgegner hatten im Dezember einen Farbanschlag auf die Tagungsstätte verübt, der Verfassungsschutz rechnet mit weiteren Aktionen.

Das Gebiet von Heiligendamm wird nach Ankündigung der Polizei-Sonderkommission „Kavala“ für die Zeit des G-8-Gipfels in eine äußere und eine innere Sicherheitszonen eingeteilt. Die innere Sicherheitszone umfasst dabei die G-8-Tagungstätte, also die Gebäude des Grand Hotels und das dazugehörige Gelände. Dort ist das Bundeskriminalamt zuständig, und das Betreten wird nur Gipfelteilnehmern sowie Personal gestattet. Die äußere Sicherheitszone umfasst den gesamte Ort Heiligendamm. Sie wird begrenzt vom neuen Sicherheitszaun. Über zwei Kontrollstellen sollen Ortsansässige, Grundstückseigentümer, Postboten oder angemeldete Besucher die äußere Sicherheitszone betreten.


Aus: "G8-Gipfel: Baubeginn für millionenteuren Sicherheitszaun" (15.01.2007)
Quelle: http://www.welt.de/data/2007/01/15/1178250.html

« Last Edit: January 16, 2007, 12:57:25 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #21 on: January 30, 2007, 08:44:22 AM »

Quote
[...] Siegfried Berger, nach dem heute um 14 Uhr die Straße 244 im Köpenicker Ortsteil Wendenschloss benannt wird, muss ein mutiger, politisch motivierter und standhafter Mensch gewesen sein.

Er ist 35 Jahre alt, als ihn seine Kollegen vom RFT-Funkwerk Köpenick auffordern, eine Belegschaftsversammlung zu leiten. Es ist der Morgen des 17. Juni 1953. Die Stimmung ist aufgeladen, fast revolutionär. 2000 Funkwerker unterbrechen ihre Produktion, beschließen, zu streiken und in die Stadtmitte „zur Regierung“ zu marschieren. Berger als Versammlungsleiter formuliert drei Ziele und lässt darüber abstimmen. Erstens: Rücktritt der Regierung. Zweitens: freie und geheime Wahlen. Drittens: Wiedervereinigung Berlins und Deutschlands. Berger marschiert in der ersten Reihe, sie rufen: „Ulbricht, Pieck und Grotewohl – dass euch drei der Teufel hol.“

Dann wird der Zug auf der Warschauer Straße aufgehalten, seit 13 Uhr gilt der Ausnahmezustand. „Hier kam uns eine größere Zahl von Volkspolizisten mit ihren Gewehren im Anschlag entgegen“, schreibt er später. „Als die Polizisten uns ihre Gewehrläufe auf die Brust drückten und riefen: ,Zurück, oder wir schießen!’, kam der Zug langsam zum Halten. Langsam bewegte sich die Masse hinter uns zurück. Als die Entfernung zur Polizistenkette etwa gut 50 m betrug, schossen sie doch. Wir hatten etwa drei bis fünf Verletzte, die wir alle mit in den Westsektor nehmen konnten.“

Berger geht nach Hause und wird am 20. Juni abgeholt. Die Staatsmacht verübelt ihm, dass er nicht wie einst sein Vater in die KPD, sondern in die SPD eingetreten war. Seine Begründung: „Ich wollte keiner neuen Diktatur dienen.“ Er wohnte im Römerweg 40 in Karlshorst, arbeitete in Köpenick, war Mitglied der SPD in Neukölln. Berger wird, wie es im Urteil eines sowjetischen Militärtribunals heißt, „wegen Antisowjethetze“ und „Widerstand gegen die Staatsgewalt“ zu sieben Jahren Arbeitslager verurteilt. Er schreibt unter das Papier: „Ich nehme das Urteil nicht an.“

Im Jahre 1955 wird er aus dem berüchtigten Arbeitslager Workuta nach einer Intervention der Bundesregierung entlassen und 1996 von den russischen Behörden als „Opfer politischer Repression“ rehabilitiert. Siegfried Berger lebte danach in Hamburg und Kiel, wo er heute vor fünf Jahren starb. Mit der Zeremonie in Köpenick wird zum ersten Mal eine Berliner Straße nach einem Opfer des 17. Juni benannt – mehr als 53 Jahre nach dem historischen Aufstand.


Aus: "Ehrung für ein Opfer des 17. Juni" (29.01.2007)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/archiv/29.01.2007/3046958.asp

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« Reply #22 on: January 31, 2007, 12:14:33 PM »

Quote
[...] Sie seien gedrängt worden, Begriffe wie «Klimawandel» oder «Erderwärmung» aus ihren Texten zu entfernen, betonte ein Sprecher des Verbands besorgter Wissenschaftler bei einer Anhörung im Kongress. Kontakte zu den Medien seien streng reglementiert worden.


Aus: "USA zensierten Berichte über Klimawandel" - «Klimawandel» und «Erderwärmung» sollen für amerikanische Wissenschaftler verbotene Begriffe gewesen sein. Bei einer Anhörung im Kongress beschwerte sich der Verband besorgter Wissenschaftler über die Zensur (NZ; 30. Jan. 2007)
Quelle: http://www.netzeitung.de/ausland/515527.html
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« Reply #23 on: February 26, 2007, 02:05:10 PM »

Quote
[...] Overys Geschichte Hitlers und Stalins soll eine "Geschichte ihres Lebens
und ihrer Zeit" sein; sie soll den "Hintergrund der Gesellschaften"
beleuchten, "denen sie ihren Aufstieg verdankten", und jenen "Kräften
nachgehen, von denen die Diktatur zusammengehalten wurde - jenseits
des Klischees eines allmächtigen Diktators"
(10). Sein Buch will damit
"eine empirische Grundlage für jede Erörterung der Frage [liefern], was
die Ähnlichkeiten und Unterschiede der beiden Systeme ausmacht[e]"
und "eine komparative 'operative' Geschichte der beiden Systeme"
vorlegen, "um die umfassende historische Frage beantworten zu können,
auf welche Weise eine persönliche Diktatur eigentlich funktionierte (18).
Für den Autor sind die Unterschiede nicht weniger auffällig als die
Gemeinsamkeiten. Die beiden Systeme gleichzusetzen, liegt ihm fern.

Doch "einige Bereiche einer Konvergenz" scheinen ihm "deutlich
sichtbar". Zu ihnen gehörte die hier wie da in extremer Form vertretene
"Idee vom 'Übermenschen'", das praktische Vorgehen "im Aufbau eines
staatlichen Sicherheitsapparates
, der Errichtung von Konzentrationslagern
in großem Maßstab, der vollständigen Kontrolle über die kulturelle
Produktion
und der Errichtung einer sozialen Utopie auf einem Berg von
Leichen" (18). Dies alles geschah, so Overy, auf dem Boden eines
verbreiteten Einverständnisses zwischen Herrschern und Beherrschten,
unter der Betonung der Legitimität ihres Handelns; denn ein Großteil der
Bevölkerung folgte den Diktatoren dabei, akzeptierte ihre Herrschaft und
war zur Zusammenarbeit bereit (19).


[...] Damit sollen beide Systeme weder entschuldet noch gleichgesetzt
werden. Manches, vieles erscheint im Einzelnen wie in den monströsen
Ausmaßen nach wie vor als unbegreiflich, und die Unterschiede bleiben,
bei den Protagonisten, der Partei und den von ihnen beherrschten
Ländern. Wien, München und Berlin waren nun mal nicht Tiflis, Baku, das
sibirische Kurejka und Moskau, und Staat, Wirtschaft und Gesellschaft in
Deutschland sind mit den russischen Verhältnissen nicht in eins zu setzen.
Auch der Grundunterschied, dass sich die Stalinsche Revolution der
forcierten Schwerindustrialisierung, Zwangskollektivierung und kulturellen
Gleichschaltung unter ganz anderen Voraussetzungen und gegen den
erkennbaren Willen der Mehrheit der Bevölkerung (der Bauern, der
kleinen Gewerbetreibenden, der nichtrussischen Völker an der Peripherie)
vollzog, bleibt. Man mag, wie Overy, 1928 und 1934 als Wendepunkte,
Gregor Strasser als Hitlers Bucharin und Poskrebyschew als Stalins
Bormann bezeichnen (64, 116), wichtiger scheint mir, dass der Terror in
Russland, anders als Overy meint (123 f.), auch den innersten Zirkel der
Parteielite berührte (er kostete nicht nur den Opponenten im Politbüro
das Leben, er löschte die Familie von Stalins erster Frau Swanidse
weitgehend aus, brachte die Frauen Molotows und Kalinins in den GULAG,
die junge Frau Poskrebyschews vor ein Erschießungskommando, trieb
Ordschonikidse und den Bruder von Kaganowitsch in den Selbstmord, und
auch die Organisatoren des Terrors, die Volkskommissare Jagoda und
Jeschow, kamen in ihm um). Ob es analytisch weiterführt, mit Overy (23
f.) den "großen Terror" von 1937/38 als "historische Konstruktion" zu
sehen (Jahren, in denen vom NKWD nachweislich 1.575.000 Menschen
verhaftet, 1.345.000 abgeurteilt, 681.692 hingerichtet wurden), weil er
aus mehreren Komponenten bestanden habe, scheint fraglich; mit dieser
Logik würden uns rasch die meisten Begriff verloren gehen, auch der der
"Revolution".

[...] Doch wichtiger als alle Einzelkritik, die hier nicht fortgesetzt werden soll,
erscheint mir das grundsätzliche Problem: Fehlen der Interpretation die
großen Koordinaten der historischen Einordnung und der Begrifflichkeit
ein mehr oder minder stringentes Konzept, so wird ein überzeugender
Systemvergleich schwierig. Im vorliegenden Fall gerät er eher zu einer
noch vorläufigen Stoffsammlung, die das riesige Material nach gewissen
Stichworten zusammengestellt hat, der die letzte Überzeugungskraft
fehlt.


Aus: "Richard Overy: Die Diktatoren. Hitlers Deutschland, Stalins
Rußland. Aus dem Englischen von Udo Rennert und Karl Heinz
Siber, München: DVA 2005, 1023 S., 32 s/w-Abb., 6 Karten, ISBN
3-421-05466-5, EUR 48,00" (Rezensiert von: Helmut Altrichter
Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte, Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg)
Quelle: http://www.sehepunkte.de/2006/01/pdf/8936.pdf

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« Reply #24 on: April 24, 2007, 12:38:28 PM »

Quote
[...] Politische Macht und staatliches Handeln ist, so wurde oft betont, zu einem guten Teil symbolisches
Handeln (Edelman 1976, Pross 1974). Gesellschaftliche und politische Wirklichkeit
(und damit zugleich auch die historische) wird bestimmt durch die in einer Gesellschaft geltenden
Möglichkeiten, mittels der Bedeutungen sprachlicher Ausdrücke intersubjektiv gültigen
Sinn zu konstituieren. Kommunikative Sinnrealisierung, d.h. sprachliches Handeln, entscheidet
mit darüber, welche Sachverhalte gesellschaftlich existent sind und wie sie sprachlich
dargestellt werden.

[...] Die Besonderheit politischen Sprachgebrauchs und der Charakteristik
des durch ihn gesteuerten Wirklichkeitsverständnisses
ist es, daß der ideologische Charakter der Wirklichkeitsdeutungen in politischen Sinnzusammenhängen
offener zutage liegt als in anderen Bereichen gesellschaftlicher Wirklichkeitserfahrung.
(Dies führt zu der bekannten Denunziation vieler politischer Begriffe als
"Leerformeln", auf deren Unsinnigkeit ich hier nicht näher eingehen will.) Dabei ist es die
Eigentümlichkeit politisch-semantischen Kampfes, daß nur der Sprachgebrauch des politischen
Gegners als solcher klassifiziert wird, der die Wirklichkeit "verzerre", während die
Wirklichkeit des eigenen Sprachgebrauchs stets als die "wirkliche Wirklichkeit", die "Wirklichkeit
schlechthin" behauptet wird (so u.a. Maier 1977, Biedenkopf 1975, Betz 1975, kritisch
dazu Behrens/Dieckmann/Kehl 1982). Mit anderen Worten: Ideologie ist immer das Weltbild
der Anderen. Gegen einen solchen Kampfbegriff der Ideologie sollte festgehalten werden,
daß jeder Sprachgebrauch ideologisch ist in dem Sinne, daß er ein Weltbild zum Ausdruck
bringt, das sich selbst trägt (bzw. durch die Deutungsregeln der den Sprachgebrauch tragenden
gesellschaftlichen Kommunikations- und Handlungsgemeinschaft konstituiert und
getragen wird) und nicht mit Verweis auf eine angebliche "wirkliche" Realität legitimiert werden
kann (vgl. Smith 1973: 105; und neuerdings Straßner 1987: 14).

Es ist die explizite Funktion politischer Sprache, das Gefühl der Gemeinsamkeit aller Angesprochenen
trotz offensichtlicher reeller Unterschiede (arm/reich; mächtig/machtlos; betroffen/
unbetroffen) zu bewirken (Lasswell 1968: 12). Darin besteht ihre "Verschleierung":
nicht, daß sie eine "wirkliche" Wirklichkeit verzerrt, sondern daß sie Erfahrungen schafft
(Deutungen semantisch durchsetzt), die andere Erfahrungen (Deutungsmöglichkeiten, die
dem Machtgefüge gefährlich werden könnten) überdecken. Allerdings erschiene es mir zu
verkürzt, wollte man die soziale Funktion politischer Kommunikation auf Integration beschränken.
Sicher ist die Schaffung eines Zusammengehörigkeitsgefühls das erste Ziel
(Dieckmann 1975: 32). In einer pluralistischen Gesellschaft mit immer vorhandenen konkurrierenden
Wirklichkeitsdeutungen kann politische Sprache aber auch das Ziel der Polarisation
haben, welche bis zur Ausgrenzung abweichender / Minderheiten führen kann. Und ich
kann mich nicht des Eindrucks erwehren, daß diese polarisierende Funktion des politischen
Diskurses in letzter Zeit eindeutig überwiegt. Die Durchsetzung der eigenen semantischen
bzw. Benennungsregeln bewirkt in polarisierendem Sprachgebrauch dann nahezu automatisch
eine Isolierung derjenigen Gruppen, welche an ihren abweichenden Regeln festhalten.
Dann können sich durch den herrschenden Sprachgebrauch durchgesetzte negative Wertungen
auf die Sprecher übertragen, welche an ihren eigenen (positiv wertenden)
Gebrauchsregeln festhalten. So ausgegrenzte Gruppen müssen ihrerseits (schon aus Gründen
des Selbstschutzes und des Überlebens ihrer Weltdeutungen) versuchen, für ihren
Sprachgebrauch zu werben. Semantische Kämpfe sind damit vorprogrammiert und erscheinen
so als konstitutives Element der Politik in pluralistischen Gesellschaften (bzw. in solchen,
in denen verschiedene Gruppen um die Macht konkurrieren).
Da semantisch vermittelte Wirklichkeitsdeutungen Grundlage gesellschaftlicher Weltbilder
schlechthin sind, wäre es verfehlt, semantische Kämpfe als puren Wortstreit abzutun, wie es
in der konservativen Sprachkritik geschieht. Der semantische Streit ist vielmehr Ausfluß tiefgreifender
politisch-ideologischer Auseinandersetzungen (Dieckmann 1975: 72), hinter denen
oft eine Verschiedenheit der Wirklichkeitsauffassungen steht, die weit über den sog.
politischen Bereich hinausreicht. Man sollte deshalb auch vorsichtig sein mit dem Vorwurf
der Täuschungsabsichten gegen den politischen Gegner, weil nicht von vornherein ausgeschlossen
werden kann, daß der an die von ihm verbreiteten Phrasen auch glaubt (Dieckmann
1975: 69). Es wird deshalb zu recht darauf hingewiesen (Dieckmann 1974: 219), daß
Sprachneuschöpfungen (oder semantische Neudefinitionen) allein zur Überzeugung eines
Rezipienten nicht ausreichen. Erfolge werden durch semantisch vermittelte Wirklichkeitsdeutungen
erzielt, indem bei den Rezipienten latent vorhandene Deutungsmöglichkeiten aktiviert
werden, aber praktisch kaum, indem ihm Deutungen aufgezwungen werden, die seinem bisherigen
Weltbild widersprechen (so jedenfalls Dieckmann 1975: 118). Wer auf semantische
Fußangeln hineinfällt, beweist so, daß die neuen Deutungsangebote verborgener Schatz
seines ideologischen Wissensvorrates waren.

Die Beeinflussung der Konstitution von gesellschaftlich relevanten Wirklichkeitsdeutungen
ist allerdings nur die eine Funktion politischer Sprachlenkung; die andere Funktion ist es,
durch Kontrolle des öffentlichen Sprachgebrauchs die Möglichkeiten einzuschränken, mittels
bestimmter Ausdrücke einen bestimmten Sinn kommunikativ zu realisieren. Das kann dazu
führen, daß der im semantischen Kampf (und damit politisch) Unterlegene zwar an seiner
abweichenden Wirklichkeitsdeutung festhält, diese aber nicht mehr in den von ihm gewünschten
Worten ausdrücken kann, weil deren semantische Möglichkeiten (qua gesellschaftlich
gültiger Verwendungsregel) schon anderweitig besetzt sind. Ziel des politischen
Machtkampfes (wie er in den siebziger Jahren z.T. auch in politischen Programmen ausdrücklich
beschrieben wird) ist es, "die eigenen Begriffe zur politischen Alltagssprache werden
zu lassen und damit auch den Gegner dem eigenen Sprachgebrauch zu unterwerfen"
(so Behrens/Dieckmann/Kehl 1982, 224, die / dies für die CDU und die konservative Sprachkritik
feststellen). Es sollte deshalb auch bei der linguistischen Untersuchung semantischer
Kämpfe sorgfältig darauf geachtet werden, wer mit wem worum kämpft. Es ist ein erheblicher
Unterschied, ob Minderheitengruppen versuchen, ihre Sicht der Dinge im kommunikativen
Handeln semantisch zu verankern, ob also tatsächlich abweichende Wirklichkeitsdeutungen
miteinander konkurrieren, oder ob nahezu gleichmächtige Gruppen durch "Besetzung" integrierend
wirkender Parolen lediglich um Macht- und Marktanteile innerhalb derselben Wirklichkeitsdeutung
kämpfen. Man wird also in der semantischen Analyse politischer Sprache zu
untersuchen haben, welche sprachlichen Handlungen Unterschiede der Wirklichkeitsdeutungen
zum Ausdruck bringen, und wo den auf der Oberfläche umkämpften Begriffen im Grunde
genommen dieselben Auffassungen zugrundeliegen.

[...] Viele Deutungskonflikte ("semantische Kämpfe") werden heutzutage gar nicht mehr direkt
ausgetragen; vielmehr entwickelt sich in verschiedenen Sektoren unserer Gesellschaft oft
weitgehend unabhängig voneinander ein unterschiedlicher Sprachgebrauch (je nach Interessen,
Weltsicht, politischer Zugehörigkeit etc.). Läßt die weitgehende Segmentierung unserer
Gesellschaft in in sich ruhende "Teilkulturen" überhaupt die Rede von "Kommunikationskonflikten"
noch zu?

[...] daß es nicht genügt, nur die Alltagssprache und
den politischen Sprachgebrauch zur Analyse heranzuziehen, sondern daß Querverbindungen
in fachsprachliche Spezialwortschätze und die entsprechenden semantischen Assoziationen
oft gerade erst die versteckten Bedeutungsgehalte offenlegen. In diesem Sinne
kann und sollte es auch eins der Ergebnisse der linguistisch begründeten Sprachkritik sein,
den "Diskurs im Diskurs" offenzulegen, und dies nicht nur in ideologiekritischer, historischer
Perspektive, sondern durchaus auch zur Aufdeckung verborgener diskursiver Strategien (um
damit zur Chancengleichheit im politischen Diskursgeschehen, d.h. zu dessen Demokratisierung
beizutragen). Es geht, um es mit Peter von Polenz (1985: 3) zu sagen, um die Kultivierung
des "Zwischen-den-Zeilen-Lesens".


Aus: ""Chaoten und Gewalttäter". Ein Beitrag zur Semantik des politischen Sprachgebrauchs" Von Dietrich Busse (1989)
[Aus: Armin Burkhardt / Franz Hebel / Rudolf Hoberg (Hrsg.): Sprache zwischen Militär und Frieden. Aufrüstung
der Begriffe? (Forum Fachsprachenforschung, Bd. 7), Tübingen: G. Narr Verlag, 1989, S. 93 - 121.]
Quelle: http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/germ1/mitarbeiter/busse/mat/busse-1989-02.pdf

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« Reply #25 on: June 17, 2007, 01:13:50 PM »

Quote
[...] Robert Sutton: Oft ist es auch gar nicht so leicht, ein Ungeheuer zu erkennen, da viele nach oben schleimen und nach unten treten. Auch die von ihnen verursachten Kosten durch Krankmeldungen, Kündigungen oder Neueinstellungen sind nur schwer zu beziffern. Leider geht es sehr schnell, dass sich jemand in einen Idioten verwandelt. Zahlreiche Studien haben immer wieder belegt, dass bereits ein bisschen Macht ausreicht, um jemanden zu verändern.


Aus: "Das Idioten-Syndrom" (SZ vom 16.6.2007, Interview: Juliane Lutz)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,tt5m5/jobkarriere/artikel/741/118603/
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« Reply #26 on: July 18, 2007, 03:03:01 PM »

Quote
[...] Die gesetzliche Legitimierung staatlich organisierter Verbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus gilt als eklatantes Beispiel für die Methodik des Staatsterrorismus. Dies gilt vor allem für die Verfolgung und die massenhafte Ermordung von politischen Gegnern sowie ethnischen und religiösen Minderheiten, vor allem der Völkermord an den europäischen Juden (vgl. Shoa/Holocaust), der allein etwa 5,2 Millionen Menschen mosaischen Glaubens, damals ungefähr ein Drittel der jüdischstämmigen Weltbevölkerung und über 10 Millionen Russen das Leben kostete.

In der DDR wurden die Streiks am 17. Juni 1953 unter Einsatz militärischer Gewalt niedergeschlagen. Wie in den meisten Staaten des Ostblocks war den meisten Bewohnern die Ausreise verboten. An der innerdeutschen Grenze kamen mehrere hundert Menschen ums Leben.

Auch in der Bundesrepublik Deutschland bediente sich der Staat illegaler Gewaltanwendung. So wurde ein Anschlag auf das Gefängnis von Celle fingiert (Celler Loch).


Aus: "Staatsterrorismus" (07/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Staatsterror

-.-

Quote
[...] Nach dem bisherigen Kenntnisstand beschlossen die Vertreter der sechs Staaten auf Vorschlag des damaligen chilenischen Geheimdienstchefs Manuel Contreras am 25. November 1975 die grenzübergreifende Zusammenarbeit. Die Übereinkunft fiel mit dem 60. Geburtstag des damaligen chilenischen Diktators General Augusto Pinochet zusammen. Demnach kooperierten die Länder beim Informationsaustausch sowie der Verfolgung und Tötung von als Staatsfeinden eingestuften politischen Gegnern in den Nachbarstaaten sowie im Ausland. Eine gemeinsame Informationszentrale wurde im Hauptquartier der chilenischen Geheimpolizei, der DINA, eingerichtet.

Intern wurden die geheim gehaltenen Aktivitäten mit der Ausschaltung von Regimegegnern sowie als Kampf gegen internationale terroristische Elemente begründet. Dabei setzten die Geheimdienste ihre Agenten auf die Spur von Gegnern der Militärregime, linken Politikern, Priestern, Gewerkschaftern, Oppositionellen sowie Vertretern von Menschenrechtsorganisationen. Die Opfer wurden in der Regel ohne Begründung oder gerichtliche Grundlage verhaftet oder verschleppt. Weil sie auf diese Weise oft einfach „verschwanden" und nie mehr auftauchten, entstand in den betroffenen Ländern der Begriff Desaparecidos (span. Die Verschwundenen).

Mehrfach wurden auch im Ausland, u. a. in den USA, Italien, Frankreich und Portugal, Mordanschläge verübt. In mindestens zwei Fällen sollen westliche Geheimdienste im Exil lebende Oppositionelle vor den Condor-Agenten gewarnt und in Sicherheit gebracht haben. Unter anderem wird das tödliche Attentat auf den ehemaligen chilenischen Außenminister Orlando Letelier im September 1976 in Washington (Autobombenanschlag) mit Agenten der Operation Condor in Verbindung gebracht. DINA-Chef Manuel Contreras wurde für diese Tat vor einem US-Gericht angeklagt (siehe Rolle der USA). Im Jahr 2004 wurde er wegen „gewaltsamen Verschleppens von Personen“ in Chile zu 12 Jahren Haft verurteilt


Aus: "Operation Condor" (07/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Condor

-.-

Quote
[...] On March 6, 2001, The New York Times reported the existence of a recently declassified State Department document revealing that the United States facilitated communications among South American intelligence chiefs who were working together to eliminate left-wing opposition groups in their countries as part of a covert program known as Operation Condor.

The document, a 1978 cable from Robert E. White, the U.S. ambassador to Paraguay, was discovered by Professor J. Patrice McSherry of Long Island University, who has published several articles on Condor.  She called the cable "another piece of increasingly weighty evidence suggesting that U.S. military and intelligence officials supported and collaborated with Condor as a secret partner or sponsor."

In the cable, Ambassador White relates a conversation with General Alejandro Fretes Davalos, chief of staff of Paraguay's armed forces, who told him that the South American intelligence chiefs involved in Condor "keep in touch with one another through a U.S. communications installation in the Panama Canal Zone which covers all of Latin America."  This installation is "employed to co-ordinate intelligence information among the southern cone countries."  White, whose message was sent to Secretary of State Cyrus Vance, is concerned that the U.S. connection to Condor might be revealed during the then ongoing investigation into the deaths of former Chilean foreign minister Orlando Letelier and his American colleague Ronni Moffitt who were killed by a car bomb in Washington, D.C.  "It would seem advisable," he suggests, "to review this arrangement to insure that its continuation is in U.S. interest."

The document was found among 16,000 State, CIA, White House, Defense and Justice Department records released last November on the Pinochet dictatorship in Chile, and Washington’s role in the violent coup that brought his military regime to power.  The release was the fourth and final "tranche" of records released under the Clinton Administration's special Chile Declassification Project.


Aus: "Operation Condor" (March 6, 2001)
Quelle: http://www.gwu.edu/~nsarchiv/news/20010306/

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« Reply #27 on: August 20, 2007, 08:31:01 AM »

Quote
[...] Freiheit ist der Gegenbegriff zur Macht. (Wolfgang Sofsky)


Aus: "„Die Freiheit ist kein Idyll, sondern eine Aufgabe“" Wolfgang Sofsky in einem Interview mit Julia Encke (23. Juli 2007)
Quelle: http://www.faz.net/s/RubF359F74E867B46C1A180E8E1E1197DEE/Doc~EEADD7E75F4124965AD4F30C8A55FC287~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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« Reply #28 on: August 20, 2007, 09:01:36 AM »

Quote
[...] Dass Glauben nicht mit Wissen gleichgesetzt werden darf, erinnert uns häufig an die Aufklärung. Dennoch lockert eben die Komplexität der Postmoderne, der wir mit vereinfachten Weltsbetrachtungen hoffnungslos entgegentreten, dieser Ansatz der strikten Trennung zwischen Glauben und Wissen. Und so ereignete sich unter anderem auch die populäre Staatsgläubigkeit. Insbesondere in unsicheren Zeiten, die uns ja nicht gerade sanft wiegen, sehnen wir ein «Ding» herbei, welches vor Omnipotenz und gleichsam Omnipräsenz nur so strotzt, aber insgeheim doch lediglich blufft, um seinet- wie unsertwillen die Ohnmacht, die die Komplexität der Welt verursachte, zu überdecken, mit begreifender Gewissheit die Menschen zu sänftigen; jemand, der patriachale Vater oder gar der grosse Bruder wache über uns, und führe uns buchstäblich, wenn wir vor lauter Nebel den Leuchtturm nicht mehr erspähen können.

Der Staat dient hierzu erstens als Projektionsfläche all des menschlichen Versagens; in ihm entdeckten wir den Heiland, der uns erlöst und vor den Lastern des Lebens befreit, und zweitens als eine Art Ersatz-Vater; der störrisch, aber dennoch fürsorglich die Sorgenkindern des Lebens behütet, sie vor dem eigentlichen Leben schützt. Die Sorgenkindern sind diejenigen, die zumeist vergeblich auf den Staat warten. Kündet beispielsweise eine Unternehmung Insolvenz an, schreien die Küken im Nest nach Staat, der bereitwillig saniert und finanziert, schliesslich muss er seine Institution den Sorgenkindern auch rechtfertigen oder verkaufen können. Oder schockieren gewalttätige Ausschreitungen sowieso verunsicherte Sorgenkindern, erwägen diese, entweder den Staat zu beschuldigen, ihm mangelnde Fürsorge und Erziehung vorzuwerfen, oder bürden die Verantwortung der «Gesellschaft» auf, eine Gesellschaft, die redlich nicht haftet, weil sie vermasst nur Dinge aufsaugt, die anderswo nicht abgelagert oder ad acta gelegt werden können.

Man muss verstehen, wie sehr die Menschen im Allgemeinen verunsichert, aufgewühlt sind und sich taumelnd an Illusionen klammern, ehe man einsieht, dass der Staat eben dieses Bedürfnis abdeckt; aufschwingt, sich feiert als Retter des kleinen Mannes und derbei unverblümt frech als Religion funktioniert mit Ritualen, mit Kulten, mit Beschwörungen und mit Prophezeiungen. Fromm essen die Menschen ihm aus dem Mund, die sich bevorzugt und durch den Staat beachtet wähnen. Andere hingegen wünschen lediglich von einem allmächtigen Staat beobachtet und kontrolliert zu werden, selbstredend aber nur unter der Bedingung, den Mitmenschen widerfahre dies ebenso. Doch drückt nicht dieses Bedürfnis nach Kontrolle durch den Staat, nach absoluter Allmacht des Staates aus; die Menschen wählten freiwillig die selbstverschuldete Unmündigkeit, wollen sich also vermeintlich freiwillig bevormunden lassen, weil sie andersherum nicht wüssten, was sie mit ihrer Freiheit anrichten sollten?

Staatsgläubig schlafen die Menschen solange, bis Alternativen, die auch für den einfachen Mann der Strasse erschwinglich sind, reifen und sich dementsprechend vermarkten lassen. Die Freiheit, die zwar süsslich schmeckt, ist zwangsläufig mit Aufwand verbunden, die der Staat den gemeinen Menschen freiwillig abnimmt, sodass sein Wirken legitimiert und auch gebraucht wird. Die Menschen trauen sich die Freiheit schlichtweg nicht zu. Und bis sie sich eingestehen, sie seien genügend erwachsen und erprobt, Freiheit zu leben, füttert der Staat sie, die Frommen und Gläubigen.


Aus: "Staatsgläubigkeit" von bd  @ 10:21. Abgelegt unter Politik (22. Februar 2007)
Quelle: http://der-verwerter.ch/?p=117

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« Reply #29 on: August 27, 2007, 10:56:45 AM »

Quote
[...] Arnold Meri gibt den Missverstandenen. Der Cousin des früheren estnischen Staatspräsidenten Lennart Meri ist soeben angeklagt worden wegen Völkermords und der Beteiligung an der Deportation Hunderter Landsleute in sowjetische Straflager. Er habe seine Mitbürger nur schützen wollen, sagte er daraufhin in Zeitungsinterviews. Und das Ende des Prozesses werde er ohnehin nicht mehr erleben. Arnold Meri ist 88 Jahre alt und sagt, er sei nahezu blind und taub.

„Held der Sowjetunion“ durfte sich der Angeklagte einst nennen. Als Politkommissar der Sowjetarmee und späterer Führer der kommunistischen Jugendorganisation war er hoch dekoriert. Während der Kollektivierung der Landwirtschaft unter der Sowjetherrschaft soll er 1949 die Verschleppung von 251 Esten von der zweitgrößten estnischen Insel Hiiumaa nach Sibirien koordiniert haben. 44 Angehörige der überwiegend wohlhabenden Bauernfamilien seien auf dem Transport oder im GULag ums Leben gekommen. Unter den Verschleppten seien 13 Personen im Alter über 75 Jahren gewesen und 61 Kinder unter 12 Jahren, sagt Kriminalkommissar Martin Arpo von der estnischen Sicherheitspolizei, die für die Kriminalität der Okkupationsjahre zuständig ist.

Etwa 22.000 Esten wurden vom 25. März 1949 an nach Sibirien deportiert. Das entspricht etwa drei Prozent der damaligen estnischen Bevölkerung. Die Mehrheit der Deportierten von 1949 waren Frauen (etwa 10.300) und Kinder (etwa 5700). Etwa einem Drittel der als „Kulaken“, „Banditen“ oder „bürgerliche Nationalisten“ eingestuften Bürger gelang damals die Flucht. Dafür wurden nach der Aussage des damaligen Parteisekretärs einfach andere Familien aufgegriffen, „um die Quoten zu erfüllen“.

Ein Weißbuch einer Kommission des estnischen Reichstages bezifferte die Gesamtverluste der Bevölkerung durch die sowjetischen Justizmorde und Deportationen, die schon 1940, verstärkt dann 1941 begannen und ab 1944/45 wieder auflebten, sowie durch die Flucht vor allem in die skandinavischen Länder auf 180.000 oder 17 Prozent der estnischen Bevölkerung.

Die Überlebenden der Deportation durften erst lange nach dem Tode des sowjetischen Parteichefs Josef Stalin 1953 ab Ende der fünfziger Jahre in ihre Heimat zurückkehren, die freilich längst als Teilrepublik der Sowjetunion gleichgeschaltet worden war. Die Rückkehrer blieben aber Bürger zweiter Klasse, viele wurden weiter von den Sicherheitsorganen überwacht.


Aus: "Estland: Hochdekorierter Völkermörder?" Von Siegfried Thielbeer (08/2007)
Quelle: http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~EA90D7A228CBF493A9E8CD33BC17BA07A~ATpl~Ecommon~Scontent.html
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